Wacken Open Air 2011 – Nachbericht

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Mehr als 80.000 Metalheads feiern eine ausgelassene und friedliche Party.
Bereits zum 22. mal fand in diesem Jahr das Wacken Open Air statt. Auch Metalize.Me war vor Ort und liefert euch neben dem Nachbericht auch eine umfassende Festivalgalerie.
Für viele beginnt das Festival bereits am Wochenende vor der eigentlichen Party, denn 10.000 Reisen bereits Sonntags bzw. Montags an, um ihre Zelte möglichst nah am Festivalgelände aufzuschlagen zu können.
Überschaubar ist das Gelände allemal. Überall stehen Infotafeln, die den Besucher den Weg weisen und es scheint als würde an jeder Ecke ein Festivalhelfer stehen, der einen im Notfall den Weg weist.
In Sachen Bands wird es dann schon schwieriger. 2011 kündigten über 130 Bands ihren Besuch beim Wacken Open Air an.
Dadurch ist es unmöglich, jede Band zu sehen, da sich viele der Zeiten überschneiden. Wir halten für euch noch einmal die Highlights fest. (ff)

Erläuterung:
(rg) = Robin
(ff) =  Florian


WACKEN OPEN AIR – Der Montag
Es gibt tatsächlich hunderte Wagen, die schon Sonntags anreisen und die Nacht auf einem Rastplatz verbringen, um Montags pünktlich zum Einlass auf dem größten Metal Acker zu erscheinen. Denn nur so kann sich ein Großteil der feierwütigen Fans einen Platz auf dem Campground C, dem zum Hauptgelände am nächsten gelegenen Campingplatz sichern. Zwanzig Euro extra sind in diesem Fall fällig, da der Campingplatz offiziell erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 0:00 Uhr seine Pforten öffnet. Um also die Kosten zu decken und die Anzahl der Frühanreiser überschaubarer zu halten, erheben die Veranstalter diese Extra Gebühr. Es wird ganz klar im Vorfeld darauf hingewiesen und ich finde es in diesem Fall auf jeden Fall gerechtfertigt. Die Fans sind auch nur allzu gern bereit diese Gebühr in Kauf zu nehmen, um zwei Tage mehr Party zu begehen und außerdem sich später nicht stundenlang die Füße ablaufen zu müssen. Und dann beginnt langsam, die kleine Welt des Metalls, ihre eigene Gesellschaft aufzubauen. Und es gibt wirklich nichts, was es auf dem Campingplatz nicht gibt. Es werden eigene Discoanlagen aufgebaut, Zeltgarnituren, Sofas, ein Sarg steht am Rand zum Verkauf, eigene Dusch- und Toilettenhäusschen werden auf LKW Anhänger errichtet… Dieser Campingplatz (allgemein Wacken, nicht nur C), hat alleine schon genügend fürs Auge und für die Ohren zu bieten, dass einem auch ohne Einlass zum Festivalgelände nicht langweilig wird.(rg)

WACKEN OPEN AIR – Der Dienstag
Wer Dienstags anreist, dem wird noch eine Gebühr von 10 Euro abgerechnet. Dafür bekommt jeder aber auch ein schickes Bändchen mit dem Hinweis: „Du bist zu früh“. Im Ort schon von einem Stau zu sprechen wäre übertrieben, aber es geht ab Ortseingang schon etwas schleppend voran. Um das ganze zu entzerren werden alle Autos einmal durch den Ort in den nächsten und von dort über Feldwege von hinten zur Einfahrt aufs Campgelände gelotst. Im Ort selbst herrscht schon ein Treiben, welches es in den früheren Jahren erst an den Haupttagen gab…wenn überhaupt. Ebenso auf der Autobahn, auf der man schon ab Frankfurt in regelmäßigen Abständen die W:O:A Aufkleber auf den Heckscheiben sieht. Auf dem Campground angekommen  wird man auch von Ordnern eingewiesen und man kann mit seinem Aufbau beginnen und zu seinem Teil der Metalwelt beitragen. Es ist aber auch kein Problem, einen Ordner darauf hinzuweisen, dass einem Freunde auf einem anderen Platz ein Plätzchen freigehalten haben und man dorthin fahren möchte. Problematisch wird dies nur später in der Woche, wenn man nicht ganz genau weiß, welche Straßen einen wohin führen, denn man verliert nach und nach leicht den Überblick, wo sich was befindet. Es gibt zwar extra festgelegte Straßen, die durch die Einreihung der parkenden Autos entstehen und auch mit Straßenschildern versehen sind, doch Dienstags ist von diesen begehrten Schildern allenfalls noch die Hälfte vorhanden, so dass ein Blick auf die überall vorhandenen Orientierungsschilder nicht immer viel bringt. Und es kann einem auch passieren, dass plötzlich mal Straßen zu Sackgassen werden, weil eben Autos oder Zelte da stehen, wo sie eigentlich nicht sollten. Überall wird gefeiert, manchmal fragt man sich auch wie man selbst oder einige jetzt schon total dichte Kollegen dies bis Sonntag durchstehen wollen, aber nach zwei drei Bier ist auch das egal und vergessen. Entweder man feiert am eigenen Platz oder man schleppt ein paar Bier zur nächsten, selbst aufgebauten Metal Disco, feiert mit einem völlig fremden Personen, wünscht sich Lieder und fühlt sich einfach mittendrin, statt nur dabei.(rg)

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WACKEN OPEN AIR – Der Mittwoch
Obwohl eigentlich noch gar kein offizieller Tag des Wacken Open Air, öffnen heute schon einige „Attraktionen“ ihre Pforten und es spielen die ersten Bands. Für manche der dritte Tag, für andere der erste richtige und offiziell eben noch gar kein Tag öffnet am späten Nachmittag der riesige Biergarten mit seiner Beer-Garden-Stage der leider schon seit zwei Jahren seine leckere Haxe nicht mehr anbietet. Dafür spielen dort aber dann wie in jedem Jahr die schon zum Kult erhobenen W:O:A Firefighters, also die hauseigene Feuerwehrkapelle. Und das jeden Tag. Andere Festivals haben längst damit begonnen, ebenfalls ihre eigene Blasmusik Kapelle morgens aufspielen zu lassen, woran man sieht, welch einen Erfolg diese Truppe mittlerweile verbucht. Und so ist es auch immer rappelvoll wenn diese aufspielen und zum zünftigen Bieransticht aufrufen. Und das tun sie nicht nur Mittwochs, sondern an jedem anderen Tag ebenfalls.  Es wird gebangt, gemosht und es fliegen sogar schon die ersten Crowdsurfer durch die Luft. Ein Erlebnis der anderen Art. Ebenfalls an dem Abend spielt MAMBO KURT auf. Wann und wo dieser in den nächsten Tagen noch mit seiner Orgel die Ohren vergrault kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Es ist aber schwer, dem Mann mit dem todsicheren Geschmack an dem Wochenende nicht irgendwo zu begegnen.

