CALLEJON mit Blitzkreuz *DOPPELREZENSION

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Rezension von Waldi:

Zwei Jahre nach ihrem letzten Longplayer bringen die Jungs aus NRW ihr nächstes Album auf den Markt. Das als Blitzkreuz getaufte Werk reiht sich somit als nun viertes Studioalbum in die Bandgeschichte ein. Trotz der ständigen Durchmischung der Besetzung und des Wechsels der Plattenfirma bleibt der Sound von Callejon im Grunde gleich. Sehr melodiebetonter, deutschsprachiger Metalcore mit vielen cleanen Singpassagen sowie dem Mut zum Experiment.

Wem die Band bereits vertraut ist, wird sich sehr schnell ins Album reinhören können, denn sowohl musikalisch als auch stilistisch machen die Musiker dort weiter, wo sie mit den Vorgängern aufgehört haben – hierzu zählen sehr schöne und eingängige Gitarrenriffs und hin und wieder auch ein paar Samplereinschübe. Die Texte reichen von gesellschaftskritischen Themen über Antihipsterhymnen bis Herzensangelegenheiten und sind durchgängig in Deutsch gehalten.

Kommen wir nun zum kleinen Manko der Platte: Leider schaffen die Jungs es nicht alle Lieder auf einem gleich hohen Niveau zu halten. So ist das Album mit Krachern wie „Blitzkreuz“ oder „Atlantis“ (beide leicht schleppend zu Beginn, jedoch im Verlauf immer stärker) oder „Porn from Spain 2“ (welches wie bereits schon der Vorgänger von den Jungs von K.I.Z., Mille (Kreator) und Sebastian Madsen (Madsen) gefeatured wird) bestückt. Aber leider befinden sich unter den 11 Titeln auch deutlich schwächere Songs wie „Kojote U.G.L.Y“ oder „Meine Liebe„, obwohl nur Letzteres als echte Enttäuschung bezeichnet werden könnte.

Ein echtes Highlight ist (wie immer) das aufwendig gestaltete Artwork des Albums. Die Tatsache, dass es sich um selbstentworfene Designs des Frontmanns handelt macht es umso besonderer.

Fazit:
Ein weiteres hörenswertes Album der Deutsch-metalcorer mit dem spanischen Namen – bis auf paar Schwachstellen ein sattes und mächtiges Album mit Potenzial zum Dauerhören. Für alle Freunde deutscher Texte und schöner melodischer Gitarrenriffs.

 [xrr rating=7/10]


Rezension von Eike

Die deutsche Metalcore-Szene an sich ist ja, ähnlich wie der tropische Regenwald, ein dichtbesiedelter aber langsam arg nährstoffarmer Lebensraum, in dem eine Menge Bands versuchen noch ein wenig Sonne abzubekommen, die nur mühsam zwischen den Blättern der großen Namen hervorlugt. Heaven Shall Burn, Neaera, oder Caliban sind dabei jetzt nur eben jene großen Vertreter ihrer Zunft, die es über Jahre geschafft haben sich durch konstante Qualität einen Platz in unseren Plattenregalen zu erspielen. Und seit ein paar Jahren gehört auch eine deutschsprachige Band mit spanischem Namen dazu: Callejon sind spätestens seit dem großartigen Konzeptalbum Videodrom, eigentlich aber schon seit Zombieactionhauptquartier eine feste Größe der deutschen Szene. Obwohl ich oft Probleme mit der deutschen Sprache in Verbindung mit Shouting habe, und einige Bands (ich erinnere mit Schaudern an Empowerment) es völlig verhauen, schafft es Sänger Bastian Sobtzick durch Artikulation und Akzentuierung das Hässliche des deutschen Sprachlklanges perfekt in die Musik einzubinden. Oder anders: Es klingt meist herrlich fies. Dies, sowie das Gespür für Songwriting und große Hits (Porn From Spain mit genialem KIZ – Feature etwa) haben die Band trotz der Trennung von Nuclear Blast nicht aus Top-Liga der deutschen Metalcorebands verdrängen können.

Blitzkreuz, benannt nach dem Logo beziehungsweise dem Symbol der Band, ist die vierte LP und kommt unter anderem in einer over-the-top Special-Edition daher, die sich zu eben jenem Kreuz aufklappen lässt. Das sieht spektakulär und vor allem wahnsinnig aufwändig aus und auch die Produktion des Langspielers passt sehr gut zu diesem optischen Highlight – sie ist klar, drückend, mächtig – oder mit anderen Worten: grandios, was auf gute Unterhaltung hoffen lässt.

