Stefan Bleyl – Fantasie in Bildern

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Als Kunstmaler ist er Autodidakt, seine Arbeiten entstehen mit Öl- und Acrylfarben auf Leinwänden oder eigens angefertigten Malplatten in unzähligen Arbeitsstunden. Ausgestellt hat er bisher mehrfach in der Leipziger Glasmessehalle, anlässlich der Modell-Hobby-Spielmesse.

Metalize.Me: Grüß Dich Stefan. Danke, dass wir dieses kleine Interview führen können. Du bist ja im Spreewald aufgewachsen. Dort gibt es viele Wälder und Gewässer. Findest Du, dass Dich der direkte Kontakt zur Natur hinsichtlich deiner künstlerischen Ausdrucksweise geprägt hat oder hätten Deine Bilder auch in der Stadt entstehen können?

Stefan: Nein, ich mag eher organische Formen und Strukturen, ich denke da hat mich auch meine Heimat der Spreewald schon ein wenig geprägt.

MM: Welches war Dein erstes Bild? 

S: Das ist echt eine schwierige Frage. Für mich selbst gibt es viele „erste“ Bilder, jedes Bild von mir ist anders und oftmals versuche ich mit jedem neuen Bild etwas anders und besser zu machen, probiere andere Techniken aus oder gehe anders an das Gesamtbild heran. So gesehen gibt es also eine ganze Palette an ersten Bilder und ich müsste wohl eine Zeichnung aus meiner frühen Kindheit als mein, zeitlich gesehen „erstes Bild“ betiteln. Aber um die Frage mal aus dem Bauch heraus zu beantworten würde ich den „Thron in der Tiefe“ als mein erstes Bild bezeichnen.

MM: Was kannst Du über die Entwicklung in den Jahren Deiner Maler-Erfahrung berichten?

S: Schon in meiner Grundschulzeit habe ich Buchillustrationen von Kinderbüchern abgezeichnet, die mir einfach gut gefielen. Ich kann mich auch an eine ganze Reihe von Filzstiftzeichnungen erinnern, die stets eine Burg, einen Ritter und diverse Gespenster und Fabelwesen zeigten. Später ging es dann mehr in die Comicrichtung, ich liebte die Illustrationen diverser PC Spiele (die ich selber nie besaß und auch nie gespielt habe), sie animierten mich dazu auch eigene Charaktere zu zeichnen, dies setze sich dann später mit dem anrollenden Manga- und Anime-Boom in Deutschland fort. Erst 2006 löste ich mich dann von meinen Manga und Comiczeichnungen, Auslöser dafür waren eigene Gedichte, die zu dieser Zeit recht zahlreich aus meinen Stimmungen heraus entstanden. Es ging eben doch langsam ein bisschen daran erwachsen werden zu müssen und die vielen klassischen, philosophischen Grundfragen häuften sich sinnflutartig in meinem Kopf – sie machten mich depressiv. Diese schwere Zeit war aber auch gleichzeitig der Keim für alle meine großen Bilder die nun folgten, es möge aber nun bitte nicht der Trugschluss entstehen ich male meine Bilder aus Depressionen heraus, dem ist nicht so! Nach einigen Kohle und Pastellzeichnungen begann ich 2008 zunehmend zunächst mit Acryl- und später auch mit Ölfarben zu malen und es entstand im Frühjahr 2009 mein erstes großes Bild „Der Thron in der Tiefe“, gleichzeitig hatte ich im Oktober des gleichen Jahres meine erste Ausstellung in der Glasmessehalle in Leipzig.

MM: Welches sind generell die Hintergründe deiner Bilder oder besser formuliert gibt es einen roten Faden?

S: Die Hintergründe? Natürlich hat jedes Bild seine eigene Geschichte, aber ich finde es zerstört oft die Schönheit eines Bildes, wenn man diese „Stories“ breittritt. Weder sehe ich mich als Märchenerzähler, noch verkaufe ich „des Kaisers neue Kleider“. Meine Bilder sind so wie sie sind, mit reinem Herzen geschaffen, und es soll sich jeder selber ein Bild von dem machen was er darin sieht. Wer nach einer Intention in meinen Bildern sucht wird diesbezüglich wohl nur schwer fündig werden. Ich verfolge kein nennenswertes Ziel mit meiner Kunst, es geht mir einfach darum ein gutes Bild zumalen. Wenn wir in der Natur eine Blume entdecken, die uns besonders gut gefällt, dann gefällt sie uns eben einfach so und nicht deshalb, weil die Blume sich besonders viel Mühe gegeben hat für uns schön zu sein. Ähnlich ist es wohl mit meinen Bildern, sie sind wie sie sind und auf jeden wirken sie anders: schön oder schrecklich. Meine Bilder sind keine Abbilder konkreter Vorstellungen, sondern ein Ausdruck unbeschreiblicher Sehnsucht nach einer geistigen Heimat – eine Art spirituelles Selbstportrait.

MM: Welche Techniken nutzt Du bei Deiner Arbeit?

S: Meine Bilder entstehen fast ausschließlich in mühsamer Pinselarbeit, wobei ich bei Acrylbildern auch gern mal unterstützend zur Airbrushpistole greife. Nennenswerte Techniken kann ich hier leider nicht anführen, meine Malweise beruht vor allem auf Erfahrungen. Ich probiere auch immer wieder neue Techniken und Malweisen aus und wenn ich eine Galerie besuche inspiziere ich die Originalbilder, die mir gefallen oft sehr genau hinsichtlich ihrer Malweise.

MM: Gibt es musikalische Inspirationen?

