METALFEST WEST (Loreley) 2012

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Das erste METALFEST WEST auf der Loreley war ein organisatorisches Chaos, dafür glänzten die auftretenden Bands mit wahnsinniger Spiellaune und das Publikum ließ sich durch keine Umstände die Super Stimmung verderben!
Vorwort Alexandra Schäfer:
Endlich war es soweit, das Metalfest (West) sollte in diesem Jahr neben den bereits etablierten Standorten erstmals auf der Loreley stattfinden.
Die Geschichte dieser legendären Freilichtbühne begann mit der Erbauung 1939. Viele namenhafte Künstler standen dort schon auf der Bühne vor Tausenden tobenden Fans.
Dieses Jahr 2012 versuchte das Metalfest dort sein Glück, was ihnen aber durch mangelnder oder gar fehlender Organisation leider nicht wirklich gut gelang.
Bei der Ankunft am Donnerstag, den 07.06 auf dem Parkplatz wurde man schon von dem Anblick der zahlreichen parkenden Autos überrascht. Soviel hatten wir, wie anscheinend auch die Ordner, nicht erwartet! Laut Rhein-Lahn-Zeitung (Samstagsausgabe) waren rund 8000 Camper dort eingetrudelt und ca. 10 000 Fans vor Ort. Ein Traktor war mehrere Stunden damit beschäftigt, weiteren Metallern das Parken zu ermöglichen, somit hatte man bei der Suche nach einem Parkplatz den frischen Geruch vom gemähten Heu in der Nase. Beim Zelt aufbauen bemerkten wir dann, dass sich eine riesige Menschenschlange gebildet hatte: Fans, die sich noch das Bändchen besorgen wollten, um dann die bereits schon spielenden Bands zu schauen. Stundenlanges Warten in der Sonne war die Folge für schlecht gelaunte Stimmung auf dem Platz.
Einige Metaller haben sich sogar auf den Campingplatz zurück gezogen mit der Begründung: „Bis wir rein kommen ist die Band die wir sehen wollen eh schon rum!“
Da die Schlange immer länger wurde, entschied man dann am Einlass, die verlorene Zeit rein zu holen, indem man die Menschenmasse ohne große Kontrollen einfach durch ließ.
Was auch dringend nötig war, da die Band ALESTORM schon spielte.
Auch zu wenig Dixis auf dem Campingplatz wurden einkalkuliert, sodass man dort auch noch viel mehr Zeit einplanen musste.
Am Sonntag kam noch der größere Schlag für die Metaller die auch noch Fußballfans sind, laut eigenen Angaben sollte es ein Public Viewing geben … Aber wo??? Man wurde zu einem Eingang verwiesen, der sich als undurchdringlich erwies da Securities sich in den Weg stellten. Ca. 100 Fans durften etappenweise durch, dann kam die Aussage: Wegen Sicherheitstechnischen Gründen dürfen nur eine begrenzte Zahl an Leuten in den Biergarten. Man würde schnellstmöglich versuchen eine weitere Lösung zu finden …
Da war uns klar es wird keine Lösung kommen, denn dieses Spiel dauerte ja nicht ewig und man wollte ja auch nicht alle Bands verpassen …
Die Standbesitzer ließen hinter vorgehaltener Hand auch verlauten, dass sie mit der Organisation auch gar nicht zufrieden waren. Dasselbe gilt auch für einige Bands.
Aber es gab auch etwas Erfreuliches: Das Essen war sehr lecker und es gab einiges an Auswahl. Von Pizza, Burger über asiatische Gerichte oder einen Flammkuchen Stand war einiges vorhanden. Während der geschmacklich gute Burger mit 5€ wohl etwas überteuert war, konnte die Putenfleischpfanne für den gleichen Betrag wesentlich besser abschneiden. Aber die satten Preise von 3.50€ der 0,4l Getränke machten einen üblen Beigeschmack, lediglich das Wasser wurde für 50 Cent weniger angeboten. Doch noch ein dickes Lob an die Loreley Crew, es gab keine langen Wartezeiten an den Getränkeständen und die Becher wurden immer bis an, teils sogar über den Eichstrich gefüllt, danke hierfür. :-)
Liebe Veranstalter so ein tolles Ambiente, so eine super Running Order und so eine schlechte Organisation??? Warum?
(Alexandra Schäfer)
Da das Metalfest West zum ersten Mal in dieser Form stattfand, kann natürlich nicht alles reibungslos funktionieren, aber da die Veranstalter schon seit Jahren Events solcher Art an anderer Stelle organisieren und dementsprechend Erfahrung haben, dürften solch extrem lange Schlangen, viel zu wenige Toiletten und Duschen und diverse andere Dinge eigentlich nicht vorkommen, schließlich gibt es ja auch einen Vorverkauf, bei dem der „Ansturm“ abgeschätzt werden kann.
Im Forum der offiziellen Homepage wurde aber mittlerweile ein Statement ( hier nachzulesen ) zu einigen Punkten der organisatorischen Mängel abgegeben. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Veranstalter schon einiges auf die eigene Kappe nehmen, Besserung geloben und diese auch glaubwürdig rüber kommt, da schnell auf die Kritiken reagiert wurde und die Schuld nicht vehement von sich gewiesen wurde. Hoffen wir für 2013, dass dem wirklich so ist, denn es wäre schade, aus diesen eigentlich guten Voraussetzungen nicht das Optimum heraus zu holen. Jetzt aber zu den Bands:

