ROCKHARD Festival 2012 in Gelsenkirchen/Amphitheater

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Nachdem genau einen Monat vorher die Zeitschrift ROCKHARD ihre Ausgabe Nr. 300 rausbrachte, stand nun das nächste Jubiläum ins Haus: Zum zehnten Mal das ROCKHARD FESTIVAL im Amphitheater Gelsenkirchen. Man kann schon von einem gelungenen Festival sprechen, bei dem es aber auch ein paar Kritikpunkte gab, letztendlich bleibt aber ein friedliches, freundliches, metallisches, spaßiges Wochenende unter Gleichgesinnten in Erinnerung.

Das die Veranstalter es nie so richtig leicht hatten, sich dauerhaft zu Pfingsten im Gelsenkirchener Amphitheater zu etablieren und zu beweisen, wurde schon von Anfang an klar. Es musste mit Auflagen gekämpft werden, ein Curfew von 23 Uhr wird jedes Jahr wieder gesetzt und die Anwohner können sich, trotzdem immer wieder behauptet wird der Metal sei im Ruhrpott zu Hause, nicht mit den zahlreichen Langhaarigen anfreunden.
Das der Parkplatz am Amphitheater viel zu klein für die ganzen Gäste ist wurde ja schon in den ersten Jahren klar und es wurde auf die Asuweichplätze hingewiesen. Die dicken Hinweise, nicht in den Wohngebieten zu parken bestätigt nur die Meinung, die während der letzten Jahre immer mehr aufkommt: Nicht erwünscht. Nehmen wir z.B. das NORDSTERNPARKHAUS. Vor vier Jahren gab es dort keinerlei Probleme, ein Jahr später dann wurde dies von der Security überwacht, letztes Jahr dann nahmen die Automaten keine Geldscheine an und man war gezwungen, zwei Stunden auf einen Parkwächter zu warten. Dieses Jahr dann kam schon im Vorfeld die Meldung, das Parkhaus stehe erst Freitags ab ca. 18 oder 19 Uhr zur Verfügung. Also wurde auf der Hinreise nach längerer Stauzeit (wofür nun weder Veranstalter noch Anwohner was können) der ebenfalls nahegelegene Ausweichplatz P2 per Navi angesteuert. Doch egal von welcher Seite, die Zufahrten waren gesperrt. Wohingegen das Parkhaus geöffnet hatte – und das um 16 Uhr. Doch auch waren alle unteren Ebenen per Ampel gesperrt, allerdings sah man ganz deutlich, das die Firmenparkplätze, die ja normalerweise nicht übers Wochenende oder die Feiertage besetzt sind, einfach leer blieben. Botschaft 2012 aber ganz klar angekommen: Nicht erwünscht.
Nun gut, der Zeltplatz und das Theater gehören aber dennoch an diesem verlängerten Wochenende den „Unerwünschten“ und so wurde also flux das Zelt aufgebaut, einem Nachzügler ebenfalls geholfen sein Zeug hinzuschleppen und es ging ins Theater zur ersten mir vergönnten Band.
Doch vor mir war noch ein Kollege am Start und so lass ich ihn zuers mal zu Wort kommen, mit seiner Sicht zum Festival und den Bands des Freitags:

Freitag 25.05.

Auf ging es zum 10. Mal ins Amphitheater zu Gelsenkirchen! Ja, seit der Geburtsstunde des Festivals bin ich immer am Start gewesen. Die Karte war schon bestellt noch bevor die erste Band bestätigt war. In den ersten Jahren ging das immer glatt, später merkte man schon, dass die Bands für den Auftritt mehr Geld verlangten und so wurde die Güteklasse der Namen kleiner oder anders ausgedrückt, als Fan musste man hoffen, dass einige Newcomer auf der Bühne in die Fußstapfen der großen Bands treten können. Macht nichts, denn das Rock Hard Festival hat seinen eigenen Charme, nicht nur weil die meisten Besucher die Schreiberlinge seit 10, 20 oder 30 Jahren kennen. Wie würde Herr Kühnemund sagen „Wir sind halt eine Familie“.
Wie jedes Jahr traf sich die Familie dann auch 2012 zum  30 Jährigen Jubelfest des in der Nachbarschaft zu Gelsenkirchen ansässigen Magazins. Der Freitag ist für die meisten der Anreisetag und wie immer soll der Zeltaufbau und der erste Abend mit ein paar kleineren Bands versüßt werden. In den Anfangstagen wurde dies noch im Biergarten auf der kleinen Bühne gemacht. Der besondere Charme dieser Idee. Das Wiedersehen der Besucher die man erst vor einem Jahr getroffen hat mit kleinen hoffnungsvollen Bands zu unterlegen wurde aber irgendwann von den Ordnungshütern gestoppt, da das Risiko das etwas passiert zu groß wurde, weil die Teilnehmerzahl einfach zu groß wurde. Auch wenn der Freitag nun auf der großen Bühne stattfindet. Das Meet and Greet von den angereisten befreundeten Bangern bleibt bestehen.

