Rock Hard Festival 2011 Nachbericht

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Das RockHard Festival lud wieder zur alljährlichen Party an Pfingsten in den Pott ins dafür wie gemacht Amphitheater nach Gelsenkirchen. Dieses Jahr auf dem Kalender relativ spät und für mich persönlich mit nicht ganz so starkem Billing, freute sich doch ein jeder auf die herrliche Party die man dort jedes Jahr erleben kann.
Und es sollte wieder einmal ein unvergessliches Erlebnis werden mit geilen Bands, bekloppten Metal Heads, lustigen und seltsamen Ereignissen und ein wenig Gewitter und einiges an Sonnenbrand. Und vielleicht auch ein paar Bier…

Freitag 10.06.2011 
Robin Geiß:
Schon zig Mal dort gewesen und eigentlich auch gewusst wo man so langfahren muss, vertraut man neuerdings doch auf seine tolle neue Anschaffung namens Navi.
Der kürzeste Weg wird’s dann wohl gewesen sein, aber mitten durch Essen an einem Freitagmittag zu gurken ist nie und nimma der schnellste.
Im Ganzen verzögert sich alles für ungefähr eine Stunde und wir kommen auf dem Parkplatz an. Zum Be- und Entladen darf man ja auch ohne Parkticket auffahren, die dieses mal ja schon unmittelbar nach VVK Beginn ausverkauft waren.
Hoffentlich hält die RH Belegschaft Wort und wird gegen die eBay Verticker etwas unternehmen. Anscheinend gingen diese mit bis zu 80 Euro noch weg.
Eine kleine Verschlechterung gab es dann auch direkt von Anfang an zu vermerken: Wo ich letztes Jahr noch mein Fahrzeug abgestellt hatte, zugesperrt und die erste Ladung hinter gebracht hatte, musste dieses mal jemand beim Auto bleiben. Dann gab es zwar kein Zeitlimit mehr wie lange das da stand, aber unbeaufsichtigt durfte es eben nicht dort stehen.
Nachvollziehbar wenn es jeder tut und sich zuerstmal zwei Stunden Zeit mit Zelt aufbauen lässt, dennoch aber eben eine kleine Verschlechterung für die Auslader. Zum Glück hat man ja Kumpels (ich frag mich nur was allein angereiste dann machen..??) die aufs Zeug aufpassen während das Fahrzeug ins nahegelegene Nordsternparkhaus verfrachtet wird.
Hier wird’s auch jedes Jahr doller: Vor zwei Jahren, als ich das erste mal kein Parkticket bekam und dort also zum ersten mal parkte, stand das Auto unten und wir ham auch mal für 20 Minuten im Auto gesessen und Mucke gehört wenn wir an den Folgetagen Vorräte aufgefüllt hatten. Letztes Jahr dann wurde dies uns durch Ordner untersagt, da ja keine Party da drin gemacht werden solle wegen Sauerei. Seltsam nur das außer uns vor zwei Jahren fast niemand in dem Parkhaus war und es auch nirgendwo Sauerei gab. Egal.
Dieses Jahr dann war direkt mal durch die Parkhaus-Security das Erdgeschoss abgesperrt, so dass auch ja niemand der bösen Metaller unten parken konnte und sein Zeug schön über Treppe oder Aufzug wuchten musste. Ich glaube die Nordsternparkwächter sind nicht erfreut über das Festival und ich bin gespannt was sie sich nächstes Jahr einfallen lassen werden. Weiteres dazu noch mal am Schluss vom Bericht, denn es folgt ja noch eine Abfahrt aus dem Parkhaus.

Freunde begrüßen, Zelt aufbauen, Bier trinken, zurück zum Auto um fehlendes Zeug zu holen und währenddessen die erste Band des Tages, CONTRADICTION, hören. Diese spielten old school Thrash und erinnerten öfter an SODOM. Viel kann ich leider nicht zu berichten, einige Stimmen meinten aber es wäre nichts groß Besonderes gewesen.
Das was ich aber auf dem Weg mitbekam hörte sich interessant an.