Ebenso öffnet, aber schon früher am Tag, das riesige WACKINGER VILLAGE. Darunter versteht man einen riesigen Mittelaltermarkt, auf dem einfach alles und noch mehr als auf einem typischen, mittlerweile ja sehr gefragten Mittelaltermarkt zu sehen ist. Es gibt Feldlager, Showkämpfe, Schmiedkünstler, Badhäuser, Pranger, Marktschreier, Gaukler, Feuerspucker, reichlich Essens- und Getränkeangebote, eine Bar, die als Wikingerschiff getarnt ist und und und. Das Essen lockt mit besonders ausgefallenen Namensgebungen, darunter finden sich zahlreiche interessante abwechslungsreiche Speisen, aber ebenso auch gleiches Futter wie sonst auf Festivals, nur etwas anders tituliert und weniger schmackhaft. Leider. Was bei weitem nicht auf jeden Stand zutrifft, aber es gab doch zwei oder drei Stände, bei denen die Qualität etwas enttäuschte. Und ebenso gibt es noch die WACKINGER STAGE, auf der auch schon am Mittwochabend Bands spielen. In den nächsten Tagen werden dort zwischen unbekannteren Bands auch bekanntere wie RABENSCHREI oder LACRIMAS PROFUNDERE aufspielen und eine Truppe namens MAIDEN UNITED, die vor einiger Zeit ein Akustik Album des IRON MAIDEN Albums „Powerslave“ aufgenommen hatten.

Etwas weiter zum eigentlichen Festivalgelände hin gibt es den WACKEN PLAZA mit seinem BULLHEAD CITY Zelt. Im Vorjahr war dies noch ein einfaches rundes Zirkuszelt, das vor etlichen Jahren sogar mal als W.E.T. Stage genutzt wurde. Jetzt befindet sich dort ein mindestens doppelt so großes Zelt. In diesem finden solche Sachen wie Wrestling, Oil Catching, Strip Shows und Masters Of Comedy statt, aber es spielen auch ab und an Bands wie ONKEL TOM, der sein neues Album mit dem passenden Lied „Auf nach Wacken“ vorstellt oder die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS.

Und dann gibt es da noch die eben schon genannte W.E.T. Stage. Wacken Evolution Tent. Der eigentlich Zweck diente und dient nach wie vor den Nachwuchskünstlern, die in diesem Fall durch den Metal Battle herausgearbeitet wurden, der mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen Ländern auf der ganzen Welt stattfindet. Und die Sieger aus jedem Land dürfen sich dann in diesem riesigen Zelt jeweils 25 Minuten einem beachtlichen Publikum vorstellen, bei dem am Ende einer als Sieger mit einem Plattenvertrag hervorgeht. Ansonsten bietet die W.E.T. Stage an den Haupttagen auch solch etablierte Bands wie ACCUSSER, TORTURE SQUAD oder IN SOLITUDE, um nur einige zu nennen. Also ebenfalls eine Bühne, die für sich alleine schon ein eigenes beachtliches Festival sein könnte. Nachts verwandelt sich an der Stelle dann eine Mischung aus Disco und Karaoke, wobei das Karaoke hier auf dem Wacken eher dafür steht, wer am gruseligsten singen kann.

Und als letztes gibt es dann noch das Movie Field, das tagsüber auch als Platz für ein kleines Fußballturnier genutzt wird. Auf diesem liefen dann Mittwochnacht die RUNNING WILD DVD ihres Abschlusskonzertes auf dem Wacken 2009 und danach LEMMY – THE MOVIE. Doch bevor es losging unterhielt noch jemand mit einer lustigen Feuershow, die einem Takt eines Drumsolos angeglichen war und riesige Feuersäulen empor schießen ließ. Ob nun zur Überbrückung wegen Verzögerung, oder ob die Verzögerung dadurch entstand, jedenfalls startete das RUNNING WILD Video erst zwanzig Minuten nach geplanten Beginn und so viel Arbeit auch in der Feuershow stecken mochte, nach zehn Minuten fing dies an zu langweilen und jeder Anwesende war einfach nur froh, als die Piraten die Leinwand enterten. Guter Sound, gute Stimmung im Publikum aber erneut die Erkenntnis, dass dieses Konzert bei weitem kein tolles einer ansonsten famosen Kapelle war.(rg)

Bereits am Mittwoch begann der „Wahnsinn“ für mich: Um 20 Uhr spielte die wohl bekannteste Feuerwehrkapelle des Landes, die FIREFIGHTERS. Wie jedes Jahr tobt hier der Mob – Headbangen und Crowdsurfen inklusive.
Nach diesem denkwürdigen Auftritt ging es auf der Stage des Wackinger Village direkt weiter. Wo normalerweise Bruchenballspiele, Ritterkämpfe und die Highlandgames ausgetragen werden, trat am späten Mittwochabend die Band THE ABERLOURS auf. Die Musik der 5er Truppe lässt sich am Besten in den Celtic-Rock einordnen. Besonders eindrucksvoll waren die seltenen Akkustikinstrumente, die die Band nutzt.
Während ihres Auftrittes präsentierte die Band u.a. Songs aus ihrem aktuellem Album „Save The Last Drop“.
Wettertechnisch war der Mittwoch perfekt, wie auch das ganze restliche Wochenende, mit ein paar kleineren Ausnahmen, auf die aber später noch eingegangen wird. (ff)

