GHOST BRIGADE Konzert / Wiesbaden / Schlachthof

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Zunächst einmal ist es toll, dass im Schlachthof in Wiesbaden überhaupt noch Konzerte stattfinden.
Es sah nämlich lange Zeit gar nicht rosig für das Kulturzentrum aus: Das Gebäude war baufällig, ein Teil musste abgerissen werden und der Umzug in neues Gebäude scheiterte. Doch aller Probleme zum Trotz gibt es fast täglich Veranstaltungen aller Art im Clubraum statt.
So auch am 17.Oktober das Konzert von Ghost Brigarde mit A Storm Of Light und Intronaut als Vorbands.

Der kleine Raum ist gut gefüllt, jedoch nicht übervoll,sodass die Atmosphäre von Anfang an gut ist.
Um kurz vor 8 betreten Intronaut die Bühne. Ich hatte von der Band vorher noch etwas gehört, hatte mir jedoch vorher im Netz etwas angehört. Ich wusste also ungefähr was mich erwartet: Nämlich lange, komplexe Songs ,abwechselnd harte und weiche Passagen. Das ganze ist jedoch sehr viel dröhniger .Die Instrumente sind extrem tief und gerade bei den härteren Passagen habe ich teilweise nur noch Dröhnen im Ohr und keinerlei Melodie. Dass mag vielleicht am Sound liegen, ich denke jedoch eher, dass das eben im „Dronemetal“ so klingen muss. Das ist zwar interessant, mir auf Dauer aber etwas zu eintönig. Das scheint auch der Rest des Publikums so zu sehen, denn wirklich Stimmung kommt nicht auf .Etwas Kopfnicken, nach den Liedern höflicher Applaus

Als nächstes sind A Storm Of Light dran. Die gehen musikalisch in eine ähnliche Richtung, geben sich jedoch aggressiver, was beim Publikum sichtlich gut ankommt. Aber auch die ruhigen Passagen bringen den ganzen Körper ins langsame mit schwingen. Auch hier gibt es sehr lange, komplexe Songs, bei denen ohne Rücksicht auf Konventionen im Härtegrad gewechselt, Brüche eingefügt und das ganze mit Soundeffekten zusammengefügt. Die Musik ist ist eine Mischung aus melancholischen Postrock und aggressiven Doommetal. Das Ganze ist zwar hoch anspruchsvoll und alles andere als „eingängig“ macht jedoch einfach mehr Spaß als Intronaut .Das liegt auch daran, dass der Sänger hier besser zu hören ist. Allerdings nur während den Liedern sonstige Ansagen oder gar Publikumskommunikation finden kaum statt. Dass ist aber nicht weiter schlimm, denn als Ausgleich gibt es eine Videoshow. So sieht man auf einer Leinwand Filmaufnahmen von Kriegsszenarien, aber auch von Landschaften und rennenden Büffel oder Bohrtürmen. Das alles ist wird farblich verfremdet, sodass der Auftritt mitunter eher wie eine moderne Kunstperformance wirkt.

Im vergleich zu den beiden ersten Bands sind Ghost Brigarde fast schon easy Listening. Dass ist auch gut so, denn so gut mir A Storm Of Light auch gefallen haben, noch so eine „anstrengende“ Band hätte ich nicht verkraftet. Hier geht es einfacher zu: klare Songstruktur, eine eingängige Melodie und ein Nachvollziehbarer Wechsel zwischen hart und weich.
Die Finnen haben vor kurzem ihr drittes Album raus gebracht „Until Fear No Longer Defines Us“ sind jedoch immer noch sträflich unterbewertet. Das beweisen sie auch wieder heute Abend. Sowohl die harten, als auch die sanften, melodischen Passagen machen richtig Spaß und gehen sofort ins Ohr. Die Musik von Ghost Brigade ist, finde ich, immer noch einzigartig, mir ist keine andere Band bekannt bei der die Mischung aus tiefer Verzweiflung und Zorn so gut wirkt. Das funktioniert live fast so gut wie auf Platte.

Alles in allem kann man von einem sehr gelungenen Abend sprechen, der wohl eher die „intellektuelle“ Fraktion der Metalheads anspricht und der beweist das es auch Metalkonzerte ohne Moshpit und Besaufen gibt.

©Artikelfoto: Ghost Brigade / Season Of Mist

Mehr Infos zu den Bands unter:
https://www.astormoflight.com/
https://www.intronautband.com/
https://www.ghostbrigade.net/

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