Mein Kollege Michael Toscher kann folgendes darüber berichten:
Hauen gleich vom ersten Takt an voll ins Mett! Zu früher Mittagszeit ist das Amphietheater erstaunlich gut gefüllt, doch CONTRADICTION geben nix drauf, sondern gleich eine halbe Stunde lang ordentlich Vollgas!
Geradlinig, sauber, kompromisslos direkt mit entsprechender Lautstärke donnern kräftige Thrashgewitter aus den Boxen, so dass alle Besucher schnell innerhalb weniger Minuten wach und somit festivalkompatibel eingestellt sind! Sänger Oliver‘sGänsehaut erzeugende Stimme bricht nach nur kurzer Aufwärmphase den anfangs (noch) vorherrschenden Bann, die Gitarren drücken, das Schlagzeug ballert fett und mein Sitznachbar neben mir ist von den Wuppertalern restlos angetan. Welch ein Beginn! Eifrige Applauskundgebungen des wild abgehend headbangenden Völkchens vor der Bühne plus erste schon früh abhebende Crowdsurfer, die bis zu den Ordnern vor’m Bühnenrand getragen werden, bestätigen den Wuppertalern einen starken Auftakt und sogar von den Rängen zollt man den Thrashern Respekt.
Damit sind wir schon jetzt bestens auf’s Festival eingestimmt!

PROCESSION mussten dann leider ebenfalls dem Weg, Zeltaufbau, Bier trinken und erneut Freunde begrüßen weichen. Auch wurde das erste Gewitter mal kurzerhand im Zelt abgewartet, damit die Kleidung wenigstens nicht direkt schon durchgeweicht war.
Hr. Toscher, bitte schön: Doom braucht bekanntlich keine Sonne. Dementsprechend wird der vordere Bühnenbereich vor dem Auftritt der Chilenen PROCESSION mit einer Plane (!) verdunkelt, was wie sich später von selbst herausstellt, überhaupt nicht nötig gewesen wäre!
Die drei Südamerikaner wissen, wie man Epic-Doom der Ausrichtung SOLITUDEAETURNUSSOLSTICE mit eigener Stilnote kreuzt.
Das dieses Trio berechtigterweise zu den größten Entdeckungen des DOOM-Sektors zählt, wird mit einem tollen Auftritt untermauert, der durch kraftvollen Gitarrensound entsprechend gekrönt wird.

Erhabene Leadgitarrensoli und Felipe Plaza‘s stimmgewaltiges Klarorgan schallen bis in die obersten Ränge durch Mark und Gebein! Alle drei Musiker beherrschen ihr Instrument ausgesprochen sicher. Passend zum düsteren Inhalt des ab sechs Minuten aufwärts gehenden Livematerials zeigen sich erste Dunkle Wolken über der Bühne, die sich binnen Kürze verdichten.
Knaller des Formats „Raven of Disease“ ziehen das Publikum trotz dunkler Wolken unweigerlich in ihren Bann! Nach etwa einer geschätzten knappen Stunde nimmt die Windstärke kurz vor‘m letzten Song auf einmal immens zu.
Blitz, Donner und Regen geben sich ein Stelldichein, der Himmel verdunkelt sich, ein Brachiales Gewitter heftigen Ausmaßes zieht über das Gelände einschließlich Ambiente, binnen kurzer Zeit gießt es komplett in Strömen! Das Abdunkeln der Bühne mittels Plane hätte sich der Witzbold schenken können, dem dieser „grandiose“ Einfall in den Sinn kam, der dunkle Wolkenhimmel allein reicht locker aus, um solch eine Düsteratmosphäre zu erzeugen! Die Hoffnung auf ein sonniges RockHard-Festival löst sich damit buchstäblich in Regen auf.
Keine Ahnung, was die Wettergötter sich dabei gedacht haben, solch ein heftiges Gewitter über’s Amphietheater hinweg zu schicken, somit suchen auch wir (mein Grüppchen und ich) nach langem zähen Durchhaltevermögen (erst knapp fünf Minuten vor Schluß des starken PROCESSION-Gigs geben wir den Kampf endgültig auf) zunächst Unterschlupf bei einem Getränkestand, unter dessen Dach bereits zwei von uns stehen, während die anderen drei sich direkt vor Ausbruch des großen Regengusses noch in Sicherheit daneben platzieren können und alle sind wieder zusammen.

Doch die nachfolgenden POSTMORTEM machten dann umso mehr Spaß. Diese spielten zwar auch etwas rumpelig, aber einen geilen Mix aus Death, Black und Coremetal.
Richtig fies geile Rhythmen die einen gar nicht mehr still stehen ließen und ein druckvoller Sound sorgten für richtige Partystimmung und auch Refrains, die im Ohr blieben wie z.B. beim letzten Stück „Revolution“ mit ihrem „I – cant believe my eyes – REVOLUTION“. Einfach nur fett.
Die Jungs haben mit ihrer Musik, den lokal bezogenen Ansagen und mit ihrem Auftritt einfach alles richtig gemacht.