Freitag 07.06.

Bedingt durch die im Eingangstext erwähnten Umstände bekamen eben sehr viele Metalfans die ersten Bands SAPIENCY, TURBOWOLF und SKULLFIST überhaupt nicht mit. Bei ALESTORM aber (die wahrscheinlich immer noch viele verpassen mussten wegen der Bändchenausgabe), herrschte schon viel Betrieb auf den Sitzrängen und gefeiert wurden die Piraten ebenso. Die Fans hatten Bock und auch wenn die Qualität für meinen Geschmack bei der Truppe ein wenig zu wünschen übrig lässt, schunkeln und zum Feiern einstimmen können diese und der von Samplern bekannte Song „Cpt. Morgans Revenge“ erntete denn auch überall gereckte Fäuste.

Danach wurde die Stimmung trotz noch schönem Wetter düsterer, denn die Dark Metaller von MOONSPELL betraten die Bühne. Der Sound bei den Bands war übrigens bei fast allen Bands gut bis sehr gut und durch die schöne Anordnung hatte man auch von allen Plätzen eine wunderbare Sicht. MOONSPELL selbst brachten ihren, meiner Meinung nach immer noch berühmtesten Song „Opium“ schon sehr früh in ihre Setlist ein, konnten aber die Anwesenden auch für den Rest des Auftritts bei Laune halten. Auch positiv, dass das kürzlich veröffentlichte Album „Alpha Noir“ seinen Weg in die Setlist fand.
Generell herrschte trotz der angesprochenen Kritikpunkte eine super Stimmung auf dem Festivalgelände wie auch auf dem Zeltplatz, was natürlich ein positives Gesamtergebnis nach sich zog.
LEGION OF THE DAMNED folgten dann auf der Hauptbühne und ballerten einem ihren Death-Thrash ordentlich um die Kiemen, während die Band mit den längsten Haaren um die Wette bangten. Fannah erwies sich die Band auf jeden Fall nach ihrem Auftritt bei der Autogrammstunde, bei der sich ausgiebig Zeit für die Fans genommen wurde und Nachzüglern sogar noch Bier mit zu den Autogrammen überreicht wurde.

Anscheinend übertrug sich die mittlerweile düstere Ausrichtung der Bands auf den Himmel, denn dieser zog sich zu und öffnete für eine knappe Stunde alle Schleusen, sodass HYPOCRISY nur die hartgesottenen Fans als Zuspruch hatten, was Peter und seine Mannen nicht davon abhielt, ordentlich Gas zu geben. Leider war die Show aber schon fast gelaufen, als die letzten Regenwolken abzogen und wir selbst bekamen auch nur noch die letzten beiden Stücke mit.