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WACKEN OPEN AIR – Der Donnerstag
Der Donnerstag begann bereits am frühen Morgen mit einem kleinen Regenschauer. Der perfekte Wachmacher nach einer langen und durchzechten Nacht. Das Festivalgelände öffnete seine Pforten allerdings erst um 15 Uhr, genug Zeit also um sich die Campgrounds einmal genauer anzuschauen.
Der Gang über den legendären Campground „C“ ist für mich mittlerweile zur Tradition geworden. Die Camper hier scheinen teilweise ihre halbe Wohnung mit auf das Festivalgelände zu schleppen. Nicht selten sieht man eine gemütliche Couch oder den heimischen Gartenzaun, welcher von Omi abmontiert wurde um damit sein Areal auf dem Gelände zu Markieren.
Oftmals wird Campground C auch mit den Hauptbühnen verwechselt, da sich bei so manch einem wahre Boxentürme vorm Zelt stapeln.(ff)

Nach diesem kleinen Ausflug ging es dann direkt zum Festivalgelände, wo sich bereits ein paar Tausende Metalhead versammelt hatten.
Es folgte der gefeierte Auftritt der Band SKYLINE welche das Festival 1990 mangels eigener Auftrittmöglichkeiten ins Leben riefen. SKYLINE war damals eine bekannte Coverband und auch im Jahr 2011 spielten sie einige Coversongs. Darunter „Out In The Fields“ & „Over The Hills And Far Away“.
„Out In The Fields“ ist im Orginal von Gary Moore, dieser ist Anfang des Jahres verstorben und somit wurde ihm das diesjährige W:O:A gewidmet.
Der Auftritt von SKYLINE wurde durch diverse Gastauftritte abgerundet. So traten DORO PESCH, CHRIS von GRAVE DIGGER und auch ONKEL TOMauf. Alle drei zelebrieten ihre Wacken Hymen. DORO mit „We Are The Metalheads“ sowie als Zugabe „Raise Your Fist in The Air“ und „All We Are“.
Chris von GRAVE DIGGER zog nach und legte mit „Wacken Will Never Die“ die Hymne vom letzten Jahr aufs Parkett. ONKEL TOM präsentierte dann die diesjährige Hyme „Auf nach Wacken“. Im Anschluss trat dann noch U.D.O auf und performte den Song „Metal Rebel“.(ff)

Direkt nach SKYLINE gab es eine Premiere: Der Comedian Bülent Ceylan trat auf die Bühne um die Lachmuskeln der Metalheads mal so richtig zu beanspruchen. Eine halbe Stunde gab es Gags und Witze des deutsch-türken. Unterhaltsam und witzig bis zur letzten Sekunde. Man spührte die Freude bei Bülent, dieser Auftritt hat ihm sichtlich Spaß gemacht. Bleibt nur zu hoffen, das es nicht sein letzter Auftritt war.
Nach diesem Auftritt gab es noch einen Weltrekordversuch: Das größte Foto der Welt sollte geschossen werden. Der Clou bei der Geschichte: Das Foto ist so hochauflösend, das man sich genau sehen kann. Auf der Website des NDR’s kann man das Foto betrachten und sich darauf verlinken.(ff)

Der Donnerstag ist beim Wacken Open Air zur „Night To Remember“ geworden. Und für die nachfolgende Band sollte es auch ein unvergessender Auftritt werden.
HELLOWEEN betraten pünktlich um 19 Uhr die True Metal Stage und starteten mit „Are You Metal?“. Wäre da nicht der plötzliche total Ausfall auf der Bühne gewesen. Das Licht ging aus, kein Ton mehr, alles lag im dunkeln. Ich selbst stand ein wenig außerhalb der Bühne, konnte daher auch auf den Monitoren nicht die fragende Gesichter der Band betrachten. Nach 2 minuten war der Ausfall behoben und die Band setzte wieder zu „Are You Metal“ ein. Allerdings hielt die Technik wieder nur einen kurzen Augenblick, bevor diese erneut versagte. Diesmal betraf der Ausfall auch die angrenzende Black Metal Stage. Nach scheinbar endlos langem Warten, ging es weiter.
Es folgten Klassiker der Band wie „The March Of Time“, „Future World“ und „I Want Out“. Zwischendrin gab es noch ein – für mich enttäuschendes – Drum Solo. Auch die Stimme von Frontmann Andi Deris überzeugt mich an diesem Abend nicht vollends. Betrachtet man aber die beiden Ausfälle der Technik kann man darüber durchaus hinweg sehen.(ff)

Und dann kommen die Südtiroler FREI.WILD auf die Bühne. Zum dritten Mal hintereinander. Soweit ich weiß ist das bisher noch keiner anderen Band gelungen (zumindest keine, die man jetzt ernsthaft als größere Band bezeichnen kann, denn die üblichen Verdächtigen wie SKYLINE oder MAMBO KURT lassen wir mal außen vor). Und die zocken was das Zeug hält und der Zuspruch ist auch wahnsinnig. Es wird wie eigentlich immer mit dem Song „Freiwild“ gestartet und wie in den letzten 3 bis 4 Jahren ist es schwierig, einen angenehmen Platz zu finden, bei dem man teilweise die Bühne sieht, aber teilweise auch noch Platz zum Bangen und/oder Bier holen hat. „Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben“ oder „Das Land der Vollidioten“, so heißen die Hits die jeder hören will und die auch gespielt werden. Natürlich gibt’s auch den stark an Ska Punk erinnernden Überknaller „Das kommt davon weil du mich damals nur verarscht hast“. Live leider nicht ganz so stark wie auf Platte, aber wen juckt das schon. Eine Stunde hat die Band Zeit zu zeigen, warum sie es innerhalb von drei Jahren von der W.E.T. als Überraschungsgast über die Party bis auf die Hauptbühne geschafft hat. Und sie lässt die Möglichkeit nicht verstreichen.(rg)

Die nächste Band, die ich keinesfalls verpassen durfte, waren BLIND GUARDIAN, welche ebenfalls am Donnerstag von 20:30 bis 22:00 die Black Stage rockten. Den Opener machte „Sacred Worlds“ ein eindrucksvoller und imposanter Track mit einem epischen Intro bei dem die Band um Hansi Kürsch die Bühne betrat. Die Zuschauer feierten die Krefelder Jungs vollkommen zu recht und diese spielten alle Hits und Klassiker.

