Mobylettes mit „Immer schlimmer!“

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Der Frühling bricht aus. Was braucht man zum kompletten Glücklichsein?
Genau, eine entsprechende Platte, die all das Gesumm und Geknospe in einem selbst so richtig zum Leuchten bringt.
Da kommen die Mobylettes gerade recht. Keine Chance für Alpenveilchen, Schneeglöckchen & Co. – die wirklich bunten Farben tupfen Diana Diamond, Betty Butterfly, Sue Sunshine & Co.

Der exzessive Rückgriff auf Sounds und Styles der Swinging Sixties gehört mittlerweile zum alltäglichen Procedere vieler Künstler.

Die Arbeiten und Erfolge von Acts wie z. B. Duffy, Adele und zuletzt auch Phil Collins bedienen sich ausgiebig im Fundus der Supremes, Dusty Springfield oder Martha & The Vandellas.

Eine Nummer kleiner – und oft auch feiner – agieren die Hamburger Indie-Popper Mobylettes. Da findet sich kein opulent schwelgendes Orchester – aber mit großem Herzen schwillt die Orgel, vereinnehmende Melodiebögen nehmen gefangen, und punktgenau agierendes Schlagzeug lädt ein zu mehr als nur Fingerschnippen. Die amüsanten Texte bilden das Sahnehäubchen. Gleich der Auftakt „Immer Schlimmer“ lässt nicht stillsitzen: mit dynamischen Drums und allerlei zeittypischen Sound-Accessoires geht es geradeaus Richtung Beat-Club. Inclusive späteren, erschreckten weiblichen Erkenntnissen im morgendlichen Badezimmer: „Wer zum Teufel / ist dieser Mann?“

„Bleib Nicht Stehen“ begeistert als funkelndes Juwel in Sachen Herz-Schmerz-Ballade. Thematisch originell umgesetzt, und musikalisch unwiderstehlich im Highschool-Rock’n’Roll der frühen Sechziger angesiedelt. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, besonders, wenn Diana Diamond nachdenklich dem Liebesglück zufällig auf der Straße begegnet: „An Leuten wie mir / klebt das Pech wie Schwefel / und an Leuten wie Dir / reibt es sich ab“. Damit klaut sie nächstes Jahr Roger Willemsen womöglich den Grimme-Preis. Und nötigt dank meisterlichem Fade-Out Roy Orbison zum Griff ins Kleenex-Kästchen. Gekonnt kokettiert die Sängerin mit kapriziösen Aschenputtel-Gedanken: „Siehst du mich auf der Straße / nimm die andere Seite / sprech ich dich an / dann geh einfach weiter / Leute wie ich / die bringen kein Glück“. Und schon sitzt das Objekt der Begierde rettungslos in einer charmanten Venusfalle.

„Du Lässt Mich Nicht Los“ swingt smart und luftig über den Motown-Boulevard, inclusive stilechter Duane-Eddy-Twang-Gitarre. Keine Frage: der Auftritt der Mobylettes birgt fatale Folgen für allerlei konkurrierende Acts. Backstage entscheiden sich Dion & The Belmonts dafür, „Teenager In Love“ gar nicht erst anzustimmen, Paul Anka schmeißt seine „Diana“-Noten fluchend in den Papierkorb, und The Baseballs werden ganz schön nachdenklich. „Aus Den Augen, Aus Dem Sinn“ lädt ein zu vielversprechenden Frühlings-Flirts, nicht zuletzt dank lieblich lockender Background-Vocals.

Diana Diamond agiert wie die dunkle Schwester von Suzie (Michelle Pfeiffer) Diamond aus dem Film „Die Fabelhaften Baker Boys“. Poussierte Belle Michelle einst verführerisch in rotem Abendkleid mit und auf Jeff Bridges‘ Klavier, gibt Diana eine (unbedingt liebenswerte) Femme Fatale in den Seitenstraßen-Kaschemmen der Großstadt. Dezent sexy-neurotisch angehaucht, ist sie fraglos genau die Richtige für Rotkäppchen-Sekt-geschwängerte Momente um Mitternacht.

Mit ihrem sauber geschneiderten Yesterday-Outfit verheißen die Mobylettes für 2011 einen unvergleichlichen Summer Of Love. Wie, gabs alles schon mal? Egal, Gutes darf immer wiederkehren. Außerdem gilt noch immer uneingeschränkt das mittlerweile legendäre Rocko Schamoni-Zitat: „Wäre Gott Emma Peel, wären die Mobylettes die Hausband des Himmels“. Aber dieses Jahr behalten wir sie noch auf Erden. Die Welt braucht Diana Diamond und ihre tapferen Mitstreiter.

[xrr rating=9.0/10]

Tracklist:
01. Immer Schlimmer
02. Wäre Ich Du
03. Du Lässt Mich Nicht Los
04. Bleib Nicht Stehen
05. Adieu
06. E = MC2
07. Nein Nein Nein
08. Leg Mich In Ketten
09. Aus Den Augen, Aus Dem Sinn
10. Nur Ein Wort
11. Das Bild
12. Eine Frau Und Ein Mann
13. Geh Nicht Fort

Release-Date: 25.03.2011
Stil: Indie / Hamburger Schule
Label: Tapete Records
Mehr Infos zu Mobylettes:

www.myspace.com/mobylettes


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