Bang Your Head 2011 Nachbericht

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Das BANG YOUR HEAD 2011 wartete mit einem Hammer Billing auf und dementsprechend groß war die Vorfreude und die Erwartung.
Und direkt das Fazit vorweg: Erwartungen vollends erfüllt.
Eine Schattenseite tat sich auf, die zwar nicht das Festival an sich betraf, jedoch eben eine schlechte Nachricht war: Ein Mann, Anfang 40, befand sich anscheinend in der Nacht zum Samstag auf der Bundesstraße Nähe des Metalcamps, wurde von einem Auto erfasst und trug erhebliche Verletzungen davon. Die Ärzte gehen aber mittlerweile davon aus, dass er überleben wird. Ein zweifellos tragischer Vorfall, bei dem man aber trotz allem meiner Meinung nach nichts finden kann, was dem Festival oder seinen Veranstaltern anzukreiden wäre. Ein Unfall, wie er eben passiert oder passieren kann. Traurig, aber eben nicht mit allen Regeln der Welt zu verhindern. Das nur als Anmerkung vorweg, jetzt aber mit vollen Schritten zum Festival. Wie schon erwähnt war das Billing einfach der Hammer gewesen. 

Eine Absage gab es im Vorfeld: CRASHDIET mussten ihren Gig canceln, da ein Bandmitglied eine Lungenentzündung hatte. Dafür rückten also die beiden anderen Bands eins nach vorne und HUMAN ZOO öffneten dann die Tore zum Festivalgelände. War das Wetter am Mittwoch noch richtig mies, klärte es dann am Donnerstag etwas auf, aber sommerliche Temperaturen waren auch da nicht vorhanden. Vom Regen blieb man zwar verschont, aber die Nacht von Freitag auf Samstag war dann mal so richtig Arschkalt. Samstag dann die Verbrutzlung der Gehirnwindungen durch die Sonne und leichter Nieselregen beim Abbau am Sonntagmorgen der dann zu einem amtlichen Guss wurde. Wohle dem, der nicht lang ausschlafen wollte. Also mal wieder alles dabei. Es hätte schlimmer kommen können, es gibt aber auch besseres Wetter.
Das Festivalgelände sagte mir in jungen Jahren nicht so zu, da ich es gewohnt war auf saftigen Wiesen vor der Bühne abzuhängen, was hier auf dem Messegelände nicht möglich ist. Letztendlich muss ich aber sagen, ist das Gelände einfach sehr geil aufgeteilt. Es gibt zwei Einlässe bei denen alles richtig fix geht, es gibt ein riesiges gespanntes Sonnen oder Regendach, massig Essensstände, genügend Getränkestände bei denen ich nie auch nur einmal länger als eine Minute warten musste, es gibt die Messehalle, in der Mittags chillig Essen auf Tellern mit Besteck gegessen werden kann und in der Abends dann noch zusätzlich Bands spielen und im hinteren Bereich findet sich ein kleiner Biergarten, die Dixi-anlaufstelle sowie zahlreiche Merch Stände, von denen einige doch recht ausgefallen waren. Also wirklich ein rundum Sorglos-Packet.
Das Publikum ist, darauf muss man sich einstellen, doch sehr ruhig gegenüber anderen Festivals. Also ich zumindest bemerkte keinen einzigen Moshpit oder Crowdsurfer, wobei ich auch zugeben muss, dass ich mich dieses Jahr kein einziges Mal in die vordersten Reihen begeben habe. Die Essensqualität war bei getesteter Pizza, Burger und Döner wirklich sehr schmackhaft und vom Preis her eben Festivalniveau. Ein nahegelegener Supermarkt bot mit seinen Ständen vor der Tür ebenfalls noch genügend Ess- und Trinkmöglichkeiten, einzige die Bon Aktion auf dem Gelände erschließt sich mir nicht. Das Umrechnen wird einem zwar durch überall ausliegenden Umrechnungstabellen leicht gemacht, doch das Warum kann ich mir nicht erklären.
Ein Punkt noch im Vorfeld bevor dann der Bericht über die Bands startet: Die Security war an sich immer nett und höflich. Daran änderte sich auch nichts am Samstag, als mir der Einlass verwehrt wurde, bzw. ich nur reinkam, indem ich meine Kette die an meiner Hose baumelte entfernen musste. Ich konnte diese lebensbedrohliche Waffe zwar kostenlos an einem Stand abgeben und wie gesagt, es lief auch alles höflich ab, aber jetzt mal ein paar Fakten: Eine Kette, die zur Zierde am Hosenbund baumelt. Kleiner als die, mit der ich auf der anderen Seite meinen Geldbeutel am Hosenbund befestigt hatte. Argumentationen: „Weißt du was du mit der Kette alles anstellen kannst?“
Gegenargumentation: „Und was kann ich alles mit meinem Schlüsselbund anstellen?“
Schulterzucken!
Gegenargumentation: „Und was ist mit der Kette am Geldbeutel?“
„Ja da ist ja ein Geldbeutel dran, die hat ja einen anderen Zweck.“
„Aha und wieso kam ich gestern min. acht Mal hier raus und rein mit derselben Kette?“
Schulterzucken!
„Und wieso kann man drinnen stärkere Ketten und Nietengürtel etc. kaufen?“
Schulterzucken!
Leute, tut mir einen Gefallen. Stellt genaue Regeln auf, die plausibel sind und die auch allen Security Leuten geläufig sind. Solch eine Willkür ist lächerlich und unnötig. Kann einem wirklich kurzzeitig die Laune verderben. Wie gesagt, kann. Und das ist echt unnötig. Lasst bitte nicht zu, dass auf einem schönen friedlichen Festival Security Mitarbeiter rumlaufen, die aus purer Willkür oder wegen eigenen Minderwertigkeitskomplexen denken, sie müssen jetzt mal unnötig ihre „Macht“ ausspielen. Wenn ich in einen Nobelclub gehe muss ich damit rechnen, dass sich solche Leute als Götter aufspielen, hier aber nicht!

