GENTRIFICATION mit Part of the Process

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!

Kennt ihr das? Man geht auf das Konzert einer Band, auf die man wirklich brennt sie zu sehen und dann ist da irgendeine unbekannte Vorband, die, so leid es einem tut, man einfach nur hinter  sich bringen und zum Hauptact kommen will. So eine Band scheint mir auch Gentrification zu sein. Die fünf Jungs und Mädels, die sich 2008 in Berlin zusammenfanden, machen thrashigen Death Metal, der ab und an mit einer Würze von Melodeath und Metalcore daher kommt und haben jetzt ihre Debüt-EP Part of the Process an den Tag gelegt.

Und – Moment mal – Gentrification? Gentrifizierung, zu deutsch, kennt der ein oder Andere vielleicht noch aus dem Erdkundeunterricht, definiert den Prozess  einer Übernahme von minderwertigen Stadtteilen und deren Restaurierung durch Künstler. Das Quintett selbst behauptet auf deren Website auch, dies unter Anderem zum Thema der Songs zu machen. Ziemlich ungewöhnlich, geht es doch in dem Genre normalerweise durch recht makabere Themen. Hmm.

Sobald man die EP mit fünf Titeln und einer Gesamtlaufzeit von knapp 18 Minuten dann rein wirft,  beginnt die Scheibe durch die Anlage mit Part of the Process zu wummern und zunächst fällt einem dabei die mäßige Soundqualität auf, das Ding wurde also mit Sicherheit in Eigenregie aufgenommen und produziert. Der Gitarrensound ist durchweg einfach zu matschig und unpräzise, liegt wohl einerseits an dem verwendeten Equipment und andererseits daran, dass die Gitarren viel zu tief gestimmt sind.

Drumtechnisch gefällt mir der Sound schon eher, besonders die Snare hat einen präzisen Klang, allerdings ist die Bass-Drum kaum zu hören, die hat einfach kaum Attack. Der Bass wummert währenddessen immer irgendwo im Hintergrund rum und ist, vom soundtechnischen Standpunkt aus zu sehr verzerrt und breiig und vom musikalischen Standpunkt zu innovationslos. Während den folgenden zwei Songs Venom in our Veins und For greater say wird ab und an mal Metalcore und – siehe da, etwas Abwechslung! – etwas Doom mit angerissen.

Allerdings ist das beim dritten Lied leider nicht sonderlich gut inszeniert, das ganze will wahrscheinlich etwas gruselig wirken und es erinnert leicht an die norwegischen Black Metal-Selbstmordsympathisanten von Shining, nur kommt weder wirkliches Leid noch sonstige Leidenschaft für den Song rüber. Hin und wieder fliegt einem dann doch wieder der ein oder andere coole Riff um die Ohren und auch vor effektiven Breaks und Tempowechsel wird kein Halt gemacht, nur leider stehen die abwechslungsarmen Vocals, die ausschließlich hohe und tiefe Growls sind, im Vordergrund und machen durch ihre schlechte englische Aussprache gerne mal das Feeling kaputt.

In Solidarity ist dann zu beginn ein Interessanter wechsel von Off- und Onbeats auf den Drums zu beobachten, was ich an sich echt cool finde. Nur leider hat das Lied ansonsten nicht viel zu bieten und blendet in dem Mittelfeld des Gesamtbildes der Scheibe ein. Das fünfte und letzte Lied, Blood Circle, scheint mir dann doch noch das beste Lied der Scheibe zu sein, ist er doch schön stumpf-thrashig und hebt sich mit etwas ausgeklügelteren und irgendwie klügerem Riffing von den anderen Songs ab.

Fazit:
Es ist schade, wenn man nich sonderlich viel über eine Band und ihr Werk sagen kann, da sie einerseits zu wenig Lauflänge hat – man müsste meinen, dass vier Jahre genug Zeit sei um mehr Material zu sammeln, aber hey, es sind auch nur Newcomer – und andererseits einfach zu stumpf und abwechslungsarm ist. Obwohl sich die Jungs und Mädels mit interessanten Tempowechseln ausseindersetzen und auch das CD-Cover verdammt gut gemacht ist, will einfach kein Lied im Ohr bleiben.

[xrr rating=4.5/10]

GENTRIFICATION mit Part of the Process
GENTRIFICATION mit Part of the Process (Cover)

Tracklist

01. Part of the Process
02. Venom in our Veins
03. For greater Say
04. Solidarity
05. Blood Circle

Runtime:  18 mins
Stil: Thrash / Death Metal
Label: Eigenproduktion
Mehr Infos zur Band unter:
http://www.gentrified.de

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!