EMMURE mit Slave To The Game

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Die aus Conneticut stammenden Emmure sind schon seit längerem eine feste Größe in der modernen Hardcoreszene und legen mit Slave To The Game bereits ihr fünftes Studioalbum auf Victory Records vor. Der US-Fünfer setzt in seinem Sound, Überraschung, vor allem auf eine Verbindung von Hardcore mit Metal, angereichert mit Death-Metal Shouts und Brutalo-Breakdowns. Wäre das ganze etwas schneller, die Gitarren etwas komplexer, wäre das Label Deathcore vielleicht angebrachter, so bleibt der hauptsächlich regierende, stampfende Midtempo-Groove eher in Hardcore-Gefilden, auch wenn viele Elemente des Subgenres gegeben sind und ausgiebig Verwendung finden.

Lange Rede kurzer Sinn, am ehesten vergleichbar sind Emmure mit Bands wie Despised Icon oder The Acacia Strain. Dem geübten Zuhörer wird also grundsätzlich Erwachsenenunterhaltung der heftigen Sorte geboten, aber kommen wir nun zum Eingemachten: Slave To The Game nämlich.

An dieser Stelle möchte ich euch, liebe Leser, zunächst zu einem kleinen Exkurs zum Thema „wie schrecke ich willige Käufer, die aber von der Band noch nichts gehört haben, ab“ mitnehmen. Der Ersteindruck eines Albums ist ja meist der Blick aufs Cover. Es gibt gute Cover wie etwa The Oncoming Storm von Unearth, Es gibt durchschnittliche Cover wie etwa Horizons von Parkway Drive – und es gibt diese richtig beschissenen Cover. Diese Cover, bei denen man sich fragt „was hat sich die Band dabei gedacht, diesen Mist vorzuschlagen – und warum hat beim Label niemand gesagt ‚So geht’s nicht’“. Das aktuelle Album von Running Wild ist so ein Beispiel. Oder eben Slave To The Game. Unpassende Elemente (ein billig aussehender 80er-Jahre Schriftzug, ein zu großes, komisch gesetztes Bandlogo was farblich überhaupt nicht passt, ein merkwürdiger Hintergrund) werden zu einer Komposition des Grauens zusammengefügt. Wer das bei Victory durchgewunken hat ist entweder farbenblind oder war zum Zeitpunkt der Entscheidung betrunken. Egal. Das Cover ist meiner Meinung nach Mist. Großer. Danke für die Aufmerksamkeit.

Nachdem das Thema „Cover“ und „Ersteindruck“ abgeschlossen ist, wenden wir uns nun dem Inhalt des Tonträgers zu: Der Musik. Eröffnet wird der Reigen mit Protoman einem soliden Metalcore-Stampfer, ohne große Überraschungen. Tief gestimmte Gitarren, Midtempo-Brutalität, der typische C-Part Breakdown – Alles da. Nicht wirklich überraschend, aber auch nicht schlecht. Dummerweise folgen mit She Gave Her Heart To Deadpool und I Am Onslaught zwei weitere Songs genau dieser Art.Man hat zunehmend den Eindruck, die bis in den Keller gestimmten Gitarren können nur noch einen Akkord produzieren und diesen auch nur im immer gleichen Rhythmus. Ja es ist brutal, ja es ist finster – dennoch ist es langweilig. Die LP wird ab dem zweiten Song eintönig und das stört spätestens ab Song drei. Auch das folgende Bison Diaries folgt dem Strickmuster der ersten beiden Songs: Midtempo-Druckriffs, Tiefe Shoutings, C-Part-Breakdown. Es gibt kaum andere Elemente und die Gitarren sind insgesamt sehr uninspiriert. An diesem Punkt beginnt Slave To The Game  an den Nerven zu zerren. Man wünscht sich dringend einen anderen Akkord. Einen anderen Rhythmus, ja, vielleicht sogar nur eine etwas andere Songstruktur.

 Es folgt mit Poltergeist ein Zwischenspiel und dann – ja dann beginnt mit Cross Over Attack, das Album, welches man sich von Anfang an erhofft hatte. Wie als ob ein Schalter umgelegt worden wäre legen Emmure einen starken, abgewechslungsreichen Song hin, so als ob es die erste Hälfte der CD nie gegeben hätte. Zwar fällt man mit Umar Dumps Dormammu wieder etwas in die alten Strukturen zurück, dies nervt an dieser Stelle aber nur noch halb so sehr wie zuvor. Blackheart Reigns ist im Anschluss eines der Highlights der LP, sowohl vom Singalong-Faktor, als auch vom Abwechslungsreichtum innerhalb des Songs. So wünscht man sich Musik dieses Genres und Emmure beweisen, dass sie es doch können. Sowohl das folgende MDMA als auch War Begins With You können anschließend auf ganzer Linie überzeugen, das abschließende A.I. wartet sogar mit dissonannten Gitarrenriffings auf und beinhaltet eine Dynamik, die in der ersten Hälfte des Albums nie denkbar gewesen wäre. Und man fragt sich: warum eigentlich.

 Fazit: Slave To The Game ist ein sehr merkwürdiges Album und das nicht unbeding im positiven Sinne. Die Songanordnung ist meiner Meinung nach extrem ungünstig und gerade die erste Hälfte wirkt sehr uninspiriert und wie reines Füllmaterial. Es strengt beinahe an, sich durch die ersten 3,4 Songs zu quälen und hätte ich nur in diese CD reingehört, also die ersten 3 Tracks angespielt, wäre sie nie bei mir im Regal gelandet. Glücklicherweise habe ich aber auch die zweite Hälfte der LP gehört, die mit starken Tracks aufwarten kann und mit Cross Over Attack, Blackheart Reigns und War Begins With You sogar echte Highlights bietet. Dennoch ist Slave To The Game nicht mehr als ein solides Album des Genres, andere Bands wie Despised Icon bieten mehr von allem, vor allem aber mehr Abwechslung.

Anspieltipps: Cross Over Attack / Blackheart Reigns / War Begins With You

[xrr rating = 6.0/10]

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