PRIMORDIAL kamen danach gewohnt emotional rüber. Musik meist von den Gitarren her sehr schnell dem Black Metal zugewandt zergeht Sänger A. A. Nemtheanga fast in seinem theatralisch vorgetragenen Gesang. Die Sonne kennt wie bei all den anderen von mir beobachteten Festivalauftritten der Band keine Gnade mit ihm und möchte ihm auch dieses Mal die Schminke vom Gesicht brutzeln.
Unbeeindruckt davon wechselte die Band in den zweiten Song „Gallows End“ und vereinzelt sind auch bangende Fans auf den Rängen zu beobachten. Ansonsten ist der Halbkreis voll, doch so ganz wie beim ersten Mal als ich diese Truppe sah konnten sie mich am Freitag leider nicht mehr überzeugen.
Eben wie immer Geschmacksache.

Bei ENSLAVED zogen dann dicke fette Regenwolken auf und die Band legte mit Black Metal typischem Kreischgesang los, bevor dann Keyboarder Larsen mit cleanem Gesang einsetzte. Doch durch falsches Abmischen und evtl. fehlendem Monitorsound hörte man zwischen nichts und etwas gruseligem Gesang keine schönen Töne, was sich aber dann relativ schnell besserte.
Doch nicht lange und das zweite der angekündigten Gewitter zog auf und dieses, wie auch alle die noch folgen sollten hatten es dermaßen in sich, dass sich wirklich nur Hardcore Fans vor der Bühne hielten. Denn keiner der Anwesenden konnte mit Sicherheit sagen, dass er an diesem Wochenende seine durchnässten Klamotten wieder trocken bekommen würde.

Der Freitag sollte ja betont düster gehalten werden und so passten dann auch TRIPTYKON als Headliner dorthin, nachdem es ja mit den alten CELTIC FROST seinerzeit nie geklappt hatte. „Creation Of The Wicked“ eröffnete dann das Set, die Bühne in blau-grauen Nebel gehalten, zockte die Band gewohnt doomig und düster ihren Set durch.
Für mehr Bewegung sorgte Bassistin Vanjy, die doch öfter mal die Bühnenseite wechselte und eigentlich durchgehend am bangen war. Der Rest der Truppe um Kopfsocke tragenden Mr. Fischer hielt sich eher doomig passend zurück doch als dann „Circle Of The Tyrants“ aus den Boxen erklang war’s dem Publikum egal und ein Ausrasten war nicht mehr aufzuhalten.
Und so kamen die RockHard Zuschauer dann doch noch in den Genuss alter Celtic Frost Songs und wie erwähnt, für diesen Abend auch ein würdiger Headliner. Das aber der Abend um 23 Uhr noch nicht beendet war zeigt das wieder einmal gerammelte volle Zelt vor dem Hauptplatz in dem die Musik noch schön abwechslungsreich aus altem und neuem, bekanntem und undergroundigem (was für ein Wort) bis in die frühen Morgenstunden aus den Boxen schallte.

Samstag 11.06.2011
Die erste Band des zweiten Tages hieß DREAMSHADE.
Im Programmheft zwar als Death Metal betitelt, würde ich hier aber lieber doch Metalcore schreiben. Manchmal glaubt man schon bei diesem Wort ein Schimpfwort auszusprechen. Da sieht man mal wie weit einen die ewig Hasser anderer Richtungen schon bringen können. Eine Stilrichtung, die zwar etwas überflutet wurde, aber hier und da ja dennoch Anreize bietet und auf jeden Fall seine Berechtigung hat. Und vor allem vom jüngeren Publikum nach wie vor geliebt wird, wie man an der kleinen, aber nichtsdestotrotz abfeiernden Menge vor der Bühne sieht.
Die Band macht ihre Sache gut, grinst sich einen ab auch wenn wirklich wenig Zuspruch erfolgte, doch die, die sich vor der Bühne einfanden ließen nix anbrennen und feierten in den ersten Mittagsstunden so richtig ab und zeigten, was so alles in jungen Jahren in einem Moshpit los sein kann.

