SOULFLY mit Enslaved

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Mit den Cavalera-Brüdern und Sepultura ist es ja insgesamt wie mit einer guten Sitcom: jeder mit jedem und es nur nicht langweilig werden lassen. Ab und an fehlten nur die eingespielten Lacher und natürlich ein Barney Stintson, dennoch parodierten sich Max und Igor zum Teil selbst. Der Split von Sepultura 1997, der Status dieser als Sepultura – Coverband, nachdem auch Igor Cavalera 2008 Sepultura den Rücken kehren musste, bei gleichzeitiger Existenz gleich zweier Cavalera-Bands neben Sepultura – alles in allem ein großes Komödienspiel.

Soulfly ist das Altere der beiden Sepultura-Überbleibsel und mit nunmehr 8 Veröffentlichungen auch das erfolgreichere. Soulfly verbinden seit der Gründung 1997 den eigenen Stil des Thrashmetal von Sepultura mit Death- und Nu-Metal Elementen und formen mittels eingestreuter Weltmusik-Klänge eine der Urbands des Tribal-Metal, denen Bands wie Ektomorf mehr oder weniger erfolgreich folgten. Mir persönlich ist Soulfly selten begegnet, da mich andere Sparten im Metal und härteren Rockbereich immer mehr bewegt haben. Zudem habe ich Sepultura rückblickend (1997 war ich gerade zarte 9 Jahre alt und zog Rolf Zuckofski Sepultura noch vor) den Split nie wirklich verziehen, Chaos A.D. zählt für mich nach wie vor zu einer der besten Scheiben des moderneren Thrashmetals.

Ich konnte also erneut ohne Vorkenntnis des Backkataloges und völlig unbefangen an die neue Scheibe Enslaved herangehen – und wurde von Beginn an positiv überrascht. Das grundlegende Thema der CD, so hatte Max im Vorfeld in einem Interview erklärt, sei das der Sklaverei. Überraschung, bei dem Titel der CD. Thematisch zieht sich dies ebenfalls durch die ganze CD, immer wieder werden Themen aufgegriffen die mit Unfreiheit assoziiert werden. So weit, so mehr oder weniger kreativ. Kommen wir nun aber zum musikalischen Teil, denn dort beginnt die positive Überraschung: statt der erwarteten ermüdenden Tribal Einlagen werden einem auf Enslaved von Anfang an finstere DeathThrash-Bretter vor den Kopf geschlagen, keine Spur von Weltmusik oder Groovenden Nu-Metal Drums, stattdessen finden sich ausgiebige Doublebass-Parts und Brutalo-Riffing.

Das eröffnende World Scum wird von Doublebass und Deathmetal-Riffing dominiert, am ehesten mit Bands wie Cannibal Corpse oder Six Feet Under vergleichbar und natürlich mit den typischen Cavalera-Shouts versehen. Deutlich wird zudem, dass mit dem neuen Drummer David Kinkade ein Typ hinter den Kesseln sitzt, der bei Borknagar gelernt hat wie man eine Doppelfußmaschine benutzt. Und das auch gerne tut. Ausgiebig. Sehr starker Opener, aber eben auch anders als erwartet.

Das folgende Intervention setzt im Anschluss eher auf Thrash-Riffs und entsprechendem musikalischen Unterbau. Dennoch blitzen auch hier immer wieder Deathmetal-Anleihen auf, Cavalera arbeitet mit verzerrter Stimme und diversen Stilelementen. Ebenfalls ein starker Track.

Das erste Highlight der CD folgt mit Gladiator, ebenfalls eher thrashlastig aber mit einem starken Chorus, von Deathmetalriffs durchsetzt, einer markanten Melodie, eingestreuten Akustikgitarren (hier fallen zum ersten Mal Weltmusik-Elemente auf) sowie fiesen Blastbeats. Sehr stimmig, sehr griffig und schön brutal. Das gefällt.

Auch Legions schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Gladiator, sehr starkes, fieses DeathThrash Songwriting, hier mit einem etwas größerem Einschlag in Richtung Death. Weiterhin fehlen: Nu-Metal Anleihen. Übertriebene Weltmusik-Elemente. Stattdessen regiert an dieser Stelle die gute alte Brutalität, angetrieben von fiesem Doublebass-Gehämmer. Sehr schön.

 Mit American Steel und Redemption Of Man By God folgen zwei weitere Songs die genau nach diesem Muster funktionieren. American Steel gefällt mir aufgrund des etwas unkreativen Chorus allerdings nicht wirklich gut, Redemption Of Man By God macht an dieser Stelle deutlich mehr richtig, insbesondere der Chorus mit einem Feature des Coal Chamber und DevilDriver Shouters Dez Fafara bleibt im Kopf, das ruhigere Break tut sein übriges.

 Es folgt ein solides Treachery und dann wird es, zumindest für meine Verhältnisse, merkwürdig.

Mit Plata o Plomo folgt ein portugisischer Song. Und plötzlich klingen Soulfly so wie ich sie mir vorstellte: groovende Drums, verstärkt auftretende Akustikgitarren, eine Gitarre, die mich an Schreien von Adlern erinnert, Soundeffekte die wie Pyros klingen – und trotzdem ist dies auch für mich einer der stärksten Songs auf Enslaved. Denn einerseits gibt es natürlich auch hier drückenden Deathmetal auf die Ohren und andererseits eine Doublebass, die einen daran erinnert, dass man hier (zum Glück) kein Ektomorf-Album hört. Zudem lockern die Akustikgitarren den Gesamtsound wunderbar auf und das Stück bietet eine starke Abwechslung zwishen den übrigen Songs. Lief man soeben noch fast Gefahr etwas einzunicken ist Plata o Plomo der Aufwecker der benötigt wurde. Definitiv eines der Highlights auf Enslaved.

Mit Chains folgt ein weiterer, etwas stärker mit Nu-Metal Drums druchsetzter Track, dennoch gut hörbar, allerdings ohne weitere starke Akzente setzen zu können. Revengeance schließt die LP ab, allerdings ebenfalls ohne weiter ins Gewicht zu fallen, auch wenn es einige etwas markantere Parts hat als Chains. Leider ein etwas durchwachsenes Ende für eine zeitweilig auf sehr hohem Niveau agierende Platte.

Fazit: Generell haben mich Soulfly überrascht und das durchweg positiv. Es wird auf weiter Strecke ein sehr heftiges Stück Death-Thrash mit stark geschriebenen Songs serviert, massiv produziert, garniert mit kleinen Weltmusik-Versatzstücken, sowie dem außergewöhnlichen Plata o Plomo. Für Soulfly-Fans sicher ohnehin ein Pflichtkauf, alle andere Fans des Genres sollten dennoch definitiv ein Ohr riskieren. Es wird sich vermutlich lohnen.

 Anspieltipps: Plata o Plomo / Gladiator / Redemption Of Man By God

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Symphonic Metal

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