PSYCROPTIC mit The Inherited Repression

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Australien an sich ist ein erstaunlicher, merkwürdiger, unwegsamer und vor allem brutaler Kontinent. Einerseits gibt es so wunderliche und knuffige Tiere wie Koalas, Wombats, Känguruhs oder Schnabeltiere. Auch der tasmanische Teufel ist der australischen Tierwelt zuzurechnen und könnte für diese Rezension nochmal interessant werden. Es gibt aber auch diese andere Seite in der Tierwelt: Nicht nur wimmelt es vor den Küsten von blutrünstigen Haien die gerne das Fleisch unachtsamer Touristen verspeisen, oder ebenso gefährlichen Feuerquallen oder Würfelquallen, nein, auf dem Land tummeln sich giftigste Spinnen, Schlangen und. Skorpione, die dem unachtsamen Wanderer schnell der Garaus machen wollen.

Auch musikalisch ist Australien ein solcher Kontinent: Einerseits bunt und knuffig, bekannt durch Acts wie Kylie Minogue, andererseits brutal und unwegsam: Parkway Drive, I Killed The Prom Queen oder Confession sind da nur die Spitze des berühmten Eisberges. Auch die vier Jungs von Psycroptic sind eher in die Kategorie „brutal und unwegsam“ einzuordnen, denn schon allein der Gedanke, dass nur vier Instrumentalisten nötig sind um diese Platte einzuspielen, treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Aber der Reihe nach:

The Inherited Repression ist bereits das vierte Studioalbum des Quartetts aus Tasmanien, die ihre Musik als Technical-Death-Metal beschreiben und damit ziemlich präzise den Nagel auf den Kopf treffen. Die LP besteht aus brutalem, modernem Deathmetal, irgendwo zwischen Unearth, The Black Dahlia Murder und Success Will Write Apocalypse Across The Sky, angetrieben durch schnelle, vertrackte Riffs die die Fingerfertigkeit der beiden Gitarristen offenbaren.Es gibt, mit anderen Worten, ordentlich was aufs Gesicht. Und das auf einem sehr sehr hohen technischen Niveau. Soviel zum Thema brutal und unwegsam.

Die Produktion der Platte ist druckvoll, und klar. Genau richtig bei einem Sound, bei dem es viel zu entdecken gibt. Grade bei den Gitarren kann man immer wieder neue, eingestreute Riffs entdecken. Ersteindruck: Sehr gut. Auch das Cover kann sich sehen lassen, anders als der Mist der in den letzten Monaten auf CDs, Jewelcase-Booklets oder Digipacks gedruckt wurde (vergleiche: Running Wild, Rage, Soulfly…) ist das Cover schlicht, treffend, schick. Note 1. Jetzt zur Musik.

Eröffnet wird der Reigen mit Carriers Of The Plague was bereits offenbart, was den geneigten Hörer in den nächsten 9 Songs erwartet: Groovender Deathmetal, durchzogen von komplexen Gitarrenriffs und Melodielinien. Dennoch ist der Sound von Psycroptic erstaunlich eingängig. Achtung: hier nicht eingängig mit poppig verwechseln, schließlich ist das hier (glücklicherweise) nicht das neueste Freedom Call Album. Es walzt, es hämmert – Stahlwerkanalogien sind hier angemessener denn je. Dennoch bleibt dem Hörer stets eine klare Idee des Songs im Kopf: die komplexen Elemente zerstören nicht die Struktur des Songs, sondern formen ein gelungenes Gesamtbild, welches vor allem eines tut: drücken. Ins Gesicht. Fein.

Dem ersten Song folgen weitere acht, die exakt dieser Machart folgen. Wunderbar groovender Deathmetal, technisch hochwertige Gitarrenarbeit, headbang-taugliche Midtempo Breaks, Nackenbrecher-Uptempo-Parts. Sei es das schnelle Forward To Submission, das stärker durch Melodielinien geprägte Euphorinasia, ein irgendwo dazwischen liegendes From Scribe To Ashes oder das etwas vertrackte Deprivation– Diese LP kennt wenig Gnade.

Highlights sind, neben dem bereits genannten Carriers Of The Plague unter anderem das abschließende The Sleepers Have Awoken (hier finden sich neben einem brutalen Vers und einem brutalen Chorus auch wunderbare Breaks) das unglaublich starke und vor allem im Break drückende Become The Cult. Hier gibt es sogar einen Shoutalong (quasi das Deathmetal-Äquivalent zum Singalong [Anm. d. Autors])

Fazit: Ingesamt legen Psycroptic eine sehr gute LP vor, die in sich stimmig wirkt und starke Songs mitbringt. Trotz der hohen technischen Finesse der Instrumentalisten kommen groovende Parts nicht zu kurz, oder anders formuliert: die vertrackten Gitarren werden songdienlich eingesetzt und existieren nicht zum reinen Selbstzweck wie bei einigen anderen Vertretern dieser Art Musik. Insbesondere dieser Fakt macht The Inherited Repression zu einem empfehlenswerten Album. Zudem sind die Songs sowohl in sich, als auch untereinander abwechslungsreich genug um die CD gerne am Stück zu hören. Fans des Genres werden diese CD eh schon besitzen, alle anderen Fans umliegender Genres (Old-School Death, Deathcore, Metalcore der harten Sorte) sollten dringend ein Ohr riskieren. Join The Cult. Become The Cult.

Anspieltipps: Carriers Of The Plague / Become The Cult / The Sleepers Have Awoken

[xrr rating=8.5/10]

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