Philipp Fankhauser mit Try My Love *DOPPELREVIEW*

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Review von Artur

Die Schweiz hat den Blues. Und wie!
Philipp Fankhauser legt mit „Try My Love“ nicht eine womöglich nur exotische, eidgenössische Variante des Genres vor, besser noch: ihm gelingt eine überzeugende Bestandsaufnahme in Sachen erwachsener Blues-, Rock- und Soul-Sounds.
Seine Stimme besitzt den dafür nötigen kratzig-rauchigen Charme, gepaart mit jeder Menge breitgefächertem Intonations-Vermögen.

Unaufgeregt und relaxt lädt mit „It’s Gonna Rain“ eine Midtempo-Nummer hinein in ein kurzweiliges Album.
Auf „Make My Home Where I Hang My Hat“ sorgen akzentuierte Bläser für die besonderen Song-Momente, ebenso wie im energischen „Jealous Kinda Fella„.
Die Dramaturgie zeigt sich gut gewählt: die ersten Tracks bedienen sich des entspannten Stil-Schlenderns, um im Fortlauf immer wieder an Tempo zuzulegen.
Der Titeltrack „Try My Love“ ist als klassischer Schleicher konzipiert, mitsamt elegant perlender Gitarre inclusive im Hintergrund dezent schwellender Orgel.
Das beherrscht Fankhauser wie kein zweiter: dem eigentlich erdgebundenen, klassischen Rhythm and Blues Eleganz zu verleihen, ohne gleichzeitig den nötigen Schuss Dreck außen vor zu lassen.
Dann und wann sitzt der Schweizer in einer schäbigen Gosse, doch in seinem tröstenden Flachmann schwappt kein Billig-Fusel, sondern erlesener Scotch.

Fankhausers Kompositionen bewegen sich in einem höchst gutklassigen Umfeld der Pole Cocker und Clapton. Das bedeutet wenig Raum für Revolutionen, doch darauf kommt es dem Künstler auch nicht an. Dank blitzsauberem Handwerk und beseeltem Songwriting haucht er uramerikanischen musikalischen Spielarten glaubwürdige europäische Seele ein.

In Sachen Begleitmusikern schöpft Philipp aus dem Vollen. Neben einer satt und punktgenau agierenden Bläser-Sektion sorgt das Zusammenspiel internationaler Musiker an Gitarren, Drums und Hammond-Orgel für gefühlsechten Sound.
Die Zahl der klar weit überdurchschnittlichen Tracks ist hoch. „Cut Me Some Slack“ rumpelt mit stilechtem Boogie Woogie-Piano.
This Song“ beschwört Herzschmerz-Momente am Mississippi-Ufer.
Sweet Deal“ lädt dank groovendem Sixties-Soul gar auf den Dancefloor. Im Gegensatz zu vielen anderen Scheiben erweisen sich die Bonustracks (gleich vier Stück an der Zahl) nicht als liebloses Füllmaterial.

Hier lässt Fankhauser mit Band live die Sau raus – und bietet dem Hörer willkommene Appetithäppchen für den entgültigen Entschluss zum kommenden Konzert-Besuch.

Old-fashioned, aber nie angestaubt:
Philipp Fankhausers Blues überzeugt neben seiner Frische besonders durch hörbaren Spaß an der Sache. Und ihm gelingt das Kunststück, einem vermeintlich längst ausgeloteten Genre neue Akzente abzugewinnen.
Der Einladung „Try My Love“ darf gern gefolgt werden – denn dank Fankhauser & Co. locken keine leeren Versprechungen.

[xrr rating=9.0/10]

Philipp Fankhauser Try My Love 13.05.2011 www.sonymusic.de/

01. It’s Gonna Rain
02. Make My Home Where I Hang My Hat
03. Jealous Kinda Fella
04. Don’t Be Afraid Of The Dark
05. Try My Love
06. Please Come On Home
07. Cut Me Some Slack
08. This Song
09. Sweet Deal
10. Roadhouses & Automobiles
11. Then It Rained
12. Blues Ain’t Nothin‘ (Bonus Live)
13. Down On Bending Knees (Bonus Live)
14. Flying High (Bonus Live)
15. Too Little Too Late (Bonus Live)


Review von Lennart

22 Jahre nach „Blues for the Lady“  erschien mit „Try My Love“ das nächste Album von Philipp Fankhauser, welches ich mir einige Tage zu Gemüte geführt habe.
Vorweg kann ich schon sagen, dass keine Minute davon verschwendete Zeit war.
Mit viel Leidenschaft präsentiert Fankhauser hier einen modernen Klassiker, der in keiner gut bestückten Blues-Sammlung fehlen sollte.

Was Genrefreunde erwarten, das bekommen sie. Bestückt mit Balladen bis hin zur flotteren Nummer, die zum Tanzen einlädt, ist „Try My Love“ jedoch auch ein passabler Einstieg für Neulinge auf diesem Gebiet.
Keineswegs altbacken, aber doch klassisch präsentiert sich jedes einzelne Lied mit viel Substanz und erlaubt dem Album kaum Durchhänger.

Anspieltipps:
Don’t be afraid of the Dark; Cut me some Slack; Jealous Kinda Fella

Fazit:
Blues aus der Schweiz funktioniert (noch immer) wunderbar.

[xrr rating=9.0/10]


Stil: Blues
Mehr Infos zu Philipp Fankhauser:
www.philippfankhauser.com

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