KONTRUST mit Second Hand Wonderland

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Was müssen das für Zeiten gewesen sein, als der Crossover neu war, als das Mixen von Genres für Überraschungen sorgte. Nun diese Zeiten sind vorbei und der Crossover dümpelt seit einigen Jahren vor sich hin. KONTRUST wollen nun frischen Wind ins Genre bringen. Das ist lobenswert, geht aber daneben. „Second Hand Wonderland“ ist keine Wiederbelebung, sondern ein Requiem.

Das geht schon mit dem ersten Song „Sock N Doll“ los: Gejodel und Quetschkommode mit harten Riffs zu vermischen ist nicht gewagt oder witzig, sondern bescheuert. Der zweite Song „Fallin“ beginnt mit modernem Riffing und dann legt Sängerin Agata Jarosz los, deren Stimme schwer zu ertragen ist. Der Song hat, trotz harter Gitarren, eine poppige Atmosphäre. Der Refrain ist eingängig, bohrt sich ins Gehirn und tut weh.

Als drittes kommt dann „Monkey Boy“ und hier wird es richtig übel: Percussions versuchen eine Dschungelstimmung aufzubauen, es gibt ein pseudovertracktes Riffing. Außerdem macht Sänger Stefan Lichtenberger einen auf Reggae, was natürlich kein bisschen authentisch ist und völlig deplaziert wirkt. Warum dann auch noch spanisch gesungen wird, mag verstehen wer will, ich tue es nicht. Ein nervtötender Refrain, der auch noch zum Ohrwurm wird, tut sein übriges.
Ich kann und will nicht jeden Song durchgehen. Das liegt nicht etwa daran, dass sie zu ähnlich wären. Oh nein – sie unterscheiden sich. Jeder nervt auf seine Weise. „The Butterfly Deffect“ klingt nach billiger Strandparty, „Adrenalin“ hat ein Blasmusikintro und wird dann zum Kiddiemetal -Song, mit Industrialeinflüssen und „Hey Dj!“ will aggressiv sein (was natürlich nichts wird) und die langgezogene und gequetschte Gesangstimme foltert den Hörer aufs Übelste. Und das ist noch nicht mal der schlimmste Song. Das ist nämlich „Bad Betrayer„: Dancefloor aus der untersten Schublade und Metal für Möchtegernrocker. Dazu kommt ein dämlicher Refrain, der mit seiner Heya-Heya-Melodie sicher irreversiblen Schaden anrichtet. Und „Raise Me Up“ gibt einem dann durch einen extrem dämlichen Text den Rest. Nicht dass „Second Hand Wonderland“ sonst ein lyrisches Meisterwerk wäre, aber bei Textzeilen wie „Boom Boom beats my heart“ hört es dann doch auf.

Lediglich „Rasputin“ ist aufgrund seiner russischen Klänge ganz nett und „Hocus Pocus“ gefällt mir aufgrund einer schrägen Jahrmarktsatmosphäre sogar richtig. Aber zwei gute Songs können das Album nicht retten.

Fazit:
Ich bin gewiss kein Hörer mit Scheuklappen. Normalerweise gilt bei mir: Je abgefahrener, desto besser. Und die Idee verschiedenste Stilrichtungen zu mischen, verdient meine Anerkennung. Leider versagen KONTRUST völlig. Sie mischen bloß die übelsten Bestandteile aus Metal, Dancefloor, Rock, Pop, Dancefloor und Reggae, schütten eine ordentliche Portion Klischee dazu und nennen das Ganze dann Crossover. Tut mit ja Leid, aber das war nichts.

[xrr rating=2/10]

Trackliste:

01. Sock ‚N‘ Doll
02. Falling
03. Monkey Boy
04. U Say What
05. The Butterfly Defect
06. Rasputin
07. Bad Betrayer
08. Adrenalin
09. Hocus Pocus
10. Raise Me Up
11. Hey Dj!
12. Police

Release: April 2012
Label: Napalm Records
Genre: Crossover

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