Dann wurde es an der Zeit für die Krefelder BLIND GUARDIAN. Und diese hatten sich eine wahrhaft geile Setlist ausgedacht. Klar, es gab die unverzichtlichen Hits wie „Mirror, Mirror“ als Zugabe oder „The Bard’s Song: In The Forest“, die natürlich auch auf der Loreley von fast jeder Kehle auswendig mitgesungen wurden, aber es war eben eine reine Best Of Setlist mit „Majesty“, „Lost In The Twillight Hall“, „Nightfall“ und dem Opener vom neuen Album, mit dem hier auch begonnen wurde „Sacred World“. Auffällig war für mich aber auch: Hansi Kürsch traute sich mehr. Er schaffte es tatsächlich, das ein oder andere Mal seinen Platz in der Mitte zu räumen und die Leute von den Seitenrändern aus anzufeuern. Und das sogar im Laufen. Dumm nur, dass sich über die Jahre die beiden Gitarristen Andre und Magnus zu viel von ihrem sonst arg bewegungsarmen Frontman abgeschaut haben und dafür fast immer bangten, aber angewurzelt stehen blieben. Wenn diese jetzt ihre frühere Agilität zurückgewinnen könnten, gäbe es neben Klasse Songs (die Anfangen wieder den alten Spirit zu versprühen) noch Action auf der Bühne und der Live Set wäre (wieder) perfekt. So war er aber dennoch Klasse!

Setlist BLIND GUARDIAN:

Sacred Worlds
Welcome to Dying
Nightfall
Time Stands Still (at the Iron Hill)
Majesty
Tanelorn (Into the Void)
Valhalla
Lost in the Twilight Hall
Bright Eyes
Imaginations from the Other Side
The Bard’s Song – In the Forest
Mirror Mirror

Und dann wurde es natürlich interessant, was einer der „Big4“ hier so leisten würde. MEGADETH starteten ganz untypisch, in dem einfach Mal Herr Mustaine himself als Erstes die Bühne betrat, bangend auf seiner Gitarre schredderte und die anderen Musiker sich nach und nach dazu gesellten. Das war auf jeden Fall schon was anderes. Wie nicht anders zu erwarten wurde der in der Mitte gezockte Song „Symphonie Of Destruction“ von den meisten erkannt, doch was ich nicht erwartet hatte, war ein so gut gelaunter Dave. Dieser grinste des Öfteren, brach ebenfalls wie Hansi zuvor öfter seine Zelte vor dem Mikro ab und lief mit seiner Gitarre sogar die vorderen Reihen ab. Und selbst das seltsame Ereignis, als ein Kerl mit langem Ledermantel einfach mal auf die Bühne dackelte, ihm etwas zuflüsterte und danach seelenruhig wieder verschwand brachte ihn nicht aus der Fassung. Zuerst verwundert, dann lächelnd meinte er nur etwas Ähnliches wie „Begegnung mit Satan“ oder so. Wer dies genau verstanden hatte, möge sich doch bitte melden, würde mich sehr interessieren. Ich schätze immer noch, dass da ein verkleideter Peter Tägtgren sich seinen Spaß machte, aber warum die Security nicht Eingriff ist mir immer noch ein Rätsel. Egal, Dave führte genauso gut gelaunt sein Set zu Ende (u.a. noch mit „Peace Sells…“) und ich habe zwar viele Negativ Stimmen über den Auftritt gehört, so gut gelaunt habe ich den nicht leicht umgänglichen Dave aber weder selbst live, noch auf einer Aufnahme (von jüngerer Zeit) gesehen. Deswegen hier ebenfalls von mir: Daumen hoch!

