HEAVEN’S CRY mit The Wheels Of Impermanence

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Dinge auf unkonventionellem Wege zu tun liegt in der Natur der Kanadier, so heißt es. Darüber kann man sich streiten, sicher ist aber, dass die Prog-Rocker HEAVEN’S CRY einen ziemlich unkonventionellen Werdegang hinter sich haben.
Die Band aus Montreal gibt es schon seit Anfang der 90er, 1996 erschien ihr Debütalbum „Food For Thought Substitute“ und erst sechs Jahre später kam das zweite Album „Primal Power Addiction“ auf den Markt.
Nach ihrer Trennung 2009, wurde es für zwei Jahre komplett still um die Truppe. 2011 formatierte sie sich jedoch neu und ab morgen kann man ihr drittes Studiowerk „Wheels Of Impermanence“ käuflich erwerben.

Wenn eine Band nach 16 Jahren ihre dritte Scheibe veröffentlicht, sind die Erwartungen der Fangemeinde natürlich dementsprechend hoch.
Für mich persönlich ist Prog-Rock immer so eine Sache, an die ich mich nur extrem selten herantaste, da ich nicht so sehr auf gediegene Musik stehe.
Dennoch wollte ich mich nach dieser Bandgeschichte selbst überzeugen und ich muss sagen, schon der Opener der Platte „Empire’s Doll“ überraschte mich.
Der Anfang klingt als türme sich eine riesige Welle aus Gitarrenklängen auf, die sogleich zu brechen droht und dann in einen sehr ruhigen, aber dennoch stimmigen Rhythmus übergeht.
Wenn dann die Vocals von Sänger Pierre St.Jean einsetzen, klingt es ein wenig nach Stilbruch – Metalstimme trifft Progressive oder so etwas.
Trotz seiner ruhigen Grundstimmung ist der Song sehr abwechslungsreich und keinesfalls langweilig.
Song Nr. 2 „Realigning“ geht in eine ganz andere Richtung. Er beginnt mit einem schnellen Tempo und auch der Gesang erscheint hier klarer als beim Vorgängertrack. „Empire’s Doll“ war eher Prog, „Realigning“ dagegen ist von Anfang bis Ende purer Rock.
„The Hollow“ geht wieder eher in die seichtere Progressive-Schiene. Was auffält ist, je ruhiger die Musik außenherum wird, desto krachender wirkt die Stimme von Pierre St. Jean.
Der Titeltrack „Wheels Of Impermanence“ schließt nahtlos an “Realigning“ an und man hat beinahe das Gefühl, dass sich die Jungs ein Strickmuster gebastelt haben: eine Masche Prog, dann wieder eine Rock usw.
Dieses „Muster“ führt dazu, dass es den Lauschern nicht langweilig wird und so drehen sich die Räder der Vergänglichkeit in Richtung „The Healing“.
Auch hier erwarten unsere Ohren wieder gekonnte Gitarrenparts gepaart mit einem sehr geschmeidigen Gesang.
So richtig abrocken konnte ich bis jetzt zu noch keinem der Songs, aber wir sind ja auch erst in der Mitte der Scheibe angekommen.
„Compass“, der die Nr. 6 auf der Trackliste belegt, enthält auch endlich einpaar coole Gitarrenriffs und bei diesem Song könnte ich mir vorstellen, dass er super in den Soundtrack eines Actionfilmes à la Transformers oder so was passen würde.
„The Mad Machine“ reiht sich wunderbar in das vorher gegossene Muster ein und hier kommt besonders die Schwere der Grundstimmung vom Progressive Rock zum Tragen.
Der nächste Song „Consequence“ ist wohl das abwechslungsreichste Stück auf dem ganzen Album. Hier haben wir eine Art „Duett“, das der Leadsänger zusammen mit seinem Bassisten Sylvain Auclair absolviert und überraschenderweise eine Saxofoneinlage, die von einer Art Jazzrhythmus des Schlagzeuges zusammen mit der Gitarre getragen wird. Wenn das keine Abwechslung ist, weiß ich auch nicht.
„Catalyse“ ist eine Ballade ohne Schmalz: mehrstimmiger Gesang, kein Kitsch, nur purer Rock und trotzdem der Hammer!
Den Abschluss der CD bildet das Instrumentalstück „A Glimpse Of Hope“. Auch bei diesem Song könnte ich mir eine Karriere als Eröffnungstrack eines Actionschmeißers in einem Kinosaal sehr gut vorstellen.

Fazit:

Alles in allem hat sich das Revival von HEAVEN’S CRY wirklich gelohnt. Ein Kollege bezeichnete die Platte als „Proglasagne“ und da kann ich mich nur anschließen. Insgesamt klingt die CD wie aus einem Guss, doch innerhalb der Songs findet man die Abwechslung, die eine gute Scheibe braucht, um bestehen zu können. Wer „früher“ HEAVEN’S CRY – Fan war, wird von dieser Comeback-Scheibe begeistert sein und wer denkt Progressive Rock wäre langweilig, sollte sich „Wheels Of Impermanence“ auf keinen Fall entgehen lassen.

[xrr rating= 8/10]

Trackliste:

1. Empire’s Doll
2. Realigning
3. The Hollow
4. Wheels Of Impermanence
5. The Healing
6. Compass
7. The Mad Machine
8. Consequence
9. Catalyse
10. A Glimpse Of Hope

Release: 05.10.2012
Genre: Prog Rock
Label: Prosthetic Records
Mehr Infos zur Band: http://www.heavenscry.com/

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Franzi

Franzi ist gelernte Tischlerin und studiert derzeit Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Als Redakteurin ist sie seit Dezember 2011 bei Metalize.Me tätig. Ihre Schwerpunkte sind: CD-Rezensionen und Live-Reviews in den Bereichen Mittelalterrock, Metal und Gothic in allen Variationen.