Dummerweise haben wir dadurch DEATHFIST nur an der Bändchenausgabe hören können. Meine Baustelle waren die Herren sowieso nie und später hat man auch nicht viele Begeisterungsstürme vom Auftritt gehört.  Also sagen wir mal ein typischer Opener.
Auch JEX TOTH konnten mich mit ihrer Doom / Psychodelic Mischung nicht vom Hocker reißen! JEX TOTH spielten einen ordentlichen Gig, der jedoch auch nicht so gut war, dass man sich vom Sitzt erheben musste. Beim Betrachten der Frontfrau Jessica Toth stellte mein Kumpel dann noch fest, dass in San Franzisco doch noch das Hippie Lebensgefühl gepflegt würde, da sich die gute Jessica 2 Hamster in die Achselhöhlen implantieren lies. Naja … wem es gefällt.

Apropos gefällt! RAM hab ich vor einigen Jahren mal in einem kleinen Jugendzentrum gesehen und feststellen müssen, dass sie mir ein wenig zu True sind. Das bestätigte sich relativ schnell. Ich muss aber zugeben, dass besonders die älteren und sehr jungen True Metal Fans ihre Freude an dem Gig hatten. Nehmt es mir nicht übel … aber es war dringend Zeit für (um in Sabaton Manier zu sprechen) „Noch ein Bier“.
Die Band die mich am ersten Tag am meisten gereizt hat war KRISIUN. Die neue Abrissbirne der Band zeigte, dass die Brasilianer eben nicht mehr nur das Gaspedal durchdrücken wollen und das machte Lust auf mehr. Zuerst ging es auch ganz ordentlich los. KRISIUN drückten das Pedal doch erstmal durch und machten mächtig Rabatz! Dummerweise blieb es dabei. Die Abwechslung, die ich bei dem Album noch so gelobt hatte blieb aus und außer ein paar Headbangern, die versuchen wollten ihr Hirn durch die Ohren auf den Asphalt zu befördern und den Jungs im Moshpit wurde es den meisten mit der Zeit langweilig! Nicht wenige verdrehten die Augen als die Songs kein Ende nehmen wollten und an den Wühlkisten mit den 5€ T-Shirts war Hochkonjungtur. Schade KRISIUN Live – wird auch als „gesehen“ abgeharkt!  Ob die Truppe nochmal eine Chance bekommt muss ich mir noch überlegen.

Der Abend rückte näher und Punkt Viertel Vor 8 kamen KVELERTAK auf die Bühne. Die Truppe ist mir bislang nur vom Namen her bekannt gewesen. Die Vorschusslorbeeren waren hoch und so vermutete ich eine Überraschung wie vor ein paar Jahren beim Volbeat Gig zu erleben. Die damals noch völlig unbekannte Band hatte die Arena in wenigen Sekunden in der Hand. KVELERTAK machten das bei mir nicht. Ich gebe zu, dass mich die Musik schon irgendwie berührt hat und wenn der Kerl am Mikro (mit Namen Erlend Hjelvik) nicht so unsagbar gekrächzt hätte (Ich weiß … Das ist Black Metal) … vielleicht hätte die Truppe ja ein paar Bonuspunkte für die Mischung aus Punk, Hardcore und Rock´n´Roll bekommen. Soooo … tut mir leid Leute, ich bin kein Black Metaler und werde es wohl nie werden. Wie bei RAM muss ich aber auch hier feststellen, dass die Band Genre Freunde begeistert waren- Die Resonanzen waren positiv und die quietschbunten T-Shirts waren auch im Nu vergriffen.

