Festival-Bericht Blutsvente

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Ich stehe auf dem weitläufigen Gelände, auf dem ab 1867 die Reichsbahnausbesserungswerkstatt  Berlin ihren Standort hatte. Dort hat sich heutzutage u.a. das Cassiopeia niedergelassen, in dem am 10.03.12 die vierte Auflage des Blutsvente-Festivals stattfinden sollte. Vorm Cassiopeia finden sich zunächst kleine Grüppchen, die eine gemütliche Stimmung verbreiten.

Heute gibt’s „Rancid Musick for rancid People“ (wie es mir von den Merchandise-Utensilien des Festivals entgegenprangt) auf die Lauschlappen. Der ganze Spaß kostet 20 Tacken.

Das Blutsvente in vierter Auflage präsentiert ein abwechslungsreiches Billing, das einem das rottende Herz höherschlagen lässt! Der Veranstalter Rico hat auch dieses Jahr ausschließlich Bands eingeladen, denen er auch privat gerne lauscht. Direkt gegenüber den Konzert-Räumlichkeiten gibt’s  vegetarisches/veganes Essen. Den Auftakt erledigen Run Time Error, die ich allerdings leider verpasse.

Casus aus Hildesheim spielen von 13.15 – 13.45 Uhr auf den Brettern des Cassiopeia.

Sie geben u.a. das mit satten Blast-Parts versehene „Hysteria“ zum Besten. Einfach gehaltener

Old-School-Death-Metal der live zu gefallen weiß. Aus den Stiefeln reißt mich das allerdings noch nicht.

14.00 Uhr schließen Corrosive an den Rumpel-Reigen an und hauen rein, wie ein Molotow-Cocktail mit Domestos. Die Jungs aus Villingen verbreiten seit ’82 ihr rohes Hardcore – und Punkgebräu und kommen einfach pur und ehrlich rüber. Wow, das war roh und geschichtsträchtig und ging ein ganz klein wenig in das geneigte Tanzbein. Plötzlich entwickelt sich ein Pogo-Moshpulk. Chris am Gesang und seine Kumpanen schmettern Songs voller Wut, Verzweiflung und Ironie in die wabernde Meute.

In den Umbaupausen erklingen volkstümliche, mexikanische Klänge. Die „Viva Maria“-Arien und „Meeeexicooooo“-Passagen animieren auch den verklemmtesten Crusty zum lautstarken Mitsingen.

Dazu sei erwähnt, dass ein und dieselbe Platte mit immer und immer wieder bis zum Festival-Ende um 23.30 zu hören war.

Gegen 14.45 bringen Haemophogus italienisches Flair in den Konzertsaal. Aber nichts damit bella italia. Lediglich die Haare der abgehenden Zuschauer verwandeln sich langsam aber sicher in schwitzige Spaghetti-Pracht, die selbst Moshmutter Miracoli nicht besser hinbekommen würde!

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Es ist schmutzig und schneidige Riffs versetzen einen in Metal-Party-Laune. Zum Anfang gibt’s  den Song „Witches“ serviert, es folgen u.a. die feurigen und triefenden Songs „Siege“, „Creature“, „Slaves“ und „Goddess“. Die Leute gehen richtig steil, während der zähnefletschende Gitarrist gerne mal mit seinen Bandkollegen Schulter an Schulter zockt und der Bassist kurz von der Bühne steigt, um an einem Joint ausm Publikum zu ziehen.

15.35 Uhr bläst die, 1990 in Nürnberg gegründete, Goregrindkombo DEAD, die zu den Wegbereitern des Porngrind zählen, zum nächsten Angriff auf unsere Ohren. Zu Beginn ihrer Karriere, waren sie neben wenigen anderen Bands die ersten, die langsamen Grindcore spielten.

Bis zum Ende des Sets gelangen DEAD jedoch nicht, weil einer der Amps plötzlich einen Schwächeanfall erleidet und seines Zeichens vorübergehend „dead“ war.

Weiter im Takt geht es mit der Old-School-Band HARM und ihrem Song „Nuclear Holocaust“.
Die Jungs verbreiten gute Laune und nach der kurzen Zwischeninfo, dass in Kürze ein blauer Clio abgeschleppt werden solle, geht’s auch unbekümmert weiter mit der rohen Platte.
Der Sänger gibt, im übertragenen Sinne, Rotz und Wasser von sich und zum Song „Cadaver Christi“ bedauert der Sänger sein vergessenes Kreuz, das er sich eigentlich als Requisite „irgendwohin“ stecken wollte. Weitere Songs waren „My name is Jack “ oder  „Burn the Saints“.

Direkt aus der dänischen Hölle kommt die Powerviolence-Band Jesus Cröst. Der schmächtige Sänger lässt anfangs Mutterinstinkte in mir erwachen, weil er so blass und dünn aussieht.

Aber meine Sorgen werden mit einem brutalen Schwall aus satten Blasts, kreischenden Scream-Elementen straight outta hell nachhaltig vertrieben. Erfreulich auch der satte Anteil von Uff-Da-Uff-Da-Gewackel. „Abtreibung“, „Familienopfer“ oder  „Ninja Gangbang“ sind da nur einige wenige Beispiele aus der Setlist. Deutsche Texte, die untermauern sollen, dass sich das Duo nicht allzu ernst nimmt. Macht jedem Spaß, der es mal humorvoll im Grindbereich mag.