Der Opener der CD, der Titeltrack Blitzkreuz, ist unglaublich stark. Fiese Gangshouts, starke Lyrics (Medienkritik!) und geniales Songwriting – dieser Track hat alles was die Band auszeichnet. Der Track ist ein klarer Hitkandidat und zurecht mit einem Video versehen worden. Das folgende Cojote Ugly kommt deutlich rockiger daher, insbesondere der Chorus hat einen unerschütterlichen, von den Drums getriebenen Groove, den man auch so schnell nicht mehr loswird. Volltreffer 2 von 2, man erlebt selten eine so gelungene LP-Eröffnung.

Mit Meine Liebe wird etwas der Fuß vom Gaspedal genommen und die nachdenklichen Lyrics korrespondieren mit verstärktem Elektronikeinsatz – hier wird etwas der Core aus dem Metal genommen und stattdessen eine deutliche Portion Rock hinzugefügt mit einer Prise Indiepop abgeschmeckt und kräftig durchgerührt. Gelungen, aber anders. Mir gefällts. Atlantis im Anschluss streicht dann wieder den Poprock von der Speisekarte und empfiehlt den Metal des Tages – Uptempo-Doublebass-Galopp, zweistimmiges Riffing und Tapping, Shouting – klarer kann die Ansage nicht sein. Die Mischung der LP ist bis hierhin exzellent abgestimmt und wirkt wunderbar durchdacht, gerade weil mit vergissmeinnicht wieder ein etwas nachdenklicherer, im Midtempo angesiedelter Song folgt, der aber einen wunderbaren Chorus präsentieren kann. Stark.

Porn From Spain 2 danach ist dann der Feature-Overkill: Mille (Kreator), Nico, Tarek und Maxim (KIZ), Sebastian Madsen (Madsen) – klar erkennbar ist der Versuch den Überhit des zweiten Albums nochmal zu toppen, was aber leider nur teilweise gelingt. Der Chorus wirkt etwas aufgesetzt, das KIZ-Feature ist leider nicht so optimal getimed wie noch beim ersten Mal. Positiv bleibt nur der zweite Vers vom Kollegen Madsen im Ohr – schade. Dennoch ist das Meckern auf hohem Niveau. Während Bevor du gehst merkwürdig belanglos bleibt, kann Polar mit seiner passend eiskalten Atmosphäre und seinem größeren Hang zum Uptempo wieder auf ganzer Linie überzeugen. Der Chorus ist ein weiterer Ohrwurm-Garant. Was Bleibt seid ihr ist ein klassischer Fan-Tribute Song – stark geschrieben, vielleicht lyrisch etwas zu sehr an großen Deutschrock-Bands orientiert, Musikalisch aber angenehm drückend.

Die beiden letzten Songs der LP sind für mich wieder Highlights – ähnlich wie die beiden Opener. Vielleicht weil mich die Lyrics so direkt ansprechen. Bring mich fort ist ein brillianter Uptempo-Kracher mit wundervollem Chorus, Kind im Nebel im Kontrast ist eine zuckersüße, kitschige, 100%-charttaugliche Powerballade, deren Chorus wahrscheinlich jeden bewegt, der sich schonmal überlegt hat wie alt er in den letzten Jahren eigentlich geworden ist. Ich kann nicht aufhören diesen Song zu hören.

Fazit:

Blitzkreuz macht für mich da weiter wo Videodrom aufgehört hat. Das Songwriting wirkt noch geschliffener, die Chorus-Singalongs noch ohrwurmlastiger, die Gesamtmischung noch besser. Sicher, etwas ist das Rauhe und Kantige verlorengegangen, aber dennoch zeigen Callejon eindeutig, dass das Wörtchen Metal definitiv in die Genrebeschreibung gehört. Zwar gefällt mir persönlich grade der Versuch des Hits Porn From Spain 2 von allen Songs am wenigsten, aber auf diesem Niveau ist das eher Makulatur. Kauft euch diese CD – in der Special Edition. Diese Sackgasse hat definitiv keine Wendemöglichkeit!

Anspieltipps: Blitzkreuz / Cojote Ugly / Bring mich fort / Kind im Nebel

 

[xrr rating=9/10]

Release: 15.06.2012
Label: Sony Music
Genre: Metalcore
Mehr Infos zur Band:
http://www.callejon.de/


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