IN EXTREMO Konzert, Colos-Saal, Aschaffenburg 2011

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IN EXTREMO beglücken uns mit einer kleinen fünf Gigs umspannenden Club Tour.
Die erste dieser für eine Band solchen Status findet gleich in dem dafür bestens geeigneten Colos- Saal in Aschaffenburg statt und war, wie nicht anders zu erwarten, schon nach kürzester Zeit und Monate vorm Datum bereits ausverkauft.
Und „Ausverkauft“ heißt beim Colos-Saal auch wirklich ausverkauft. An diesem Mittwoch ist die Halle zwar auch gefüllt, aber es macht mir den Anschein, als ob die Betreiber sich die Kritiken zu Herzen genommen haben und die Tickets auf ein vernünftiges Maß reduziert haben.Denn auch wenn man dicht an dicht steht, kommt man dieses Mal problemlos zur Bar oder zu den Toiletten und es muss auch keiner auf dem Gang stehen.
Wenn dem so ist: Danke und Glückwunsch für diese Entscheidung, denn so macht das Konzert dann auch Spaß und alle Anwesenden haben mehr davon.
Denn ansonsten ist der Colos-Saal immer wieder für ein Konzertvergnügen gut, die Preise moderat, die Angestellten sind freundlich und schnell, der Sound klasse und druckvoll aber nicht zu laut und auch die Idee, die Stunde vor Konzertbeginn mit Live Videos der kommenden Musikacts auf einer Leinwand zu überbrücken finde ich einfach klasse.Um kurz vor acht (um 19 Uhr war Einlass und um 19:30 musste schon niemand mehr anstehen, auch nicht selbstverständlich) gingen dann die Lichter aus und die sieben Vagabunden gingen ohne Vorgruppe, Intro oder Starallüren allesamt gleichzeitig auf die Bühne, die Leinwand wurde hochgezogen und das Konzert begann ohne Umschweife direkt mit dem ersten Song.Und der war direkt schon eine Überraschung: „Küssmich„. Natürlich ein cleverer Schachzug die Masse direkt mit einem der bekanntesten Hits zu bestechen.
Die Band selber stand noch relativ reserviert auf der Bühne, wobei man schon gerade bei „Yellow Pfeiffer“ Anklänge eines Grinsens sah, die er sich mit Mühe immer wieder unterdrückte.
Natürlich singt das Publikum mit, aber man merkt auch ganz klar, dass hier jeder erst noch auf Betriebstemperatur gebracht werden muss. Eine kurze Begrüßung durch Sänger Micha und schon gibt’s das erste Stück des neuen eigentlich noch nicht erschienen Albums „Sterneneisen“ von dem noch weitere 5(!) folgen sollten:“Zigeunerskat„, der Song von dem auch die Tage ein Video erschien und der nicht nur textlich in die Fußstapfen von „Frei zu sein“ tritt.
Hier merkt man auch dass viele Leute das Video schon gesehen haben bzw. die Single gekauft haben, denn auch dieser Song wird mitgesungen.
Weiter geht’s mit „Liam“ und Micha erklärt, dass dies der erste Auftritt seit August ist und man doch sehr nervös sei.Dies merkt man dem Sänger auch an, denn er gibt zwar mehr Ansagen von sich als etwa auf dem Wacken Open Air, aber sicher geht anders.

Hat aber natürlich auch was einen Mann, der schon bestimmt tausende Auftritte hinter sich hat, egal ob vor Massen oder als Straßenmusikant, nervös und unsicher auf der Bühne zu sehen.

Eine kleine Exkursion vom Publikum, wie man Aschaffenburg im heimischen Dialekt ausspricht und schon geht’s weiter mit dem „WersebronnerGebet„. „Sterneneisen“ der Titelsong des neuen Albums kommt sehr treibend und rhythmisch betont daher und ich muss wirklich lobend erwähnen, dass diese Band ihr neues Album mit insgesamt sechs Songs vorstellt.
Klassiker hin oder her, wer nicht den Mut aufbringt sein neues Album vorzustellen und auch einige Songs im Set zu lassen, wird wohl nie mehr Klassiker hervorbringen sondern nur von der Vergangenheit leben.

