NOAF 2012 Nachbericht

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!

NOAF (Neuborn Open Air Festival) die Achte. Oder auch die abgeleitete  Version “Not Only A Festival”. Nein, nicht nur. Eine richtig geile Party mit einem totalem Stilmix an Bands, einer Super Organisation und Musikfans von Jung bis Alt, die in der vielzitierten familiären Atmosphäre (die hier aber wirklich zu 100% vorherrscht) zwei Tage lang ein Fest feiert.

2005 als kleines Event gestartet, entwickelte sich das NOAF in den Jahren darauf als feste Underground Größe, bei dem man fast behaupten kann, jeder neue Besucher wird zum Stammbesucher, denn es machte nicht den Eindruck, als ob es auch nur einen unzufriedenen Gast gab. Besonders bemerkenswert hierbei ist: Das ganze Festival wird organisiert und bewerkstelligt von freiwilligen ehrenamtlichen Helfern, die dafür keinen Cent bekommen und auch keinen Gewinn einstreichen dürfen. Da kann man also 100% von ausgehen, das hier Leute am Werk sind, die Spaß an der Sache haben und trotz Stress oder langer Arbeitszeit alles geben. Es werden zwei Sorten Bier angeboten, bei fast jedem Becher wird gefragt, ob dieser für einen selbst ordentlich gefüllt sei, die Mischung der Schorle kann selbst bestimmt werden und die Jungs und Mädels sind durchgängig gut gelaunt. Kann man gar nicht oft genug lobend erwähnen.

Auch die Geländeaufteilung ist super. Der Campingplatz ist so geräumig, das selbst Spätangereiste (wie wir) noch große Flächen finden um mit mehreren Zelten zusammen Platz zu finden. Die Wege sind immer kurz, es gibt genügend eigentlich immer saubere Dixis (nur am Klopapiernachschub sollte noch gearbeitet werden) mit Waschstelle. Auf dem Gelände selbst gibt es zahlreiche Sitzgelegenheiten, Merch Stände, sehr leckeres Essen und gute Getränke und zu keiner Zeit lange Wartezeiten.
Vorzeigbare Preise gibt es ebenfalls: 2 Euro für ein 0,4er Bier/Wein oder 1,50 für die selbe Größe Softdrink sind schon sehr geil. Das Ticket für 28 Euro(beide Tage) im Vorverkauf ist gemessen an den Bands auch richtig günstig und das Essen wie Reibekuchen, Bratwurst, Steak usw. ebenfalls. Qualität stimmt in jedem Fall auch, die Bratwurst hat mich mega begeistert und die Reibekuchen müssen wohl zu gut gewesen sein, denn ich hab leider keine mehr am Samstagabend abbekommen.

Da ich zum zweiten Mal als Gast anwesend war, bemerkte ich auch direkt einige Verbesserungen gegenüber 2011. So wurde der Parkplatz auf die andere Seite gelegt, was die Wege im allgemeinen (zumindest gefühlt) noch verkürzte, es gab auch Waschwasser an den Dixistellen im Festivalgelände und für Nachschub an Getränken sorgte ein lustig aufgemachter Traktor mit Anhänger und Musik, der zu angekündigten Uhrzeiten eine Runde um den Campingplatz drehte. Sau geile Idee, sau lustig und  man sah den Verkäufern an, dass diese auch eine Menge Spaß dabei hatten.
Ebenfalls war die Security im Außenbereich besser abgesprochen, es gab keine Widersprüchlichkeiten mehr und man durfte auch seine Bierdose auf dem Weg zum Gelände dabei haben.

Freitag 24.08.

Die erste Band des Tages hieß STEREO DYNAMITE und zockten nach eigenen Angaben Punk Hardcore. Wie die Band ankam kann ich leider nicht beurteilen, da ich um 15 Uhr noch unterwegs war. Wahrscheinlich hatte die Band auch ein schweres Los gezogen, denn wer nicht extra Urlaub an diesem Tag hatte, dürfte Freitags um diese Uhrzeit noch nicht auf dem Gelände sein oder höchstens dabei sein, sich zurecht zu finden, Zelte aufbauen usw.

Bei DEADLOCK, die letztes Jahr leider ausgefallen waren, konnte ich mir ebenfalls kein Bild vom Geschehen vor der Bühne machen, doch was meine Ohren vernahmen war nicht schlecht. Leichte IN FLAMES Anleihen im Sound, ein Sänger der growlt und eine Sängerin, die aber zum Glück keinen auf „Beauty & Beast“ macht, sondern auch ordentlich zu rocken versteht. Auch machte die Band vor Genrefremden Einflüssen nicht halt, so dass man hier doch von einer gewissen Eigenständigkeit reden kann.

