PETER HEPPNER mit My Heart Of Stone

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Zunächst war da Besorgnis. Im Vorlauf zum neuen Album präsentierte Peter Heppner den Song „Meine Welt„. Ging gut ins Ohr (sehr gut sogar), doch die teilweise naiven Lyrics irritierten. Dann die Meldung, dass mit „Alles Klar!“ ein „Lied Für Wettkämpfe“ auf der Platte enthalten sei. Der dunkle Synthie-Ritter und mitgröhltaugliche Songs für Massen alkoholisisierter Sportfreunde? Entwarnung: hinter all dem Vorgeplänkel steckt ein großer, untadeliger Plan. Und mit ihm eine wunderbare Langspielplatte.

Der instrumentale „Prologue“ bittet mit gefühlvollen Pianoklängen hinein ins Werk, bevor „Give Us What We Need (Truth Is Not The Key)“ dank sattem Bass, wohltemperierten Beats und Heppners charismatischem Gesang ordentlich punktet. „Meine Welt“ ist unterlegt mit spieluhrartigen „Da-Dadadam“-Parts, die sich sofort und hartnäckig im Gehörgang festsetzen.Viel musikalische Abwechslung also gleich zu Beginn, und Heppner hält auf voller Albenlänge ein hohes Niveau. Für die Liebesproblematik auf „Deserve To Be Alone“ bittet er Kim Sanders (Schiller) zum einfühlsamen Duett.

Neues Album, alte Frage: erfindet sich der jeweilige Künstler neu? Braucht Heppner nicht. Wozu auch, denn er präsentiert mit „My Heart Of Stone“ ein Album, das dennoch tatsächliche persönliche Weiterentwicklung zelebriert. Mehr noch: die Emanzipation von Wolfsheim ist nun entgültig festgezurrt. Wanderte „Solo“ noch stark auf vergangenen Band-Pfaden, ist die Loslösung von Vergangenem hier in jedem Ton spür- und nachvollziehbar. So frei und gelöst hat Heppner im Verbund mit Ex-Partner Markus Reinhardt nie geklungen.

Als Track 11 mittig platziert, stellt „Letter From Africa“ den ganz besonderen Song-Höhepunkt von Vielen dar. Peters Vision von Mama Afrika setzt auf einfühlsame, bildhafte Lyrics, und verzichtet dankenswerterweise auf das übliche. vordergründige Ethno-Brimborium. Afrikanische Sounds und Trommelspiel finden zwar statt – doch intelligent und dezent in ein wunderbar leicht und luftig inzeniertes Arrangement eingefügt. Bei seiner Hommage an den schwarzen Kontinent lässt Heppner die Gegensätze zwischen träumerischen „Ancient Kingdoms / realms unknown“ und realen „Endless wars / no rights of man„-Gegensätzlichkeiten nicht außer Acht.

Dem reinen Dasein als Gruft-Ikone hat der Hamburger längst entsagt, dennoch wird ihm die dunkle Gemeinde treu bleiben. Denn das gesamte Album hat nichts mit oberflächlich und wohlgefällig dahinplätscherndem Synthiepop zu tun. Nachdenklichkeit und Melancholie lauern noch immer in nicht wenigen, und dann sehr schattigen Songecken.

Doch für solche Momente hat Peter stets eine tröstliche, babylonische Kerze in der Manteltasche. „My Heart Of Stone“ fasziniert dank eines durchgängigen und in sich stimmigen Konzepts, veredelt mit einer Reihe lose eingestreuter, kurzgehaltener Instrumental-Passagen. Kalkül ja, Verkopfung nein, dafür jede Menge Emotion. Der runde Gesamteindruck setzt sich mit dem ansprechend und geschmackvoll gestalteten Booklet-Artwork fort.

Alles Klar! – Lied Für Wettkämpfe“ besticht gegen Alben-Ende durch Geschmeidigkeit und Eleganz. Hier wollte jemand einfach mal nur Spaß haben, ohne sich in trunkene Fanabgründe begeben zu müssen. Zum Abschluss erklingt dann „Meine Welt“ erneut – in einer anderen Version, die die eingangs erwähnten Befürchtungen beiseitefegen und Heppners Intentionen ins klare Licht rücken. Denn hier singen Kinder den Text, was den Schuss Naivität nun nicht nur begründet, sondern noch glaubwürdiger und nachvollziehbarer gestaltet.

Dass dieses Song-Double in seiner Gesamtheit letztlich absolut untadelig und unpeinlich gerät, ist ein weiterer Beleg für Peters feines Gespür, was gelungene Stimmungskoloratur angeht. Heppner ist und bleibt ein unverbesserlicher Romantiker – gut so! Seine hier vorgestellte Kollektion von erlesenen Pop-Perlen besitzt eine verführerische Strahlkraft.

Die wohligen Gefühle, die das Album nach dem aufmerksamen Hören hinterlässt, führt seine Überschrift „My Heart Of Stone“ ganz klar ad absurdum. Doch auch das ist gewollt, ebenso wie die eingangs erwähnten, zielbewusst gestreuten Irritations-Momente. Nach dem letzten Klang schließt sich der Kreis. Mag er optisch meist eine vermeintlich distanzierte, kühle Maske präsentieren – tief in seinem Inneren steckt in Peter Heppner ein warmherziger, kluger Schelm. Der ausgestattet ist mit dem Wissen um die richtige Balance zwischen ruhigen Momenten und flüssigen Grooves.

[xrr rating=8.0/10]

Tracklist:

1. Prologue
2. Give Us What We Need (Truth Is Not The Key)
3. Meine Welt
4. Deserve To Be Alone
5. Pénombre Islandaise
6. God Smoked
7. Whenever I Miss You
8. D’antan
9. I Won’t Give Up
10. A Love Divine
11. Letter From Africa
12. Au Large
13. Noch nicht soweit
14. Cry Tonight
15. Épilogue
16. Alles Klar! – Lied Für Wettkämpfe
17. Meine Welt (Kids Edit Bonus Track)

Release: Mai 2012
Label: Universal Music
Genre: Synthie Pop
Mehr Infos unter:
https://www.peter-heppner.com/ 

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