THE MARS VOLTA mit Noctourniquet

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Das lange Warten hat ein Ende, „Noctourniquet“, das mittlerweile sechste Studio-Album der Prog-Rock-Experimentalisten The Mars Volta hat endlich das Licht der Welt erblickt.

Knapp drei Jahre Wartezeit sind erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Musik bereits kurz nach dem Mix von Octahedron im Jahre 2009 aufgenommen worden ist. Sänger Cedric Bixler-Zavala konnte mit dem aberwitzigen Arbeitstempo seines Kompagnons Omar Alfredo Rodríguez-López aber nicht Schritt halten und man einigte sich zähneknirschend zur Ausarbeitung der Texte und Gesangslinien auf mehr Zeit.

Die ist nun vorüber und TMV lassen den gespannten Hörer mit einem spleenig-sperrigen Drumbeat und dissonant noisigen Gitarren ins Album stolpern.
Der Opener „The Whip Hand“ folgt klassischem Songaufbau und gipfelt in einem von coolem Synthesizer dominierten Refrain, mit dessen geplärrten Gesang ich mich aber auch nach dem x-ten Hören sehr schwer tu.

Bedächtiger geht es mit „Aegis“ weiter, einem gefühlvollen, für TMV-Verhältnisse geradezu sensationell eingängigen Song mit leidenschaftlichem Refrain.
Im Weiteren ist „Empty Vessels Make the Loudest Sound“ ein wundervoll verträumtes Wiegenlied, das eigentlich viel zu schade zum dabei Einschlafen ist. Unnötigerweise zieht mir ab 2:15 Minuten eine überflüssig lärmige Gitarrenwand von links dermaßen an den Zähnen, dass an Wegratzen eh nicht zu denken ist. Hier wäre weniger mehr gewesen! Zur Albummitte wagt die Band dann den größten Schritt in Richtung… das böse Wort ist leider unvermeidlich… Kommerz! Denn „Lapochka“ ist ein schlichter Pop-Rock-Song mit Ohrwurmqualität, in dem Synthesizer sehr viel Raum haben und am Ende Kraftwerk Pate standen.

Auf der zweiten Albumhälfte bestechen „Molochwalker“ mit starken Melodien und treibendem, zwingendem Arrangement sowie der Rausschmeisser „Zed And Two Naughts“ mit einem prächtigen Refrain right in your face. Die übrigen Songs der insgesamt dreizehn Tracks will ich hiermit keinesfalls unter den Tisch fallen lassen. Sie sind – bis auf zwei Lieder! – sicherlich hörenswert, hier und da nur nicht ganz so stark, nicht ganz so fokussiert, sodass man als Hörer mit den Gedanken schon mal abschweifen kann und somit nicht mehr ganz bei der Sache ist. Echte Schwierigkeiten, da sie so ganz und gar keinen Reiz entwickeln konnten, bereiteten mir nur „Dyslexicon“ und „The Malkin Jewel„. Letzterer ist die erste Singleauskopplung – mir ein absolutes Rätsel, weil ich das Lied für das mit Abstand nervigste und widerborstigste des Albums halte. Am ehesten vermittelt „Aegis“ den Sound Noctourniquets.

Fazit:
Insgesamt ist Noctourniquet ein ruhiges, entspanntes Album mit nur gelegentlichen Temperamentsausbrüchen geworden. Bemerkenswert sind dabei die überraschend einfach gehaltenen Songstrukturen und die deutlich in den Vordergrund gerückten Synthesizer. Trotzdem gibt es in den gut 64 Minuten Spielzeit viel zu entdecken. Ein schönes Album für den späten Abend; und das soll es ja wohl auch sein.

[xrr rating=7.0/10]

Tracklist:
01. The Whip Hand (04:48 )
02. Aegis (05:10)
03. Dyslexicon (04:21)
04. Empty Vessels Make The Loudest Sound (06:42)
05. The Malkin Jewel (04:44)
06. Lapochka (04:15)
07. In Absentia (07:25)
08. Imago (03:58 )
09. Molochwalker (03:32)
10. Trinkets Pale Of Moon (04:24)
11. Vedamalady (03:53)
12. Noctourniquet (05:39)
13. Zed And Two Naughts (05:35)

Releasedate: März 2012
Label: Warner Music
Genre: Prog Rock
Mehr Infos zur Band unter:
https://www.themarsvolta.com/

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