Die letzte Band am Freitag sollte dann noch in der Zeltbühne spielen. Und zwar TRIPTYKON, die innoffiziellen Nachfolger von CELTIC FROST, die auch ziemlich am Anfang „Procreation Of The Wicked“ zockten. Der Zuspruch war ordentlich, allerdings schien die gute Laune Welle auch hier übergeschwappt zu sein, denn Tom war mehr am Grinsen und sich am Bedanken, als für solch eine düstere Stimmung zu sorgen wie seinerzeit beim Wacken Open Air. Hatte definitiv auch was auf seine Art und ebenfalls ungewöhnlich.

Die angekündigte Metal Disco ließ dann ewig auf sich warten. Als sie dann (ebenfalls im Zelt) endlich begann, kamen zuerst nur seltsame Musikstücke und als endlich Klassiker ausgepackt wurden, wurden zuerst die Bierstände geschlossen und dann die Musik ausgestellt und das Publikum nach draußen beordert. Da stell ich mir etwas anderes drunter vor und ja, ich mache immer noch die Metal Disco (wie auch die Bands, das Publikum, die Organisation, das Essen, die Getränke, die Preise, das Wetter und noch so vieles mehr) zu EINEM Schwerpunkt des gesamten Festivals und dementsprechend wird sowas auch immer wieder in meinen Bericht einfließen, auch wenn andere das nicht so sehen! Letztendlich kann man an dieser Stelle erneut die Festivalbesucher lobend hervor heben, mit denen es anscheinend wieder und egal zu welcher Uhrzeit möglich war, lustig zusammen zu feiern, sodass man hier nicht auf diese „Metal Disco“ angewiesen war.

Samstag 08.06.

Gut finde ich auf jeden Fall auch die Entscheidung, die ersten Bands erst um 13 Uhr auf die Bühne zu schicken, so blieb jedenfalls immer ausreichend Zeit zum Auskurieren und sich (wenn denn gewollt) etwas frisch zu machen. Dennoch entglitt mir die erste Band HUNTRESS (die die meisten wohl eh nur wegen dem aufgesetzten Sex Image der Frontfrau auf dem Schirm hatten) und wir fanden den Weg erst zu VADER nach vorne. Und diese hatten einen Riesen Zuspruch um diese Uhrzeit, nachdem das Publikum mit den Worten „Willkommen Deutschland“ begrüßt wurde.. Es passte aber auch einfach, sich von den polnischen Death Metallern mit ihren Rot-Schwarzen Boxen mal gehörig die Ohren und den Kopf für die nachfolgenden Bands freiblasen zu lassen. Jedenfalls war der Festivalplatz mehr als ordentlich gefüllt, für mich machte es den Anschein, als ob mehr Besucher da waren als bei den nächsten Bands und ich hatte mich im Vorfeld schon gewundert, warum diese Band so früh auf die Bretter muss.

GRAND MAGUS ist eine Band, die es gilt in nächster Zeit im Auge zu behalten. Mit gerade mal drei Leuten auf der Bühne wird da ein richtig fetter Sound gebracht, der zwischen normalem Metal mit etwas Doom Anteilen richtig fette Eier hat. Mit der Filmmusik aus dem Original Conan Film als Intro hat die Truppe schon mal halb gewonnen. Die Traditions-Metaller freut‘s, ebenso wie Sänger JB, der sich vor dem in schwedischen Farben gehaltenen Bühnenbild auch öfter mal einen abgrinst. Egal ob Stücke von aktuellen, erst kürzlich erschienen Longplayer „The Hunt“ oder ältere Songs, eine Banggarantie war immer vorhanden, leichte Parallelen ganz alter MANOWAR Perlen nicht von der Hand zu weisen und man darf gespannt sein, wie diese Truppe auf der Karriereleiter noch nach oben klettert.

Die Mittelalterrocker von SALTATIO MORTIS waren als Nächstes an der Reihe und durch den Stilmix kann man schon sagen, dass das Metalfest für eine gelungene Abwechslung sorgt. Hier ist wirklich so gut wie alles vertreten und da diese Bands ja auch nicht gerade klein sind, sind dementsprechend auch Fans dieser Genres vertreten, die dann trotz weniger Publikum als bei den Rhythmus Spezialisten von VADER, immer noch ordentlich Publikum vor die Bühne lockten.