Dr. Pymonte, der mir heute aber wie das Gegenteil von Micha erscheint und wirklich erst zum Schluss hin etwas mit macht und ansonsten müde wirkt, braucht nur mal kurz die Harfe richtig anzustimmen und schon singt die Ganze Halle den Refrain von „Vollmond„, der dann auch zum besten gegeben wird.
Wie auf jedem Konzert wird die Crew mit einer Danksagung gewürdigt (Respekt wie dies wirklich konsequent durchgezogen wird) und „Siehst du das Licht„, der dritte neue Song, hat langsame Strophen dafür aber einen richtig guten Refrain am Start.

Das letzte Einhorn“ weißt auf die neue CD hin, darauf das diese eigentlich erst am Freitag erscheint, hier aber schon erhältlich sei und zieht dann auch kurzerhand einen glücklichen Fan auf die Bühne, dem er die CD in die Hand drückt. Mit kleinen Scherzen über einen Offenbacher im Publikum geht’s weiter mit der Flaschenpost und ob es der ständige Schweiß ist, den der arme Barde ständig aus seinen Augen wischen muss, oder das Unverständnis, warum nicht nur Fußball an der Abneigung der „Ascheberscher“ gegen den „Offebacha“ schuld sind, jedenfalls verpeilt er die komplett erste Strophe.
Nach dem Lied betont er wieder wie nervös er doch sei, aber gerade dies macht eine so große erfolgreiche Band wie IN EXTREMO doch erst recht sympathisch, oder?

Auge um Auge“ ist noch ein Song vom neuen Album und hat den wahrscheinlich heftigsten Part im Mittelteil, den die Band je eingebaut hat. Bei dem krassen Doublebass Geballer fällt auf, das Neuzugang „Specki“ am Schlagzeug wirklich minimalistisch arbeitet und dabei aber zeigt, dass eine überdimensionale Schießbude überhaupt nicht nötig ist um abwechslungsreich und Songdienlich zu spielen.

Herr Mannelig“ folgt und „Viva La Vida„, die Säuferhymne vom neuen Album endet Stilecht mit einer Mundharmonika bevor der „Spielmansfluch„, der auch wieder vom gesamten Publikum mitgesungen wird bevor der Song eigentlich startet das offizielle Ende des Gigs bedeutet.
Aber natürlich kommt die Band schnell zurück und gibt „Stalker“ zum Besten, von dem Micha nicht überzeugt war, dass sie ihn fehlerfrei hinbekommen.
Er wurde eines besseren belehrt und es folgen die beiden Stück „In diesem Licht“ und „Mein rasend Herz„, bevor die Bühne erneut leer wird.

Doch auch diesesmal macht die Band kehrt und läutet mit Kastagnetten den spanischen Song „En Esta Noche“ ein. Das dann wirklich letzte Stück „Frei zu sein“ wird noch mal von jedem abgefeiert und die Band weist erneut darauf hin dass noch eine Autogrammstunde ansteht und verlässt glücklich die Bühne.

90 Minuten Spielzeit ist jetzt nicht der Wahnsinn, aber dafür, dass dies sicher ein außergewöhnliche Auftritt für beide Seiten war und der erste nach langer Abstinenz sei ihnen die halbe Stunde, die sicher noch drin gewesen wäre und bei der ruhig auch ein paar ältere Stücke hätten gespielt werden dürfen, verziehen. Die richtige Tour zum Album folgt im April und laut Michael Rhein „reißen wir dann richtig vom Stapel“.

Setlist:
1. Küss mich
2. Zigeunerskat
3. Liam
4. Wersebronner Gebet
5. Sterneneisen
6. Vollmond
7. Siehst du das Licht
8. Flaschenpost
9. Auge um Auge
10. Herr Mannelig
11. Viva La Vida
12. Spielmannsfluch
13. Stalker
14. In diesem Licht
15. Rasend Herz
16. En Esta Noche
17. Frei zu sein

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