„Welcome To Dying“ folgte im Anschluss und dann gabs – sehr früh – den Song „Nightfall“ bei dem ein großteil des Publikums fleissig Mitsang. Eine weitere Gelegenheit zum Mitsingen bot dann „Time Stands Still At The Iron Hill“, welches fanatisch von der Crowd gefeiert wurde.

Im Prinzip bräuchte Hansi bei seinen Auftritten nicht mehr mitsingen, die Songs der Band kennt fast jeder Auswendig. Auch beim Klassiker „Lord Of The Rings“ schien das Publikum lauter zu sein als der Krefelder selbst.
Manch ein Kritiker sagte einst, die Band wäre zu einer Thrash Metal Band geworden. Als „Omage“ an diese Aussagen folgte dann der Song „The Quest For Tanelorn“. Sichtlich begeistert vom Publikum gabs dann einen weiteren Klassiker, welchen Hansi mit folgenden Worten ankündigte: „Und weil ihr so geil seid, gibt es nun einen Klassiker – hier ist IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE“.

Anscheinend befindet sich die Band derzeit bei Aufnahmen zu einem neuen Live-Album, denn bei „Valhalla“ bat Hansi das Publikum zum lauten Chor, welcher auf dem neuen Album erscheinen soll.
Das Highlight war dann aber „The Bard Song“ und zum Abschluss der wohl erfolgreichste Song der Band „Mirror Mirror“.(ff)

Nach diesem Denkwürdigen Auftritt trat dann eine Gestalt auf die Bühne, welche seit über vierzig Jahren Musik macht und wohl unlängst unsterblich ist.
Die Rede ist von OZZY OSBOURNE. Bedenkt man die Geschichte dieses Mannes, grenzt es an ein Wunder, dass dieser überhaupt noch gerade stehen kann.
Drogen- und Alkoholmissbrauch waren jahrelang die kleinsten Sorgen dieses Mannes. Wurde er bei BLACK SABBATH rausgworfen und stand er zwischenzeitlich vor einem Bankrott war es für mich doch ein eher unscheinbarer Auftritt des „Fledermausschlächters“. Zwar schien er fit, motiviert und gut gelaunt zu sein, aber er hat wohl Probleme mit Augen und Ohren. Zwischen den Songs vernahm man des öfteren Worte von ihm wie „I cant hear you“ und „I cant see you“. Es schien auch so, als würde er gerne mal sein Mikrofon verfehlen, dann er schwangte von Links nach Rechts am Mikrofonständer vorbei.

Dafür gabs dann für Publikum, Security und Fotografen die „Schaumkanone“, welche sich auf die ersten Reihen hinab senkte und für ein feucht-Fröhliches Vergnügen sorgte. Ozzy spielte sein Programm solide runter und ließ es sich nicht nehmen Klassiker wie „Mr. Crowning“, „War Pig“ und „Paranoid“ zu spielen. Um 0 Uhr war Ozzy dann auch sichtlich erschöpft mit seinem Programm durch und verließ die Bühne. Dies läutete dann auch das Ende der „Night To Remember“ ein.(ff)

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WACKEN OPEN AIR – Der Freitag
Wo man vor einigen Jahren noch fett an überfüllten Eingängen warten musste, haben die Veranstalter dieses Jahr nochmals nachgebessert. Eigentlich ist fast die ganze Front vom Hauptgelände ein Einlass. Nur eben ein wenig zur Übersicht unterteilt, aber mehr wie zwei Minuten hab ich kein einziges Mal gewartet. Wohingegen die Merch Stände wie jedes Jahr total überlastet sind und es auch Samstags nur noch zwei von insgesamt x verschiedenen Variationen des diesjährigen Wacken Shirts gibt. Hier könnte man evtl. noch nachbessern bzw. auch mehr drucken. Die Toiletten Situation innen ist immer gut und ausreichend. Klar stehen zu Stoßzeiten auch mal Leute an, aber vor allem an den WCs nahe der Wet Stage hat man von Anfang an Reisig ausgelegt um den immer währenden Riesen-Pfützen Problem dieses Jahr direkt entgegenzuwirken. Die Essensstände sind eigentlich Festivalstandard, es gibt natürlich von allem etwas und das zu üblichen Preisen, nur hat man den allseits beliebten „Knobi Satt“ Stand irgendwie verdrängt. Es gibt zwar einen Knobi Stand, doch dieser soll laut mehreren Aussagen nicht mehr die geile Qualität haben. Schade eigentlich. Der Bierpreis ist nach wie vor stabil: 3,50 € für 0,4 Liter. Wasser für 3€. Wie mittlerweile auf jeden anderen größeren Festivals. Hoffentlich bleibt es so, da Wacken ja seinerzeit die ersten waren die den Preis angehoben hatten, aber eben bis heute lobenswerter Weise auch gehalten haben.

Um 12 Uhr fangen die ersten Bands an und wie immer spielen auf der linken Seite auf der Black Stage Bands parallel zur äußerst rechten Seite auf der Party Stage. Man kann Bäumchen Wechsel dich spielen, nur bringt das meist nix halbes und nix ganzes. Also müssen ENSIFERUM außen vor bleiben und ich geselle mich zu den Power Metallern von PRIMAL FEAR. Die Band um Ex-Gamma Ray Sänger Ralf Scheepers zockt richtig geil und freut sich nen Ast ab. Wie aber schon letztes Jahr ist der Sound generell auf der Party Stage etwas zu leise. Tut der Stimmung keinen Abbruch und Ralf hat die Menge wunderbar mit Mitklatsch Spielchen im Griff. Diese werden aber nicht unnötigerweise (wie z.B. bei HELLOWEEN) irgendwo als verlängerter Teil eingebaut, sondern kommen eben mal im normalen Lied während den Solo Parts vor. „Bataillons Of Hate“ ist nicht der einzige Song der es vom Debüt Album in die Setlist geschafft hat und das erstaunt doch ein wenig. Denn bei einer Stunde Spielzeit alle insgesamt 8 Alben zu berücksichtigen ist ja nicht ganz so einfach. Aber es freut natürlich, nicht immer das Gleiche zu hören. Wobei natürlich „Nuclear Fire“ immer noch eines der Highlights im Set darstellt. Einfach ein Übersong mit Klasse Melodie. „Seven Seals“ vom gleichnamigen Album kommt als Power Ballade auch geil rüber und zum Schluss gibt’s natürlich „Metal Is Forever“ wobei mir noch nie bewusst war, warum dieser Song vom Namen mal abgesehen sooo dolle sein soll. Egal, war ein gelungener Auftritt und man freut sich auf das momentan im Studio entstehende Album.