Als nächstes kamen die Pfälzer VANDEN PLAS auf die Bretter. Da die Band schon in den 80igern gegründet wurde und bis zum jetzigen Zeitpunkt ununterbrochen existiert, konnte man die Bühnenerfahrung deutlich spüren. Hier wurde richtig professioneller Progressiv Metal gezockt. Auch wenn Sänger Andreas sehr speziell klingt, sich einerseits zwar dadurch von der Masse abhebt, andererseits nicht jedem gefallen könnte, kam die Band zur frühen Abendstunde sehr gut beim immer zahlreicher werdenden Publikum an.

Die Band EVILE wurde mir nicht nur von meinen Mitreisenden empfohlen, sondern auch Schmier von den Samstag Headlinern DESTRUCTION machte im Vorfeld auf facebook etwas Werbung für die Genre Kollegen. Das aus England stammende Quartett zockte Thrash Metal, wie ihn METALLICA zu ihren Frühzeiten zelebrierten. „So sollten Metallica heute klingen“. Solche und ähnliche Zitate konnte man unter dem begeisterten Publikum vernehmen. Sound, Songstruktur, alles erinnerte an die Bay Area Veteranen, aber ohne einfach nur zu kopieren. Eine Band mit Potential und sehr souverän auf der Bühne. Auf jeden Fall waren die ersten Headbanger vor der Bühne sehr zufrieden.

VICIOUS RUMORS machten es dem Publikum dann wiederrum nicht mehr ganz so einfach. Einige Die Hard Fans, die die Band kannten hatten sichtlich Spaß an dem Auftritt der Recken, die schon 1979 (!) gegründet wurde. Eine echte Old School Kapelle, die aber zu keiner Sekunde altbacken klingt. Dennoch driftet der Power Metal öfter in Progressivere Parts ab, so dass die Gäste, die nicht mit den Songs vertraut waren, eher etwas teilnahmslos da standen. Basser Stephen ließ zwar ab und zu die Matte als Propeller kreisen, doch Sänger Brian ließ ein sehr außergewöhnliches Stageacting sprechen. Fast keine Bewegung, sehr oft den Rücken zum Publikum zugewandt, sang dieser zwar 100%ig und war wirklich ausgezeichnet bei Stimmt, legte aber einen Psychopathen Blick an den Tag und sorgte durch die langsamen Bewegungen eben nicht gerade für Power, die aufs Publikum hätte überspringen können. Der Auftritt war bestimmt nicht schlecht, doch mit ordentlicher Anfeuerung hätte die Band da viel mehr raus holen können.

Die fehlende Power legten dann TERROR umso mehr nach. Langsam verabschiedete sich die Sonne und die Meute vor der Bühne verdichtete sich und bildete die ersten Moshpits. Ganz klar, hier war es an der Zeit sich auszutoben und hier brauchte man auch keinen Song genau kennen, um im Rhythmus mit abzugehen. All das gipfelte darin, dass die Band zum Stagediving bzw. Crowdsurfing aufforderte. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Denn es kletterten massig Leute auf die Bühne. Zuerst versuchte die Security, diese noch weg zu eskortieren, doch ein Musiker bedeutete dem Mitarbeiter, dass dies in Ordnung sei. Und so kletterten immer mehr Fans auf die Bühne und so langsam verlor man den Überblick. Wohin man blickte, die ganze Bühne wurde von Menschen bevölkert, die teils tanzten, teils leicht am moshen oder bangen waren oder auch nur planlos herum standen, aber keiner von ihnen wollte mehr die Bühne verlassen. Sei es von selbst oder auch nur zum surfen. Und irgendwann blieben dann auch nach und nach die Instrumente aus und der ganze Auftritt war zu Ende. Leider zu früh wie sich heraus stellte und die Fans wurden von der Bühne eskortiert.  Die Veranstalter kündigten hierzu in den nächsten Tagen ein Statement an. Denn meiner Meinung nach, ohne weiteres Hintergrundwissen, hätte man auch einfach die Bühne räumen können und dann den Set zu Ende spielen lassen. Aber mal sehn was die Orga berichtet.