Noch bevor Kvelertak die letzten Takte gespielt hatte füllte sich das Rund mit „Turbojugend“ Jeansjacken und Matrosenhütchen! Genau die Kulttruppe Turbonegro sollte gleich das Amphitheater „In Schutt und Asche legen“ So war es versprochen. Doch irgendwie scheint auf dem Freitag ein Fluch zu liegen alle Bands die ich an den Freitagen sehen wollte, hatten ganz fiese Tage Grave Digger, Hammerfall und diesmal Tubonegro. (Einzig im letzten Jahr konnten Triptykon die ich jedoch überhaupt nicht mag die Fans überzeugen). Ich gehöre nicht zu den blauäugigen Fans der Band die sie einfach so abfeiern. Ich mag einige ihrer CDs und war gespannt auf das was da kommen sollte. Ich mein irgendwas muss doch dran sein wenn es auch 30, 40 und über 40jährige Turbojugendliche gibt. Ich kann es nicht erklären, bei mir ist der Funke bis auf bei ein paar Hits nicht übergesprungen. Für mich wirkte das ganze eher statisch, die „wahrscheinlich“ berühmt berüchtigten Hampeleinlagen wirkten irgendwie abgehackt. Und der neue Frontmann Tony Sylvester? Sag ich es mal ganz neutral machte seinen Job wie es die Fans erwarteten. Die Turbojungend war mit dem Auftritt zufrieden, aber viele neue Fans wird er der Band nicht gebracht haben. Ich glaub ich hätte mir den Freitag schenken können, denn Krisiun konnten meine Erwartung nicht erfüllen,  Turbonegro konnten mich auch nicht wirklich begeistern, von dem Rest hab ich ehrlich gesagt nicht viel erwartet. Na, der Freitag ist für die Anreise, die ersten Biere und ein paar Scheiben totes Tier vom Grill da. Hier ein Schwätzchen da ein Küsschen … und die Festivalkasse wurde auch gleich mal um einige Euro erleichtert. (Frank Famulla)

KVELERTAK überzeugten durch ihre Mischung aus Black Metal und Rotz n Roll die Masse. Es war schon ein Wagnis, diese doch neue Band vor den Freitags Headliner zu platzieren, doch im Großen und Ganzen kann man das Experiment als gelungen betrachten. Die meisten der angesprochenen Leute fanden die Band gut und mitreißend, Sänger Erlend machte es fürs Wochenende vor: Hier gibt’s keine Starallüren oder falsche Scham, hier kann der Bierbauch ruhig unverblümt der Sonne entgegengestreckt werden und auch Stagediving ist erlaubt (ok, für uns Besucher wohl nur Crowdsurfen). Schade das der eben durch den RockHard Sampler meiner Meinung nach beste und bekannteste Track „Bloodtorst“ schon ziemlich zu Anfang gespielt wurde, aber so ganz muss man die Lieder auch nicht kennen um Spaß an diesen zu haben. Gut gemacht.

Danach sollten die Provozier-Punks von TURBONEGRO also den Headliner geben und wieder kann man von einem Experiment sprechen. Und wieder kann man attestieren, das Experiment ist nicht gescheitert, so ganz gelungen ist dies aber, wenn man mal andere Tage, egal ob von diesem oder anderen Jahren, als Vergleich ran zieht, aber auch nicht. Die Matrosenkopfbedeckungsträger, das auch schön neonfarben als Hintergrundbeleuchtung zum Tragen kam, spielten ihren Punk routiniert herunter und einige Fans hatten sichtlich ihren Spaß. Metaller aber, die diese Band bis dato noch nicht so gut kannte, wurden zwar nicht direkt vergrault, konnten sich aber schon fragen, was solch eine Band um diese Uhrzeit auf solch einer Bühne zu suchen hat. Zum einstimmen aufs Festival und zum Feiern langte es allemal und danach ging’s ja noch weiter in die Metal DISCO.
Hier werden aber auch die Stimmen immer lauter, die richtig enttäuscht von selbiger sind. Die Auswahl der Musikstücke die dort gespielt werden lässt wirklich zu wünschen übrig und ab der Hälfte des Zeltes konnte man höchstens noch erahnen, welcher Song hier gerade gespielt wurde. Boxen auf der gegenüberliegenden Seite des DJ’s würden hier Abhilfe schaffen (oder werden etwa auch hier die Auflagen jedes Jahr strenger?). Jedenfalls hab ich die Metal Discos des RH Festivals der Anfangsjahre als richtiges Highlight in Erinnerung, wohingegen diese mittlerweile wirklich keinen Spaß mehr machen und man dies auch deutlich an der Stimmung im Zelt merkt. Qualität an Musikauswahl und Lautstärke gab’s da eher am RH Stand am Eingang, wo bedeutend mehr Stimmung mit bedeutend weniger Leuten aufkam. Hier sollte das Team mal dagegen steuern, denn sie haben ja gezeigt, dass sie was davon verstehen und kein externes Disco Team brauchen.

Samstag 26.05.