Wie immer, eine viertel Stunde Pause und dann kommt eine Band, die man echt ewig nicht, wenn überhaupt, gesehen hat: SUICIDAL TENDENCIS. Diese legen direkt mit ihrem wohl bekanntesten und für mich auch geilstem Song „You Can’t Bring Me Down“ los. Einfach ein Hammer Stück und zu Recht erst kürzlich vom Rock Hard in die Top 100 der besten Metal Songs aller Zeiten gewählt worden. Mit ihren Sozialkritischen Stücken wie „Join The Army“ geht’s bei den Crossover Metaller weiter. Doch ich verstehe zwar, dass man direkt mal der Forderung nach dem bekanntesten Stück den Wind aus den Segeln nimmt, jedoch nimmt man auch ein wenig die Spannung aus dem Set und ich geh mich auf dem Riesen Gelände noch ein wenig umschauen, nachdem ich DEN Song endlich auch mal live hören durfte.

MORBID ANGEL starten als nächstes durch und David Vincent schafft es, durch majestätische „ohohohooooo“ Chöre zwischendrin, irgendwie düsterer und eben majestätischer, eben satanischer zu wirken als alle Black Metaller zusammen mit ihren Schminke Gesichter. Auch die neuen Tracks, die ja durch ihre Industrial-Techno Art manche vor den Kopf stießen, werden in den Live Set gepackt, hier rocken diese aber genau so ab wie ältere Stücke ala „Chapel Of Ghouls“. Mit „I Am Morbid“ hat man auch die neue Bandhymne am Start und passenderweise fliegt ein Flugzeug mit eben diesen Worten als Banner über das Gelände. Hab ich so auch noch nicht gesehen. Zwar gibt es immer noch unglaublichen High Speed bei den Florida Death Metaller, doch die beiden getrageneren Stücke „Where The Slime Lives“ und „God Of Emptiness“ beenden das Set und passen dadurch aber wunderbar zu der von David hervorgerufenen majestätischen Atmosphäre. Irgendwie kann man sich wirklich bei diesen Songs den Gehörnten auf dem Thron vorstellen.

Eigentlich stünden SODOM und RHAPSODY OF FIRE auf dem Plan, doch mir wurde zugeteilt, dass CIRCLE II CIRCLE im Pressezelt aufspielen würden. Zu RHAPSODY sei noch erwähnt, dass ein Freund meinte, es habe sich nichts verändert. Auf Platte nach wie vor gut, kommt live keine allzu große Stimmung auf, da die ganzen Orchester Parts eben alle vom Band kommen müssen und somit natürlich jede Spontanität flöten geht. CIRCLE II CIRCLE räumen dann aber im kleinen Pressezelt beachtlich ab, obwohl sie nur ein paar Songs Zeit haben. Doch wie schon auf ihrer derzeitigen Tour spielt die Band ein Special Savatage Set aus der Ära von Sänger Zak Stevens. Wie auch bei JON OLIVAS PAIN, bei CHRIS CAFFEREYS Soloalben oder beim TRANS SIBERIAN ORCHESTRA so muss man dies leider auch über CIRCLE II CIRCLE sagen: Es ist eben nicht das Original. Aber dennoch mal geil, wieder den Sänger in Kombination mit den Liedern live zu hören. Ein ausführliches Review über ihr Konzert in Frankfurt folgt in Kürze auf dieser Seite auch noch.(rg)

Der Freitag begann für mich in aller frühe, spielten bereits um 12 Uhr ENSIFERUM auf der Black Stage. Zu meinem erstaunen war der Festivalvorplatz bereits sehr gut gefüllt, welches die Band sicher auch gefreut haben dürfte. Die Meute tobte als die fünf Finnen dann die Bühne betraten.

Hier wude Heroischer Folk Metal vom feinsten geboten und die Truppe spielte ihr Best-Of Programm.
Vom „Battle Song“ bis „Tale Of Revenge“ wurde alles geboten. Ein neuer Song wurde ebenfalls präsentiert, dieser hört auf den Namen „Stone Cold Metal“ und wurde von den Metalheads voller Euphorie eingesogen. Wenn das neue Album nur halb so gut wird, wie dieser Song dürfen sich die Fans von ENSIFERUM auf ein wahres Meisterwek einstellen.
Als Abschluss gab es dann den viel umjubelten „Blood Is The Price Of Glory“.(ff)

Um 14:30 traten dann MORBID ANGEL auf die Bühne. Ein solider Auftritt ohne große Überraschungen. Die Gitarrenarbeit sowie die Riffs waren solide, nur wollte beim Publikum nicht wirklich Stimmung aufkommen. Das sah bei SODOM dann schon wieder anders aus, zwar drückte die Nachmittagshitze extrem auf das Gemüt, aber dennoch trat die Band voller Energie und Spielfreude auf. Die Crowd sog die Energie von Tom, Bernemann und Makka förmlich auf und feierte das dreier Gespann fanatisch. Einzige Enttäuschung für mich war die Tatsache, dass Roberto Blanko nicht auftrat. Dieser war auf dem Festivalgelände und trat mit den MASTERS OF COMEDY auf, dort zusammen mit SODOM. Leider konnte ich mir diese Show nicht ansehen.