Im Zelt, also auf der zweiten Bühne, sollten dann die Thrasher von PURIFY zocken, die sich schon letztes Jahr zur frühen Stunde in Dessau zeigen durften. Doch im Gegensatz zum Auftritt in 2011 hat mir der Auftritt diesmal wirklich gut gefallen, was auch sehr an Shouter Mönch lag, der diesmal viel mehr variierte und im Gegensatz das Publikum zu beschimpfen, auch mal ein „Danke schön“ rüber brachte. Die Instrumental Fraktion brachte ihren 80er Thrash sowieso souverän unter und das Publikum, das zahlreich vor der Bühne moshte, dankte es mit ordentlichen Pits. Runde Sache auf jeden Fall und wer auf eben Old School Thrash steht und die Gelegenheit hat, sollte die 4 auf jeden Fall mal anchecken. Aber Vorsicht, wenn ihr jemanden der Truppe nachts antrefft, es kann sein das ihr vor Sonnenaufgang nicht mehr an euer Zelt gelangt…

Während PURIFY noch den Rest aus ihrem Publikum raus holten, wartete auf der Hauptbühne schon das nächste Highlight: POWERWOLF. OK, diese Jungs erfinden das Rad des Power Metal eben auch nicht mehr neu, machen aber durch den sichtlichen Spaß auf der Bühne, die immer wieder total lustigen Ansagen von Sänger Atilla und den übertrieben klischeetriefenden Texten eine solch gute Laune, dass man ihnen mangelnde Innovation auch nicht vorwerfen kann. „Vielen danke schön“ dürften mittlerweile zwar schon fast alle traditionsbewussten Metaller kennen und „We Drink Your Blood“ oder „Resurrection By Errection“ sind auch Standards, aber irgendwie konnte bei diesem Sonnenschein einfach nur noch jeder lächelnd den routiniert guten Gig der Wölfe bestaunen, der mit „Lupus Dei“ ein Ende nahm.

Wobei der Sonnenschein schon mit starkem Wind verbunden war, der nicht nur Pavillons teilweise entwurzelte, sondern einen Pavillon auch meterhoch über die Köpfe fliegen ließ und wie ein Wunder niemanden mit seinen Stangen verletzte, sondern mit der Plane mitten im Gesicht von zwei gemütlichen Campern landete, die nichts ahnend glücklicherweise unversehrt blieben. Das alles passierte binnen weniger Sekunden auf dem Hauptweg vom Campingplatz zur Bühne und irgendwie kam man sich etwas in einer Parallelwelt vor, als danach noch zwei bierbäuchige Männer nackt tanzend irgendein Lied trällerten. Joha.

ELUVEITIE heizten dann die ausgelassene Feierstimmung, die einfach durch keine Umstände tot zu kriegen war auf der Loreley mit ihrer Form des Folk oder Paganmetals einfach nur weiter an. Und danach gibt es Entertainment pur.

BEHEMOTH betraten mit ihrem beachtlichem Outfit inklusive cooler Schminke und sehr krassen Mikroständern die Bühne und powerten ihren Black Metal unter die Leute. Auch wenn ich wieder den Eindruck hatte, dass bei VADER mehr die Kuh am fliegen war, erstaunte Gesichter ob dieser Power gab es dennoch hier. Fronter Nergal, der bedingt durch seine überwundene Krebskrankheit mit kurzen Haaren auf der Bühne stand, hatte nichts von seiner Ausstrahlung verloren und zum Schluss der Show wurden pechschwarze Konfetti aus Kanonen in die Luft geschossen, bei der man den Eindruck bekam, die im Sonnenschein erstrahlende Loreley würde von einer Insektenplage heimgesucht. Sehr krasser Show Effekt einer sehr geilen Show Band.