IN SOLITUDE verpasse ich leider doch die nachfolgenden DISBELIEF aus dem hessischen Raum musste ich mir dann doch mal anschauen.
Zunächst der Bericht von Michael zu IN SOLITUDE: Halten den hohen, in sie gesetzten Erwartungen nach den am Samstag als erste Band zur frühen Mittagszeit eröffnenden Schweizer Melodeathern DREAM SHADE locker stand.
Die Schweden wissen mit ihrer Mischung aus MERCYFUL FATE und IRON MAIDEN schwer zu begeistern. Vierzig wie im Flug vergehende Minuten traditionellen Heavy Metals. Obwohl hauptsächlich Material vom aktuellen Zweitling „The World, The Flesh, The Devil“ aufgefahren wird, bleibt das Ende des Gigs der ultimativen Bandhyme „Witches Sabbath“ vorbehalten.
Herrliche Melodien unterlegt von einem astreinen Sound lassen keine Zweifel aufkommen, IN SOLITUDE wissen ihr Publikum vor der Bühne komplett zu überzeugen!

Weiter gings bei mir mit DISBELIEF: Sehr sehr kranker Death Metal, der da auf Scheibe produziert wird und nie in richtig schnelle Passagen abrutscht, brachte genau dieselbe kranke Atmosphäre auch auf die Bühne. Ein Sänger, der sich wirklich nicht vor dem markanten John Tardy zu verstecken braucht und dennoch seinen eigenen Stil hat und eine Soundkulisse, die, wenn sie lauter gewesen wäre, einfach jeden weggeblasen hätte.
Zwar gab’s anfangs etwas Probleme mit genau diesem Sound, jedoch war dies dem Publikum egal.
Er innere Kreis vor der Bühne bangte sich einen ab (was bei der Geschwindigkeit auch mal sehr angenehm sein kann und einfach nur für etwas frische Luft sorgt)
und die Ränge begannen sich mehr und mehr zu füllen. Passender weise fragt Sänger Jagger dann auch: „Seid ihr krank?“ und die Band legt ein „Six, six, sick“ hin in dem fast schon überkrank in Dauerschleife der Refrain „Do you really get sick? Sick! SICK!“ raustönt.
Ein Death Metal Erlebnis der anderen Art!

An der darauf folgenden Band scheiden sich die Geister und ebenso die Besucher des Festivals. Während die einen dem sicherlich stark vorhandenen großen Potential der Musiker und der ausgebildeten Stimme von Simone lauschten, können die anderen nur über den Beauty/Beast Wechselgesang von EPICA den Kopf schütteln und vor lauter Unverständnis auch die Melodien nicht hören. Auf der Bühne ist Bewegung und Spielfreude ersichtlich, doch zähle ich mich eher zu letzterem Volk, auch wenn ich hier keine Band schlecht reden möchte, denn talentiert sind die Holländer auf jeden Fall. Erstens hört man dies, zweitens sieht man’s an den Erfolgen und drittens würde die Band kaum um diese Uhrzeit auf der RockHard Bühne stehen.

Dennoch trifft die Musik eben nicht meinen Geschmack und ich verziehe mich um ein wenig an den für das kleine Gelände doch zahlreichen Merch Ständen und Essensbuden ein wenig Geld auszugeben. Für die ganz durstigen gab es diesesmal auch 1 Liter Becher, die auf den ersten Blick einen richtig hohen Preis erforderten, umgerechnet aber einfach genauso viel fürs Geld boten, wie die normalen 0,4 Becher, die dieses Jahr für 3,50 Euro angeboten wurden.
Essen lag im normalen Festivalpreisniveau und war auch ganz annehmbar.
Zu meckern hatte ich an diversen Ständen die ich probierte (nicht alle während der einen Stunde) nichts, aber so überaus durchschnittlich gemessen an anderen Festivals wie man so zahlreich liest finde ich es jetzt auch nicht. Auch in diesem Jahr wurden wieder Lose für 1 Euro verkauft, bei dem sich sehr sehr viele Trostpreise oder CD-Sampler abzugreifen fanden. Und auch wer nichts gewann, bekam die Gewissheit dass dieses Geld einem guten Zweck zukam, nämlich der „Europäischen Kinderhilfe“. Vom drumherum gibt’s also echt nix zu meckern und das Gelände ist schön überschaubar, man trifft sich ständig zufällig wieder, nichts ist überfüllt, von überall gute Sicht und guter Sound und die Crew, die Security und sonstige Helfer sind allesamt entspannt, locker und hilfsbereit.

