JOB FOR A COWBOY mit Demonocracy

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Schon immer gab es Hürden, die einen als geneigten Liebhaber von Musik aufhielten, die neuesten Werke der aktuellen Lieblingsbands in Augenschein zu nehmen. Seien es abgewetzte Nadeln auf Plattenspielern, die den Hörgenuss der neuesten Pressung zu einem schaurigen Unterfangen werden ließen oder Kassetten, die vom Kasettenrecorder unwiederbringlich zu Bandsalat und Plastikschrott verarbeitet wurden. Im Zeitalter der CD ließen vor allem unmögliche Einschweißtechniken, und Kratzer auf den Silberlingen den Hörgenuss schwinden. Tja und im modernen Zeitalter der MP3-Bemusterung? Genau: eine im Rohzustand befindliche MP3, die ohne ein tagging jeglicher Art die Promotionsabteilung durchlief und nur durch Zahlen codiert wurde. „Was soll das denn jetzt“, fragt man sich, taggt mühsam selbst und kann erst nach geraumer Zeit in den Hörgenuss des Albums kommen. Wenigstens der ist gegeben. Glück gehabt.

Demonocracy ist der dritte Langspieler der US-Deathcore-Formation Job For A Cowboy die mit ihrem fulminanten Debut Genesis und dem nicht weniger hochklassigen Nachfolger Ruination neben Bands wie Whitechapel oder The Black Dahlia Murder die Speerspitze eines ganzen Genres bildet. Der von Job For A Cowboy zelebrierte moderne Deathmetal mit Hard- und Metalcore Anleihen ist eine unzugängliche, hochgradig technische, sperrige und brutale Mischung aus vertrackten Gitarrenriffs, druckvollen hochgeschwindigkeits-Blastbeats und nackenbrechenden Midtempo-Basswalzen. Eingängige Elemente, cleanen Gesang oder gar Melodien sucht man, auch nach mehreren Durchgängen jedes der beiden Vorgängeralben vergeblich. Job For A Cowboy sind keine Band für zartbesaitete Gemüter. Und das ist auch gut so.

Demonocracy setzt da an wo Ruination aufhörte und dabei gefühlt noch einen drauf. Die Produktion ist erstklassig, wunderbar druckvoll und klar. Jedes noch so feine, eingestreute Gitarrenriff, jeder noch so vertrackte Drumeinwurf kommt wunderbar klar und fein abgestimmt aus den Boxen. Das mag jetzt harmlos klingen aber  ich versichere euch: diese LP nimmt keine Gefangenen. Und das Cover gefällt mir auch.

 Mit Children Of Deceit wird die Schlacht eröffnet – und wie. Blastbeats, gnadenloses Hochgeschwindigkeitsriffing und drückende Midtempo-Parts dominieren diesen Song, zerschnitten von großartigen Soli. Ist das noch Deathcore oder schon Deathprog? Weiß man nicht. Man möchte nur mehr. Und bekommt es. Nourishment For Bloodshed, Imperium Wolves, Tongueless and Bound – alle diese Songs bieten hochklassigen, anspruchsvollen und abwechslungsreichen Deathcore. Das Niveau der LP ist durchgehend den Vorgängern mehr als würdig und langweilt trotz ähnlicher Songstruktur zu keinem Zeitpunkt. Ein Beispiel? Nourishment For Bloodshed besteht im Grunde aus den gleichen Elementen wie Children Of Deceit – Blastbeats, Solo, Midtempo-Riffing. Alles da. Dennoch sind die Riffs etwas melodischer, die Abfolge etwas anders, die Soloeinwürfe etwas breiter über den Song gestreut. So wird ein Album trotz ähnlicher Formel nicht langweilig und genau das überzeugt.

 Beim folgenden Black Discharge werden zu Beginn die Metalcore Wurzeln etwas deutlicher, bevor erneut die Todeswalze zuschlägt.The Manipulation Stream bietet im Anschluss eine wunderbare Mischung aus knochenbrechenden Blastbeats und fast melodischen Riffeinwürfen und Soloparts, die im Anschluss sofort wieder von Blastbeats zerschnitten werden. Auch The Deity Misconception und Fearmonger können auf ähnliche Weise und ebenso hohem Niveau überzeugen während mit dem abschließenden Tarnished Gluttony zum Schluss knapp noch einmal eine acht Minuten lange epische Midtempo-Keule ausgepackt wird. Definitiv eines der Highlights der LP mit vielen interessanten Melodien und Parts. Ein mehr als gelungener, starker Abschluss.

Fazit:
Job For A Cowboy trauen sich auf Demonocracy mehr Melodie als zuvor, und das steht ihnen mehr als gut. Ohne das Konzept der vorhergehenden Alben aufzugeben, erweitern sie ihren Sound durch melodischere Elemente, und schaffen so Songs, die sich deutlich mehr als zuvor voneinander abheben und im Gedächtnis bleiben ohne dass die Band dabei auch nur einen Hauch ihrer brutalen Intensität oder technischen Überlegenheit preisgibt. Insbesondere das abschließende Tarnished Gluttony, aber auch Brecher wie Children Of Deceit oder The Manipulation Stream gehören zu den besten Songs die diese Band geschrieben hat. Dieses Album ist ein Muss für jeden Freund des komplexen, modernen Deathmetal und Deathcore und jede Minute des Hörens wert. Definitv eine Kaufempfehlung.

Anspieltipps: Tarnished Gluttony / Children Of Deceit / The Manipulation Stream

[xrr rating = 9/10]

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