STAHLMANN Konzert am 04.12.2011 / FFM / Nachtleben

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„Normale“ Menschen machen es sich wahrscheinlich an einem verregneten Sonntagabend mit einer Tüte Chips und einem guten Film auf dem Sofa oder im Bett gemütlich…
Und was machen wir? Richtig – wir fahren nach Frankfurt am Main um ordentlich mit Stahlmann und Unzucht im „Nachtleben“ zu rocken!
Stahlmann war mir bis zum Hexentanz-Festival 2011 völlig unbekannt und so war ich umso mehr überrascht als die Jungs ganz in Silber die Bühne betraten und mich mit ihrer Musik gänzlich in ihren Bann zogen. Angetan von diesem Konzert, wollte ich mir die Göttinger auch unbedingt ein Mal ohne einpaar Tausend Leute im Rücken anschauen. Gesagt – getan. Meine Mitbewohnerin eingepackt und nach FfM gefahren.

Es sollte eines der letzten Konzerte der Headlinertour mit Unzucht als Support werden, bevor es mit dem neuen Album „Quecksilber“ das am 20.01.2012 erscheinen wird, auf die nächste Tour geht.

Im Nachtleben angekommen, staunte ich nicht schlecht, denn wieder Erwarten war der Laden in dem das Konzert steigen sollte, alles andere als groß. Der Club war für mich neu, zwar hatte ich schon öfter von Partys oder Live-Gigs dort gehört, aber vorstellen konnte ich mir unter den Erzählungen nicht wirklich etwas. Nun denn, die Bühne ist recht klein, so wie der ganze Raum an sich. Dennoch ist wie wir an diesem Abend feststellen konnten, genug Platz für die Band, einen kleinen Merchandise-Stand und natürlich die Bar. Die Getränkepreise dort sind meiner Meinung nach angemessen.

Was mich etwas störte, war die Tatsache, dass man pro Glas einen Euro Pfand bezahlen muss. Man bekommt einen Pfandchip und wehe man verliert diesen (was im Konzertgetümmel leicht mal passieren kann – siehe meine Begleitung)… man bekommt dann nämlich das Pfand nicht zurück, bzw.wir mussten am eigenen Leib erfahren, dass die Bedienung das Glas nicht zurücknehmen wollte, obwohl wir das Pfandgeld gar nicht wieder haben, sondern uns lediglich des lästigen Glases entledigen wollten.

Da wir schon relativ früh dort waren, war noch entsprechend wenig Publikum vor Ort und so beschlossen wir noch eine rauchen zu gehen, ehe wir uns in Getümmel stürzen.
Wieder im Konzertraum, stellten wir schnell fest, dass es doch einige Leute mehr geworden waren. Ich würde (ohne lügen zu wollen) schätzen, dass ungefähr 70-100 begeisterte Fans an diesem Abend den Weg ins „Nachtleben“ gefunden haben.

Noch gänzlich damit beschäftigt uns von unseren nassen Klamotten zu trennen, hatten wir oben gar nicht gehört, dass die Supportband UNZUCHT schon mit ihrem ersten Song losgelegt hatte. Die Leute im Club rockten schon kräftig mit als wir gerade mal dabei waren uns zu akklimatisieren.
Ich hatte mich zuvor ein wenig im Internet über Unzucht informiert, denn man will ja wissen wer den Einheizer für den Headliner macht und muss sagen, die CD-Aufnahmen, die ich mir angehört hatte, haben mich nicht wirklich vom Hocker gerissen. Da sich die Göttinger Kombo, bestehend aus Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug auf der Platte eher anhörte wie eine gewöhnliche Gothicband – mit vielen elektronischen Einflüssen – konnte ich mir einfach nicht vorstellen, wieso gerade diese Truppe als Support bei einer NDH-Band wie Stahlmann spielen sollte.

Als ich die Kollegen aber dann live und in voller Action sah, konnte im mich selbst vom Gegenteil überzeugen.
Die Musik passte hervorragend zum Hauptact, die elektronischen Klänge stechen live überhaupt nicht so stark hervor wie von mir am Anfang angenommen. Gitarre, Schlagzeug und Bass breschen so richtig vor und man wird nicht zuletzt auch wegen dem Spaß, den die drei zusammen mit Sänger „Schulle“ auf der Bühne haben, so richtig mitgerissen.

Vom äußeren Erscheinungsbild her, erinnerte uns der Frontmann von Unzucht an eine Mischung aus Ville Valo und Michelle Darkness (End of Green), was keinesfalls abwertend klingen soll, da beide Sänger herausragend sind.

Ich habe selten einen Supportact gesehen, dessen Sänger so viel Spaß auf der Bühne hat wie „Schulle“. Er drehte sich, sprang in die Luft, tanzte zur Musik und ermutigte auch immer wieder die bebende Menge es ihm gleichzutun.

Gespielt haben sie unter anderem Songs aus ihrer EP „Engel der Vernichtung“. Da ich die Gruppe an diesem besagten Sonntag das erste Mal live erleben durfte, kannte ich natürlich die meisten Stücke nicht. Dies war jedoch nicht weiter schlimm, denn trotz der mangelnden Lyrickenntnisse konnte man sich gut in die Musik einfühlen und das ein oder andere Mal auch als „Unzucht-Laie“ mitrocken.

