RHAPSODY, FREEDOM CALL, ORDEN OGAN, VEXILLUM in Geiselwind 01.12.2012

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Was war denn da los? Da kommt ein richtig geiles hochwertiges Powermetal Packet auf Tour in die schöne Music Hall in Geiselwind und die halbe Halle bleibt leer? Und das an einem Samstag? Wenigstens ließen sich die vorhandenen Fans, vor allem aber die Bands ihre Laune dadurch nicht verderben und sorgten für einen richtig geilen Abend!

Pünktlich um 18 Uhr wurden die überschaubaren Gäste in die Halle gelassen. Zahlreiche Sitzgelegenheiten im hinteren Drittel oder am Rand waren vorhanden und mit 2,50 Euro für 0,4 l Bier oder Cola fühlte man sich in dem gut geheizten und stimmig eingerichteten Saal schon mal richtig wohl und heimisch. Am Merchstand gab es Shirts und Girlies für 20 Euro, also auch dort normale angenehme Preise. Der Veranstalter wollte wohl noch ein wenig warten, ob noch ein paar Nachzügler kommen sollten, denn der Beginn der Show verlagerte sich dann von 18:30 Uhr auf 19:00. Besser so, als die Unsitte zu früh zu beginnen.

Doch um kurz nach 19Uhr ging’s mit einer fetten Lautstärke gleich voll los. Überhaupt muss man sagen, dass jede Band einen richtig guten und lauten, aber eben nicht zu lauten Sound hatte und nirgends vom Headliner eingeschnitten wurde. Die aus Italien stammende Folk/Power Metal Band VEXILLUM startete und gab direkt schon mal ein stimmiges Bild in einheitlichen grünen Kilts ab. Die Band an sich war zwar ständig am headbangen, bewegte sich ansonsten aber nicht sehr stark vom Fleck und kamen mir noch ein wenig unsicher vor. Dennoch lieferte die Truppe um Sänger Michele, der ständig theatralische Posen bereit hatte, einen guten Auftritt ab und es gab auch einige Fans im Publikum, die Textsicher die Fäuste reckten. Ein guter Einstand und für Freunde des Genres auf jeden Fall wert, angetestet zu werden.

Zwanzig Minuten Umbaupause und dann wurde es Zeit für ORDEN OGAN auf die Bühne zu kommen um ihr neues, bärenstarkes Album „To The End“ zu promoten. Und das taten die 4 Männer dann auch, stilsicher gekleidet in langen Mänteln die nach Mad Max Art endzeitgerecht modifiziert waren. Sehr stimmiges Bild und direkt auch ein druckvoller Sound. Gitarrist Tobi hörte überhaupt nicht mehr auf zu Grinsen und als die Band direkt als zweiten Song ihren Hit „We’re Pirates“ raus haute, hatten diese auch schon gewonnen. Danach brachte Frontmann Seeb die Fans wiedermal mit lustigen Ansagen zum Lachen und da auf den Bühnenaufstellern schön der Refrain des nächsten Songs „The Things We Believe In“ aufgedruckt war, konnten auch die nicht wissenden Besucher lautstark mitsingen. Leider vergingen die 40 Minuten wie im Flug und bei „Angels War“, dem immer zuletzt gespielten Song der Band und jetzt auch endlich auf einem Album als Studioversion erhältlich, forderte Seeb nochmals auf, den Song zu filmen und auf youtube zu stellen, damit die Band sich damit einen Videoclip zusammenbasteln kann. Auf jeden Fall ein starker Auftritt und bestimmt die Band, die an diesem Abend die meisten Shirts los geworden ist.

Die Band aber, die von Anfang an die meisten Shirtträger im Publikum hatte waren definitiv FREEDOM CALL, die mal eben von ihrem sympathischen und scheinbar immer gut gelaunten Frontmann Chris kurzerhand selbst angesagt wurden. Lustige Aktion und dann ging es auch direkt schon stimmungsvoll mit dem Namensgebenden Song „Freedom Call“ los. Das Publikum war direkt Feuer und Flamme und rockte mit der agilen Band ständig mit. Chris fühlte sich heimisch und unterstrich dies auch mit einer Ansage auf bayrisch und brachte die Fans mit lustigen Traumanekdoten zum Lachen. Bei „Rockstar“, einem Song vom letzten Album „Land Of The Crimson Dawn“ klatschen die Fans richtig schön mit und es macht einfach immer wieder Spaß, FREEDOM CALL live zu sehen und eben mit zu rocken. Richtig krass drauf war allerdings Aushilfsdrummer Ramy, der bei „The Quest“ dermaßen abrockte, Gas gab, mit seinen Drumsticks spielte und dennoch einen ordentlich Punsch an den Tag legte, dass hier wirklich das oft zitierte „Animal“ der Muppets zum Vergleich ran gezogen werden kann. Sehr krasse Leistung und wohl bemerkt als Aushilfsdrummer und nicht festes Bandmitglied. Respekt.