Die Schweden von Paganizer machen im Stile von Grave oder Entombed Krawall und begeistern  mit genialen Kompositionen und herrlichen Blast-Wänden, z.B. in den Songs „Total Lovecraftian Armageddon“, „Scandinavian Warmachine“ oder „Only Ashes Remain“. Paganizer sind das einzige Bandprojekt, mit dem der musikalisch umtriebige Sänger Roger „Rogga“Johansson auch live spielt. Weitere Projekte sind Bloodgut, Ribspreader, Demiurg, Those Who Bring The Torture u.v.a.

19.20 Uhr entern die Hamburger Jungs von Instinct of Survival die Bühne. Bei Sahnestücken wie

„Old, lonely, embittered“ oder „North of Nowhere – South of Somewhere“ schwingen auch die überzeugtesten Lahmärsche ihre Tanzbeinprothese. Die Menschenmasse wabert und brodelt wie ein Topf Gulasch, in dem eine Menge Dreadocks schwimmen! Amüsiert beobachte ich zwei Asiatinnen, die herumspringen und mit den Zeigefingern dem Takt nachwackeln.

Eine erneute Prise schwedischen Death-Metal schmeißen Blood Mortized in den Topf.

Zum Ende verlangt der Pulk aus schweißgebadeten Menschenleibern lauthals nach Nachschlag.

Der Gitarrist tritt ans Mic und erklärt auf Deutsch, mit sympathischem, schwedischem Akzent, dass sie leider nicht mehr Songs in petto hätten, aber gern nochmal ein oder zwei Songs wiederholen  Das braucht natürlich nicht zweimal erwähnt zu werden.

21.45 Uhr. Langsam wird’s richtig roh und dreckig. Ebenfalls aus Schweden präsentieren sich Repuked als einzige Band an diesem Abend mit bemalten Gesichtern. Es schaut eher aus, als seien sie gerade eben ihren Gräbern entstiegen. Und so zieht sich auch der Stil von Repuked durch ihre Song-Palette. Der Gitarrist nöhlt nicht nur einmal ins Mikro: „öööööh…we are fucking drunk“.

„Winter Puke Disease“, Chemically Wasted“ oder „Feral Fuck“ versohlen einem gehörig den Allerwertesten und lassen einen unterwürfig nach mehr verlangen. Mit ihrem Song „Tsunami of Green Piss“ bringen sie den Festivaltag verdammt gut auf den Punkt. Natürlich ausschließlich im positiven Sinne, wir verstehen uns!

Death Toll 80 K liefern das finale Gemetzel. Gleich zu Beginn des Sets reißt eine Saite, wodurch es erst mal schlecht mit der Vollendung des Gigs aussieht. Doch bald schon wird ein Gitarrenkoffer über die Menge zur Bühne getragen und heraus kommt eine knallrote Klampfe. Was dann folgt ist kompakter Grind. Nach den ersten Songs hat man zwar ein Deja-Vu, was den Sound betrifft, jedoch Daumen hoch für das höllische Organ des Sängers und den Energiefunken, den er auf die Crowd überträgt.

Da war es auch schon 23.30 Uhr und man konnte es gar nicht glauben, dass das alles schon gewesen sein soll. Alles in allem kann ich dieses Festival jedem Death-, Grind- und Crust-Liebhaber wärmstens empfehlen. Die Leute dort waren entspannt, das Team und die Festival-Besucher achten aufeinander. Abgesehen von technischen Engpässen, die man wirklich nicht voraussehen kann, war das Festival sehr gut organisiert und machte einfach einen Riesenspaß!

BILLING BLUTSVENTE #4 
http://blutsventefestival.jimdo.com/

RUNNING ORDER:

12.30-13.00 Uhr – RUN TIME ERROR http://www.myspace.com/trashyourface

13.15-13.45 Uhr – CASUS http://www.myspace.com/casusdeath

14.00-14.30 Uhr – CORROSIVE http://www.myspace.com/corrosivegermany

14.45-15.20 Uhr – HAEMOPHAGUS http://www.myspace.com/haemophagus

15.35-16.15 Uhr – DEAD http://www.dead-slaves.com/home/

16.30-17.10 Uhr – HARM

17.25-18.00 Uhr – JESUS CRÖST http://www.lowpointdrains.nl/jcwebsite/jcindex.html

18.15-19.05 Uhr – PAGANIZER http://www.myspace.com/paganizer

19.20-20.15 Uhr – INSTINCT OF SURVIVAL http://www.myspace.com/stenchcore

20.30-21.30 Uhr – BLOOD MORTIZED http://www.myspace.com/bloodmortized

21.45-22.40 Uhr – REPUKED http://www.myspace.com/repuked

22.55-23.35 Uhr – DEATH TOLL 80K http://www.myspace.com/deathtoll80k

BLOOD MORTIZED (Swe)

CASUS (Ger)

CORROSIVE (Ger)

DEAD (Ger)

DEATH TOLL 80K (Fin)

HAEMOPHAGUS (It)

HARM (Ger)

INSTINCT OF SURVIVAL (Ger)

JESUS CRÖST (Nl)

PAGANIZER (Swe)

REPUKED (Swe)

RUN TIME ERROR (Ger)

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