Die WETTERvorhersagen waren ja bombastisch und am Pfingstwochenende wurde dies sogar fast noch übertroffen, denn ohne Zelt, Pavillon, Sonnenschutz, Kappe oder ähnlichem war die pralle Sonne von oben manchmal schon fast zu viel. Da half dann nur vorsorgen, wenn möglich Schatten aufsuchen und wie immer: Viel Trinken. Im Vorfeld hatte ich in den FAQ’s gelesen, es sei möglich eine 1,5 Liter PET Flasche WASSER mit aufs Gelände zu bringen. Also startete ich den Versuch, da ich bisher immer nur die Mitnahme von Tetra Packs kannte und siehe da, ich kam jedes Mal ohne Probleme rein. Selbst wenn ich gleichzeitig noch in der anderen Hand einen gefüllten Bierbecher (zuvor im Theater erstanden) mit reinnahm wurde ich immer freundlich, minimalst durchsucht und weiter gewunken. Das war wirklich eine Klasse Aktion und somit kann sich eigentlich keiner beschweren. Dennoch muss ich den Leuten recht geben, da ein Preis von 3,50 für 0,4 Liter WASSER dermaßen überzogen ist, dass es schon nicht mehr an Frechheit grenzt, sondern diese schon längst überholt hat. Und das auf dem RH Festival, wo die Veranstalter sich seiner Zeit über die Bierpreise auf dem Wacken aufgeregt haben und sich (u.a.) deswegen von denen distanzierten. Gibt einem schon zu denken und auch wenn das RH beteuert, die Preise würden nicht von ihnen gemacht, so ist es an der Zeit, etwas gegen die Preispolitik und die Parkplatzsituation zu unternehmen. Ich denke da gibt es so einiges was man tun kann, was ich nicht im einzelnen aufzählen möchte. Als letzte Konsequenz wäre natürlich der Standortwechsel da, was bestimmt nicht schön wäre, aber einige Punkte verschlechtern sich zusehends über die Jahre konstant und es ist an der Zeit, dem Einhalt zu gebieten.

Die erste Band auf dem Samstag-Programm waren die Thrasher DR. LIVING DEAD und irgendwie hatte man den Eindruck, da unten turnen SUICIDAL TENDENCIS mit Masken rum, damit sie mehr Thrash als Hardcore spielen dürfen. War auf jeden Fall nett anzusehen, schlecht waren die Jungs nicht, aber an der Mimik muss noch geübt werden.

 

 

MOTORJESUS waren ja lange von den Lesern des RH gefordert worden und nun wurden die Stimmen erhört und die Band war endlich live zu sehen. Und Spaß machen die Jungs auf jeden Fall. Auch wenn bei der Hitze jede Band ihr Publikum in den ersten Reihen hatte (bedingt durch den einzig großen Schatten im Theater der eben vor der Bühne durch die Überdachung selbiger lag), hier merkte man das Stimmung herrschte. Nötig hätte es Sänger Chris nicht gehabt, mit Späßen wie „eine Tüte Bier“ dabei zu haben, die er dann im Publikum verteilte, aber es war eben das berühmte i Tüpfelchen, um die Stimmung zu unterstreichen. „Motor Discipline“, „The King Of The Dead End Road“ und allen voran „Fist Of The Dragon“ erzeugten eine geile Party Stimmung, bei dem die Fans zu Glücklichen und die Glücklichen zu Fans wurden.

PORTRAIT standen als nächstes auf der Bühne, auf meinem Programm stand etwas zu ESSEN am Zeltplatz. Genügend Futter gab es natürlich auch auf dem Gelände das ebenfalls getestet wurde und sagen wir mal, für ein Mittelmaß Fazit langt‘s. Vermisst wurde von vielen der Burger Stand, die Pizza war gut aber eindeutig zu teuer für solch ein Stücklein, eklig waren die einmal angetesteten Asia Nudeln, die schmeckten als seien sie von gestern in der heißen Pfanne aufbewahrt worden. Gut hingegen empfand ich die Döner Rolle wobei ich da auch andere Stimmen hörte und hoch gelobt wurde der Backfisch. Diesen sollte man aber, denke ich, immer mit Remoulade essen, was ich leider nicht tat und ordentlich Fett in meinen Kiemen spürte. Also wie bei den meisten Festivals, austesten heißt die Devise und richtig günstig kommt man eben nie weg.