Danach kamen BULLET auf die Bühne, die diese schon zuvor zweimal beackern durften. Bisher von mir mit Desinteresse wegen Plagiatsvorwürfen gestraft, schaute ich mir die Jungs das erste Mal an und hatte richtig richtig Spaß in den Backen.
Die Band ballert einem die rockig knalligen Songs um die Ohren, die Spielfreude ist jederzeit raußzuhören und wer bei dem Lärm vor der Bühne steht, den kann es einfach nicht mehr ruhig halten.
Auch das Theater war gerammelte voll und so tobte überall einfach nur gute Party Laune. Sicher, ACCEPT und AC/DC haben es vorgemacht und AIRBOURNE feiern derzeit größere Erfolge, aber wer so gutgelaunt und eigentlich auch eher huldigend als nachäffend diesen Musikstil runterschruppt, der gehört eigentlich gefeiert.
Und das tat das RockHard Publikum in jeder Minute bis hin zum Abschluss-Song „Stay Wild“.

Mit MORGOTH stand dann die wahrscheinlich erste Death Metal Bands Deutschlands auf den Brettern, auf die ich mich im Vorfeld sehr gefreut habe. Lange Jahre vom Erdboden verschluckt sorgte die Reunion zu zumindest drei fünftel der „Cursed“ Besetzung, des ersten Longplayers der Band, für Aufruhr. „Selected Killing“, Pits Of Utumno“ oder „Under The Surface“, alles Songs die natürlich sehr sehr klasse dargeboten wurden und jeden Death Metaller zufrieden stellten, aber irgendwie waren wohl meine Erwartungen höher.
Oder aber nach dem Auftritt von BULLET war meine Party Laune aufgebraucht? Ich habe keine Ahnung, jedenfalls schaute ich mir den Auftritt im sitzen an und hatte irgendwie mehr erwartet. Ich kann’s nicht erklären woran es lag, aber der Funke sprang zumindest bei mir nicht über.

Mit AMORPHIS setzte dann auch pünktlich der Regen ein und vertrieb so einige Zuschauer schutzsuchend unter irgendwelche Dächer. Es goss wirklich wie aus Eimern und wer zuerst dachte, es handele sich nur um einen kurzen Schauer, der irrte gewaltig.
Aber hartgesottene Fans der Finnen hielt dies nicht davon ab den melancholisch verträumten Melodien mit vereinzelten Wutausbrüchen zu lauschen und so fanden sich doch noch einige vor der Bühne wieder, um den Auftritt des Gespanns mit Frontrasta Tomi zu lauschen. So erfolgreich, wie AMORPHIS momentan sind dürfte es eigentlich nicht mehr lange dauern bis diese Band ein Festival dieser Größenordnung auch headlinen wird.
Wobei diese Uhrzeit ja schon fast Headlinerstatus besaß, wäre nicht noch die nachfolgende Band einen Tacken größer bzw. aufgrund der Tatsache, dass deren Frontman Mat Barlow die Band nach der Sommertour verlässt.
Die Rede ist natürlich von ICED EARTH, auf die jeder sehr gespannt wartete, nachdem sie die großen Erwartungen vor drei Jahren noch übertrafen. Also Intro kam das Instrumental „1776“ zum Zuge, was alleine schon mal für Gänsehaut sorgte. Und dann kam die Truppe um den total ergrauten Jon Schaffer auf die Bühne und ließ keine Wünsche mehr offen. Auch wenn mir persönlich der Auftritt 2008 noch einen Tacken besser gefiel (was mitunter auch an dem 2011 nicht gespielten „A Question Of Heaven“ lag), enttäuscht wurde an diesem Abend bestimmt keiner.
„Last December“, „Watching Over Me“ oder „Melancholy“, das waren die Hits, die man hören wollte und die man auch zu hören bekam.
Die gesamte Truppe war bestens aufgelegt, Mat überzeugte wieder auf ganzer Linie und die Metalwelt wird (wieder mal) um einen sehr geilen Frontman ärmer werden. Auch Songs aus der Owens Phase kamen mit z.B. „Declaration Day“ zum Zuge und ebenfalls wurde die „Something Wicked“ Trilogie gespielt. Als dann als letzter Song in der Zugabe „Iced Motherfuckin Earth“ gespielt wurde und die letzten Töne verklangen, waren die 90min wieder einmal viel zu schnell vorbei und den erneuten Regen, der zwischen AMORPHIS und ICED EARTH mal kurz ausgesetzt hatte, hatte irgendwie keiner so Recht registriert.
Wer anderes behauptet, der sollte mal an seiner Entspannungstechnik arbeiten, damit er besser abschalten kann. Denn bei solch einem Auftritt ist es ein leichtes abzutauchen und die restliche Welt zu vergessen. Nach dem Auftritt freilich klebte die nasse Kleidung schön am Körper und da mir bewusst wurde, dass Schweiß und Rührungstränen nur ein Bruchteil der Nässe ausmachte, war’s für mich Zeit in den Schlafsack zu kriechen. Schließlich gab’s noch einen Tag durchzustehen.