Freitag  15.07.2011

Los ging’s kurz vor der Mittagsstunde mit CRYSTAL VIPER. Die Band aus Polen konnte mit ihrem 2010 erschienen Album „Legends“ schon gut punkten. Mit ihrer Mischung aus RUNNING WILD und MANOWAR mäßigem Heavy Metal standen auf jeden Fall genügend potentielle Hits am Start und dazu kam noch eine vollends überzeugende Frontfrau. Obwohl selbst kleiner gewachsene Stars auf der Bühne meist groß wirken, ging diese Illusion bei Marta Gabriel daneben. Doch an Power und Energie war da kaum mehr zu bieten. Die Dame flippte fast schon aus, aber man kaufte ihr in jeder Sekunde ab, dass sie dies aus reinem Spaß und veranstaltete. Da wirkte nichts aufgesetzt und es wurde mal kurzerhand ein Drumstick zum Solo missbraucht. Die Röhre der Frau ging auch in Ordnung, am ehesten könnte man diesen Gesangsstil noch mit DORO vergleichen. Bei Songs wie „Metal Nation“ oder „Shadows Of The Horizon“ flogen also die Fetzen und die guten Ansätze, die auf CD gezeigt wurden, festigten sich dann auch bei diesem Live Konzert. Jeder Fan vom traditionellen Heavy Metal oder Power Metal sollte sich diese Truppe mal anschauen, es macht Spaß dieser Formation zuzuhören und zuzusehen, zumal die Power Dame auch noch sehr gut aussieht. Feiner Auftakt in ein metallisches Wochenende.