Nach SODOM traten dann RHAPSODY OF FIRE auf, welche die Party Stage in Grund und Boden hämmerten. Zwar hatten die Italiener ein paar leichte Soundprobleme, welche der Stimmung aber kein Abbruch taten. Im Jahr 2009 wechselte die Band das Label und unterzeichnete einen Vertrag mit NUCLEAR BLAST. Dort erschien auch im März diesen Jahres das Album „From Chaos To Eternity“, welches gleichzeitig den Schlusspunkt unter das Fantasy-Projekt „Chronicles Of Algalord“ setzte.(ff)

Am Freitag Abend gab es eine weitere Legende auf der Bühne: ROB HALFORD mit seiner Kombo JUDAS PRIEST. Die Band spielte aus jedem ihrer Alben einen Song, was folglich einer Best Of Compilation nahe kam. Die Stimmaussetzer sowie die Brüchige Stimme von Rob Halford „vermiesten“ den Auftritt leider ein wenig. Die Meinung war geteilt, manch ein Fan sagte, es war der beste Headliner den das Wacken Open Air jemals hatte, andere waren vom Auftritt mehr als enttäuscht. Ich persönlich hatte mich auf Klassiker wie „Breaking The Law“ und „Painkiller“ gefreut, welche auf gespielt wurden, allerdings schafft es Mr. Halford nicht mehr die höhen Töne bei „Painkiller“ zu treffen und somit ist der Song live nur noch eine schwammige Omage an das alte Meisterwerk. Auch „Living After Midnight“ war alles andere als Souverän präsentiert. Einzig die Leistung der Gitarren war gut. Sicher hat diese Band seine daseinsberechtigung. Nur hat Rob Halford seine besten Tage leider hinter sich.(ff)

Im Anschluss daran kam für mich dann eines der Highlights dieses Festivals: SKINDRED spielten in der WET STAGE. Ich war wohl nicht der einzige, der das so sah und vor bzw. außerhalb des Zeltes stand bereits eine enorme Menschenmenge. Selten habe ich die WET STAGE so voll gesehen, wie an diesem Tag. Frontmann Benji Webbe und seine Mannen haben sich dem Raggae Metal verschrieben. Dazu gibt es Elemente aus dem Hip-Hop und dem Punk Bereich.

Diese Band hat es dabei wirklich in sich! Benji versteht es die Menschen zum Mitmachen zu animieren. Von wilder Jumping Action bis hin zum „Massen Robot“ bei dem das gesamte Publikum versuchte wie ein Roboter zu tanzen – Ganz großes Kino.

Zwischendurch gabs noch die Ansage: „Jemand sagte einmal zu uns: Wenn ihr auf dem Wacken Open Air spielt, seid ihr eine Metal Band“ – „Also scheinen wir wohl jetzt eine Metal Band zu sein“ was vom Publikum mit fanatischem Applaus aufgenommen wurde.(ff)

Weiter ging es für mich danach mit AIRBOURNE den Senkrechtstartern aus Australien. Oftmals erinnert mich die Band an AC/DC und Sänger Joel O’Keeffe sieht dem damaligen Frontmann von AC/DC nicht nur äußerlich ähnlich. Auch Joel neigt zum (gemäßigtem) Konsum von Alkohol. So kommt es bei Auftritt von AIRBOURNE oftmals vor, dass sich der sympatische Frontmann eine Bierdose auf dem Kopf zertrümmert oder einfach mal die Bühnenkonstruktion hinauf klettert um in schwindelerregender Höhe ein Soli vom Besten zu geben. Dabei gab die Band Songs wie „Raise Your Glass“, „Born To Kill“ und natürlich „Blond, Bad, Beatuiful“ zum Besten. Das Publikum dankte es mit lautem mitgröhlen und einer gehörigen Portion Bier.
Danach ging es dann gut angeheitert Richtung Zeltplatz, wo der Abend noch einmal Revüe passiert wurde.(ff)

Den Abschluss von 2:00 Uhr bis 3:00 Uhr bilden dann APOCALYPTICA, die zwar schon eine melancholische und düstere Atmosphäre schaffen, diese aber durch wildes Stageacting auch zu einem Abfeierkonzert werden lassen. Teils eigene Songs, teils Coversongs, teils mit Schlagzeug, teils nur mit den drei Celli und auch mal mit Sänger bietet die Truppe eine gelungene Vorstellung die mit „Hall Of The Mountain King“ endet.

Danach sollte es eigentlich bis 6 Uhr im Headbangers Ballroom weitergehen, doch irgendwie hatten die wohl kein Bock mehr und machen mal kurzerhand um 4 Uhr dicht. DAS ist definitiv keine feine Sache. Wenn mans ankündigt sollte man es auch durchziehen und so wird man von der Security raus gekegelt. Das Bullhead City Zelt hat auch zu und leider fand diese Glam Party auch nur einmal statt, also wird am Zeltplatz dem Aufruf von PRIEST nachgegangen und so lange gefeiert, bis eben die Sonne aufgeht. Klar ist das ein Fehler, aber stört das in dem Zustand noch jemand?(rg)

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WACKEN OPEN AIR – Der Samstag
Der Samstag war für mich in den letzten Jahren immer ein Tag, an dem ich erst spät die erste Bands ansehen konnte / wollte. Somit schaute ich mir am Nachmittag KNORKATOR an. Völlig ohne Erwartungen begab ich mich zur PARTY STAGE um dort relativ weit vorne einen bestmöglichen Blick auf die Band werfen zu können. Und das sollte belohnt werden. Sänger STUMPEN kam im Lilanen Ganzkörper Anzug auf die Bühne (sein Gesicht war ebenfalls verhüllt) und performte gut gelaunt ausschließlich die „größten“ Hits der Band. KNORKATOR sind bekannt für ihre einfachen, kulturell Wertvollen Songs wie „Ich will nur Ficken“, „Tanzmusik“ oder dem Cover von „All That She Wants“. Anspruchsvolle lyrische Ergüsse sucht man hier vergebens. Aber die braucht es auch gar nicht. Die Band weiß sich zu verkaufen und STUMPEN ließ es sich nicht nehmen von der Bühne zu springen um ein Band in der Menge zu nehmen. So stand z.B. Keyboarder ALF ATOR in einem Ring aus Keyboards, die er sicher nicht alle brauchte aber dennoch benutzte – nett anzusehen war es dennoch.(ff)

Der Samstag war gespickt mit sau geilen Bands. Wenn da nicht schon so viele Tage vorher gewesen wären. Eigentlich würde man sich freuen, so aber heißt es einfach nur: Arschbacken zusammenkneifen, kein Alkohol mehr und den letzten Tag auch noch überstehen. Doch wenn man sich erstmal auf dem Gelände befindet und die Bands ihre Musik spielen, dann weiß der geneigte geschlauchte auch wieder, warum er eigentlich hier ist und es fällt einem schon leichter, den letzten Tag dieses Highlights des Jahres zu genießen. Was über die Tage aber auch auffällt: Die Falschkalkulation der Festivalbesucher. Es gibt insgesamt glaube ich sechs Geldautomaten nahe gelegen vom Biergarten und egal um welche Uhrzeit man dort vorbei geht, es steht immer eine Menschenschlange von ca. 30 Leuten vor jedem einzelnen. Unglaublich.

