SWAMP CORPSE + Support im Bambi Galore, 03.02.2012

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Hamburg, Billstedt, Bambi Galore, 03.02.12
Revolt! & Tragic Serenades
Swamp Corpse, Ophis, Officium Triste, Isole

Das „Bambi Galore“ in Billstedt – falls es immer noch jemanden gibt, für den da was abschreckend klingt: erstens sind Namen Schall und Rauch (was übrigens auch wörtlich zu nehmen ist – es gibt nicht wenige Raucher im Publikum) und zweitens ist Billstedt mit der U-Bahn einfach und schnell zu erreichen (und nach dem Konzert zu verlassen). Also das „Metal Bambi“ wird erneut seinem guten Ruf gerecht, interessante Bands aus dem Untergrund in Form von verschiedenen „Genre-Packages“ zu vernünftigen Preisen zu präsentieren; auf der heutigen Schublade steht Doom/Death und die ersten Vertreter dieser Richtung sind heute Swamp Corpse aus Hamburg.

Hmm, keine einfache Aufgabe, hier eine ausführliche Berichterstattung zu geben, war doch alles irgendwie… in Ordnung. Man könnte auch sagen: okay. Es war nicht wirklich toll und sicherlich war’s auch nicht schlecht, und dass hier kein neues Mühlrad des Doom- oder auch Death-Metals erfunden wurde, dürfte auch niemand erwartet haben. Genre-übliche Growls wechseln sich mit klarem Gesang ab (beides vom gleichen Sänger) und die Gitarre wabert in niedrigen Frequenzen. Dieser langsame WahWah-Effekt wird aber etwas zu großzügig eingesetzt und auch der klare Gesang ist meiner Meinung nach eher unpassend, als dass er das Gesamt(-Klang)-Bild facettenreicher gestaltet hätte. Insgesamt stellen Swamp Corpse aber einen soliden Auftakt hin, der niemandem weh tut.

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Officium Triste, die eigentlich als zweites auf die Bühne sollten, verspäten sich auf dem langen Weg aus den Niederlanden etwas, so dass die Hamburger/Kieler Ophis als zweite Band auf der Bühne stehen. Langsamer, schwermütiger Doom-Metal mit eindeutig Death-Metallischen Wurzeln wird in naturgemäß langen Songs ausgewalzt. Die vier Jungs präsentieren sich so schnörkellos und unprätentiös, wie ihre Songs klingen. Kein Bandbanner, keine Bühnendeko, und keine in bestimmter Weise auffallende Outfits (geschweige denn Gesichts-Bemalungen…) lenken vom Wesentlichen ab, der Musik eben. Es gibt heute einige Zuschauer (Zuhörer), die gerade dafür eine lange Anfahrt auf sich genommen haben. Mir ist das Ganze auf Dauer etwas zu puristisch, und die zwei letzten Songs, also sowohl der des regulären als auch der des Zugaben-Sets, widersprechen dem Langsamkeits-Ideal der Band (und Band-Supporter) insofern, dass sie dann doch mit ein bisschen „Extrapower-Blastspeed“ (man muss auch mal kleinlich sein dürfen) den einen und anderen Glanzpunkt setzen wollen. Aber sei’s drum – puristisch heißt ja nicht dogmatisch; und so kann man der Band attestieren, ihre Fans glücklich gemacht, und auch den Rest des Publikums musikalisch gut unterhalten zu haben.

Jetzt sind Officium Triste bereit, die Bühne zu betreten. Diese 1994 gegründete Doom-Metal-Band spielt melancholisch anmutenden und mit Keyboard untermalten Doom, der einen schönen Kontrast zum Vorprogramm darstellt. Die Musik der fünfköpfigen Band lässt die Zuschauer im langsamen Taumel vor der Bühne stehen, während feine Melodien den Weg sanft in ihre Ohren finden. Man nimmt den Musikern ihre Wehmut ab, die in ihren Stücken erklingt, wenn sie mit geschlossenen Augen behutsam ihre schwermütigen Melodien spielen. Sänger Pim Blankenstein, auch bekannt aus dem neuem „The 11th Hour“ Album, gibt dem Ganzen mit seinen tiefen Growls eine noch stärkere Intensität, die sich gut ins traurige Soundbild einfügt. Auch einen neuen Song, „The Wounded & The Dying“, hört man heute; er beginnt flott und eingängig, schlägt jedoch später wieder in absolute Melancholie um, welche mitzureißen weiß. Man muss aber dazu sagen, dass die Band Musik kreiert, die eine teilweise melancholische Gefühlslage voraussetzt, um richtig in den Songs zu versinken. Trotzdem wird es ein respektabler Auftritt, der durch seine „Tristesse“ zu gefallen weiß.

Mittlerweile ist es schon weit nach Mitternacht und doch schaffen es Isole das Publikum von Anfang an mitzureißen; Auch die Headbangerschaft bekommt endlich Nackenfutter. Die Band ist wirklich gut aufgelegt und erwähnt immer wieder wie gut doch das Bier ist, dabei wird gerne auch mit dem Publikum gefeixt. Die Songs sind vom Aufbau sehr abwechslungsreich komponiert und zeigen keine Längen, die dem Gig unnötig den Fluss rauben. Klasse ist auch der durchweg differenzierte Sound, der durchs Gewölbe des Bambi Galore dröhnt. Oben drauf stimmt die Band in mitten des Gigs einen Bon Jovi Klassiker an, welcher dem Publikum ein Grinsen ins Gesicht schneidet, allein durch die komische Performance und das dauerhafte Lächeln des Sängers Daniel. Auch eine Zugabe gibt es nach einigem Zurufen, dabei hat man den Eindruck, als warte die Band nur darauf etwas mehr spielen zu dürfen. Zu hören gibt es Songs quer aus ihrer Diskografie, auch dabei einer aus ihren Forlorn-Zeiten, welcher sich absolut passend ins Soundgefilde der Band einbettet. Mit dem epischen „Moonstown“ (Song aus der Forlorn Demo „Waves of Sorrow“) spielen die Vier ihr letztes Stück an diesem Abend und hinterlassen eine begeisterte Menge. Auch Leute, die die Band nicht kannten sind positiv überrascht worden und ließen sich mitreißen. Isole boten somit einen krönenden Abschluss für einen tollen Doom Metal Abend im Bambi Galore.

Mehr Infos zu den Bands unter:

Ophis:
https://www.facebook.com/pages/Ophis/113159458768736?sk=info

Officium Triste:
http://www.officiumtriste.com/

Swamp Corpse:
https://www.facebook.com/SwampCorpse

Isole:
https://www.facebook.com/Isole.Band

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