PIERCE THE VEIL mit Collide With The Sky

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Im Gegensatz zu vielen Genrelabels der weiten Rockmusikwelt ist Post-Hardcore definitiv eines der wenigen, welches dem ambitionierten Musiker so ein bis zwei Möglichkeiten zur freien Entfaltung gibt, wenn er nicht einen Genre-Mix anstrebt – denn dies ist das Genre per se. Von Emoeinfluss bis Metalriff ist hier nämlich so ziemlich alles zu finden was sich nicht so richtig in Genregrenzen einengen lassen will und gerade Bands wie A Skylit Drive zeigen besonders imposant, wie gut das funktionieren kann.

Pierce The Veil, ebenfalls Vertreter dieser Richtung, legen nun mit Collide With The Sky ihr bereits viertes Album vor (gut. Das Erste erschien noch unter anderem Namen, aber wir wollen hier mal nicht so sein.) und beweisen, wie abwechlungsreich man Musik gestalten kann wenn man denn dann will. Aber schön der Reihe nach: die CD ist, soviel darf verraten werden, stark produziert, hat ein gelungenes Cover und macht einen guten Ernsteindruck. Soweit so schön – mal sehen, was die musikalische Seite so kann.

Nach dem Intro May These Noises Startle You In Your Sleep folgt mit Hell Above ein starker Opener, der erstaunlich an I Am Ghost erinnert und sich später zwischen großartigen Singalong-Passagen und filigranen Gitarren verliert. A Skylit Drive lassen hier deutlich grüßen, was aber klar positiv zu sehen ist – Elektroparts, spannendes Drumming und Prog-Versatzelemente inklusive. Das ist komplex und zugänglich zugleich und macht beim Zuhören einfach Spaß. Das nachfolgende A Match Into Water beginnt im Vergleich deutlich härter, vermischt im Anschluss Screamo-Shouts mit hohem Cleangesang und unterhält auf hohem Niveau. Das Songwriting ist insgesamt angenehm abwechslungsreich, insbesondere die Mischung aus filigranen und brutalen Anteilen überzeugt. Das folgende King For A Day kann mithilfe von Kellin Quinn, Sänger von Sleeping With Sirens und einem tollen Chorus überzeugen. Bulls In The Bronx ist dann etwas eingängiger und bietet klar metal-beeinflusste Riffings, kombiniert mit einem Ohrwurm-Singalong. Allerdings werden auch spanische Gitarren und Kastagnetten in den Sound eingewoben, was dem Song eine völlig neue Sounddimension verleiht.

Und so geht es weiter. Sei es das etwas softere Props And Mayhem, das mit einem Feature des .Letlive Sängers Jason Butler und Indie-Gitarren glänzende Tangled In The Great Escape, das in tiefen Emo-Gefilden wildernde I’m Out Of Gas And You Need A Jacket oder das aggressivere The First Punch – allen Songs von Collide With The Sky wohnt die gleiche kreative Energie inne, alle Songs werden von kreativem Drumming angetrieben, filigrane Gitarren und komplizierte Phasen wechseln sich mit Singalongs und eingängigen Passagen ab und machen das Album interessant. Sicher, irgendwo klingts ein wenig nach A Skylit Drive und dem Frühwerk der Prog-Rocker Coheed And Cambria (insbesondere dem legendären The Second Stage Turbine Blade), was nicht zuletzt am sehr hohen Gesang von Vic Fuentes liegen wird – diese Ähnlichkeit dürfte aufgrund des gleichen Genrelabels aber zu verschmerzen sein denn abgekupfert wirkt hier nichts, von gefühlten Copy/Paste Eskapaden anderer Genres ganz zu schweigen.

Sowohl One Hundred Sleepless Nights, als auch Stained Glass And Colorful Tears zeigen diese Qualität auf unverändert hohem Niveau noch einmal, bevor mit Hold On Till May mein persönliches Highlight der CD den Abschluss des Albums bildet. Eine Fast-Ballade, irgendwo zwischen Coheed And Cambria und All Time Low, mit einem wunderbaren Feature von Lindsey Stamey von Oh No, Fiasco – dieser Song ist für mich noch einmal das Destillat der Gesamtqualität dieser CD. Ein wirklich fantastischer Song. Und das sage ich nicht oft.

Fazit:

Collide With The Sky ist für mich die Sommerüberraschung 2012 – unfassbar abwechslungsreich mit Songwriting auf unglaublich hohem Niveau, wunderbaren Songs und tollen Features. Von vorne bis hinten fällt mir kein Song ein, der schwächer wirkt als andere – nur das großartige Hold On Till May sticht noch einmal besonders positiv hervor. Wer mit den Referenzbands, insbesondere A Skylit Drive und Coheed And Cambria im Ansatz etwas anfangen kann sollte hier unbedingt reinhören!

[xrr rating = 8.5/10]

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