PARKWAY DRIVE mit Atlas

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Parkway Drive sind ein Phänomen. Die Australier aus Byron Bay wurde mit einer stilistischen Mischung aus Hardcore und Metalcore, die vor allem durch Breakdowns und Brutalität geprägt ist aber gleichzeitig mit großartigen Gitarrenmelodien und Soli glänzt, groß – so groß, dass Alben wie Killing With A Smile oder Horizons eine ganze Szene prägten. Eine Unzahl von Bands enstand in ihrem Kielwasser, ähnlich wie Anfang des Jahrtausends bei Killswitch Engage, die den Sound und die Herangehensweise kopierten – die meisten jedoch ohne jedoch auch nur im Ansatz die Qualität des Originals zu erreichen. Horizons ist ein Referenzalbum der modernen Hardcore-Szene – vom Erfolg nur übertroffen durch den finsteren aber leider qualitativ nicht ganz ebenbürtigen Nachfolger Deep Blue, der der Band Charteinstiege und ausverkaufte Tourneen rund um den Globus einbrachte, Gigs auf so ziemlich jedem größeren Festival in Deutschland inklusive. 

Mit Atlas liegt nun das Nachfolgealbum des eben genannten, mehr als erfolgreichen Deep Blue vor. Schon auf diesem wurde die Entwicklung der Band deutlich – sowohl Artwork als auch Songwriting waren finsterer, brutaler und düsterer als zuvor, sodass ein gewisser Reifeprozess der Band erkennbar war, der mit Atlas noch weiter vorangetrieben wird. Atlas ist mit einigem Abstand das düsterste Album der Band, die Texte sind fast durchgehend von der mehr als negativen und nachdenklichen Sorte und auch Design des Jewelcases spricht diese Sprache. Das Songwriting hingegen ist variabler und erwachsener als je zuvor, auch weil man ausgetretene Pfade verlässt und neue Klangelemente in den Sound integriert.

Der Opener Sparks schafft es zum ersten Mal, dass Intro und erster Song einer Parkway Drive CD gut ineinander übergehen – und schon hier wird deutlich, dass die Band sich nicht nur auf alte Tugenden verlassen will. Akustikgitarren und eine epische orchestrale Instrumentierung gehen sehr elegant im typischen Sound der Band auf. Und im ersten richtigen Song Old Ghosts / New Regrets der gleich die typische Metalcore – Abrissbirne schwingt und die Stärken von Parkway Drive schön in den Vordergund rückt – aufs Gesicht, Blastbeats und Breakdowns. Schick – aber noch schicker wird es mit dem folgenden Dream Run – ebenfalls ein Song nach der typischen Parkway Drive Formel – aber mit großartigem Chorus und noch besserem C-Part. Zudem findet man mehr Melodien im Sound, was der Band sehr gut bekommt. Von diesem hohen Niveau schaffen Parkway Drive es, sich fast durchgehend zu steigern. Sogar so sehr zu steigern, dass man am Ende auf Old Ghosts / New Regrets zurückblickt und sich überlegt, warum die Band ausgrecht diesen für mich schwächsten Song des Albums als Opener wählte. Aber langsam, denn was zunächst folgt ist die Mitsinghymne Wild Eyes mit crowdtauglichem Whoaaoh-Part und allen notwendigen Elementen um einen starken Live-Song zu erschaffen. Dark Days. die bereits zuvor veröffentlichte Single mit zugehörigem Video, beginnt mit ungewöhlichem Percussion-Einsatz und kann vor allem mit einem tollen C-Part und eingägigen (sofern man das bei Parkway Drive sagen kann) Gitarrenmelodien. Das folgende The River ist teilweise im langsamen Midtempo angesiedelt und bietet neben typischen Parts und tollem Songwriting einen unglaublich starken Chorus und Frauengesang – ein Element das sich unerwarteterweise wunderbar in den Sound einpasst. Ein toller Song. Wenn man genauer hinhört kann man übrigens Ähnlichkeiten mit den Genrekollegen von Darkest Hour erkennen, einige Elemente haben auch die besten Songs des großartigen Albums The Human Romance – das ist auch eher gut als schlecht, denn so erweitern Parkway Drive ihr Spektrum und erfinden sich teilweise neu ohne ihre alten Werte zu verraten. Mir gefällt das außerordentlich gut.

Mit Swing wird dann wieder der Dampfhammer ausgepackt – zu diesem Song kann ich mir schon alle erdenklichen Spielarten des Violent Dancing vorstellen, es gibt jedenfalls sehr aufs Gesicht. Und das ist gut so, denn auch das können Parkway Drive einfach. The Slow Surrender beginnt so, wie Machine Head ihre Songs beginnen – nur um in eine Midtempo-Walze zu verwandeln. Hier gefallen mir besonders die Gitarren sehr gut, die den Sound um hintergründige Melodieelemente erweitert, was dem Gesamtsound viel mehr Tiefe verleiht. Achso. Einen knochenbrecher-Breakdown gibt es auch. Der folgende Titeltrack Atlas ist für mich eines der Highlights des Albums – gerade weil die Band mit vielen Soundelementen spielt die sie sonst kaum oder gar nicht nutzt. So finden sich nicht nur Akustikgitarren sondern auch Streicher und Holzbläser. Alles das findet sich im Midtempo zusammen, unterstrichen von tollen Gitarrenlicks und -Melodien, die weit im klassischen Metal angesiedelt sind. Ganz anders als sonst, aber gerade deshalb so gut. Ein absolutes Meisterstück des Songwritings und für mich Höhepunkt des Albums. Slight Of Hand wirkt dagegen etwas blass, was aber kaum am Song liegt. Der ist nämlich toll und bietet alles was die Band auszeichnet. Während Snake Oil And Holy Water nochmal mit seinen Uptempo-Attacken die Moshpits befeuern wird bietet der Abschlusstrack Blue And The Grey nochmal alles – von den Holzbläsern über den Uptempo-Moshpart bis hin zum Breakdown. Ein mehr als gelungener Abschluss!

Fazit:

Mit Atlas legen Parkway Drive ein Album vor, was den tollen Vorgänger blass aussehen lässt und sich ohne weiteres auf Augenhöhe mit Horizons wiederfindet, auch gerade weil es so anders ist. Die Band zeigt, was für tolle Songs sie schreiben kann, zu welchen Genre-Grenzüberschreitungen sie bereit ist, dass sie bereit ist sich zu etwickeln – und warum sie an die Spitze eines ganzen Genres gehört. Atlas ist nicht so gut wie ich gehofft habe. Atlas ist besser.

[xrr rating=9.5/10]

Parkway Drive mit Atlas - Cover

1. Sparks
2. Old Ghosts / New Regrets
3. Dream Run
4. Wild Eyes
5. Dark Days
6. The River
7. Swing
8. The Slow Surrender
9. Atlas
10. Slight of Hand
11. Snake Oil and Holy Water
12. Blue and the Grey

Label: Epitaph Records
Release: Bereits erschienen.

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