Während MAYHEM auf der Black Stage ihren passenderweise Black Metal zelebrieren und der Sänger mit düsterem Iro-Look ein nicht ganz zu identifizierendes Amulett umherschwingt, belustigen KNORKATOR derweil die Party Stage. Und vor der ist es verdammt voll. Sogar am Ausgang stehen die Leute noch ziemlich gedrängt um dem Unfug der „Meisten Band der Welt“ dabei zuzusehen, wie diese mit dem Aufhören aufhören. Ein paar Coversongs wie „All That She Wants“ werden herrlich schön schräg schrill gesungen und Sänger Stumpen vollführt nach Robortorhaftem Getanze und Dauerbewegungen auf der Bühne in seinem sexy Sportanzug mal kurzerhand einen Radschlag mit nur einer Hand. Aus dem Publikum erreichen ähnlich viele Crowdsurfer die Security wie bei einem Gig der Apo Reiter und sogar die Teletubbies werden auf Händen getragen. Und anstatt einer Wall of Death soll hier dann eben mal ein Kreis gebildet werden und nach außen getanzt werden. Es zeigt einfach, dass die Metaller zwischen allen gutklassigen Bands auch gerne mal eine Portion Blödsinn zwischendrin haben wollen, denn ein ähnlich volles Bild gab es zu Anfang des Jahres auf dem Metalfest bei den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS. Als Buzz Dee dann kurzerhand den Anfang von „Alter Mann in den Sand setzt, wird dieser mal lautstark als „Fehlerfotze“ beschimpft und ein cooler, lustiger und sehenswerter Gig geht dann mit „Wir werden alle Sterben“ zu Ende. Feine Sache, viel Gelacht, mal Anspruchsvoll und mal Anspruchslos. Achja, ein neuer Song namens „Refrain“ gab es auch noch. Dieser handelte dann von einem Refrain, bei welchem selbiger auch genau so ging. Oder so ähnlich.

Danach kommen ICED EARTH auf die True Stage mit dem allerletzten Gig von Frontman Matt Barlow. Nach dem instrumentalen Intro „1776“ folgt direkt der Opener vom Something Wicked This Way Comes Album „Burning Times“. Matt weiß sehr wohl, dass er hier sein größtes als auch sein letztes Publikum vor der Nase hat und so gibt der gute von Anfang an Vollgas und nutzt die komplette Breite der Bühne. Es folgen Songs aus verschiedenen Schaffenphasen, darunter „Decloration Day“, „Last December“, „Melancholy“ oder die Something Wicked Triologie. Eine Stunde Spielzeit ist leider nicht ausreichend um genug davon zu sehen und so hat mir der Gig auf dem RockHard Festival klar besser gefallen. Natürlich auch, weil man auf kleineren Festivals und gerade im Amphitheater natürlich viel näher an der Band ist. Und eben die Spielzeit war ausdauernder und hier beschließt dann wie fast immer „Iced Earth“ diesen Gig und Matt ist sichtlich gerührt. Aber, leider zu früh und zu kurz.

Wen nich mir überlege, dass letztes Jahr GRAVE DIGGER die Supreme Spielzeit wegen ihres Jubiläums bekamen, so hätte man dieses Jahr ungeachtet von Verkaufszahlen (denn die wurden bei GD bestimmt auch nicht beachtet) ICED EARTH klar einen besseren und somit längeren Slot verpassen können. Schade.

Danach ballern die Basilianer SEPULTURA aber richtig einen los. Es scheint so als ob die Truppe sich wieder gefangen hätte und mit ihrem Fronthühnen Derek jetzt endlich wieder dahin kommen wo sie hingehören: An die Spitze des Extrem Thrash Metals. OK, Paulo Jr. Macht irgendwie schon ne alte Figur mit seinem halb nach vorne gebeugten ergrauten kurzhaarigen Haupt, aber Andreas Kisser versprüht immer noch eine Energie wie zu Anfangszeiten und Fronter Derek ist einfach eine Erscheinung mit einem Riesenorgan. Und wenn dieser dann noch zu den Trommelstücken greift um mit zu „Kaiowas“ die Tribal Drums zu rühren, hat das ganze auch den nötigen exotischen Flair. Natürlich darf „Roots“ zum Schluss nicht fehlen und die Truppe kann diesen Gig getrost als Erfolg verbuchen.

Und zum zweiten Mal in Wacken und laut Frontnase Tobi zum allerletzen Mal überhaupt („Letzte Avantasia Show für immer heute Abend hier in Wacken“, ohne Komma und Pause kann man den Satz ja auch anders verstehen…) betreten AVANTASIA die Bühne. „Twisted Mind“ wird von Tobias Sammet noch alleine vorgetragen bis er dann bei „The Scaregrow“ Unterstützung von Jorn Lande erhält. Dieses Mal sind auch alle Mikros von Anfang an dabei und so kann dann auch Bob Catley bei „The Story Ain’t Over“ mit seiner nie stillstehenden rechten Hand glänzen. Und dann wird Tobi nicht müde zu erwähnen, wer hier neben ihm auf der Bühne steht: Anfangs noch sichtlich unsicher mit Sonnenbrille aber diesmal ohne Mütze erscheint Michael Kiske und singt „Reach Out For The Light“ und übernimmt den Klaus Meine Part in „Dying For An Angel“. Bei „Death Is Just A Feeling“ darf dann Kai Hansen den Jon Oliva geben und leider leider wird „Farewell“ wieder ohne Michael Kiske gespielt, obwohl dieser ja anwesend ist und auch später wieder auf der Bühne auftaucht. So kann man dann Kai Hansen an der Gitarre neben seinem alten Weggefährten am Mikro erleben und wäre Ingo Schwichtenberg noch am Leben und an diesem Wochenende mit auf der Bühne gewesen, hätte man die Ur Besetzung Helloweens gehabt – nur eben an verschiedenen Tagen. Mit „The Sign Of The Cross“ dass in „Seven Angels“ übergeht endet dann auch dieser Auftritt und ich bin mir sicher, dass alle, die diese Truppe nicht auf ihrer Tournee sehen konnten ein Großartiges Erlebnis hatten. OK, alle anderen auch.

