LORD OF THE LOST mit Die Tomorrow

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Die Herren der Verlorenen sind zurück! Die Gothic – Rocker LORD OF THE LOST rockten sich mit ihrem neuen Album “Die Tomorrow” auf Platz 33 der Media Control Charts und zur Zeit rocken sie ihre Tour zur Scheibe. Ab Januar geht’s dann zusammen mit Unzucht auf die „Darkness Kills“ Co-Headlinertour durch ganz Deutschland.

Die Hamburger sind keine Unbekannten im Goth-Rock-Genre mehr, des Öfteren hört man Vergleiche mit The 69 Eyes oder HIM, selbst sehen sich die Jungs irgendwo zwischen His Infernal Majesty und Rammstein, ich persönlich finde keinen passenden Vergleich und will auch keinen finden.

Zum ersten Mal habe ich dieses Jahr auf dem Amphi-Festival von den sympathischen Herren aus der Hansestadt gehört, leider habe ich dann aus Zeitgründen den Auftritt verpasst, was ich im Nachhinein sehr bereue.
Nichtsdestotrotz wollte ich mir das neue Album der Band nicht entgehen lassen und jetzt dreht es unaufhörlich seine Runden in meinem CD-Player.
Mit insgesamt 12 Songs auf der Einzel-CD und weiteren 6 Stücken auf der Bonus-Scheibe erfreuen uns die Hamburger dieses Mal.

Der Sound ist im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Antagony“ sehr viel poppiger und mainstream-tauglicher, das tut dem Gesamtpaket aber keinen Abbruch. Was mir ja immer wichtig ist, dass man auf der Platte einen roten Faden erkennen kann und genau dieser zieht sich auf „Die Tomorrow“ von Anfang bis Ende durch das komplette Albumgeschehen.
Schon der Opener „Live Today“ ist ein Fingerzeig der Truppe an den Hörer, das Leben zu genießen. Auch wenn die schweren Gitarren und der „grummelige“ Gesang eher eine düstere Grundstimmung verbreiten, schaffen es die Jungs aus diesem Song irgendwie fast schon eine Hymne zu kreieren.
Der Titeltrack „Die Tomorrow“ ist einer von solchen Songs, die sich spätestens beim Refrain als absoluter Ohrwurm entpuppen. So frisst sich dieses Lied ganz langsam in die Gehörgänge und niestet sich dort ein. Das mitreißende Tempo und der ansprechende Text sorgen dafür, dass auch der größte Tanzmuffel nicht mehr ruhig auf seinem Schreibtischstuhl sitzen kann.
Hier erkennt man jetzt die poppige Seite von LOTL deutlich und dieser Song ist bestimmt einer der Gründe, warum die Gruppe es so weit nach oben in die Charts geschafft hat.
„Black Lolita“ hingegen geht ganz klar in Richtung Goth. Synthesizer – Klänge, ein nicht ganz jugendfreier Text, die unverwechselbare Stimme des Sängers Chris Harms und fertig ist das heiße Gothic-Süppchen.
Moment – ist das nicht das Intro eines Gameboy-Spiels? Nein – es ist das nächste Stück „Blood For Blood“ und diese Nintendo-Geräusche ziehen sich durch den ganzen Song. Dieser fetzige Beat bringt viel Abwechslung in den Track und lockert das Ganze ein wenig auf.
Die Nummer 5 auf der Scheibe belegt „Never Let You Go“. Bei diesem Lied haben die Jungs für das Songwriting Unterstützung von Martin Engler bekommen und der MONO INC.-Touch lässt sich nicht abstreiten. Außerdem darf natürlich für so eine Ballade, die an manchen Stellen schon fast Musicalcharakter besitzt, eine weibliche Stimme nicht fehlen. Die Schöne wird durch Sängerin Ulrike Goldmann (BLUTENGEL) verkörpert, die dem Stück durch ihre Vocals eine ganz besondere Atmosphäre verpasst.

Der Zusammenhalt in der „dunklen Szene“ wird auf dieser Platte besonders deutlich, denn auch bei einigen anderen Liedern bekam die Jungs aus St. Pauli tatkräftigen Support durch andere Genregrößen wie Alexx Wesselsky (EISBRECHER) und Erk Aicrag (HOCCICO/Rabia Sorda).
Alexx gibt auf der Deluxe-Edition gleich zwei Mal seine Stimme („Your Victories“/“Eure Siege“) zum Besten.