Die Setlist an sich konnte mit einem lustigen Gewinnspiel auf facebook bzw. auf der Homepage im Vorfeld erraten werden und somit wusste der geneigte Fan, das mit „Land Of Light“ leider schon der letzte Song erklang. Doch dieser wurde auch noch einmal richtig abgefeiert und die Band bedankte sich beim zwar spärlichen, dafür aber nicht weniger enthusiastischen Publikum.

Um kurz nach zehn wurde es dann Zeit für den Headliner. RHAPSODY, in neuer Form und eben in der Version von Luca Turilli. Im Vorfeld wurde von einer großen Show gesprochen mit einem eigens für die Tour entwickeltem Konzept. Und als das Intro erklang und auf der Leinwand ein Vorspann wie bei einem Kinofilm gezeigt wurde, konnte man schon erahnen was einen erwartete. Und um es gleich vorweg zu nehmen: RHAPSODY boten wahrlich keine Show, die so zum mitmachen anregte wie beispielsweise FREEDOM CALL oder ORDEN OGAN, dafür aber ein in sich stimmiges Gesamtkonzept, das eben eher zum Zuschauen und Zuhören animierte. Mehr fürs Auge, weniger für den restlichen Körper. Aber auf jeden Fall für mich die beste Show, die ich von der Band je gesehen habe. Denn früher hatte es die Band immer versucht, eine optimale Show zu bieten, doch hatte ich immer den Eindruck, als ob viel gewollt aber nur wenig gekonnt war, was eben immer wieder auch an den Einspielungen vom Band lag. Das war an diesem Abend ja nicht anders, die ganzen Chöre, Orchesterpassagen und sogar auch die zweite Gitarre (und wer weiß was noch) wurden eingespielt, harmonierten aber mit den gezeigten Leinwandbeiträgen, den live gespielten Instrumenten, dem absolut erstklassig singenden Alessandro, (der nebenbei bemerkt auch stimmlich absolut seinem Vorgänger/Nebenbuhler Fabio gleich kommt, dafür aber noch facettenreicher andere Songs interpretieren kann) und den abgestimmten Bühnenlichtern. Ebenfalls sehr schön war, dass natürlich das neue Album aus dieser Besetzung berücksichtigt wurde, aber auch alte RHAPSODY Perlen wie „Dawn For Victory“ oder der unverzichtbare Single Hit „Emerald Sword“ und aber auch Songs aus Luca’s Solo Alben wie „Demonheart“ oder „The Ancient Forest Of Elves“, die meines Wissens vorher noch nie live gespielt wurden.

Ebenso trat eine Sängerin zu einigen Duett Parts auf, die stimmlich auch ein gewaltiges Volumen besaß, aber mit der Klarstimme etwas zu quäkend klang. Dafür hatte sie die Opernhaften Stücke enorm gut drauf und begeisterte auch mal mit einer Tanzeinlage in einem mit leuchtschnüren durchzogenen Kleid. Bei einer kleine Akustikeinlage mit den beiden Songs „Forest Of Unicorns“ und „Warrior’s Pride“ kam dann auch der Maestro selbst auf einem Hocker zur Ruhe, denn ansonsten flitze der Mann so dermaßen über die Bühne während er dabei die Stücke spielte, was alleine schon sehens- und staunenswert war. Etwas unnötig dagegen fand ich eher die Schlagzeug und Bass Solo Einlagen, die zwar auch mit Einspielungen versucht wurden aufzupeppen, aber irgendwie sehr belanglos waren. Als dann der Zugaben Block die Show mit „Warrior Of Ice“ beendete, konnte man aber getrost von einer klasse dargebotenen Show sprechen.

Einige Zuschauer sahen dies bestimmt anders, was man auch locker bemerkte wenn man die noch etwas lichteren Reihen während des Konzertes betrachtete. Ich denke aber, wenn man mit der richtigen Erwartung an diese Show ging und eben weiß, dass hier vieles vom Band kommen muss und mehr fürs Auge geboten wird, denn zum zappeln einlädt, dann wurde man hier keineswegs enttäuscht. Turilli würde wahrscheinlich eine ähnlich fulminante Show wie z.B. das TRANS SIBERIAN ORCHESTRA aufziehen, wenn er die nötigen Geldquellen dafür hätte. Für seinen Budgetrahmen wurde das bestmögliche hier rausgeholt.

Abschließend bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass dies ein richtig geiler Konzertabend war, mit 4 Bands die auf ihre Weise eigentlich alle überzeugten und einen wirklich nur deswegen fragwürdig zurück ließen, warum ein solch wertiges Packet keine ausverkauften Tourneen fährt. Verdient hätten es alle gehabt. Mir hat‘s sehr gut gefallen.

www.vexillumband.eu
www.ordenogan.de
www.freedom-call.net
www.ltrhapsody.com

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