Sonntag, 12.06.2011
Trotz frühem schlafen gehen habe ich leider VANDERBYRST und ENFORCER komplett verpasst, deswegen hier die beiden Bands aus Sicht von Michael Toscher:
Die Holländer spielen eine zackige Mischung aus klassischem Hardrock und 80er NWOBHM, gehen kompromisslos grooverockig zur Sache. Der Stoff vom superben Debüt wird (wesentlich erdiger, und eine dicke Schippe dreckiger als auf dem Studiodebüt mit einer Begeisterung dargeboten, die ausnahmslos mitreißend ihresgleichen oft vergeblich sucht. Nach dem fulminanten BULLET-Gastspiel sind VANDERBUYST die zweite Band, bei der in allen Belangen hundertzehn Prozent pures Partyfeeling angesagt ist, welch ein Flair, das vierzig Minuten Spielzeit wie im Flug vergehen läßt!
Pumpende Bassläufe, kehlig-rauchiger Rock n’Roll Gesang, altbacken schreddernde Drums, geil! Bandkopf Willem Verbuyst beherrscht sein Instrument meisterhaft, wie kein Zweiter! Der Mann bearbeitet seine Flying V traumhaft blind, post in allen möglichen und unmöglichen Stellungsvarianten, geht am Ende sogar noch kräftig in die Knie, soliert in göttlicher Manier. Allein das Stageacting ist absolut sehenswert.
Die Klasse des VANDERBUYST-Debüts wird in allen Facetten authentisch wider gegeben und der Rock n’Roller in mir geweckt! Nummern wie „Stealing your Thunder“ „To Last Forever“, „New Orleans“ oder „Traci Lord“ werden mit ungebremster Spielfreude, Power, reichlich Melodie und fast schon abnorm fesselnder Begeisterung vorgetragen, das es eine wahre Augen- und Ohrenweide ist, diesem begnadeten „Oranjelandtrio“ auf der Bühne zuzuschauen und sich lauschend satten Rock n’Roll-Klängen hinzugeben. Tanzeinlagen von zwei graziösen Blondinen runden eine megasteile Rock n‘ Roll Show ab, bei der es an fast nichts mangelt und Klischees passenderweise stilgemäß bedient werden. – Ganz Großes Kino! Mehr geht nun wirklich nicht mehr! Einen solch begnadeten Weltklassegitarrero vom Typ eines Willem Verbuyst live on Stage in Aktion zu sehen, gleicht mitunter inhaltlich einer musikalischen Lehrstunde. Sehen, hören, staunen, r o c k e n!!! Vierzig Minuten ehrlicher, ungekünstelter Hardrock/Oldshoolmetal bis auf die Knochen – pures Dynamit(!!!), die sich hoffentlich bald wieder holen werden, denn wie nach dem Gig vom RockHard-Team verkündet, treten VANDERBUYST auch nächstes Jahr (sehr zu unserer großen Freude!) erneut auf dem RockHard-Festival an. Yeah! Yeah! Yeah! Einfach nur geil, – Yeah! Yeah!

Wie viel ist mir bereits im Vorfeld von dieser Schwedischen Powermetalband vorgeschwärmt worden, der Name ENFORCER füllt derzeit reihenweise Seiten diverser Szenemagazine, so verwundert es schließlich auch nicht, das sich das Gelsenkirchener Rund noch kurz vor Beendigung der Umbaupause beträchtlich mit Leuten füllt.
Das Gemisch aus 80er Jahre Metal von IRON MAIDEN über US-Metal Marke RIOT umfaßt ein breit gefächertes Spektrum bis zum Speedmetal á lá EXCITER oder SAVAGE GRACE, weshalb sich ein bunt zusammen gewürfeltes Völkchen im Rund einfindet, das vierzig Minuten lang volle Kelle ausgeschenkt bekommt. Stageactingtechnisch legt der Schwedenfünfer eine ausgezeichnete Performance auf die Bretter, allerdings will der Funke im Publikum während der ersten zehn Minuten nicht gleich wie erhofft überspringen. Gitarren technisch gehen die Schweden gut ab, doch im Publikum tut sich zunächst nicht so viel, wie eigentlich nach der vielerorts bis zum Erbrechen zur Schau gestellten Euphorie für die Truppe zu erwarten wäre. Fronter Olaf Wikström‘s hohe Kreischgesang spaltet zuweilen sehr die Gemüter. Mit zunehmender Spielzeit wird immerhin ein Teil der Leutchens im Rund (einschließlich meiner Wenigkeit) endlich auch mit den Schweden warm, spätestens bei „Midnight Vice“ ist auch bei mir die Ruhe verflogen.
Ob’s wohl daran liegen mag, das im Ruhrpott Thrash/Deathmetal generell einfach mehr gefragt ist als klassischer Hardrock, Heavy oder Powermetal? Egal, wie auch immer, die Schweden ENFORCER überzeugen ihr fleißig headbangendes spezielles Die- Hardfanklientel in den vorderen Reihen, das immer wieder eifrig Fäuste ballt und beständig Mähneschüttelnd die Pommesgabel zeigt, während die Reaktionen auf den Rängen verhalten bleiben, somit geht auch dieser Gig als keineswegs schwacher in die Geschichte der Schweden ein, dennoch: ENFORCER haben heute trotz erhöhten Publikumzuspruchs aus meiner Sicht gerade in punkto Performance den Kürzeren gegen das agile Holländertrio VANDERBUYST gezogen.