Ein Wortspiel kann ich mir einfach nicht verkneifen: HELL würden besser im Dunkeln aussehen. So aber wirkte die Show trotz strahlender Sonne immer noch, denn Sänger David hört sich zwar wirklich gewöhnungsbedürftig an, überzeugt aber durch seine theatralischen Gesten, die ihm zu tun gewährt sind in dem er ein Headset in Form einer Dornenkrone trägt. Generell aber sieht die Band aus, als ob Dämonen die Bühne betreten hätten oder ein paar Zombies Instrumente beherrschen, was man sehr schön auf deren Video sehen kann, welches mich auch aufmerksam auf die Band gemacht hatte. Musikalisch wird schöner routinierter NWOBHM gespielt der handwerklich fein gemacht ist, Begeisterungsstürme erweckte dieser dennoch nicht so viel, wie bei Götz und Co. Dennoch, mit einem abschließenden „Save Us From Those Who Would Save Us“ gingen auch HELL als Sieger von der Bühne und wer weiß, wie viel Publikum der Band fehlte, da den Leuten die Sonne einfach zu sehr auf den Schädel knallte.
UNLEASHED, die dann über den Rhein-Herne-Kanal mit ihrem Wickingerschiff angereist kamen, sollten dann ein Special Set spielen. So richtig Special war dieses aber dann irgendwie nicht, denn einige ältere Klassiker hätten‘s dann doch schon mehr sein können. Dennoch hauen Johnny und seine Wickies natürlich mit dem Death Metal Hammer gewaltig um sich und so auch an diesem Samstag. Die neuen Songs, eindeutig mehr dem Black Metal zugewandt, fügten sich aber ebenfalls nahtlos gut ins Set rein, so dass es eigentlich nichts auszusetzen gab. Und mit „The Immortals“, „Hammer Battallion Unleashed“ oder „Wir kapitulieren niemals“ kann man bei den Todesmetallern ja auch nicht so viel falsch machen.

Die Frankfurter Suffköppe von TANKARD wollten dann ebenfalls ein Special Set auffahren, welches ich aber auch irgendwie nicht bemerkt. Wenn man überlegt, „The Beauty And The Beast“, „The Morning After“, „Rectifier” und „Slipping From Reality” sind ja alles feine Songs, aber irgendwie finden die sich doch auch in der normalen Setlist. Auch das Lied, das laut Gerre keinen Namen hat (wir nennen es heute mal „(Empty) Tankard“) oder „Freibier“, die beiden größten Knaller in einem Set der Bierkrüge, gehören eigentlich zum Standard Repertoire und ein paar mehr Überraschungen hätten es da schon sein können. Schlecht war auch dieser Gig nicht, gefeiert wurde auch, aber ich hatte den Eindruck, als TANKARD das letzte Mal beim RH Festival zu Gast waren, war die Stimmung noch en tacken besser, was mich damals sehr verwunderte. Aber nicht falsch verstehen, es herrschte eindeutig auch bei diesem Auftritt Partystimmung. Solider Gig eben.

PSYCHOTIC WALTZ standen als nächstes auf dem Progress…äh Programm, aber selbst wenn ich mir die Band angeschaut hätte, könnte ich wohl nicht viel berichten, da ich mit Prog nicht viel anfangen kann, schon gar nicht wenn ich die Lieder vorher nicht schon 20 mal gehört habe. Es erging aber ähnlich viel Leuten wie mir und einige die blieben meinten, es wäre auch keine Stimmung aufgekommen. Es ist aber natürlich auch schwer, nach einer Party Band wie TANKARD als Progger eine Stimmung zu halten geschweige denn zu toppen. Denn wer, im angetrunkenen Zustand, setzt sich dann auf die Treppen um angestrengt Notenskalen zu lauschen? Eben. Doch auch hier kann mein Kollege Frank etwas zu sagen:

Gespannt war ich auf den Auftritt von PSYCHOTIC WALTZ. Im Hinterkopf noch den legendären Auftritt im „Cult“ in Werl, als der winzige Club fast aus allen Fugen platzte. Aber eine Atmosphäre herrschte die unglaublich war. Auch mit seiner Zweitband Deadsoul Tribe schaffte es Devon Graves aka Buddy Lackey, das Amphietheater zu verzaubern. Diesmal harkte es jedoch anfangs etwas. Psychotic Waltz schafften es am Anfang nicht die Atmosphäre aufzubauen, die nötig ist, damit man die teilweise sperrigen Songs genießen kann. Vielleicht lag es daran, dass es doch eine große Zahl an Besuchern gab, die mit den Songs nicht vertraut waren und so etwas teilnahmslos da saßen. Im zweiten Teil wurde es dann etwas besser, aber auf den Rängen kam nie so wirklich die benötigte Atmosphäre auf. Diejenigen, die sich direkt vor der Bühne versammelt haben waren jedoch hoch zufrieden – vor allem mit dem zweiten Teil. Für mich hat sich bewahrheitet, dass es Bands gibt, die diese besondere Atmosphäre der kleinen Clubs  benötigen um sich voll entfalten zu können. (Frank Famulla)