S: Musik inspiriert mich nur indirekt, ich höre sehr gern Musik beim Malen, weil sie mich ein wenig ablenkt und ich so fast unbewusst male. Es gibt aber auch paar Bands und Songs, die mich insbesondere in der Startphase meiner Malerei geprägt haben. Dabei war es nicht nur die Musik selbst, sondern besonders die poetischen Songtexte und Sprachbilder. Hier möchte ich vor allem „Dornenreich“ mit ihren brachialen, assoziativen Wortgeflechten nennen und außerdem noch Drautran‘s Meisterwerk „Throne of the depth“, sowie die „Grabnebelfürsten“ mit „Schwarz gegen Weiß“.

MM: Hast Du Vorbilder bzw. Inspirationsquellen, die dich speziell angeregt haben?

S: Vorbilder ist der falsche Begriff, mein tiefer Respekt gilt Zdzislaw Beksinski, Michael Ende, Novalis, J.R.R. Tolkien, Edgar Allen Poe, Miguel de Cervantes und Gustave Dore. Ich könnte die Liste jetzt noch deutlich länger ausfallen lassen, denke aber die wichtigsten genannt zu haben.

MM: Du hast bereits an Ausstellungen teilgenommen. Was waren die Erfahrungen, die du dort machen konntest?

S: Bisher habe ich meine Bilder lediglich dreimal in der Leipziger Glasmessehalle anlässlich der jährlichen Airbrush- und Kunstausstellung präsentiert. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie die Menschen auf meine Bilder reagieren. Verblüffend ist, dass ich mit meiner Kunst keine bestimmte Zielgruppe habe, so dachte ich ursprünglich meine Bilder würden lediglich junge Leute in meinem Alter ansprechen, dem ist jedoch nicht so. Auch ältere Menschen interessieren sich für meine Bilder, wenn auch nicht für jedes gleichermaßen. Am krassesten sind die Eindrücke bei meinem Bild „Der infizierte Blick“, mit ca. 1,2 m Breite ist es momentan mein größtes Werk und ein ziemlicher Blickfang. Es versetzt die vorbeiströmenden Leute stets entweder in ein ehrfürchtiges Staunen oder in eine tiefe innere Abneigung. So manch überraschtem Besucher entfährt auch schnell mal ein lautes spontanes „Iiiih“.

MM: Was gibt es aktuell von dir zu berichten?

S: Im Moment arbeite ich an mehreren Bilder, eins davon soll als Step-by-Step in einer Fachzeitschrift veröffentlich werden. Ein weiteres bearbeite ich gerade experimentell in einer für mich neuen Ölmaltechnik und ist auf meiner Facebook-Fanseite zu verfolgen (Stefan Bleyl – Fantasie in Bildern) und ein drittes bleibt bis zur Fertigstellung vorerst unveröffentlicht.

MM: Was bringt die Zukunft?

S: Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Projekte in Zusammenarbeit mit Bands oder auch Autoren. Ich könnte mir meine Bilder gut als Platten- oder Buchcover vorstellen. Außerdem wünsch ich mir mehr gute Ausstellungsmöglichkeiten, insbesondere für junge autodidaktische Künstler wie mich, die mit ihren Bildern nicht so ganz in die „moderne“ Kunstszene passen. Von den Menschen wünsche ich mir wieder ein gesünderes eigenständigeres Wertebewusstsein. Unsere verschwenderische Wegwerfgesellschaft hat selbst sogenannte „Künstler“ dazu gebracht schnelle Bilder zu malen, die Unsummen kosten aber keinerlei Seele besitzen. Handwerklich begabte Künstler werden in meinen Augen heutzutage einfach viel zu gering geschätzt und ihre Arbeit häufig schlecht bezahlt. Nicht nur in Gesellschaft, sondern auch in der Kunst ist der Mensch denkfaul geworden, er erwartet stets eine vorformulierte Interpretation des Künstlers zu seinen Bildern. Diese Einstellung empfinde ich als grundlegend falsch. Ich wünsche mir daher für die Zukunft, dass die Menschen wieder eigenständiger denken und sich in der Kunst gedanklich vom Bild leiten lassen, nicht von der dahergedichteten Interpretation eines Kunstprofessors oder gar des Künstlers selbst. In meinen Augen sollte die Interpretation von Kunstwerken nicht auf wissenschaftlicher Wahrheitsuche beruhen, sondern auf persönlichem Empfinden. Eine Ausnahme davon bilden höchstens historische Kunstwerke der Zeitgeschichte.

MM: Existieren Pläne hinsichtlich deiner Arbeiten bzw. kommender Ausstellungsmöglichkeiten?

S: Ich habe keine festen Pläne, werde mich künstlerisch auf jeden Fall weiter frei nach Belieben bewegen. Was ich aber auf jeden Fall noch vorhabe ist mal ein Buch mit eigenen Gedichten und Illustrationen herauszubringen. Es wird wohl gleichzeitig eine Art Artbook werden, wann das aber mal soweit ist steht noch in den Sternen. Für dieses Jahr stehen des Weiteren noch zwei Ausstellungen an, einmal die Airbrushshow in Grefrath vom 18.-19. August 2012 und die 16. Airbrush- und Kunstaustellung in Leipzig vom 5.-7. Oktober 2012.

MM: Vielen Dank für das ausführliche Interview, Stefan.

Weitere Infos zu Stefan und seiner Kunst findet ihr  auch auf seiner Homepage:
www.scheinlichter.de
oder auf seiner Facebookseite:
http://de-de.facebook.com/pages/Stefan-Bleyl-Fantasie-in-Bildern/306135669401052


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