ILL NIÑO mit Epidemia

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Der kommerziell erfolgreiche Nu Metal der frühen 2000er ist tot. Fast alle großen Bands des Genres bespielen heute andere Stilrichtungen, sei es das sehr durchwachsene Elektro-Pop-Rock Gemisch der einstigen Helden von Linkin Park oder die mittlerweile im erwachsenen Metal angekommenen Größen von Slipknot: außer Limp Bizkit, die noch immer dem Ruhm vergangener Tage hinterherlaufen und Korn, die seit Jahren unermüdlich ihr erstes Album neu veröffentlichen – ich meine natürlich immer neue Nu Metal Perlen schaffen – gibt es wenige Bands die tatsächlich noch Nu Metal auf hohem Niveau produzieren. Ein nicht unerheblichen Anteil daran dürfte die Metalcore-Welle gehabt haben, der jetzt allerdings ein ähnliches Schicksal zu drohen scheint.

Ill Niño sind hier eine der großen Ausnahmen, denn zwar veränderte sich über die Jahre ihr Sound und viel ist ist nicht vom typischen Nu-Metal Groove geblieben, aber dennoch behielten sie ihre Unverwechselbarkeit – vielleicht weil sie schon Anno 2001 mit Revolution Revolucíon zwar gängige Nu-Metal Elemente bedienten, aber immer noch eigenständig genug waren um mit kleinen Veränderungen im Sound trotzdem ihr Markenzeichen über die Unwägbarkeiten der musikalischen Trends retten zu können. Diese Markenzeichen – südamerikanische Percussion und spanische Liedtitel und Textzeilen – sind natürlich auch auf dem aktuellen Langspieler Epidemia wiederzufinden, wie vermutlich schon der Albumtitel vermuten lässt. Den Durchbruch in meinem Plattenregal schaffte die Band übrigens im Jahr 2004 mit dem Titel How Can I Live – Eine Single des Albums Confession, die es in den Soundtrack des von mir damals verehrten Slashers Freddy vs. Jason schaffte. Aber das nur am Rande

Epidemia wird durch The Depression eröffnet, ein Song der die Fahrtrichtung des Albums sehr deutlich werden lässt: auch Ill Niño haben längst alte Nu-Metal Pfade verlassen und weben Metalcore in ihren Sound. Ein guter Opener, wenn auch kein Superhit. Only The Unloved lässt den alten Groove ein bisschen stärker zurückkehren, stark unterstrichen von den omnipräsenten Percussions – ein starker Chorus tut sein übriges um einen guten Eindruck von diesem Song zu hinterlassen. So kennt und mag man Ill Niño. Es folgt der Titeltrack La Epidemia und damit direkt das erste Highlight der CD – es gibt Metalcore direkt ins Gesicht. Die Temposchraube wird deutlich angezogen, der cleane Gesang verbannt, dafür ein Wechselspiel aus tiefen Growlings und Core-typischen Shouts eingeführt. Starker Song mit noch stärkerem Abschluss. Herrlich. Im Vergleich zum Vorgänger fällt Eva dann etwas ab. Standardkost für Ill Niño Verhältnisse – gut, aber nicht herausragend. Demi-God dreht dann wieder etwas am Härtegrad und präsentiert sich als Song, der durchaus auch ins Repertoire von Bands wie It Dies Today passen würde. Gute Nummer – die allerdings vor dem folgenden, zweiten Highlight der CD verblasst: Death Wants More ist weniger brutal als von starken Melodien durchsetzt, tolle Gitarrenriffings wechseln sich mit einem starken Chorus ab – hier liegt echtes Hit und Singlepotential! The Escape tritt dann wieder etwas in den Schatten – ein eher durchschnittlicher Song, gut aber leider nicht mehr. Time Won’t Save You besticht dann wieder stärker durch einen guten Chorus, Breakdown – artige Verse und sehr präsente, sehr tiefe Growlings. Diese durchziehen in ihrer Art das ganze Album und geben der Band eine weitere Facette, da sie die Tür zur härteren Gangart öffnen ohne die für Ill Niño typischen cleanen Melodiegesänge zu vernachlässigen. Das gefällt mir. Auch Forgive Me Father ist gut, aber nicht herausragend, während Invisible People einen recht guten Abschluss bietet, auch wenn hier noch ein Quäntchen zum Hit fehlt.

Fazit:
Epidemia ist ein ziemlich starkes Album – Ill Niño verquicken auf bekannt gelungene Art und Weise Metalcore mit Nu Metal und südamerikanischen Elementen während sie gleichzeitig Songs mit Ohwurmpotential produzieren. Zum großen Hitalbum fehlt es allerdings etwas, da nur zwei Songs wirklich brillieren können. Dennoch: wer dem Genre etwas abgewinnen kann, der sollte definitiv ein Ohr riskieren.

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