HALESTORM mit The Strange Case Of …

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Ich gebe es zu, Frauen und Rockmusik sind für mich schon immer problematisch gewesen. Bevor hier jetzt jemand zu recht „Sexist“ schreit möchte ich etwas präziser werden: FrauenSTIMMEN und Rockmusik sind für mich immer schon problematisch gewesen. Insbesondere im Metal sind diese meiner Meinung völlig deplaziert, besonders wenn es um opernhaften, ach so perfekt ausgebildeten Gesang á la Nightwish oder Within Temptation geht. Das in meinen Ohren ziemlich gruselige Rumgejaule mag vielleicht zur Vogelabwehr dienen, mich auf Konzerte locken tut es jedenfalls nicht. Auch sogenannte Rockröhren wie die deutlich in die Jahre gekommene Doro Pesch machen ihre Sache leider nicht besser. Ausnahmen sind natürlich auch hier vorhanden: Allen voran Angela Gossow, Miss Arch Enemy, zeigt wie es geht. Auch Bands wie Eyes Set To Kill haben meinen Glauben an starken, weiblichen Leadgesang noch nicht vollends sterben lassen.

Warum genau schreibe ich das, mag man sich fragen. Genau: Halestorm sind eine dieser Bands. Benannt nach ihrer Frontfrau Elizabeth „Lzzy“ Hale produzieren sie eigentlich genau die Art Musik, die ich mit weiblichen Stimmen am wenigstens ertragen kann. Hardrock. Und jetzt kommt die Überraschung: Lzzy’s Stimme passt perfekt in den Sound der Band, trägt die Songs und, am wichtigsten, stört zu keinem Zeitpunkt. Es geht also doch.

Mit The Strange Case Of… kommt jetzt das Album, von dem bereits einige Songs auf der EP Hello, It’s Mz Hyde zu finden waren und welches erst das zweite der bereits ziemlich umfangreichen Bandhistorie ist. Sparsam sind die 4 aus Conneticut, es bleibt also zu hoffen, das dies in gute Songs umgewandelt werden kann.

Und Halestorm legen mächtig vor. Ab Minute eins ist Vollgas angesagt. Love Bites (So Do I) lässt keinen einzigen Moment zweifeln worum es der Band geht: gepflegtem ins-Gesicht-Rock’n’Roll. Airbourne-mäßige Gitarren, wunderbare, treibende Drums und ein toller Chorus. An alle Emmures dieser Welt: so wird ein Opener platziert. Und genau so geht es weiter: Mz Hyde, eigentlich Titeltrack der EP Hello it’s Mz.Hyde, der zur allgemeinen Verwunderung dort nicht zu finden ist, folgt. Hier lässt eher Lordi grüßen, es geht etwas horror-rockiger zu Werke und am Ende steht ein zweiter toller Track. So darf es gerne weitergehen.

Mit I Miss The Misery folgt ein etwas stärker zum Midtempo neigender Rockstampfer, der schön rotzig daherkommt und sofort ins Ohr geht. Die simple Rock’n’Roll-Formel des Hardrock geht hier voll auf: wenig Schnickschnack, viel Druck, ein Chorus zum Mitsingen, fertig. Und Halestorm legen nochmal nach: ebenfalls eher im Midtempo findet sich Freak Like Me wieder, ebenfalls ein unterhaltsamer Track. Mit Beautiful With You folgt eine erste Powerballade. Man denkt sich nichts böses, schließlich gehören diese auf Hardrock-Alben. Sind nicht alle Bon Jovis und Poisons dieser Welt durch Powerballaden groß geworden? Eben. Dummerweise folgt mit In Your Room eine weitere. Und mit Break In sogar eine echte Ballade. Und hier denkt man sich leider „es reicht“. Nicht, dass die Songs schlecht wäre, ganz im Gegenteil, insbesondere In Your Room kann wirklich überzeugen. Trotzdem ist die Anordnung mal wieder sehr ungeschickt: Mischung ist hier das Stichwort. Und die ist hier leider nicht gegeben. Nunja, Mund abputzen weitermachen, vielleicht ist ja noch was zu retten. Mit Rock Show folgt ein episch arrangierter Song, der damit jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass er im Kern erneut eine Powerballade ist. Schade, ist er doch eigentlich ziemlich gut. In Form von Daughters Of Darkness folgt endlich der erwartete Hardrock-Brecher, den man schon nach der ersten Ballade hören wollte. Schön rotzig und drückend wie es sich gehört, Horror-Rock und vor allem Lordi-Anleihen inklusive. Danke. Die folgenden YouCallMeABitchLikeIt’sABadThing und American Boys kann man dann eher vernachlässigen, auch wenn der C-Part von erstgenanntem Song durchaus im Ohr bleibt. Mit Here’s To Us beschließt dann die letzte und eigentlich beste Powerballade des Albums die CD.

 Fazit: 4 Balladen auf einem 12-Track Album, dazu eine beinahe-Ballade? Etwas mehr Rock’n’Roll hätte Halestorm an dieser Stelle nicht schlecht gestanden, gerade weil die ersten, großartigen Tracks zeigen, wie gut sich die Band auf diesem Terrain bewegt. Sicher, die Powerballaden sind nicht schlecht, zwei sogar ziemlich gut, dennoch bleibt ein etwas fader Beigeschmack, der aus einem Hitalbum ein nicht-ganz Hitalbum macht. Dennoch: wer Hardrock zu seinem Hauptgenre zählt kommt im April nicht um Halestorm herum. Das starke Songwriting, die großartige Produktion und nicht zuletzt die starke Stimme von Lzzy Hale machen aus The Strange Case Of … ein tolles, unterhaltsames Hardrock-Album.

Anspieltipps: Love Bites (So Do I) / Mz Hyde / Daughters Of Darkness / Here’s To Us. 

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