Essen, gähnen, Vorräte auffüllen und versacken im Biergarten zwischen Parkhaus und Festivalgelände führen eben dazu, dass man sich nicht alle Bands alleine zu Gemüte führen kann.
Los geht’s bei mir also mit ATLANTEAN KODEX, deren doomiger Metal doch viele Leute ins Amphitheater lockten. Anscheinend waren die Fans dankbar, auch mal zu annehmbar langsameren Rhythmen ihr Haupthaar zu schütteln, denn vor der Bühne und überall zwischendrin auf den Rängen flogen die Matten. Und wo am Vortag noch vereinzelt gefroren wurde, fing jetzt das schwitzen an, denn die Sonner knallte mittlerweile ohne Wolken nieder und trocknete auch das letzte nasse Fleckchen vom Vortag.

Die Koblenzer METAL INQUISITOR stiegen als nächstes auf die Bretter und legten mit gleich mit dem Opener ihres letzten Albums los. Zuerstmal stark ohne Gesang, der aber schnell nachgebessert wurde. Auf jeden Fall merkte man der Band an, dass diese Spass in den Backen hatte. Vor der Bühne gings auch richtig rund, der Rest der Anwesenden Herren und Damen schaute eher nur mehr oder weniger interessiert zu. Obs am Wetter lag? Die Band zockte ihre Sachen jedenfalls gut runter. Ein solider Gig, nicht überdimensional, aber auch niemals schlecht.

Die Prog Thrasher ANACRUSIS werden von mir leider auch nicht bewusst wahrgenommen. Ist mir dann alles etwas zu anspruchsvoll am dritten Tag auf diesem Festival. Viele haben sich auf diesen Auftritt gefreut, zumindest die, die den frühen Underground der Metal Szene live mitbekommen oder eben nach erkundet haben.

Ähnlich kann man dies bei VICOUS RUMORS sehen, die aber im Gegensatz zu ihren Landsleuten aktuelles Material vorzuweisen haben. Mit „Razorback Killers“ legte man ein richtig gutes Power Metal Album hin, dass nicht nur im RockHard sehr gut abschnitt. Und so ballert die Truppe auch direkt knallig los. Der Sound ist richtig geil, es fliegen die Fetzen und jeder, der die Band noch aus früheren Tagen kennt erlebte ein cooles old school Set. Doch wenn man sich umschaute, merkte man sehr bald, dass dies nicht allzu viele waren. Vor der Bühne war richtig was los, aber auf den Rängen standen die Musikfans eher etwas teilnahmslos herum. Ich denke aber, die Band hatte an diesem Wochenende ihren Spass, waren doch die Bandmitglieder auch an allen Tagen zuvor schon anwesend und nicht immer ganz nüchtern. Also: Alles richtig gemacht.