Nach ca. 45 Minuten Spielzeit und der Zugabe „Schwarzes Blut“, zum Besten gegeben vom Gitarristen De Clerque, dankten die Düsterrocker den Fans und gaben die Bühne für STAHLMANN frei.
Begeistert von unserer „Neuentdeckung“ stürmten wir zu zweit den Merch-Stand und deckten uns mit T-Shirts und Plakaten von Unzucht (und natürlich auch Stahlmann) ein.

Nach einer kurzen Umbaupause betraten sie dann endlich die Bühne: unsere 5…äh, 4 (?!) heißersehnten Silberköpfe… anscheinend muss es während des Jahres eine Umbesetzung in der Band gegeben haben, denn in dieser Konstellation kannte ich die Gruppe nicht.

Nichts desto trotz, tat der fehlende fünfte Mann dem Abend keinen Abbruch. Mit „Willkommen“ begrüßten die „Stahlmänner“ uns erst einmal gebührend bevor es dann mit Tracks wie „Stahlmann“ (einer kurzen, aber knackigen Selbstvorstellung) und „Hass mich…lieb mich“ so richtig zur Sache ging. Frontmann Mart machte seinem Status auf der Bühne alle Ehre – sprang, rannte und rockte von einer Stageseite auf die andere und verausgabte sich dabei völlig. Auch die anderen Bandmitglieder rockten sich die Seele aus dem Leib, so dass am Ende des Abends die silberne Maskerade aller mehr oder weniger auf halb 8 hing und darunter, man möge es kaum glauben, rosige Haut zum Vorschein kam.

Schaute man von etwas weiter hinten ins Scheinwerferlicht, fand man schnell die Erklärung für das Abhandenkommen des Silberüberzugs, die Jungs wollten wohl dem Publikum ein klein wenig ihres Glanzes zu Teil werden lassen.

Den Vogel schoss Sänger Mart ab, als er voller Inbrunst verkündete, das neue Stahlmann-Album „Quecksilber“ würde am 16.12.2011 erscheinen. Nicht bedachte hatter er allerdings, dass an diesem Tag die erste Single der Scheibe „Tanzmaschine“ ihr Release-Date hat und nicht das Studio-Album. Dieser „fatale Fehler“ wurde zum Running-Gag des Abends, es folgten alle möglichen Varianten (Album-Release am 16.01., Single Release am 20.12. usw.) und uferte darin, dass Mart die Tourmanagerin Bea bat ihm einen Zettel zu Schreiben, damit er sich das Erscheinungsdatum des neuen Longplayers merken kann. Diesen Zettel präsentierte Bea dann einige Minuten später und Mart staunte nicht schlecht, als er die Worte „Release ist am 20.01., Du Horst!“ las.

Das gute alte „Stahlwittchen“ durfte natürlich genauso wenig fehlen wie unser aller Freund der „Teufel“. Dann zeigte uns Mart was er unter „Marschieren“ versteht und packte eine Flasche Jack Daniel’s aus, die er sich zuerst zu Gemüte führte und dann den Fans an vorderster Front überließ. Nach nicht einmal 5 Minuten war die Flasche, die vorher noch fast voll gewesen war, völlig leer.

Aber davon ließen sich die Vier nicht die Stimmung vermiesen…auch der Drummer, obwohl so oft von Mart ins Lächerliche gezogen, hielt tapfer durch und spornte uns immer wieder mit der Bassdrum zu einem gepflegten „Hey!“ an.

Natürlich wurden uns nicht nur Stücke aus der vorangegangenen Stahlmann-Scheibe präsentiert, sondern es wurden auch Lieder aus dem neuen Album vorgestellt. Darunter die Single „Tanzmaschine“ (Release am 16.12.2011!), die ohne jeden Zweifel ein richtiger Kracher ist und bestimmt das Herz jedes Stahlmann-Fans höher schlagen lässt und ein weiteres Stück das den Titel „Diener“ trägt.

Zum Ende des Konzertes hin bekamen wir „Letzter Vorhang“ zu hören und unsere Silberköpfe wollten sich mit einem einfachen „Tschüss“ von der Bühne stehlen, doch diese Rechnung hatten sie ohne ihre treuen Anhänger gemacht, die lautstark vor der Stage protestierten und eine Zugabe wollten. Aus dieser einen Zugabe wurden dann – genau kann ich mich nicht mehr erinnern – ich glaube 3. Unter anderem schmetterten die Männer aus Stahl ein Cover des uns allen bekannten Stückes „Hier kommt Alex“ von der Düsseldorfer Punk-Band „Die Toten Hosen“ und der komplette Raum gröhlte mit.

Fazit:
Ein tolles Konzert, einer aufsteigenden Neue-Deutsche-Härte Band mit einem überraschend guten Supportact!
Ich bin sehr gespannt auf „Quecksilber“ (Release am 20.01.2012!) und habe den leisen Schimmer, dass die Silberlinge niemals ihren Glanz verlieren werden.

Infos unter:
https://www.stahlmann.tv

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Franzi

Franzi ist gelernte Tischlerin und studiert derzeit Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Als Redakteurin ist sie seit Dezember 2011 bei Metalize.Me tätig. Ihre Schwerpunkte sind: CD-Rezensionen und Live-Reviews in den Bereichen Mittelalterrock, Metal und Gothic in allen Variationen.