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Danach wurde fleißig die Bühne sauber gefegt und es folgte das totale Kontrastprogramm, denn die Spaßmetaller von EDGUY betraten die Bühne und Tobi Sammet spiegelte wirklich perfekt die Laune der Festivalbesucher wieder. Er bekam sein Grinsen nicht von den Backen, zog Fratzen, rannte von einem Platz zum anderen, konnte das Wörtchen „Loreley“ nicht oft genug sagen und bei Liedern wie „Superheroes“, „Ministry Of Saints“, „Robin Hood“ oder „Mandrake“ zeigte sich noch ein Doppelregenbogen gegenüber der Bühne. Warum bei Tobi und Mille auch immer lustige Sticheleien entstanden, für die Zuschauer war’s einfach Entertainment pur, als Tobi ankündigte, KREATOR können heute nicht spielen, dafür würden EDGUY gar nicht mehr aufhören und ewig weiter spielen. Natürlich relativierte er seine Aussage, nur um sie gleich darauf wieder zu bestätigen. Mit Sammets Humor haben ja einige in den letzten Jahren ihre Problemchen gehabt und auch ich konnte nicht immer über jeden Ulk lachen, an diesem Freitag aber saß meines Erachtens jeder Spaß zu 100%, genauso wie auch die Musik der Fuldarer Jungs.

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Das Tobi fast Recht hatte mit seiner Aussage, wäre dann doch sicherlich schade gewesen, denn warum auch immer blieb das Equipment von KREATOR aus und dieses musste dann von anderen Bands geliehener Weise zusammengestellt werden, was wohl der Grund war, weswegen niemand in den Fotograben durfte und ihr hier auf der Seite nur Bilder von weiter weg sehen könnt. Jedenfalls zogen KREATOR auch mit geliehenem Equipment alle Register ihres Könnens und Songs wie „Extreme Agression“, „Hordes Of Chaos“ oder das abschließende „Tormentor“ zogen jeden Thrasher in den Bann. Mille zeigte sich trotz der Situation cool und entspannt, konterte Tobis Späße mit der Aussage, er hätte eine schlechte Nachricht, Tobi würde EDGUY verlassen und diese würden nun ohne ihn weitermachen. Genauso meinte er zu den Zuschauern, es gäbe wohl keine Wall of Death heute und als diese nicht so begeistert davon waren meinte er nur lapidar „Mir egal was ihr macht, von mir aus könnt ihr loslegen“, was natürlich auf diesen Steinstufen, die nicht gerade Sicherheit garantieren kein gutes Unterfangen gewesen wäre. Doch zum Glück passte alles, sodass man von einem gelungenen Abschluss auf der Hauptbühne sprechen kann.

Setlist KREATOR:

Violent Revolution
Hordes of Chaos
Phobia
Phantom Antichrist
Extreme Aggression
People of the Lie
From Flood Into Fire
Terrible Certainty
Voices of the Dead
Coma of Souls
Endless Pain
Enemy of God
Pleasure to Kill
Terrorzone
Betrayer
Flag of Hate
Tormentor

Es sei noch erwähnt, dass dieses Mal die Metal Disco früher mit richtigen Songs startete, feiernde Leute dies ordentlich dankten, dennoch aber wieder viel zu früh ihre Pforten schloss. Doch wie schon am Tag zuvor gab es ja einen Zeltplatz, der 24h geöffnet hatte …

Samstag 09.06.

KRYPTERIA, die als Erstes hätten spielen sollen, wurden schon im Vorfeld u.a. auf der Homepage als gecancelt ausgewiesen. Ob es einen Ersatz geben würde, wisse man nicht und genau so erging es mir am selben Tag. Dementsprechend fand ich den Weg auch nicht vor die Bühne als der Ersatz mit Namen BURDEN spielte.

Bei STEELWING hingegen waren schon einige Leutchen da, um die jungen stilsicher gekleideten Metaller mit ihrem NWOBHM Retro Sound zu sehen. Auf jeden Fall sorgte die Band für die nötige Einheizerstimmung. Auch wenn das Image der Band auf Bildern aufgesetzt wirkt, auf der Bühne brachte die Truppe dieses aber richtig authentisch rüber und ich denke, da steckt einfach richtige Überzeugung drin. Wir werden sehen, was von dieser Gruppe noch so folgt.