Doch worauf wartete der Großteil der RockHardler? Richtig, auf OVERKILL. Und die starteten mit ihrem Opener des letzten Outputs „The Green And Black“. Bobby sprang wie ein geölter Blitz (welch ein Wortspiel) auf die Bühne, D.D. groovte mal wieder cool vor sich hin, Dave und Derek beherrschten ihre Instrumente wieder mal 1 a und Ron sorgte für den entsprechenden Punsh! Direkt als zweiter Track kam der vertrackte „E.vil N.ever D.ies“ vom „Years Of Decay“ album. Ein Standardsong der Marke „Rotten To The Core“, der auch hundert Mal gehört noch gut klingt, „Give A Little“ und die neue gute Laune Hymne „Bring Me The Night“ vom neuen Album und die ältere gute Laune Hymne „Hello From The Gutter“ und das Amphitheater war glücklich.
Selbst Leute die der härteren Gangart nicht so zugeneigt sind habe ich schon bei einem OVERKILL Gig abfeiern sehn und so auch heute. Es ist einfach eine geile Performance die da auf der Bühne passiert und die Songs haben einfach Dampf. Mit „Ironbound“ wurde das reguläre Standard Set zuerstmal beendet, denn was dann kam, damit konnte keiner rechnen: „Death Rider“, vom „Power In Black“ Demo und mir persönlich nur vom Metal Massacre Sampler bekannt, schallte das erste Mal überhaupt live aus den Boxen. Ist zwar nicht der allerbeste Song, aber es ist einfach krass, dass es bei solch einer Band noch Songs gibt, die man nach fast 30 Jahren das erste Mal live bringt.
Und da werden natürlich Erinnerungen an die Vergangenheit (in meinem Fall Kindheit) wach. Und es folgt gleich noch solch ein Song: „The Beast Within“. Und da ich das angesprochene Demo nicht besitze, kannte ich diesen Track auch überhaupt nicht. Ich stand aber nicht alleine da, denn man konnte an den Reaktionen sehen, dass die meisten gespannt hinhörten und nur eine Horde durchgedrehter Wilder abfeierten. Blitz bemerkte dies natürlich auch und kommentierte dies mit der Ansage, dass wir jetzt wieder zu Songs kämen die ein jeder kennt. Und natürlich kannten die anwesenden „In Union We Stand“ und zu Ehren der wieder zahlreich vertretenen „Skullcrusher“s spielte man dann selbigen Song. Und noch ein fetziger gute Laune Song „Old School“ geträllert und fertig war der reguläre Song. Eine Zugabe gab’s in Form von „Elimination“ und wenn sich jeder gegenseitig den Mittelfinger zeigt und dabei immens Spaß hat kann das nur ein abschließendes „Fuck You!“ bedeuten! Nach diesem geilen und auch originellen Auftritt wurde es Zeit für eine kurze Trinkpause.

Genügend Nörgler gibt es ja wegen dem alljährlichen Karaoke Jam, wozu ich sagen muss dass dies durchaus eine nette Auflockerung ist und für Stimmung sorgt. Denke ich, denn leider habe ich es bis heute noch nie geschafft, diesem rechtzeitig beizuwohnen, so auch 2011. Und auch die nachrückenden DOWN, die zwar ordentlich grooven, mich aber leider nicht wirklich interessieren versäume ich dann lieber bei einigen Bier und beschließe den Tag nach Mitternacht. Nach OVERKILL kann ja eh nix besser werden, so iss datt eben.

Am nächsten Tag wurde dann fleißig abgebaut und mit zwei mal gehen war auch alles am Auto. Doch dann folgte erneut eine Verschlechterung im Parkhaus. Vor zwei Jahren war die Schranke einfach so offen. Letztes Jahr spielte der Automat verrückt, man drückte den Notrufknopf, es dauerte zehn Minuten und jemand meldete sich, der einem sagte, er würde die Schranke öffnen, wenn man davor fährt. Gesagt getan, Knopf gedrückt, dreißig mal die selbe Ansage gehört und es wurde tatsächlich kostenlos die Schranke geöffnet. Dieses mal griffen die Verantwortlichen zwar schneller zum Hörer, doch niemand wollte eine Schranke öffnen. Würde ja nicht funktionieren. Klar, ich hab letztes Jahr geträumt. Sie schicken jemand vorbei. Zehn Minuten. Mal 5 genommen passte dann schon eher. Der freundliche Herr versuchte dann alles mögliche umd den Automat in Schwung zu bringen, schaffte es nicht, kassierte dann eben zehn Euro für ein verlorenes Ticket ab und gab eines aus seiner Tasche. Zwar ein billiges Parken übers Wochenende, aber eine Unverschämtheit, einen über eine Stunde festzunageln! Ansonsten, was bleibt abschließend zu sagen? Ein geiles Fesitval, mit toller Orga, tollen Besuchern, netter Crew und Security, guten Bands, auch wenn nicht alle voll überzeugt haben, miesem Warsteiner Bier, normale Festivalpreise, teilweise beschissenem Wetter und die Gewissheit, dass es doch jedes Jahr egal ist welche Bands dort spielen, es lohnt sich immer, dem RockHard Festival einen Besuch zu gewähren.

See ya in 2012.

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