STRENGTH APPROACH mit With Or Without You

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Hardcore als Genrelabel ist über die Jahre zu einem ähnlichen Sammelbegriff geworden wie der Begriff Metal. So werden in Publikum, Attitüde und Musik grundverschiedene Bands wie etwa Comeback Kid, Asking Alexandria, Hatebreed oder Death Before Dishonor unter dem Label Hardcore geführt. Weitere Abstufungen gibt es zu dutzenden, die Grenzen zum Metal sind ohnehin schon lange verwischt und Hardcore ist schon lange nicht mehr nur das Genre, was einst von Acts wie Black Flag oder Minor Thread begründet wurde.

Mit dem aktuellen Album der 1996 gegründeten Band Strength Approach liegt nur ein weiterer Vertreter dieses großen Feldes vor. Der Pressetext verspricht sogenannten „Euro-Hardcore“, was für den unbedarften Leser zunächst interessant klingt. Gibt es hier Hardcore mit Eurodance-Versatzstücken wie etwa bei Bionic Ghost Kids? Nein. Es gibt lediglich europäischen Hardcore, genauer gesagt Hardcore aus Italien. Musikalisch unterscheidet der sich von US Hardcore, wie der Filterkaffe einer großen Kaffeehauskette in einer Filiale in Hamburg und einer in New York. Eher gar nicht. Und wenn dann sind Differenzen nur anhand einer unbedeutenden lokalen Note auszumachen. Es gibt also Hardcore zu hören. Ganz ohne Eurodance, dafür aber mit Akzent. Musikalisch ist der Vierer dabei am ehesten mit Bands wie Death Before Dishonor oder Madball zu vergleichen, es gibt also harte Musik für ebenso harte Moshpits, Wifebeater-Liebhaber und Übergrößtenträger. Nur eben aus Bella Italia statt aus New York oder Boston. Selbst das Bandlogo scheint von den Vorbildern inspiriert. Wobei: Old English und seine Abwandlungen gehen ja eigentlich sowieso immer. Soweit so mehr oder weniger interessant.

Seis drum, kommen wir nun zu wesentlichen und zwar dem Album. Dies trägt den einfallsreichen Namen With Or Without You und beinhaltet so wahnsinnig inspiriert betitelte Tracks wie Stand Your Ground, Do Or Die, Revenge Is Mine oder In Your Face. Mit lyrischen Spitzfindigkeiten sollte man sich hier besser nicht herumschlagen, man käme nicht weit. Sind oft schon die Texte der US-Vorbilder eher von mittelmäßiger Qualität, so folgt man hier qualitativ den Titeln. Leider. Lieber nicht im Booklett lesen ist hier devise, man stellt nur fest, dass der Sänger Alex auf irgendetwas wahnsinnig wütend zu sein scheint und dies in knappen Worten in seinen Texten verarbeitet. Immer und immer wieder. Nunja.

Abwechslungsreichtum wird auf With Or Without You aber ohnehin nicht besonders groß geschrieben. Die Songs folgen weitestgehend dem simpelstmöglichen Schema, welches für diese Art Musik verfügbar ist. Strength Approach klingen damit auf dieser LP wie vermutlich 100 andere Bands allein in einer Ostküsten-Großstadt der USA und das ist leider ziemlich langweilig und berechenbar. Die Songs sind in ihrer Art allerdings solide und eigentlich nicht schlecht genug als das man sich darüber aufregen könnte, sie sind nur sehr langweilig. Die Produktion der CD an sich ist außerdem sehr durchwachsen und die Stimme des Shouters gefällt mir persönlich eher nicht, sodass die Band auch hier kaum Punkte sammeln kann.

Fazit: Vielleicht liegt es daran, dass mir schon Hatebreed oft zu gleichförmig klingen, vielleicht liegt es an den mangelnden lyrischen Fähigkeiten des Shouters, vielleicht liegt es aber auch einfach nur an der Qualität der CD: With Or Without You ist kein gutes Album. Es ist aber auch kein schlechtes Album. Es ist ein sehr langweiliges Album, welches auf einem sehr mittelmäßigen Niveau Plattitüden der Toughguy-Hardcoreszene (in Fachkreisen auch „Bollo“ genannt) produziert. Eine exemplarische Zeile aus dem Song F.T.D. ist dafür nur ein kleiner Beleg:„Hardcore / this is my life /everyday / Hardcore this is my way / running through my veins“. Fans oben genannter Vergleichsbands könnten ein Ohr riskieren – vielleicht findet sich der eine oder andere, dem der hundertste Durchlauf von Keepers Of The Faith nicht mehr reicht. Allen anderen rate ich zu oben genannten Bands. Und von diesem Album ab.

[xrr rating = 4.0/10]

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