DEATH ANGEL dann um solch frühe Zeit? Auf jeden Fall aber von Anfang an Power ohne Ende doch irgendwie schienen die restlichen Tage nicht spurlos an den Besuchern vorbei gegangen zu sein, denn es gab zwar zahlreiche Fans, aber gefüllt war das Gelände sicher nicht. Doch die Bay Area Recken ließen sich davon ihren Enthusiasmus nicht nehmen und man kann nur betonen, wer hier nicht anwesend war, hat was verpasst. Selbst Leute, die normal nicht auf Thrash stehen waren begeistert von der Energie, die Mark und die anderen vier von der Bühne ins Publikum streuten. Zum Schluss durften es dann noch ein kurz angespieltes Medley mit bekannten Melodien von SLAYER, MAIDEN oder METALLICA sein, was natürlich ebenso die Stimmung hob.

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Man kann ausnahmsweise mal von Glück reden, dass es Verzögerungen und Soundschwierigkeiten auf der zweiten Bühne gab, denn so mussten STATE OF THE ART wenigstens nicht „gegen“ DEATH ANGEL anspielen. Als die sympathische Truppe aus der gegenüberliegenden Rheinseite dann startete, ballerte direkt ein gnadenloser Sound über die Anwesenden Gäste und somit schwappte auch hier der Funke gut über, der dann auch mal in einer Wall of Death enden konnte. Wer auf modernen Metal der härteren Gangart steht, sollte diese Band ruhig mal anchecken.

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Derweil bekamen EPICA auf der Hauptbühne ebenfalls enormen Zuspruch doch es tut mir leid, ich kann einfach mit der Band nichts anfangen. Sie machen ihre Sache für sich wirklich gut, das kann ich beurteilen, aber es gibt nun mal Geschmack, der unterschiedlich (zum Glück) verteilt wurde und meiner ist es echt nicht. Frauengesang, mit growlendem Männerpart und eben sehr episch – mehr kann ich hier leider nicht schreiben.

Auf DARK TRANQUILITY hatten wirklich verdammt viele Leute gewartet, was man in Foren, Gesprächen und an Bandshirts sehen konnte und die Band räumte mit ihrem melodischen Death Metal auch wunderbar ab. Mir persönlich waren zwar VADER lieber, aber das ist wiederum nur eine Geschmacksache, denn mit der Meinung steh ich wohl fast alleine da. Sei’s drum, gefetzt hat’s und Spiellaune war auch da.

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Die hatten ENSIFERUM mit ihrer Kriegsbemalung und ihren Röckchen auf jeden Fall auch. Und die übertrug sich wiedermal aufs Publikum, was aber bei Gassenhauern wie „Ahti“, „From Afar“ oder „Iron“ auch nicht verwundert. Der finnische Markus und seine Truppe wussten zu begeistern und die Vorfreude der Fans wurde zu keiner Sekunde enttäuscht.
Das wurden andere Fans auf ganz andere Weise: nämlich die zahlreichen Fußballfans. Wie schon in der Einleitung geschrieben fanden nur ein paar Glückliche den Platz in den Biergarten, der Rest war auf Handynachrichten von Freunden angewiesen, um wenigstens das magere Ergebnis mit zu bekommen.

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Durch Zufall hatten wir erzählt bekommen, dass es einen Aushang gab, auf dem eine aktuelle Running Order nachzulesen war. Denn auf dieser wurde über den Wechsel der Spielzeiten von FEAR FACTORY und KYUSS LIVES! Berichtet. Hätte ich also im Biergarten das Spiel schauen dürfen, hätte ich mich entscheiden müssen, ob ich FEAR FACTORY nun schaue oder nicht. So aber blieb mir ja dank schlechter Planung die Wahl erspart. KYUSS LIVES! Hingegen wurde total versäumt, da ich mich eben auf der Suche nach dem Biergarten befanden, beim Anstehen auf den Einlass und beim Warten, ob denn nun doch eine versprochene Lösung für das Problem vom Himmel fällt.