Mit den laut Bruder Cle aus Süddänemark stammenden STORMWARRIOR zeigte sich dann auch zum ersten Mal die Sonne über Balingen. Der Titelsong der letzten Scheibe „Heathen Warrior“ legte die Marschrichtung vor und STORMWARRIOR ballerten mit ordentlich viel Druck ihre an frühe HELLOWEEN erinnernden Lieder ins Publikum. Doch man muss der Truppe zugestehen, dass sie mittlerweile durchaus ihren eigenen Sound gefunden hat und einfach nur das Erbe, dass eine Platte wie „Walls Of Jericho“ hinterlassen hat, mit ihren Möglichkeiten und ihrer Interpretation weiter führen. Basser Yenz hat ja durchaus einer längere musikalische Vergangenheit, sieht für mich aber immer noch optisch wie der jüngere Brüder von Hugo Egon Balder aus. OK, tut musikalisch jetzt nix zur Sache und mein klares Highlight in der Setlist war neben dem Abschlußmedley, das mal kurz die Frühwerke der Band anschnitt der Titelsong des Vorletzten Albums „Heading North“. Einfach eine geile Hymne mit Gänsehautfaktor. Schöne Sache. Mehr Druck als bei CRYSTAL VIPER, dafür weniger Stageacting. Also genauso gut.

Die Holländer von LEGION OF THE DAMNED sorgten dann mal kurzerhand dafür, dass dem Balinger Publikum nach so viel Power Metal die Gehörgänge durchgeblasen wurden und ballerten ihre Death-Thrash Granaten ohne Gnade, dafür mit viel Headbanging unters Volk. Selbst in den hinteren Reihen sah man einige bangende Gestalten, was ich so nicht erwartet hätte, denn das BANG YOUR HEAD steht für mich immer mehr für den „softeren“ Sound. Doch es scheint so, also ob die Abgrenzungen der Musikstile immer mehr versiechen und die Leute endlich ihre Scheuklappen verlieren und somit allen möglichen Stilarten aufgeschlossen sind.  Maurice‘ ansagen waren dann mal in Deutsch und mal in Englisch und so verging auch dieses Konzert wie im Flug.

CRIMSON GLORY habe ich mir nicht intensiv angeschaut. Ich denke, Fans der Band dürften zufrieden sein, das was ich hörte klang auch schon richtig gut, nur besitze ich keine Scheibe der Band und brauchte eben auch mal eine kurze Verschnaufpause am Zelt, so dass ich mir über deren Livequalität einfach kein Urteil erlauben kann.

Doch dann war ich sehr gespannt auf die Bay Area Thrasher von DEATH ANGEL. Waren deren Gigs doch immer total Energiegeladen würde ich jetzt auch erfahren ob die zwei Neuzugänge die Energie der Vorgänger auch weiterführen könnten. Und sie konnten! „Relentless Revolution“, der Titelsong der letzten Scheibe flog als erstes über die Bühne und die Band zeigte direkt, dass dort noch das selbe Level erreicht wird wie in der Urbesetzung. Sänger Mark jumpte auch sofort mit einem Riesensprung auf den mittleren, ins Publikum rein ragenden Teil der Bühne und auch die anderen Bandmitglieder wirbelten quer über die selbige. Eine ganze Reihe Hits folgte, aus dem Publikum vernahm man Kommentare wie „Die sind gut! RICHTIG gut!“ und dann folgte mit „Heaven & Hell“ ein Überraschungssong. Letztes Jahr an selbiger Stelle wurde ja noch jede Band gebeten, zu Ehren von DIO einen seiner Songs zu spielen, doch hatte ich damit dieses Jahr nicht gerechnet. Und noch viel weniger, dass Mark seinen Part so souverän löste. Klar, an Dio kam er nicht ran aber er ist auch kein emotionsloser Schreihals. Er sang einfach passend melodisch und überzeugte einfach auch in dieser Rolle. Doch solch ein Song wäre natürlich ein viel zu langsamer Abschlußsong für diese Band, also schmiss einen der Fünfer kurzerhand noch mit „Thrown To The Wolves“ den Wölfen vor. Klasse Auftritt.