Da kam dann die Dampframme BOLT THROWER den anwesenden Damen und Herren schon lieber um die Ecke. Im Vorfeld wurde schon fleißig das selbstvertriebene Merchandise an einem extra Stand angeboten, bei dem ein Gedränge herrschte, als ob noch Parktickets zur Verfügung stünden. Aber bei 12 Euro für ein Shirt kann man wohl auch nichts sagen. Und über den Auftritt kann man auch nichts sagen, höchstens das mal wieder die Keule mit aller Gewalt geschwungen wurde, man das Gefühl hatte, die Treppenstufen vom Amphitheater würden im Takt mit rotieren und die mobilen Bierausschenker, denen man wiederholt nachsagt sie bräuchten stärkere Brillen um den Eichstrich auf dem Becher besser zu erkennen, würden von der Wucht umgeblasen. Hier braucht man definitiv nicht alle Lieder einzeln zu kennen um abzugehen, aber wenn man solch einen Auftritt mal verfolgt hat, bekommt man definitiv Lust darauf, die Lieder besser kennen zu lernen. Die Leute wussten es auf jeden Fall mit fliegenden Matten, fliegenden Körperteilen und sogar fliegenden Körpern zu würdigen und veranstalteten den von EXODUS bekannten „good friendly violent fun“ im Mosh Pit. So gehört sich das.

Sonntag 27.05.

Was man als Camper ja echt noch positiv erwähnen muss sind die TOILETTEN und die DUSCHEN. Kostenlos und sauber. Das ist wirklich ein dicker Pluspunkt gegenüber anderen Festivals wo einem Geld dafür zusätzlich abgenommen wird. Feine Sache das Ganze und erstmalig den Mount Hügel hinterm markanten Turm von der Südwestseite aus zu besteigen hat sich dann für die Aussicht ebenfalls gelohnt. Ein Festival ist eben auch mehr wie nur Musik auf der Bühne und es gibt andere Interessen, es gibt viel Gequatsche und es gibt viel Alkohol. Alles zusammen ( muss ich eigentlich keinem Festivalgänger erklären) ergibt dann, dass man auch mal Bands links liegen lässt, die einem jetzt nicht so zusagen oder die man gar nicht kennt. Und wenn man eben nicht mit wechselnder Mannschaft vertreten ist, gibt’s auch keinen lückenlosen Bericht, so dass hier leider aus obigen Gründen ALPHA TIGER, ’77, HIGH SPIRITS und GRAVEYARD ihr Set ohne die Anwesenheit von Metalize.Me zocken durften. Und die Mädels von GIRLSCHOOL gab‘s auch nur am Rande, denn Lemmy‘s Lieblinge spielten ihr Album „Hit & Run“ komplett durch, welches ich eben nicht besitze.

MAGNUM aber, die mit ihrem Heavy Rock Fantasie Welten auferstehen lassen wollte ich mir aber dann reinziehen und wurde auch nicht enttäuscht. OK, ich habe Bob Catley, gerade bei AVANTASIA schon wesentlich agiler gesehen und auch bei seiner letzten Club Tour malte die freie Hand viel mehr imaginäre Bilder in die Luft als an diesem Sonntagnachmittag. Vielleicht war der Gute auch verkatert, seine Sonnenbrille zog der Mann jedenfalls nicht ab, aber spielerisch war alles im Grünen Bereich. Und wer nach über 30 Jahren im Geschäft auf seiner neuen Platte einen gute Laune Überknaller im Programm hat wie „Wild Angels“, der hat eh schon gewonnen. Es hat Spaß gemacht, die Opis mit ihrem frischem Rock zu belauschen.

Die Jubiläumsüberraschung stellte sich dann folgendermaßen vor: Ein Gerre im Blaumann am Mikro und ein Ex SODOM Schlagzeuger hinter selbigem und los ging’s mit dem von der RH CD bekannten Song „Die Zwei von der Tanke“. Ich muss ja ehrlich sagen, umgehauen hat mich der Titel weder vom Musikalischen, noch von der „schönen“ Hookline oder dem Text, aber live hatte man dennoch unheimlich Spaß. Die Gute Laune übertrug sich einfach und somit war die Überraschung, die sich jeder denken konnte, schon gelungen. Danach wurde aber wirklich überrascht indem BULLET die Bühne enterten und mal eben „Balls To The Wall“ und „You Shook Me All Night Long“ zockten. Ich weiß nicht, ich für mein Teil hab nicht damit gerechnet und fand’s ne coole, ungewöhnliche Aktion.
Dann stieg die Spannung. Wie würden sich Kiske und Hansen zusammen auf der Bühne schlagen? OK, man konnte die beiden schon zusammen bei AVANTASIA beobachten, aber dort wurden schließlich keine Lieder gezockt die beide zusammen im Studio geschrieben hatten und schon gar nicht die Klassiker, die beide weltweit berühmt gemacht hatten. Als die Band,

