Sunrise Avenue mit Out Of Style

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In Sachen Pop-Rock rümpft manch Freund harter Klänge gern die Nase. Oft genug zu Recht: denn zuviel liebloser Schmand ergießt sich allmonatlich in die Plattenläden, echte Gitarren und richtiges Schlagzeug fungieren dabei nur als domestiziertes Nebenbei. Trotz des anrüchigen Genres erweisen sich Sunrise Avenue mit in klassischer Manier meist liebevoll und sauber eingespieltem Material als ordentliche Wahl für den heimischen Player.

Skandinavische Künstler pflegen gern einmal spinnerte Wege abseits des Mainstreams. Doch bei den Finnen um Leadsänger und Songwriter Samu Haber gestaltetet sich nichts in derlei Richtung. Wahres „Out Of Style„, so der Alben-Titel, findet woanders statt. Doch eine Nummer wie „Hollywood Hills“ laut gespielt – das funktioniert einfach, und dazu darf gern mitgewippt werden.

Stimmiges Synthie-Geplucker, treibende Beats und griffiger Song-Aufbau lassen den Song schnurstracks – und willkommen – den Weg in die Gehörgänge finden. Die „Damn Silence“ zeigt sich alles andere als still: federnde Drums und Songwriting klar über Durchschnitts-Niveau sorgen für einen weiteren sauberen Track.

Somebody Help Me“ fährt die bisher kräftige Oktanzahl herunter, und wandert auf dem Balladen-Boulevard. In der Ausführung geht die Nummer als ordentliches Handwerk durch, kommt aber nicht über handelsüblichen Durchschnitt hinaus. In der Ferne grüßen (oder drohen) gar Reamonn.

Der Mitsing-Faktor zeigt sich hoch bei einigen Tracks, ohne dabei auf billigem Mitgröhl-Terrain auszurutschen. Auffallend: der oft gern schwelgerisch-sentimental gestaltetete Song-Aufbau. „I Don’t Dance“ weckt zu Beginn Erinnerungen an gefürchteten Synthies-Pop der Achtziger, bevor (wenig überzeugend) Allerwelts-Drums und zu zahme Gitarren vergeblich versuchen, noch etwas zu retten.

Viel besser macht es „Stormy End„, neben den „Hollywood Hills“ stärkste Aufnahme. Zwar zeigt sich die Kompositions-Rezeptur schlicht strukturiert, doch die Finnen kochen daraus ein höchst schmackhaftes Festtags-Süppchen: punktgenauer Song-Aufbau im Verbund mit großen Gefühlen lassen auch den härtesten Metaller gern mehr als nur ein Ohr riskieren. Besonders nach Mitternacht, und einigen geistigen Getränken zuvor: „Please bring me another Tequila / I don’t need a sober day just yet“ gibt da hilfreiche Anleitung zum Hörgenuss.

I Gotta Go“ knüppelt ganz ordentlich. „Sex & Cigarettes“ klingt als Titel ziemlich gut – zumal Rauchen dank Verfolgung durch staatlich legitimierte Gesundheits-Diktatoren inzwischen wieder als echter Rock’n’Roll durchgeht.

Das Intro-Riff von „Out Of Tune“ wildert in guten alten Deep Purple-Traditionen

Wegweisend gestaltetet sich „Out Of Style“ zu keinem Zeitpunkt. Doch gerade die unbefangene, und entspannte Handhabung vertrauter Elemente aus Pop und Rock machen den Reiz des Longplayers aus.

Sunrise Avenue haben kein künstlerisch innovativ gestaltetes Menü im Auge.

Höchst leckere Snacks für zwischendurch finden sich im aktuellen Output indes allemal. Und das sogar nicht selten über eine nur kurze Hör-Halbwertzeit hinaus.

7 / 10 Punkten

Tracklist:
1. Hollywood Hills
2. Damn Silence
3. Somebody Help Me
4. I Don’t Dance
5. I Gotta Go
6. Stormy End
7. Kiss Goodbye
8. Sex & Cigarettes
9. The Right One
10. Out Of Tune
11. Angels On A Rampage
12. Sweet Symphony

Release-Date25.03.2011
Stil: Pop-Rock

Label: EMI
Mehr Infos zur Band:

www.sunriseavenue.de


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