Was danach kam, war aber dann doch eine leichte Enttäuschung. OK; vielleicht waren die Erwartungshaltungen auch etwas zu hoch geschraubt, aber diese wurden eben auch durch Veranstalter Horst im Vorfeld geschürt, der in einem Interview meinte, die Band QUIET RIOT könne vielleicht die Festivalhymne von TWISTED SISTER ablösen. Mit solch einem Auftritt aber ganz sicher nicht. OK, wenn man nicht hinschaute, wurden die Songs der Kultband auch gut gezockt, die Instrumente stimmten und die Röhre von Mark passte auch, aber das Bühnenbilder war das alter Rockstars, die eher Kirmesmäßig den Bass unterm Kinn hatten und auf der Stelle stehend gerne nochmal in ihren alten Tagen „abrockten“, als das einer Energiegeladenen Band. Der Vergleich direkt nach DEATH ANGEL war aber dann auch besonders mies. „Mamma We’re All Crazy Now“ wurde schon als zweites ins Publikum gepfeffert und Drummer Frank Banali widmete den Song „Thunderbird“ von 1982 ihrem verstorbenen Ex-Member Rhandy Rhoads, aber viel geboten wurde dennoch nicht. OK, auch TWISTED SISTER wären ohne ihren Weltklassefrontman nicht mehr die coolen Rocksäue aus den 80igern, aber die haben ihn eben. Und zwischen solch einer Performance und der von QUIET RIOT liegen eben…naja, Länder (Welten wäre jetzt übertrieben). „Come On Feel The Noize“ kam dann auch prächtig rüber, aber es war wirklich besser wenn man nur hinhörte. Gut gezockt, wenig Stageacting. Daumen nach links.

Für OVERKILL liefen dann auch zahlreiche Fans in den Farben des Openers auf: „The Green And Black“. Gefolgt vom „Rotten To The Core“ kann man bei dieser Band live nie von einer Enttäuschung reden. In dieser „Wrecking Crew“ gab’s dann ebenso einen Weltklasse Frontman zu bestaunen, aber auch der Rest der Truppe gibt sich ebenso agil. Bassmonster D.D. Verni begrüßte seine Fans mit „Hello From The Gutter“, Ron sorgte bei den Drums für den nötigen Zusammenhalt im Hintergrund mit „Ironbound“,  Derek brachte die Dunkelheit in den Tag mit „Bring Me The Night“ und Dave sorgte für Zusammenhalt im Vordergrund mit „In Union We Stand“. Der Fanclub der „Skullcrusher“ dürfte sich über selbigen Hit gefreut haben und ein fröhliches „Old School“ lud einfach nur zum mitsingen ein. Noch ein „Elimination“ vor das freundliche „Fuck You!“ gesetzt und jeder Thrasher und OVERKILL Fan war glücklich. Man merkt einfach, dass diese Truppe endlich wieder da ist wo sie hingehört: Zu den größten der Thrasher weltweit. Den Status müssen sich „Bäumchen-Wechsel-Dich“-ANTHRAX erst wieder erspielen und an Sympathien einholen. Und trotz der momentanen Popularität der New Yorker ist sich dann ein Bobby dennoch nicht zu schade, beim Warm up Donnerstags einfach ein bissl im Publikum rumzustolpern und freudig mit den Fans zu quatschen. So muss das sein!

Bei IMMORTAL war dann aber auch deutlich weniger los. Sicherlich konnte man nicht von einem allgemeinen Desinteresse sprechen, aber die Gewinner des Tages hießen ganz klar OVERKILL. Selbst ein Typ mit IMMORTAL T-Shirt lag seelenruhig auf seinem Rücken und schlief mal ein wenig, während die Bleichgesichter oben auf der Bühne ihren Black Metal zelebrierten. Und nicht nur mir, sondern auch laut Aussage anderer erging es den meisten ähnlich: Eine Band mit solch einem Kultstatus, da hatte man irgendwie jetzt doch mehr erwartet. OK, ich muss zugeben, mehr als die ersten drei Lieder habe ich mir nicht gegeben.

Dafür ging’s in die Halle ein wenig ASPHYX schauen. Und die Holländer freuten sich umso mehr, was sie auch mit einer Bemerkung ala „Wir haben gedacht es sind eh alle bei Immortal“ unterstrichen. Sänger Martin grinste sich dann auch ständig einen ab, Paul an der Gitarre und Alwin am Bass glänzten mit Synchron-Hubschrauber Banging und die doch zahlreichen Fans erfreuten sich eines prächtigen Old School Death Metal Gigs.