UNISONIC genannt, die Bühne enterte fiel auf jeden Fall schon mal positiv auf, dass Herr Kiske selbstsicherer war. In schwarz-weiß gestreifter außergewöhnlicher Hose präsentierte der Mann sich so, wie es sich für einen Frontmann gehört. Ohne Versteck hinter Sonnenbrille oder der Mütze, die, wie er ja im Interview zugab, wirklich nur wegen Unsicherheit auf ihm haftete. Und er wurde abgefeiert und das vom RH Publikum, also den wirklich eingefleischten Metallern. Aber so ist das eben, den Großteil des Publikums machten eben die Leute aus, die ihm entweder verziehen hatten, oder die ihm nie krumm genommen hatten was er damals babbelte, oder wie ich, die es mit der Zeit nachvollziehen konnte als er seinen Hass mal ablegte und wirklich Tacheles redetete oder denen es scheissegal war und die einfach nur die Stimme hören wollten, egal was der Mann so quasselt. Und höchstens ein Bruchteil kam nicht damit klar – ich kenne aber niemanden und hab auch keinen gesehen der Feindselig gewesen wäre. Und nach zwei UNISONIC Tracks wurde die Meute direkt mal gefüttert: „March Of Time“. Jawoll, der saß und spätestens jetzt hatte die Band die ungeteilte Aufmerksamkeit. Klar, die UNISONIC Sachen sind auch nett und gute Laune Songs wie eben der Titelsong, „We RIse“ oder „Never Too Late“, aber eben (noch?) keine Klassiker wie die, die dann folgen sollten. Und zwar waren dies zuerst mal „Future World“ mit schönem „Live In The UK“ Gitarren Anfang, mit „Live In The UK“ Mitsingspielchen und sogar mit „Live In The UK“ Elvis Einlagen von Herrn Kiske, was nochmals unterstrich, dass der Mann wieder Mut gefasst hatte. Und als Zugabe gab’s ein unverzichtbares „I Want Out“ und ich denke, dieser Auftritt hat Herrn Kiske gut getan, einem gut gelaunten Herrn Hansen sowieso, den Pinki und sonstigen Mitmusikern auch und eben den zahlreichen Fans. Feine runde Sache!

Und dann wurde die Spannung noch größer. Würde es eine, wie angekündigt Special Setlist geben? Würde es wirklich ein Treffen mit den zwei Gewinnern der Verlosung geben? Würden die vollen 90 Minuten Spielzeit genutzt werden? Ließ sich der Rockstar Blackie lange Zeit um auf die Bühne zu kommen? Würden die einstigen Helden das Publikum mitreißen können? Und würde es rumzappelnde (Ex-)Musiker geben die so tun als ob sie die Musik, die vom Band kommt, gerade live darbieten? Mit anderen Worten: Würde es eine Mini Playback Show am Abend geben?
Ich glaube bei allen Fragen lag die Antwort in der Mitte.

Von einer Special Setlist kann dann die Rede sein, wenn man im Vorfeld keine Konzerte der Band W.A.S.P. besucht hatte, denn diese, gespickt mit Klassikern aber auch neuerer Songs (jedenfalls mehr Klassiker als TANKARD oder UNLEASHED brachten), glich einfach denen der letzten Shows. Die Gewinner der Gitarren durften wirklich auf die Bühne, doch auf Götz Frage ob Blackie diese überreichen wolle, meinte dieser nur das Götz das schon gut mache. Daraufhin forderte er die Zuschauer auf, gefälligst mehr zu klatschen für die beiden Glücklichen nur um direkt darauf diese von der Bühne zu verscheuchen. Ob dies nun witzig rüber kommt oder arschig, muss jeder für sich entscheiden. Nachschauen kann man das Ganze (solange noch nicht von der GEMA oder wem auch immer entfernt) auf youtube. Volle 90 Minuten? Naja, 5 Minuten ließ sich der Herr schon Zeit (aber da haben THIN LIZZY ganz anderes schon gebracht auf der gleichen Bühne) und 23 Uhr wurde es auch nicht. Natürlich kann man auch die Zeit zwischen regulär Set und Zugabe abziehen und Mitsingspielchen gab es auch, aber die kamen bei UNLEASHED oder UNISONIC ja auch vor und vor der Zugabe gibt’s immer nochmal Bedenkzeit für die Fans, ob diese die Stars doch noch sehen wollen.

Mitreißen konnten die Herren auf jeden Fall, denn Blackies Mitmusiker, ob jetzt fest im Inventar oder nicht, rockten wie Sau und hatten sichtlich Spaß an der Show. Aber auch der Maestro himself machte den Eindruck, als ob er immer noch gerne da oben steht und gab öfter mal dieselben, aber natürlich auch gern gehörten Ansagen wie seinerzeit auf dem „Live… In The Raw“ Album.

