ACRIMONIOUS mit Sunyata

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!

Das Artwork erweckt im ersten Moment den Eindruck, dass sich hier eine angehende Kunststudentin selbst porträtiert haben könnte. Nach Black Metal oder „alten Morbid Angel“ sieht das wahrlich nicht aus und ich bin einerseits misstrauisch aber auch gespannt was die Griechen ACRIMONIOUS auf ihrem zweiten Werk über volle Länge Sunyata veranstaltet haben.

Vom Intro des vorliegenden Silberlings bin ich erstmal einigermaßen schockiert. Nexus Aosoth klingt wie die B-Seite vom Herr der Ringe Soundtrack. Gehört zwar in jeden Apendix einer gut sortierten Filmsammlung, aber wat juckt mich das? Die Variation des musikalischen Themas wirkt hölzern und erzwungen, entbehrt allerdings nicht einer grundsätzlichen Atmosphäre. Kann so, muss aber nicht. Ich will gleich den ersten Song überspringen, kann das noch gut gehen? Ja, kann es!

Die Griechen machen mit Lykaria Hekate, dem ersten Song das langweilige Gejuckel durch Mittelerde glücklicherweise schnell vergessen, indem er mit unendlich viel Groove sowie unnachgiebiger Härte vorgeht. Der Sänger vereint gekonnt abgrundtiefe Growls mit jauchzendem Reverbgesang, dass mir die Haare zu Berge stehen. Komplexes Geballer direkt zwischen die Augen. Fett! Nach 5/8 des Songs gönnt die Band dem Hörer eine kurze Entspannungspause und schiebt ein atmosphärisch gelungenes Akustikintermezzo mit cleaner Gitarre sowie Orgel zwischen die beiden Hauptparts des Songs. Dem fast schon obligatorischen Regengeprassel im Hintergrund wird, Kachelmann sei Dank, auch zum richtigen Zeitpunkt der Riegel vorgeschoben, bevor es der Song schafft in die Gefilde von „November Rain“ abdriften.

Nach kurzweiligen 7:59 Minuten ist der Friede erstmal vorbei, denn als nächster Track folgt das panisch hackende Adharma, in dem wir kreischende, flächige Gitarren mit panischem, beinahe hysterischem Geschrei serviert bekommen. Außerordentlich gefällt das intelligente Spiel mit verschiedenen Geschwindigkeiten und der vielschichtige Gesang. Trotz der 8:40 Minuten, die der Song währt und trotz häufiger Tempowechsel ein epischer Uptempokracher mit atmosphärischer Mönchsprozession als Ende. Wer bis hierhin noch nicht von der Platte gefesselt ist muss komplett zugedröhnt sein.

Glory crowned Son of the Thousand Petalled Lotus klingt wie die leibhaftige Zwangsräumung des Kirchenschiffs durch des Teufels Schergen. Hier geht wirklich einiges. Neben den für todesinspirierten BM typischen, rasenden Gitarrenläufe, hasserfülltes, reifes Gegröhle. Göttliche Soli und super-infernalische Melodien, die den okkulten Flair des gesamten Tonträgers gekonnt verstärken, ohne eine Sekunde peinlich zu wirken. Der Song ist nach knapp über 8 Minuten viel zu schnell zuende und wirkt ein wenig abgewürgt!

The Hollow Wedjat baut sich gitarrentechnisch peu à peu auf, wirkt nach einigen Durchläufen der Melodie ein wenig verloren, um dann in einem erlösenden Ausbruch infernalisch in die Luft zu gehen. Mein Soundtrack zum Untergang des ägyptischen Reiches. Endlich gibts die nächste hochwirksame Dosis Progressivität auf klassischen BM angewandt. Dort wo der Durchhaltebeat von The Sloughted Scales of Seperation hinfällt wächst auch kein Gras mehr. Eingängig und definitiv der Mitwackelsong auf diesem Tonträger. Erlösend auch das klassische Gitarrenspiel nach geschätzten 6 Millionen Snaredrumschlägen. Zum Ende hin wirkt der Song äußerst melancholisch.

Vitalising the Red-Purple in Asher-Zemurium ist erneut ein Hieb mit der Black Metal Keule. Den Hauptriff gibt es in exakt der vorliegenden Form bestimmt 666 Mal, alleine zwischen Lesbos und Thessaloniki. Dieser Kracher wirkt so altbacken und geht dermaßen brutal auf die Glocke, dass mirerstmals die Beschreibung „klingt wie Morbid Angel in ihren Anfangstagen“ in den Sinn kommt. Acrimonious können auch Gewalt. Endgeil!

Black Kundalini ist ein kröhnender Abschluss mit nicht enden wollendem Groove, der mit zahlreichen musikalischen Details versehen ist, wie ein Schmuckstück aus Meisterhand.

Fazit:

Ich könnte noch stundenlang Phrasen dreschen, möchte mich aber nur auf einige wenige beschränken. Episch geht die Welt zugrunde und ich bin überzeugt diese Platte ist der passende Soundtrack dazu. So muss angedeathter okkulter Metal klingen. Erdige Produktion und geniales Songwriting. Dieses Werk hält das was das Cover zuerst nicht verspricht. Höchstnote.

[xrr rating=10/10]

Acrimonious mit Sunyata - Cover
Tracklist:

  1. Nexus Aosoth
  2. Lykaria Hekate
  3. Adharma
  4. Glory crowned Son of the Thousand Petalled Lotus
  5. The Hollow Wedjat
  6. The Sloughted Scales of Seperation
  7. Vitalising the Red-Purple in Asher-Zemurium
  8. Black Kundalini

Release: 27.11.2012
Genre: Progressive Black Metal
Label: Agonia Records

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!