KNORKATOR Live / Aschaffenburg / Colos-Saal

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„Willst du dich mit mir hochphilosophisch unterhalten während wir auf ein KNORKATOR Konzert fahren?“ bringt mich direkt mal auf der Fahrt nach Aschaffenburg zum Nachdenken und zum Lachen. Wobei die Spaß Truppe ja auch nicht ganz unphilosophisch zu Werke geht und den ein oder anderen tiefsinnigeren Witz neben totalem Schwachsinn auch parat hat.

Das wissen auch die Fans rund um Aschaffenburg zu schätzen denn der Clos-Saal ist mal wieder restlos ausverkauft. Und das bedeutet wie immer volle Hütte, doch bin ich der Meinung, ich hätte selbigen schönen Club auch schon mal voller erlebt. Wenn hier also die max. Anzahl der Besucher nach unten geschraubt wurde geht dafür schonmal mein Dank an die Veranstalter.

Knapp 23 Euro Eintritt kostet der Spaß am Abend ohne Vorband, dafür aber mit richtig cooler Show. Bevor aber das Konzert um 21 Uhr beginnt, läuft auf der Leinwand, auf der ansonsten immer die nächsten Konzerte im Colos-Saal angekündigt werden eine (vorgegaukelte) Impression aus dem Backstage Bereich, in dem sich die 5 Buben von KNORKATOR gelangweilt vor dem Laptop versammelt haben. Lustige Idee.
Als der Saal immer voller wird, die Raucher sich langsam im Club versammeln und das Licht langsam abgedunkelt wird, ertönt schon der erste Applaus der ziemlich schnell in „Zugabe“ Rufe ausartet. Genau so muss eben ein KNORKATOR Konzert beginnen.

„Der ultimative Mann“ kommt heute zuerst Mal sehr ungewöhnlich im Rollstuhl auf die Bühne. Die vorderen Reihen brauchen keinerlei Animation und hüpfen schon wie wild durch die Gegend während Stumpen das Konzert als „Rollstuhl-Rock n Roll“ ankündigt und mit einem undefinierbarem „Buchstabe“ das nächste Lied beginnt. Danach ist zuerst Mal eine Erklärung angesagt und Stompen meint, bei seiner Agilität sei er eben auf der Bühne beim Stage Diven an einem Kabel hängen geblieben und habe sich den Wadenmuskel abgerissen. Der Arzt habe ihm jegliche größere Bewegung verboten und man habe als Band auch alle Konzerte abgesagt, außer natürlich Aschaffenburg. Somit gibt es also ein „Schmerzliches Willkommen“ passenderweise und die Stimmung kocht immer mehr im Saal. Das Aschaffenburger Publikum ist sowieso meistens einfach nur Feierwütig unterwegs und bei solch einer agilen Spaßbad kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Auch Songs, bei denen der Text auf CD vielleicht nicht so dolle zündet kommen live geil rüber, da hier eben auch der Sound mitreist, wobei man auf CD meist eben leider nur auf den Text achtet.