Also der letzte Punkt: Live oder nicht. Ich würde sagen ja. Also er klang schon wirklich sehr sehr gut bei Stimme, aber wenn das Playback war, dann hatte die Band einen verdammt gut eingespielten Mann am Mischpult, denn die Stimme erklang nur dann, wenn Blackie auch am Mikro war (nicht wie seinerzeit in Wacken) und auch bei den Ansagen oder Zwischenrufen klang die Stimme so wie bei den Songs. Nehmen wir‘s einfach als Live hin und somit als richtig gelungene Show mit Starallüren die entweder extra auf „Arsch“ getrimmt war (der Show wegen) oder aber wir hatten einen Arsch auf der Bühne, der einfach geile Mucke macht. So oder so, fast allen hat‘s gefallen und es war ein würdiger Headliner und Schluss des Festivals.

Setlist W.A.S.P.:
On Your Knees
The Real Me
L.O.V.E. Machine
Crazy
Wild Child
Hellion / I Don’t Need No Doctor / Scream Until You Like It
Babylon’s Burning
The Idol
I Wanna Be Somebody
Encore:
Chainsaw Charlie (Murders in the New Morgue)
Heaven’s Hung in Black
Blind in Texas

Montag 28.05.

Tja, so ist ein Nachfestival Tag eben. Schrecklich. Man ist tot und KO gleichzeitig, man steht vor zig Sachen und weiß nicht wie man die alle nur verpacken soll und noch dazu kommt hier die Schlepperei ans Auto. Schlimm und wenn‘s nach mir ginge, gehörten solche Tage verboten. Was man dann aber zusätzlich NICHT gebrauchen kann ist folgendes:
Der nahe am anfangs erwähnten Nordsternparkhaus gelegene BIERGARTEN wird während des Festivals auch gern von den Besuchern belagert und man sitzt einfach richtig gemütlich dort und wird auch „Normal“ akzeptiert. Montags aber, wenn der Spuk vorbei ist herrscht anscheinend eine ganz andere Devise. Man stellt sich zu dritt am Ausschank an, unterhält sich ob man nur noch schnell was trinkt oder auch was isst, schaut dann zu dritt das Thekenpersonal an, das sich angeregt untereinander unterhält und als nach zwei Minuten ein älterer Heer sich hinten dran anstellt, schaut einer des Personals über unsere Schultern und fragt den älteren Herrn was es denn sein darf. Wenn also kein Geld mehr in Massen fließt, sind also die Assis auch nicht mehr erwünscht. Gelsenkirchen, ich kann nicht sagen das ich mich wohl fühle.

Resümee:
Was bleibt mir als Fazit zu sagen? Eigentlich hat‘s Riesen Spaß gemacht aber nüchtern betrachtet sieht die Sache so aus:
Top: Die Leute waren klasse drauf, die Bands spielten gut, Security und RH Mitarbeiter TOP (vor allem auch am Stand), Klo und Duschsituation 1A, Wasserflaschen dürfen mit aufs Gelände, Sound und Sicht überall im Rund 1A und das Wetter spielte mit

Flop: Getränke vor allem Wasser Preise, Parksituation, After Show Disco im Partyzelt, eine Staublunge ohne Ende mit 3 Tage Husten danach und das Gefühl das von Jahr zu Jahr zunimmt: nicht erwünscht!

Geht so: Essensauswahl mit Preisen, Bandauswahl und damit auch Preis/Leistungsverhältnis
Wenn man diese Dinge gegenüberhält kann man eigentlich nicht mehr von einer rundum gelungenen Veranstaltung reden. Ich möchte das RH Festival bestimmt nicht schlecht reden, es hat mir ja auch gefallen. Aber ich kann hier nicht mehr von dem „schönsten Festivalgelände Deutschlands“ reden und auch nicht mehr von einem Top Preis Leistungsverhältnis. Ich hoffe, die Veranstalter nehmen sich diese Sachen zu Herzen (da vertrau ich einfach drauf, weil sie ehrliche und coole Leute sind), werden versuchen gegen zu steuern und in letzter Instanz die Konsequenzen ziehen – wie auch immer die aussehen mag. Ich bewerte gerade nur meine Sicht und kann nicht hinter die Kulissen schauen.

Und so sage ich, es hat Spaß gemacht und wir sehen uns hoffentlich alle wieder in 2013 mit ein paar Verbesserungen!

Und hier noch einige bildliche Impressionen, geschossen von Alexandra Schäfer:

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