Und dann kamen ACCEPT, die Leute sahen ACCEPT und Band wie Publikum siegten auf ganzer Linie. Festgehalten auf DVD als Höhepunkt der über 1 ½ Jahren andauernden Tournee zum „Blood Of The Nations“ Comeback Album lieferten hier Wolf Hoffmann und Co einen sauberen, zwar auch nicht anders zu erwartenden, aber arschgeilen Gig hin. Und egal ob neueres wie „Teutonic Terror“ oder „Bucket Full Of Hate“ oder eben die alten Klassiker wie „Balls To The Wall“, „Princess Of The Dawn“ oder „Metal Heart“, in riesigen Feuersäulen glänzte auch Neuzugang Mark am Mikro und brachte beides auf seine Art, aber dennoch 100% zu ACCEPT passend rüber. Ich werde den Teufel tun und ein böses Wort über Udo und seine Band verlieren, der Mann hat genauso den Platz auf der Bühne mit seinen Mitstreitern verdient und bringt die Songs auf seine Art genauso geil rüber, doch an diesem Abend glänzten eben ACCEPT mit Mark. Der Mann ist auf jeden Fall ein Volltreffer gewesen. Auch wenn die Lieder der neuen CD wirklich geil sind, das I-Tüpfelchen ist eben Herr Tornillo, denn ohne ihn hätte es auch in die Hose gehen können und das Comeback wurde ja laut Bandaussage auch nur wegen ihm zu was handfestem. Die derzeit erscheinende neue Single „Pandemic“ kam mit ihrem arschgeilen Mittelteil ebenso noch zum Zug wie „Fast As A Shark“ und wer die genaue Reihenfolge oder Setlist haben will, der kauft sich gefälligst die vom Konzert erscheinende DVD, oder glaubt ihr im Ernst ich kann euch hier genau das wiedergeben, was Fans und Bands an dem Abend erlebten?

Danach wurde noch schön ausgelassen in der Halle zur Metaldisco gefeiert. Ich muss sagen ein paar weniger vorhersehbare Metalklassiker und ab und zu mal etwas außergewöhnliches würde solch eine Disco auch auflockern, aber Spaß hatten dennoch alle und draußen glaubte man dann der Winter sei schon ausgebrochen, so arschkalt war die Nacht.

Samstag 16.07.2011
Wie das eben so ist, muss man auch mal ausschlafen können, etwas essen, verpeilt sich orientieren, überlegen das ein Bier jetzt nicht schlecht wäre und plötzlich feststellen, dass schon wieder 5 Bier leer sind und es schon nach zwölf ist. Ebenso stand noch ein Interview mit ROXXCALIBUR an, dass ihr hier noch an anderer Stelle lesen könnt.

Folglich war die erste Band D:A:D, auf die ich mich besonders freute, hatte ich die Band doch bisher immer sträflich missachtet. Und ich kann nur jedem ans Herz legen, sich diese Truppe aus Dänemark mal anzuschauen. Den Hit „Sleeping My Day Away“ dürfte eigentlich auch jeder kennen, aber der geht fast schon unter wenn man sich die Chaoten anschaut. Allen voran Basser  Stig, der eh ständig einen verrückteren Bass als den anderen auffährt. Heute gab es einen komplett durchsichtigen Bass, dazu eine Kluft, die Farbenfroh als Harlekin ins Mittelalter gepasst hätte und eine arschcoole Performance, wo der geneigte Zuschauer einfach nur das machen möchte, wie er eben benannt wurde: Zuschauen! Gestartet wurde aber mit dem Song „Evil Twin“ welcher direkt schon mal die Laune höher schnellen lies. Sehr witziger Track mit geilem eingängigem Chorus. Aber nicht nur Stig war sehenswert, der Rest der Band ebenso, sei es Schlagzeuger Laust, Gitarrist und Zylinderträger Jakob oder die meisten Ansagen auf Deutsch (mit extra witzigen Verdrehern) tätigenden Sänger Jesper, der ebenfalls einen Sechssaiter umgeschnallt hatte. Ein witziges Mitsingspielchen mit einem „Komm schon Laust, wir wissen du schaffst es“ brachte einfach nur lachendes Kopfschütteln zustande und ein wirklich geiler kurzweiliger und lustiger Auftritt war auch schon zu Ende. Leider wurde nur ein Song des letzten sau starken Albums „Monster Philosophy“ gespielt. Aber die Band hat ja auch eine dicke Diskographie anhängen. Bleibt die Frage, warum diese in ihrer Heimat Superstars sind und hier ständig nur Vorreiterrollen bestreiten dürfen.