Danach gibt’s wieder Krach auf höchstem Niveau denn die dicksten der German 4 (KREATOR, SODOM, DESTRUCTION und TANKARD) stehen auf der Bühne und holzen ohne Ende. Die Matten fliegen, die Bühne manchmal in undurchsichtigen Nebel gehüllt hauen uns Mille und CO ihre Songs um die Birnen und gerade bei z.B. „Tormentor“ merkt man den arschgeilen Sound der uns die fette Double Bass im Refrain spüren lässt. Irgendwie kommt es mir so vor, als stünde hier gerade die deutsche Antwort auf SLAYER auf der Bühne, die vor einigen Wochen in Balingen spielten. Denn das häufig in rot getauchte Bühnenbild, die von der Musik ausgehende Aggression und Energie und die enthusiastisch bangende Meute erinnern sehr daran. Sehr geil, auch wenn Milles Ansangen wie immer, hm, putzig sind.
Bei MOTÖRHEAD bin ich total im Arsch und auch wenn diese immer wieder gern gesehene Konzerte abgeben und derzeit auch ständig gute Songs auf den Alben raushauen, irgendwie sieht man die Truppe in den letzten Jahren ständig und überall und ich glaube, Lemmy sollte langsam aufpassen nicht zu überpräsent zu sein, um seinen Status (zumindest den der Band) nicht langsam wieder ein Stück zu verlieren.(rg)

Ein weiterer Headliner stand danach für mich auf dem Programm: Der letzte Auftritt von TOBI SAMMET’s Projekt AVANTASIA. Der sympatische EDGUY Frontmann hat ein letztes mal die größen der Szene versammelt um gemeinsam einen Auftritt abzulegen, der sich gewaschen hat. Bekannte Gäste waren dabei u.a. JORN LANDE (MASTERPLAN), BOB CATLEY (MAGNUM) und MICHAEL KISKE (Ex-Helloween). Was mich allerdings wundert ist, warum Mr. Sammet keinen Song mit DORO eingespielt hat. Dies wäre sicher eine nette Kombo geworden.

Bei „Dying for an Angel“ kam dann auch noch KAI HANSEN (GAMMA RAY) auf die Bühne um gemeinsam mit Tobi den Song zum Besten zu geben. Danach kündigte Tobi dann folgendes an: „Hier kommt nun die epischte Pussy Ballade und unser einziger Top 10 Hit. Hier ist LOST IN SPACE.“

Den endgültigen Abschluss macht dann „Avantasia“ der Song mit dem alles begann. Es endete mit einem Foto bei denen sich die versammelten Musiker mit den Rücken zu den Fans drehten um mit ihnen gemeinsam ein Foto zu schiessen. Ein denkwürdiger Abschluss dieses großartigen Projektes.(ff)

Es folgte für mich noch der Auftritt von CHILDREN OF BODOM die wieder einmal eine großartige Performance an den Tag bzw. die späte Nacht legten.
Solide Gitarrenarbeit und jede Menge Crowdsurfer schlossen für mich das diesjährige Wacken Open Air ab. Gerne hätte ich mir auch noch den Auftritt von SUBWAY TO SALLY angeschaut, welcher aber durch den starken Regen – für mich – ins Wasser fiel. Nass bis auf die Knochen setzte ich mich schweren Herzens ins Auto und trat die Heimreise Richtung Hamburg an.
Alles in Allem war das Wacken Open Air mal wieder viel zu schnell vorbei und man darf bereits jetzt auf das nächste Jahr gespannt sein.(ff)

Als letzte Band trumpfen dann SUBWAY TO SALLY auf, doch haben die es wirklich nicht leicht. Nicht nur, dass es eh schon schwer ist, als letzte Band auf so einem langen und großen Festival nachts um 2:00 Uhr zu spielen, es schüttet mittlerweile aus allen Löchern. „Sieben“,  „Besser du rennst“ oder der „Veitstanz“ erklingen und lassen die bitter ausharrenden Fans noch ein wenig feiern, bevor mit „Julia und die Räuber“ endgültig Schluss ist, Eric Fish es sich aber nicht nehmen lässt noch einmal selbst den Surfer zu spielen.

Die beste Woche im Jahr ist zu Ende, das beste Festival im Jahr ist fertig und leider muss sich die Metalwelt wieder über 360 Tage gedulden, bis dieses Highlight dann 2012 erneut stattfindet. Dann zum 23. Mal und jetzt steht schon fest, dass mit den SCORPIONS und den dann doch nicht toten MINISTRY wieder richtig fette Bands am Start sind. Die X-Mass Tickets sind nach 45 Minuten ausverkauft und nach zwei Tagen hat man schon fast wieder 20.000 Tickets verkauft. Nun, ich denke, die Veranstalter können getrost die ganzen Meckerer ausblenden, denn ohne Gegenleistung und ohne geiles Festivalfeeling kämen solche Zahlen wohl nicht zustande. Schade dass es schon wieder so schnell vorbei war, schade dass es immer noch nur einmal im Jahr stattfindet und schön, das es Wacken gibt. See you in 2012, rain or shine!(rg)

Die ersten Bestätigungen gab es bereits während des Festivals:
HAMMERFALL
SCORPIONS
U.D.O.
MINISTRY
AMON AMARTH
AXEL RUDI PELL
CRADLE OF FILTH
FORBIDDEN
GAMMA RAY

Mehr Infos zum Festival sowie die Galerie zum Wacken Open Air:
Metalize.Me Wacken Galerie
Offizielle Homepage des W:O:A

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Florian Franck

Hallo! Ich bin Florian und ich liebe Musik. Ich teile hier mit anderen Schreibern meine persönlichen Interessen und Vorlieben. Ich schreibe nicht nur über Musik, sondern über Themen, die mich bewegen und inspirieren. Nebenbei befasse ich mich auch mit der Aufnahme von Videos und deren Schnitt.

Ein Gedanke zu „Wacken Open Air 2011 – Nachbericht

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