Nach diesem unschönen Ende wurde es Zeit für den Headliner und man konnte nur hoffen, dass die Fans nicht zu aufgebracht waren. Doch als CALIBAN ihren Set mit richtig geilem Bühnenaufbau, coolen Klamotten und fetter Lichtshow begannen, folgten zwar natürlich ordentliche Mosh und Circlepits, aber alles in allem blieben die Fans friedlich. Was mich aber auch gewundert hätte, denn selbst wenn unter dem Publikum gerade am Freitag ein paar zwielichtige Gestalten rumliefen, die man nicht unbedingt in die linke Ecke stecken würde, so war doch allgemein einfach nur eine lustige und feierwütige Stimmung auf dem Gelände. Die Metalcorler um Sänger Andreas zockten auf jeden Fall einen würdigen Gig, der bestimmt nicht jedermanns Geschmack traf (im Vorfeld gab es einige Gegenstimmen in Foren zu vernehmen), die Fans aber rundum zufrieden stellte. Und ich finde gerade diese Mischung aus Old School und modernen Bands macht das NOAF eben auch aus und führt jung und alt zusammen. Und so sollte es doch sein!
RELICSEED bildeten dann sowas wie den Late Night Act, also die Band nach dem Headliner und ich muss sagen: schade dass ich diese Band verpasste, denn was man im Internet auf youtube so hören kann, ist auf jeden Fall eine sehr interessante Mischung aus modernem Thrash und anspruchsvollen Melodien. Aber irgendwann ist auch mal Schluss, wenn sich das erste Bier schon um 11 Uhr geöffnet hatte und sich permanent die Öffnung in den Körper suchte.

Samstag 25.08.

Was bisher noch nicht erwähnt wurde, wofür auch niemand was kann, was aber auf jeden Fall erwähnenswert ist: Das Wetter. Sicher macht Regen und Matsch irgendwie auch Spaß, aber das NOAF 2012 glänzte mit dem besten Festival Wetter, das man sich wünschen kann. Knapp über 20 Grad, ab und zu Sonne, ab und zu Wolken, kein Regen und immer eine leichte Brise Wind. Perfekt!

Die erste Band des Tages hieß SPACEMAN ATE MY GRANDMA und war der diesjährige Gewinner des lokalen Bandwettbewerbs „Rock n Pop Youngster“. Da ich mich fürchtete, dies könnte eine Blutfede zwischen Außerirdischen und der Band sein, befand ich mich leider nicht an Ort und Stelle, um dieser jungen aufstrebenden Band zu zuschauen.

Für mich war die erste Band des Tages THE SUNPILOTS aus dem weit entfernten Sydney. Diese spielten leicht proggigen Rock und lockten somit nicht sehr viele Zuschauer an. Diejenigen, die mit solcher „Aternitive“ Musik was anfangen konnten hatten auch hier ihren Spaß und viele meinten auch, es wäre die passende ruhigere Musik um solch einen Tag zu beginnen. Ich selbst bevorzuge da eher wie z.B. auf dem Wacken üblich Bands wie Napalm Death, die mir mal kurz den Schlaf aus den Augen pusten, aber das ist Geschmacksache. Fest steht, dass die Band sich nicht von wenigen Leuten beirren ließ und ihren Set richtig gefühlvoll und überzeugend zockte – und nur darauf kommt es an.

Dann folgte die Überraschung des Tages: ENGEL. Bei dem Namen assoziiert man wohl eher Deutschrock ala Rammstein und CO, doch geboten wurde einfach nur melodischen Metal der etwas härteren Gangart und überzeugten das Publikum so sehr, so dass sich vor der Bühne innerhalb der knappen Stunde immer mehr Leute einfanden. Sänger Magnus war auch sichtlich bei der Sache, zog Grimassen oder schüttelte seine dünne Mähne und man sah der Band an, dass sie merkten, dass sie gut ankamen. Nicht wenige der Gäste zogen los um sich mit Merch der Gruppe einzudecken. Sehr gelungen!

FORSAKEN aus Malta hieß der nächste Act und irgendwo schnappte ich den Spruch auf „Ein würdiger Nachfolger für CANDLEMASS“. Ja, so in etwa könnte man dies beschreiben was die Vier da auf der Bühne vollbrachten. Zwar erreichte der Doom Metal nicht den Stimmungslevel von der vorherigen Band, was bei dem Stilunterschied auch recht schwierig ist, dennoch konnte auch diese Truppe ihre Anhänger ziehen und zumindest Sänger Leo strahlte ständig über beide Backen. Spaß hatte die Truppe auf jeden Fall, also scheint sich die Anreise ja gelohnt zu haben.