Da Stompen Gitarrist Basti mal kurzerhand zwischen die Beine greift und meint, er habe dort einen großen Sack hängen, wird er kurzerhand von Basti in Sacksi umbenannt was auch freudig vom Publikum in Sprechchören wiederholt wird, bevor es mit dem „Refräng“ weitergeht. Im Verlaufe des Abends macht Stompen noch mehrmals die Ansage, dass er nicht so gerne Stagediver auf dem Weg nach vorne haben möchte und macht stattdessen einen Gegenvorschlag, diese sollen doch rückwärts, also gen Ausgang surfen, was aber auch nicht so Recht klappen will. „Du bist Schuld“ und „Du nich“ folgen vom neuen Album und es fällt auf, dass die neue Scheibe mit wirklich vielen Liedern promotet wird. Bei „Ausziehen“-Rufen vom Publikum folgt Stompen auch dem Wunsch, doch der daraufhin von ihm aufgeforderte Zuschauer wollte der Bitte dann doch nicht nachkommen. Da der Text des nächsten Liedes von einem Jungen gesungen wird kommt auch wieder die Leinwand zum Einsatz, worauf dort kein „Arschgesicht“ erscheint, sondern das Gesicht eben dieses Jungen. Und um die Nähe auch zum jüngeren Publikum zu unterstreichen holt Stompen kurzerhand einen 12jährigen auf die Bühne, stellt ihn als 22 jährigen vor, jongliert mit diesem über seine Schultern und wirft ihn das Publikum zum Auffangen zu. Als Entschädigung darf dieser dann das nächste Lied von der Bühne aus in Stompens Rollstuhl betrachten. Das BONEY M Cover „Ma Baker“ sorgt mit dem geilem Wechselgesang zwischen tiefem Alf und hohem Eunuchen mäßigen Stompen für allgemeines Gelächter und dann präsentiert sich die Band auch mit ihrem Highlight als „Alter Mann“. Ständige Aktionen und direktes Ansprechen mit dem Publikum lassen den sympathischen Wert der Truppe nochmals nach oben schnellen und eine Dame, die es dem Sänger anscheinend schwer angetan hat, wird kurzerhand auf die Bühne gehoben um vorzumachen, was vom Publikum gefordert wird: Huckepack-Pogo. Zwar kommen nicht die geforderten 30 zusammen, aber so 20 dürften es doch gewesen sein, die ihre Freundinnen oder Bekanntinnenen auf die Schultern nahmen und ein lustig anzuschauendes Pogo veranstalteten, während Stompen seine angebetete Dame auf den Schultern trug und auf einem Bein hüpfte, da sein anderes ja nicht belastet werden durfte. Der Mann kann einfach nicht still sitzen oder stehen. Zu hyperaktiv. Bei „Kurz und Klein“ wird das Mikro kurz einem Fan überreicht, der aber entweder den Song nicht kennt oder mag oder einfach sein Lieblingslied nochmal hören will und singt eben ständig „Du bist schuld“, was aber auch super zum Rhythmus passt. „Für meine Fans“ ist das letzte, was die Zuschauer eigentlich hören sollten, doch meint die Band, sie würde für jeden gezogenen Zahn vom Publikum noch einen Song als Zugabe spielen. Als aber keiner dieser Aufforderung nach kommt hält Stompen eine angebundene Coladose ins Publikum und meint, er akzeptiere nur Geldstücke ab einem Euro aufwärts. Als der Rest der Band versucht, mit Netzen selber die Geldstücke einzufangen hagelt es plötzlich Kleingeld und ich bin der Überzeugung, hier wurde mehr auf Körper gezielt als auf die Netze. Ebenfalls ein Heidenspass für Band und Fans und Stompen erklärt uns kurzerhand: „Wir werden alle Sterben“, weil wir eben alle so „Böse“ sind. „Warum“ fragt sich der geneigte Fan ist dieses Konzert schon zu Ende? Ja, weil es richtig Spaß gemacht hat diese Bekloppten fast zwei Stunden auf der Bühne zu sehen, man der Band abkauft zu jeder Sekunde auch Spaß an ihrem Blödsinn zu haben und einfach eine geile Zeit hatte.

Zum Schluss möchte ich auch noch erwähnen dass es jegliche Shirts, egal ob Girlie oder normale oder total andersfarbige für geile 18 Euro gab und der Colos-Saal ab jetzt anscheinend Pfand für die Becher nimmt, was ich als sehr sinnig erachte, zumal kein Personal sich mehr durch die Reihen quetschen muss um diese einzusammeln.
Ein geiler Konzertabend mit einer durch und durch kaputten und durch und durch sehenswerten Truppe.

Setlist:

Der ultimative Mann
Buchstabe
Schwanzlich willkommen
Mich verfolgt meine eigene Scheisse
Ich will nur fickn
Eigentum
Refräng
Du bist schuld
Bleib stehn
Du nich
Arschgesicht
Ick wär zun Schwein
Ma Baker (Boney M Cover)
Ain’t nobody – Knorkator 2011
Alter Mann
Konflikt
Ich lass mich klonen
?? (Irgendwas langsame)
Kurz und klein
Weg nach unten
Für meine Fans

Zugabe:

Wir werden alle sterben
Böse
Warum

Weitere Infos unter:
https://www.knorkator.de/

https://www.colos-saal.de/

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