„Shut Up When Your Talking“ ist ein sehr gut tanzbarer Song, der einen sehr eingängigen Refrain besitzt und sich gleichzeitig ein wenig nach einer Mischung von The 69 Eyes und Marilyn Manson anhört.
„Heart For Sale“, „From Venus To Mars“ und „See You Soon” sind eher ruhig gehalten, Sänger Chris schafft es aber dennoch dem Ganzen durch seine Stimme eine unverwechselbare Leichtigkeit zu geben, was sehr angenehm ist.
Bei „See You Soon“ spüre ich ganz deutlich den HIM-Einschlag von dem einige Kritiker gerne sprechen, für mich persönlich tut das der Scheibe keinen Abbruch, denn ich mag einige Stücke von HIM auch sehr.

Dass das Herz der fünf Herren schwarz ist nehme ich ihnen bei „My Heart Is Black“ vollkommen ab. Der Song spiegelt eine sehr düstere Stimmung wieder. Die Gitarrenriffs in diesem Stück sind zwar aus anderen Songs bekannt, doch ich staune immer wieder wie flüssig LOTL alles umsetzen.
„Your Victories“ hat, wie schon angesprochen, den Eisbrecher-Einschlag – wohl nicht zuletzt weil Alexx mitsingt, trotzdem kann man den LORD OF THE LOST-Ursprung ganz klar noch heraushören.
Das letzte Stück auf der Single-Edition „Credo“ hat sogar ein klitzekleines bisschen was von einem Powermetalsong, dies kommt besonders bei den Zeilen „We give our hearts to the lord of the lost“ heraus, was mir sehr gut gefällt. Der Song ist langsam und mutet wie eine Ballade an, hat aber trotzdem Druck dahinter und genau diese Mischung ist es für mich, die den Unterschied macht.

Auf der Bonus-CD befinden sich sechs weitere Stücke, die schon alleine wegen des eposartigen Songs „Letters To Home“ nicht unerwähnt bleiben sollten. Dieser Track ist nämlich Sage und Schreibe 18 Minuten und 43 Sekunden lang und das Coole daran ist, dass es keine Sekunde langweilig wird zuzuhören. So etwas ist bei so einem langen Song relativ selten.
Track 2 ist die deutsche Version des Songs „Your Victories“ – „Eure Siege“. Das Stückchen könnte sich ohne Weiteres auch auf der nächsten Eisbrecher-Scheibe befinden. Kam bei der englischen Version LORD OF THE LOST noch zum Vorschein, scheint dieser Einschlag leider bei „Eure Siege“ komplett untergegangen zu sein. So höre ich zumindest hier ganz klar Eisbrecher und sonst nichts.

„Marching Into Sunset“ geht vom Gesang her eher Richtung Industrial, auch hier hört man halt, wer da mitmischt, nämlich Erk Aicrag.
Im krassen Gegensatz dazu steht „Words Of Sadness“. Hier geht es wieder sehr ruhig zu…ob das wohl am Titel des Tracks liegt?
„The Eyes Of Love Are Blind“– wahre Worte. Auch ein sehr schöner ruhiger Song – einfach mal die Augen schließen und genießen!
„Do You Wanna Die Without A Scar?” bildet den perfekten Abschluss des Gesamtwerkes. Ein Rocksong, der den Zuhörer noch ein letztes Mal mit einer Grundsatzfrage konfrontiert und eine absolut ohrwurmverdächtige Melodie besitzt.

Fazit:

Und wo ist jetzt mein „Like-Button“? Ich kann gar nicht recht beschreiben, was ich da hörte…Die CD ist einfach ein Gesamtmeisterwerk, wie ich es mir vor dem Hören gar nicht vorstellen konnte. Hier stimmt einfach alles, die Lyrics, die Musik, der Gesang und die Kollaboration mit anderen Musikern. LORD OF THE LOST haben es geschafft sich mit „Die Tomorrow“ in die Herzen der Fans zu rocken. Leute, die sich noch nie mit dieser Band beschäftigt haben, sollten dies schleunigst nachholen, denn hier gibt es hochkarätigen Gothic-Rock auf die Lauschlappen!

[xrr rating= 9.5/10]

Trackliste:

01. Live Today
02. Die Tomorrow
03. Black Lolita
04. Blood For Blood
05. Never Let You Go
06. Shut Up When You’re Talking To Me
07. Heart For Sale
08. From Venus To Mars
09. See You Soon
10. My Heart Is Black
11. Your Victories
12. Credo

Bonus – CD:

01. Letters To Home
02. Eure Siege
03. Marching Into Sunset
04. Words Of Sadness
05. The Eyes Of Love Are Blind
06. Do You Wanna Die Without A Scar?

Release: bereits erschienen
Genre: Gothic Rock
Label: Out Of Line

Mehr Infos zur Band: http://www.lordofthelost.de

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Franzi

Franzi ist gelernte Tischlerin und studiert derzeit Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Als Redakteurin ist sie seit Dezember 2011 bei Metalize.Me tätig. Ihre Schwerpunkte sind: CD-Rezensionen und Live-Reviews in den Bereichen Mittelalterrock, Metal und Gothic in allen Variationen.