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FEAR FACTORY ließen mich aber dann ganz schnell die National Elf vergessen und ratterten von Anfang an mit einem Nähmaschinensound los. Geballert ohne Ende und der Auftritt war wirklich klasse. OK, man muss zugeben, Burton hatte auch an diesem Tag ein paar Problemchen mit dem clean Gesang, aber das hat man auch schon weitaus schlechter erlebt. Auf der Loreley kam’s mir jedenfalls so vor, als ob er die Passagen wirklich gut hinbekommen würde, seine Stimme aber enorm leiser wurde als bei den brutalen Shouts und dementsprechend auch nicht viel hörbar war. Würde hier von einem abgestimmten Soundmann oder mit Hilfe von moderner Technik gegengesteuert werden, wer weiß, vielleicht würde niemals mehr jemand behaupten er könne live nicht singen. Ich fand diesen Auftritt als den besten, den ich bisher von der Band gesehen habe und es wurde neben „Linchpin“, Stücken vom neuen Album, dem Überknaller „Demanufactor“ sogar „Martyr“ vom ersten Album gezockt. Coole Sache und in der Form gerne wieder.

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Und um die anbrechende Nacht mal so richtig zu erleuchten, schossen beim Start von IN EXTREMO mal direkt Flammensäulen gen Himmel, die sogar das Dach der Freilichtbühne überragten. Die Spielmänner zogen ein Best Of Programm durch, wobei doch mit „Zigeunerskat“, „Sterneneisen“, „Siehst du das Licht“ und „Viva La Vida“ immer noch der Schwerpunkt auf dem neuen Album lag. Doch mit „Vollmond“, „Herr Mannelig“ oder „Mein Rasend Herz“ wurden auch die anderen Alben berücksichtig, außer leider leider Weckt die Toten. Man kann nicht alles haben, aber die Band gab alles, genauso wie das anwesende Publikum, doch irgendwie beschleicht sich mir der Verdacht, man hätte das letzte Einhorn bei seinen Ansagen schon agiler gesehen. Wirkte etwas müde. Aber nur bei den Ansagen, bei den Liedern ging’s gewohnt kräftig zur Sache und auch auf dem Boden wälzend immer noch zu hundert Prozent textlich und stimmlich dabei. Es gab noch ein paar Flammen und mit dem tausendfach gewünschten Spielmannsfluch entließ uns die letzte Band auf der Hauptbühne als würdiger letzter Headliner in die Nacht.

Setlist IN EXTREMO:

Sterneneisen
Frei zu sein
Zigeunerskat
Vollmond
Herr Mannelig
Sängerkrieg
Flaschenpost
Unsichtbar
Liam
Zauberspruch No. VII
Viva La Vida
Siehst du das Licht
Nymphenzeit
Küss mich
Mein Rasend Herz
Erdbeermund
Spielmannsfluch

Fazit:
Was bleibt zu sagen? Über die armen Orga Leute wurde genug geschimpft, ihr Statement steht und wir bleiben optimistisch, was 2013 angeht. Ich sage einfach: So ein Chaos KANN nur einmal passieren, also wird nächstes Jahr alles besser, vertraut mir. Was niemals besser werden kann ist die Stimmung, die die Metalfans über die Loreley brachten und die Spielfreude der meisten Bands. Absolut over the Top. Deswegen spreche ich jetzt einfach von einem geilen Festival, auf dem es mir eine Ehre war, dabei gewesen zu sein. Und jetzt noch ein paar Bildchen mit vielen Grüßen von Alexandra (die so nett war ein paar einleitende Worte zu finden) zum Schluss, die versuchen, ein paar Impressionen des Festivals zu zeigen. Viel Spaß und bis 2013! (Robin Geiß)

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