Aber gleich darauf folgte noch eine skandinavische Überknaller Band, nämlich die aus Schweden stammenden HARDCORE SUPERSTAR. Für mich ganz klar die beste Glam, Sleaze oder was weiß ich Metal Band die momentan am Start ist. Solch eine Power, solch eine Energiegeladene Live Show und so viele Hits hat meines Wissens her keine andere Band. Wer die Truppe noch nicht kennt, dem könnte ich noch am ehesten den Vergleich mit GUNS N ROSES „Appetite For Destruction“ bringen, der damals ähnlich roh, powervoll und Hitverdächtig rüberkam. Nicht unbedingt vom Stil, sondern eher von der „lck mich am Arsch“-Attitüde. Sänger Jocke ist ein Fronttier, der es den Fotografen ziemlich schwer macht indem er ständig von einer Ecke der Bühne auf die nächste huscht und immer dabei ist, das Publikum zu animieren. Sollten TWISTED SISTER wirklich demnächst das Handtuch schmeißen, könnte dieser Mann die Nachfolge von Dee Snider als bester Frontman einnehmen. Nach einem AC/DC Song als Intro folgte direkt „Sadistic Girls“ und danach reihte sich ein Hit an den anderen. Ob nun „My Good Reputation“, „Wild Boys“ oder der andersartige „Moonshine“, alles wurde von den leider etwas weniger zahlreich vertretenden Zuschauern als noch bei D:A:D mitgesungen und mitgeklatscht und ein viel zu schnelles Ende kam dann mit dem Überflieger „We Don‘t Celebrate Sundays“. Hammergeil, wie immer!

Eigentlich standen die PRETTY MAIDS als nächstes auf meinem Plan, hatte ich diese Band doch ebenfalls noch nie live gesehen. Und das sollte sich auch auf dem Bang your Head nicht ändern, denn anscheinend durch eine Verzögerung beim Flieger, trafen diese erst später ein und so wurde der Slot mit dem späteren von JEFF SCOTT SOTO, der in der Halle spielen sollt, getauscht. Und wie zu erwarten (denn der Veranstalter wusste schon, warum SOTO in die Halle sollte und die PRETTIES draußen hatten spielen sollen), konnte man es vergessen, in die Halle zu kommen. Der Andrang war riesig und ehrlich gesagt hatte ich keinen Bock, mich ewig anzustellen, um dann in die Bullenhitze die uns mittlerweile die Sonne bescherte, irgendwo hinten in der Halle zu stehen und mich nicht mehr bewegen zu können.
So ruhte ich mich also noch ein wenig aus denn die Sonne nebst Alkohol forderten wirklich ihren Tribut.

