UNHEILIG mit Lichter Der Stadt

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Nach „Große Freiheit“ steht jetzt das neuste Werk der nicht mehr ganz so unheiligen Band in den Läden. Es trägt den Titel „Lichter der Stadt“.

UNHEILIG war vor einpaar Jahren noch der Name einer Musikgruppe, die sich offensichtlich in der schwarzen Szene zu hause fühlte. Der Frontmann machte aus sich ein Geheimnis, trug weiße Kontaktlinsen in der Öffentlichkeit und wurde von allen nur „der Graf“ genannt.
Heute weiß jeder, vom Teenager bis zur Schlageromi, wie der gute Mann mit bürgerlichem Namen heißt. Seine Kontaktlinsen trägt er nicht mehr, denn spätestens seit den Auftritten bei The Dome usw. hätte das seine neue Zielgruppe nur abgeschreckt.

Das neue Image der Truppe um den Grafen ist es auch, was wir „Gruftis“ auf der neuen Platte der Aachener vorgesetzt bekommen.
Nun gut, vielleicht bin ich nicht ganz unbefangen an die ganze Sache herangegangen….
„Große Freiheit“ habe ich, als die Scheibe herauskam, jeden Tag auf meinem MP3-Player auf und ab laufen lassen – egal wo.
Beim Reinhören in die neue CD hat sich mir dann bestätigt, was ich mir schon fast gedacht habe. „Lichter der Stadt“ schlägt genau in die gleiche Kerbe wie das Vorgängeralbum, nur noch tiefer.
Was ich am vorangegeangen Album schätzte, war dass es ruhige Tracks genauso gab, wie (wenn auch nur noch vereinzelt) schnelle, für Unheilig typische, rockige Songs mit Elektroeinflüssen.
Rockige oder gar gothicartig-anmutende Parts, suchen wir auf „Lichter der Stadt“ allerdings vergeblich.

Auch diese Scheibe ist ein Konzeptalbum und blicken wir auf 2010 zurück, so können wir die Brücke von der „Großen Freiheit“ in die Stadt schlagen. Am Anfang der großen Freiheit stand der Charterfolg „Geboren um zu leben“ und genau daran knüpft der Graf mit „So wie du warst“ an. Doch gleichzeitig mit dem Anknüpfen an die Erfolge des letzten Albums, reisst endgültig die Verbindung an alte Unheilig-Zeiten ab.

Wieder ist es die erste Singleauskopplung, die einschlägt wie eine Bombe.
Zugegeben, es ist ein Ohrwurm. Aber das will ja nichts heißen. Einen guten Song machen ein komplexer, spannender Songaufbau und ein ansprechender Songtext aus. Beides haben wir hier nicht. Ein balladenartiger Rhythmus und ein anspruchsloser Text sind hier das Ergebnis.

Das Intro „Das Licht“ soll in das Thema der ganzen CD einführen und tut es auch. Erwarten sollten wir aber nicht zu viel, denn genauso ruhig wie der Opener ist die ganze Platte.
„Herzwerk“ hört sich vom Titel her spannend an, ist es aber leider nicht. Zwar kann man hier erahnen wie sich Unheilig einmal anhörte, aber so richtig will der Funke einfach nicht überspringen… da hilft auch das etwas schnellere Tempo nicht.

„Tage wie Gold“ schließt nahtlos an die neue Monotonie der Gruppe an. Langsames Tempo, Liedzeilen, die sich immer wiederholen…
Wer dachte, noch langweiliger geht’s nicht, hat sich geschnitten. Das wird spätestens beim nächsten Stück „Wie wir waren“ klar. Hier wurde sich mit dem Gastsänger Andreas Bourani (bekannt durch seinen Song „Nur in meinem Kopf“) ausgeholfen und als ich das Lied hörte, schoss mir durch den Kopf: „Jetzt bloß nicht auch noch Xavier Naidoo!“, doch meine Befürchtungen sollten sich später auf dem Album noch erfüllen… aber ich will nicht vorgreifen.
Auch „Wie wir waren“ ist für die breite Masse bestimmt und hat Ohrwurmcharakter.
„Unsterblich“ hat einen Touch von „Unter deiner Flagge“ oder auch „An deiner Seite“ und ich muss wirklich sagen, der Song ist eine schöne Ballade.
Hinter dem Namen „Feuerland“ könnte man ein Rocklied vermuten und ich saß wie auf heißen Kohlen und habe gehofft, dass wenigstens jetzt mal was Fetziges kommt…weit gefehlt.
Wieder die gleichen Rhythmen wie davor auch schon zu oft gehört.
Die folgenden Songs sind ebenfalls sehr ruhig und man wird auf der Welle der gleichbleibenden Liedmelodie und des langsamen Tempos davongetragen. Auch die Texte sind alle ähnlich.
Erst bei Track 12 gibt’s was „Neues“ – Xavier Naidoo. Zusammen mit dem Grafen singt er bei „Zeitreise“ über die Vergangenheit, auf die zurückgeblickt werden soll… schade, dass man nur darüber singt.
Das folgende Stück trägt den Titel „Das Leben ist schön“. Hier sind auch die Lyrics wieder etwas ansprechender. Nichts desto trotz wartet man immernoch vergeblich auf den einen Song, der alles rausreisst.
Und jetzt die Überraschung! Wenn auch nicht ganz so unheilig wie früher, wurde bei „Eisenmann“ zumindest der Versuch gestartet wieder etwas „böser“ zu klingen.
Mehr in die Rammstein-Schiene fallend zwar, doch immerhin… mehr als ich erwartet hätte.
Der kleine Lichtblick, wird durch „Vergessen“ jedoch schnell wieder getrübt…
Zu guter Letzt „Die Stadt“. Ein Instrumentalstück, das wie die anderen Songs schön klingt – mehr aber auch nicht.

Fazit:

Alles in allem ist die neue Scheibe von UNHEILIG für eingefleischte Fans purer Hohn. Sehr emotional, so wie die schwarze Szene es eigentlich mag, aber viel zu viel des Guten. Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Musik sich gut anhört, die der Graf auf seiner neuen CD präsentiert. Dennoch wünscht man sich, vorausgesetzt man kannte die Band schon vor ihrem Mainstream-Erfolg, die guten alten Zeiten zurück. Für das gemeine Volk ist das Album sicher toll und es wird garantiert auch in den Charts wieder große Erfolge feiern…
Auf Gothic-Festivals wird es allerdings nicht ankommen, aber wer weiß…vielleicht will man das ja auch gar nicht?

[xrr rating=2/10]

Trackliste:

1. Das Licht (Intro)
2. Herzwerk
3. So wie du warst
4. Tage wie Gold
5. Wie wir waren (feat. Andreas Bourani)
6. Unsterblich
7. Feuerland
8. Lichter der Stadt
9. Ein guter Weg
10. Ein grosses Leben
11. Brenne auf
12. Zeitreise (feat. Xavier Naidoo)
13. Das Leben ist schön
14. Eisenmann
15. Vergessen
16. Die Stadt (Instrumental)

Release-Date: März 2012
Label: Universal Music
Genre: Pop

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Franzi

Franzi ist gelernte Tischlerin und studiert derzeit Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Als Redakteurin ist sie seit Dezember 2011 bei Metalize.Me tätig. Ihre Schwerpunkte sind: CD-Rezensionen und Live-Reviews in den Bereichen Mittelalterrock, Metal und Gothic in allen Variationen.