KELLERMENSCH Konzert / Frankfurt / Das Bett

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Am 02. November, an einem milden Mittwochabend, machte die Tour der dänischen Newcomer KELLERMENSCH halt in Frankfurt am Main. Im Vorfeld schon habe ich mich gefragt, wie gut besucht dieses Konzert wohl sein würde, stieß ich doch eher aus Zufall auf diese außergewöhnliche Band, die irgendwo zwischen Industrial, Rock, Metal und Progressiver Musik ihr Dasein sucht. Zwischen den Stühlen also, und dann noch eine dänische Newcomer Band, ob das gut geht?

Nicht so ganz. Denn am ganzen Abend erschienen nur ca. 30 bis 40 zahlende Gäste in dem Club „Das Bett“. Auch dieser Club war für mich neu, doch erfuhr ich, dass es diesen schon ca. 6 Jahre und 2 Jahre in der jetzigen Schmidtstraße gäbe.

Für Livegigs aber ein ordentliches Ambiente, dass für solch eine Art Musik eigentlich auch wie geschaffen ist, versprüht der Club doch eine anarchistische Atmosphäre und man wähnt sich in einem Jugendzentrum für Erwachsene. Mit 14 Euro wurde auch ein humaner Preis veranschlagt. Die Getränkepreise mit 2,50 Euro für ein 0,33 l Bier oder 3,50 für ein 0,5er waren eben Frankfurter Durchschnitt, die Temperatur trotzt der Größe und des fehlendem Publikums angenehm und das Personal jederzeit freundlich, hilfsbereit und auskunftsfreudig.

Nachdem um 20 Uhr der Einlass war, folgte um ca. 21:25 Uhr mit kurzer Verspätung die Vorband ANTLERED MAN. 4 Leute, aus England die ihrem Look nach etwas an musizierende Studenten erinnerten und musikalisch gut zur Hauptband passten. Wie beschreibt man die Musik am ehesten? Auf jeden Fall vertrackt progressiv mit einigen brachialen Passagen zwischendrin und ab und zu wie beim dritten Song mit orientalischen Melodieläufen. Die Band selbst ging auf jeden Fall voll in ihrer Musik auf, erntete zumindest Höfglichkeitsapplaus und Sänger Damo überraschte auch damit, dass er eine auf einem Tisch befestigte E-Gitarre als Soundmaschine umwandelte, was dem ganzen einen Industrial Flair verpasste. Ab und an wurde noch ein Megaphone als Soundeffekt eingesetzt und nach knappen 40 Minuten war die Zeit für die Briten auch schon wieder vorbei. Solider Auftritt, Respekt für die energiegeladene Darbietung, doch wahrscheinlich einfach zu abgefahren und komplex, als dass diese Lieder schon beim ersten Hören zünden könnten.

Weiter ging’s dann nach minimalster Umbaupause mit den heute zu Siebt agierenden KELLERMENSCH. Zur Tour stellte man für die Live Gigs eben noch einen engagierten Geiger mit auf die Bühne. Von Anfang an stellte die Band klar, dass hier Bewegung auf der Bühne herrscht. Vor allem Bassist Claudio mit seiner extrem hoch umgeschnallten Bassgitarre und seinem dünnen und gestriegelten Aussehen und ständig wechselnden Positionierungen sowie Sänger Sebastian, der schon stark massiver wirkte und durch Seitenscheitel ebenso dazu beitrug, dass hier ein gewisser RAMMSTEIN Flair aufkam, waren die beiden die größten Blickfänge. Der zweite Sänger Christian überraschte mit durch und durch schwarzem Anzug und setzte sich zudem in Gesangspausen auch mal mit dem Rücken zum Publikum ans Piano. Die melancholische zerbrechliche Atmosphäre war jederzeit zu vernehmen und wurde aber oft auch durch brachiale Growl Parts von eben erwähntem Anzug Träger durchbrochen. Der an dritter Stelle gespielte Song „The Day You Walked“ ist ebensolch sein perfektes Beispiel. Verletzlich und doch Energie und Kraftstrotzend und immer wieder Weltanklagend. KELLERMENSCH trugen ihre Songs wie auf ihrem Debüt Album richtig souverän vor, egal ob ruhigere Klänge wie bei „Narcissus“ oder eben härtere Klänge wie bei dem neu vorgestellten Song „The Pain Of Salvation“.

Das Publikum verfiel auch ungefähr ab der Hälfte in die nötigen Schwingungen und man wünschte sich einfach mal, diese Band vor hunderten Leuten zu sehen, wenn einige der Konzertgänger aus sich rausgehen würden. Es könnte schon eine richtig gute verschwitzte Atmosphäre geben. So aber wackelte jeder für sich und es gab eben einen Applaus nach dem anderen. Klaro fehlte etwas die Interaktion mit dem Publikum um aus den Anwesenden noch mehr heraus zu holen, doch gehört dies zweifellos zum Image der Band, oder hat schon mal jemand einen Till Lindemann bei Mitklatsch-Spielchen während eines RAMMSTEIN Konzertes ertappt? Eben. Am meisten Applaus aber erntete die Band, deren Schlagzeuger seiner Bassdrum kein Loch verpasst hatte, sondern gleich ganz das vordere Fell abmontiert hat, beim toll gefühlvoll vorgetragenen Song „30 Silver Soints“ bzw. beim direkt anschließenden „Army Ants“. Meines Erachtens der größte Hit der Band und auch der erste Song, den ich von dieser außergewöhnlichen Truppe gehört hatte. Beides Songs, die ebenso Melancholie versprühen, aber eine Art positivem Hoffnungsschimmer in sich tragen und vielleicht gerade deswegen beim Publikum so gut ankommen. Hoffentlich merkt sich die Band diese Reaktionen und bringt mehr solcher Songs auf ihrem Nachfolgewerk. Mit „Moribund Town“, der ersten Single EP Auskopplung endete dann schon das Konzert bei dem Sebastian nochmals richtig aus sich herausging und seine Gitarre umher schleuderte, so dass einige Zuschauer etwas beängstig zurückwichen. Ohne Zugabe oder größerer Dankesreden beendete die Truppe den Gig nach 60 Minuten, was dann doch etwas für erstaunte Gesichter sorgte. Eben auch Image oder Enttäuschung auf die spärlichen Reaktionen? Ein kurzes Gespräch mit dem Tour-Geiger bestätigte mir aber, dass die gesamte Tour nicht überragend laufe und man überall mit schlechten Besucherzahlen zu kämpfen habe.

Fazit:
Ein kurzweiliger Konzertabend in einem coolen Club mit zwei guten Bands, die sicher noch mehr aus ihrer Show herausholen könnten, die aber keinesfalls enttäuschten und bei denen man sich wünscht, sie werden in Zukunft ihr Ding weiterhin kompromisslos durchziehen und wer weiß, vielleicht trifft eine der Bands ja den kommenden Nerv der Zeit und startet durch und man kann diese dann mit dickerer Show auf größeren Bühnen vor tosendem Publikum sehen. Zu wünschen wäre es – den Bands wie den Zuschauern.

Weitere Infos zum Club und zu den Bands:

https://www.antleredman.co.uk
https://kellermensch.com
https://www.bett-club.de

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