SKIP THE FOREPLAY mit Nightlife

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!

Ähnlich wie Metal und Hardcore noch in den 90er Jahren, waren das moderne Genre des Metalcore und Elektro an sich noch bis vor wenigen Jahren vollständig voneinander abgrenzbar. Metalcorebands wie As I Lay Dying oder Killswitch Engage nutzen alles – aber keine Elektro-Versatzstücke in ihrer Musik. Spätestens seit dem Dubstep-Remix Album Suicide Seasons – Cut Up der Deathcore-Instanz Bring Me The Horizon hat sich jedoch einiges im Genre getan. Was Enter Shikari schon seit einigen Jahren zelebrierten wird mittlerweile von jeder zweiten Band übernommen und seien es Asking Alexandria, Eskimo Callboy oder Attack Attack! – Elektro ist zu einem festen Bestandteil der modernen Hardcore-Szene geworden. Einhergehend damit ist zugleich eine Generation von Partybands entstanden, deren Lyrics deutlich von denen der klassischen Hardcore- und Metalszene abweichen und sich hauptsächlich mit nächtlichen Aktivitäten der Jugend auseinandersetzen. Oder anders gesagt:  Alkoholmissbrauch, Party und Sex. Nunja.

In diesen Bereich fallen auch Skip The Foreplay, die schon durch ihren, sagen wir mal etwas merkwürdigen Bandnamen auffallen. Mit Nightlife legen die Kanadier ihr Debütalbum vor, auf dem es eigentlich hauptsächlich um oben genannte Themen geht. So weit so grenzwertig, denn die Identifikation mit den Lyrics fällt einem schwerer als bei Genrekollegen und inhaltlich machen selbige auch wenig bis gar keinen Sinn. Aber kommen wir zum musikalischen Teil.

Das Hip-Hop ähnliche Intro ST4P in dem der Bandname möglichst oft erwähnt wird, damit auch nochmal klar ist wer für diese CD verantwortlich ist geht in den ersten Track DJ über – Attack Attack! lassen hier sehr deutlich grüßen, cleaner Part mit Frauengesang und Autotune inklusive. Die Lyrics sind zum vergessen – was allerdings das gesamte Album über so bleiben wird, sodass ich diesen Punkt nur noch bei besonders gruseligen Stellen erwähnen werde. Das Songwriting ist solide aber ingesamt für das Genre nichts besonderes. Der zweite Song DTK groovt deutlich mehr und bleibt durch markante Parts auch deutlich besser im Gedächtnis, die Elektronikelemente sind unterhaltsam in den Gesamtsound integriert und es geht schön nach vorne – schon besser, auch wenn statt Skip The Foreplay immer noch Attack Attack! draufstehen könnte. Auch Hawaiian Killer funktioniert auf seine Weise gut, dennoch ist wenig eigene Entwicklung der Band zu erkennen. Ähnliches hat man schon bei gefühlten 100 anderen Bands gehört – Innovation sucht man leider vergebens.

Dom Perignon besticht im Anschluss durch einen besonders dümmlichen Titel, wandelt aber ansonsten auf bereits bekannten Pfaden und man fragt sich immer mehr, ob die CD nicht doch aus Songs besteht die es nicht auf This Means War geschafft haben. Es folgt ein Dubstep-Interlude Dinner With Snooki – und ja, auch das klingt wie Attack Attack! Anno 2006. Das folgende Shots klingt zwar endlich nicht mehr nach Attack Attack!, könnte in dieser Form aber durchaus als B-Seite des großartigen There Is A Hell – Believe Me I’ve Seen It, There Is A Heaven – Let’s Keep It A Secret von Bring Me The Horizon durchgehen.Was einerseits für die Qualität des Songwritings spricht, andererseits aber jeden Wiedererkennungswert der Band eliminiert. Die folgenden Songs, sei es Date Rape Predator , This City (We’re Taking Over), oder das besonders dreiste BMTH-Ripoff Hangover (mal im Ernst – /I can’t remember last night/, die Hauptzeile des Smash-Hits Football Season Is Over beinahe unverändert zu übernehmen grenzt schon fast an Urherberrechtsverletzung) können zwar für sich überzeugen, aber man hat nicht das Gefühl das Debüt einer neuen Band zu hören. Einzig Mash It Up zeigt so etwas wie eine Handschrift, allerdings keine besonders gute. Mehr Elektro und dann auch noch Hip-Hop sollte nicht die Antwort auf mangelnde Kreativität im eigenen Genre sein. Nunja. Das dümmliche Champaign Showers setzt dem ganzen dann die Krone auf – zwar ist der Dubstep-Part gut gesetzt und das Songwriting an sich ist auch solide, aber die Lyrics hätte man einfach ganz weglassen sollen. Der Fakt, dass dieser Song ein LMFAO-Cover ist macht es auch nicht besser. Als einziger Song des Albums kann mich Die For The Bass, der es nur als Bonustrack auf die LP geschafft hat wirklich vollständig überzeugen – eigenständigeres Songwriting als zuvor, groovend und gut gesetzte Elektroparts. Schön.

Fazit: Nightlife macht es einem nicht leicht – die LP an sich ist wirklich nicht schlecht, wenn man für eine Sekunde die Lyrics vergisst. Jeder Song für sich ist solide bis gut geschrieben und langweilig wird es auch zu keinem Zeitpunkt. Das Problem von Skip The Foreplay ist vielmehr, dass sie zwar gut abschreiben, aber fast keinen eigenen kreativen Input zu ihrem Sound liefern können – alles hat man irgendwo schon gehört und die Genregrößen werden sich vermutlich in jedem Song irgendwo wiederfinden. Das wiederum mach die LP zu einer Aneinanderreihung von Versatzstücken der offensichtlichen Vorbilder und verwehrt jeglichen Zugang zu hohen Wertungsregionen. Diese Band wird genauso schnell gehen wie sie gekommen ist und zwar ohne, dass viele Menschen davon Notiz nehmen werden.

[xrr rating = 5.5/10]

[mytreasure=17]

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!