THE SORROW mit Misery Escape

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Es gab Zeiten, die sind auch noch gar nicht so lange her, da stand der Begriff Metalcore nicht für Beatdown-Anreihungen, nicht für immergleiche Akkordfolgen und vorhersebare Shout-Clean Abfolgen und schon gar nicht für Elektro- und Dubstepelemente oder mittelmäßige Einspieler. Damals, etwa um 2003 herum, stand der Begriff synonym für die New Wave of American Heavy Metal – mit der Speerspitze aus As I Lay Dying und Killswitch Engage. Im Kielwasser dieser Bands kam es damals zu einem Boom des Genres, überall sprossen Bands wie Unkraut aus dem Boden – und viele verblieben dort. Oft zu Recht, manchmal zu Unrecht, wie der Fall The Sorrow eindeutig belegt. Oder woran denkt ihr bei Metal und Österreich? Genau.

Die Vorarlberger The Sorrow veröffentlichen Anno 2012 ihr viertes Studioalbum – und sind doch noch immer nicht über die kleinen Clubs hinausgekommen. Trotz eines Majordeals seit ihrem in meinen Augen großartigen Debüts Blessings From A Blackened Sky aus dem Jahre 2007, was mit tollen Songs wie Knights Of Doom, The Dagger Thrust, Death From A Lovers Hand und Deepest Red brillierte, sowie einem Auftritt auf dem W:O:A 2007 konnte die Band nicht in die erste Reihe vorstoßen. Auch der nicht minder starke Nachfolger Origin Of The Storm der neben einem großartigen Artwork auch tolle Songs wie Where Is The Sun, My Immortal Guardian oder Anchor In The Storm vorweisen konnte brachte nicht den verdienten Erfolg. Und 2012? Tourt die Band in Deutschland durch Clubs die dem LOGO in Hamburg entsprechen – in das nicht mal 300 Leute reinpassen. Sei es drum, mit Misery Escape liegt nun das vierte Album der Österreicher vor und eins vorweg: die Qualität ist bewährt hoch. Sowohl beim Artwork, als auch bei der Produktion.

 The Sorrow zelebrieren hier, was sie können und was sie schon immer auszeichnete: klassischer Metalcore auf für meinen Geschmack außergewöhlichem Niveau. Der Opener Retracing Memories zeigt dabei sehr anschaulich was das bedeutet: melodisches Gitarrenriffing trifft auf Doublebass-Attacken und typische Hardcore-Rhythmen, kombiniert mit einem cleanen Chorus und Shouts in den Versen. Das Songwriting ist stark und der Chorus ohwurmverdächtig. Ein guter Opener. The Escape erinnert im Riffing etwas an The Sirens Song von Parkway Drive ist aber am Ende doch guter Durchschnitt, allerdings auch weil der Chorus bei mir einfach nicht so recht zünden will. Burial Escape hinterlässt da doch einen deutlich besseren Eindruck – sei es das interessantere Riffing zu Beginn, der großartige zweistimmige Chorus oder die brutalen Einwürfe zwischendurch: sehr stark. Das folgende My Oblivion hat den typischen The SorrowGroove – Kenner der Vorgängeralben werden wissen was ich meine – und einen unglaublichen Chorus. Definitiv ein Highlight. Was an dieser Stelle des Albums auffällt ist, dass die Band im Songwriting stärker als zuvor auf Cleanpassagen setzt, die auch durch Zweistimmigkeit und eine Variabilität der Sängerstimme glänzen und teils an Mercenary erinnern. Das ist nicht schlecht, nimmt aber etwas die Härte vergangener Tage aus den Songs. Mir gefällts jedenfalls, da so ein größerer Kontrast zwischen den einzelnen Songelementen entsteht.

 A Reason ist wieder eher guter Durchschnitt, auch wenn der Chorus erneut überzeugen kann. Ohrwurmmelodien können sie, diese Österreicher. Sowohl Buried In The Deep als auch A Thin Red Line sind gute Songs nach altbewährtem Schema. Vielleicht hätte dem Album an dieser Stelle etwas mehr Abwechslung gutgetan, auch wenn grade die Riffs von A Thin Red Line ins Ohr gehen und C-Part und Verse schön drücken. Perspectives beschreitet ebenfalls diesen Weg, auch wenn weite Teile des Songs eher in schnellere Gefilde abdriften und der Song damit etwas an Härte zulegt. Die im Sound ohnehin allgegenwärtige Doublebass tut ihren Teil dazu. Lost Chapters setzt dann endlich auf etwas mehr Abwechslung und ist im langsamen Midtempo angesiedelt, wird hauptsächlich von unglaublich drückenden Gitarren dominiert und lockert die ansonsten sehr einheitlich schnellen Songs etwas auf. Während das folgende Dead Home etwas blass bleibt gibt es mit dem Abschluss Follow The Lights erneut etwas The Sorrow-typisches. Der Letzte Song eines Albums ist oft deutlich länger als der Rest, und oft nochmal die Glasur auf der Sachertorte (man beachte hier die Kulinarische Österreich-Analogie. Danke.), ich möchte hier nochmal an das großartige Saviour Welcome Home  des Debüts erinnert. Follow The Lights knüpft an genau diese Tradition an und The Sorrow zeigen nochmal was sie können. Defintiv ein Highlight, wenn nicht sogar der Song des Albums.

Fazit: Es würde mich leider etwas wundern, wenn ausgerechnet das vierte Album den Durchbruch der Österreicher auf dem internationalen Markt darstellen sollte. Zu wenig abwechslungsreich ist es an einigen Stellen und zu wenig Neues kann die Band in ihren Sound einweben. Dennoch ist das meckern auf hohem Niveau – The Sorrow legen hier ein solides Album im klassischen Metalcore vor, was auf dem heutigen Markt leider schon fast eine Rarität bedeutet. Wer Beatdowns und Elektro-Dance-Pop Elemente mit dummen Texten sucht ist hier definitiv falsch und sollte schnell wieder zu Eskimo Callboy gehen. Dem Rest wird ein ansprechendes Album geboten, auf dem viele klassische Elemente vorhanden sind und das vor allem durch die starke Gesangsleistung zu einem wird was sich über dem Durchschnitt behaupten kann, auch wenn leider ein echter Superhit fehlt.

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