Die Power Metaller von MYSTIC PROPHECY konnten sich auf jeden Fall nicht über wenige Zuschauer beschweren. Es schien, als ob jetzt auch wirklich alle Besucher anwesend seien um die Band zu feiern. Eine große Spielfreude war bei den Mannen um Sänger Roberto zu erkennen, der stilecht mit Hut und Brille seinen kraftvollen Gesang zu Tage brachte. Auch diesem merkte man die Freude sichtlich an und überhaupt kann man hier wirklich von POWER-Metal sprechen. Hier wurden Melodien geboten, die aber dennoch genug Härte hatten, um richtig schön wahlweise mit den Beinen oder mit dem Kopf mit zu stampfen. Die Band selbst war sehr agil und zeigte sich sehr gut eingespielt. Sehr geile Vorstellung die mit dem Titelsong des letzten Albums „Ravenlord“ leider viel zu früh zu Ende ging.

Danach sollten CREMATORY dann ein wenig Düsternis rüber bringen mit ihrem Gothic angehauchten Metal. Natürlich gelang dies aufgrund der Uhrzeit schon fast von selbst, aber nicht wenige Besucher hatten sich unglaublich auf diese Band gefreut. Meinen Geschmack traf diese Band leider noch nie und Sprüche wie „Scheiss auf Wacken, braucht man nicht wenn man hier zocken kann“ sind bei mir total daneben. Nicht nur, weil ich selbst dort jedes Jahr verweile und eben beide Arten von Festival mag, sondern wenn man seine große Abschiedsshow dort vollzieht, ein halbes Jahr später doch wieder da ist und dann nochmal da zockt, sollte man sich solche Sprüche verkneifen. Macht dann eher den Eindruck als ob die Band es nicht mehr schafft, dort aufzutreten. Sei mal dahingestellt, ein Großteil des Publikums hatte Spaß und bekam natürlich auch den berühmtesten Song der Truppe „Tears Of Time“ dar geboten.

Und dann wurde es Zeit für Old School Thrash aus Germany. Nachdem sich schon KREATOR und SODOM in den Jahren davor auf dem NOAF die Ehre gaben war es klar: DESTRUCTION müssen her. Und mit Kettensägenintro startete das Trio und ballerte die letzten NOAF Gäste weg. Mit richtig starker Lichtshow boten die drei einen würdigen Headliner, der alte Songs der Marke „Mad Butcher“ oder „Eternal Ban“ mit neueren wie „The Butcher Strikes Back“ oder „Hate Is My Fuel“ verband. Schmier, wie immer schön die Breite der Bühne nutzend indem gleich drei Gesangsmikros genutzt wurden, brachte eine leicht modifizierte, aber passendere Ansage, indem er meinte, Wacken wäre zwar auch gut, aber dieses Festival wäre klein aber fein. So kann man eben beide auf ihre Art lobend erwähnen, ohne etwas anderes nieder zu machen. Und wie krass Gitarrist Mike Soundlöcher stopfen kann fällt einem erst auf, wenn der Gute seine Solos zockt. Denn ansonsten kriegt man bei dem Trio immer ein Wahnsinns Brett vor die Fresse geknallt, das an dem Abend alle Headbanger zufrieden gestellt haben dürfte.

Danach gab es noch den Samstag Late Night Act namens PATH OF GOLCONDA und am frühen Samstagmorgen hatte mich das erste Bier schon um 8 Uhr geweckt…

Fazit:
Was bleibt zu sagen? Geile Bands, geile Stilmischung, geiles Wetter, geile Preise, geiles Publikum, und mega mega mega geile Organisatoren, die (man kann es nicht oft genug erwähnen) alles ehrenamtlich auf die Beine stellen.
Daumen absolut nach oben für NOAF 2012 und ich gehe jede Wette ein: Für 80% aller Besucher steht jetzt schon eine Teilnahme am NOAF 2013 fest! Egal wer spielt…

Weitere Bilder gibt es auf der facebook Seite: www.facebook.com/pages/Neuborn-Open-Air-Festival

Infos über das Festival (mit richtig gut gepflegtem Gästebuch): www.noaf.de

Weitere Bilder vom Festival © Robin Geiss:

[nggallery id=48]

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!