Bei HELLOWEEN ging’s dann aber nochmal einige Reihen nach vorne und mit „Are You Metal?“ starteten die Hamburger Kürbisse ihren Gig. Es gab etliche Stimmen, die HELLOWEEN nicht mehr mögen. So viele hab ich in letzter Zeit wirklich nicht vernommen wie Samstags auf dem Bang Your Head. Sei es „nach der Walls Of Jericho sind die kacke“, oder „als Hansen weg ging kam nix mehr gescheites“ oder „den Andi Deris zu holen war der größte Fehler“, jede Phase bekam von jemand anderes ihr Fett weg. Ich selbst muss sagen, ich hab die Lieder, die seinerzeit Kiske gesungen hatte, mit Deris früher schon gehört und fand sie wirklich nicht toll. Aber mittlerweile singt er auch diese Songs souverän. Klar anders, aber eben doch gut. Und Spielfreude war auch da. „Eagle Fly Free“, „March Of Time“ folgten dementsprechend und mir gefiel‘s. „7 Sinners“ war dann nochmals ein Stück der letzten Scheibe und ich muss sagen: Die HELLOWEENIES hätten ruhig noch ein paar Stücke aus der Zwischenphase spielen können, denn es gibt da so einige Tracks bzw. Scheiben mit Deris, die ich gut bis sehr gut fand. Und ich muss gleichzeitig sagen, die „7 Sinners“ ist für mich eines der schwächsten mit ihm. Wenn nicht sogar überhaupt in der ganzen ewig langen Diskographie. Weiter ging‘s dann mit „I’m Alive“ und einem Medley der Keeper Trilogie. Also eigentlich dass, was zuletzt auf dem umstrittenen „Unarmed“ Album als Orchesterversion geboten wurde, nur eben als Metal Version. Auch nicht schlecht. Ein paar ewige Mitsingspielchen, die aber von der Länge her wirklich übertrieben sind bei „Dr. Stein“ bzw. „I Want Out“ und dann war auch wieder Schluss. Für mich ein guter Gig, mit etwas zu viel Fokus auf den Keeper Platten und zu langen Mitsingspielen, aber ansonsten sehe ich mir die Jungs immer wieder gerne an.

Danach gab es keine Mitsingspiele mehr. Und keine lustigen Ansagen. Und auch keinen Basser, der aus der Flasche des Sängers nuckelte. Es gaben einfach nur Abrissbirnen mit Titeln wie „World Painted Blood“, „Die By The Sword“, „Seasons IN The Abbyss“ oder „South Of Heaven“. Mit einem überdimensionalen SLAYER Backdrop bedurfte es auch keiner Erklärung, wer dort spielt und genau so viele SLAYER Shirts wie am Vortag als grüne OVERKILL Shirts auszumachen waren, zeigten auch schon den ganzen Abend wer hier zum Schluss das Sagen hat. Dennoch merkte man im Vergleich z.B. zu ACCEPT, dass Balingen nicht 100% zu hartem Metal steht. Es gab schon etliche Lücken, aber die Herrschaften die Anwesend waren konnten sich entweder der Power nicht entziehen, oder bangten und schrien fleißig mit. „Angel Of Death“ und „Reign In Blood“ durften ebenfalls nicht fehlen und nach irgendeinem Track war dann auch mal einfach so Schluss. Bums, rums, kein Tschüss, kein gar nix, keine Zugabe. Aus und vorbei und der Veranstalter bedankte sich, unterrichtete über den Zwischenfall und verwies aufs nächste Jahr. Ein Feuerwerk und das Bang your Head war auch schon wieder zu Ende.

Nicht ganz. In der Halle spielten noch LORDI und man mag es kaum glauben, trotz gebabbel, Toilettengänge mit Umwegen (die Security räumte schon fleißig Müll und Anwesende vom Gelände) kam ich in die Halle, als die letzten beiden Tracks „Hardrock Halleluja“ und „Would You Love A Monsterman“ erschallten. Schön das ich das auch noch mitbekam. Und dann war‘s aber wirklich vorbei und es blieb nur noch, die letzte Nacht im Zelt zu überstehen, die dieses Mal nicht kalt ausfiel.

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, es war wirklich sehr geil. Fast alle Bands haben überzeugt, fast jeder Helfer oder Security Mensch war freundlich (Ausnahmen bestätigen wie bekanntlich die Regeln), das Wetter war erträglich (mal mehr mal weniger), die Essensauswahl war sehr gut, Bons mag verstehen wer will, ich nicht und die Geländeaufteilung und das Publikum waren geil. Ein Dank an die Veranstalter, Helfer, Fans und Bands! Es hat sich gelohnt!

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