Nachbericht: Devil Side Festival 2012

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Das Devil Side Festival 2102, inmitten der Industriekultur des Ruhrpotts – Oberhausen, findet zum 3. Mal statt. Jedes mal gab es eine andere Location und auch diese wirkt auf den Autor nicht so, als ob sie nächstes Jahr wieder gewählt wird. Dazu aber später mehr. Das Festival war bis jetzt 2012 eins der wenigen, die den Besucher mit gutem Wetter beglückte.

Auf dem Gelände vor der alten Turbinenhalle steigt das Festival auf zwei Bühnen. Dass es ein etwas anderes Festival ist, merkt man schon an der Lage mitten im Gewerbegebiet. Parkplätze müssen in Form von Seitenstreifen gesucht werden. Wo der Campingplatz lag, weiß der Autor bis heute nicht. Alles nicht so wichtig, denn die Veranstalter locken mit hochkarätigen Acts von Arch Enemy über In Flames bis Sabaton.

Das Festivalgelände mit Geröllboden wurde gut aufgeteilt und die beiden nebeneinander liegenden Bühnen stellen sich bald als äußerst praktisch heraus. Die Hellstage wird bereits durch Exit Ten gerockt und langsam füllt sich das Gelände mit Fans. Dann folgt ein später noch häufig vorkommende super kurze Pause von 5 min und die Devilstage ist bereit für Cerebral Ballzy. Die Zeit reicht locker um drei Schritte zur Seite zu gehen und so kommt nie Langeweile auf und man bekommt ohne Problem jede Band mit. Super!

Chthonic Live @ Devil Side Festival 2012
Chthonic Live @ Devil Side Festival 2012

Die taiwanesen Chthonic schaffen es locker die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Liegt es an der hübschen Basserin, dem Sound der orientalischen Violine Er-Hu oder einfach weil die Band geilen Black Metal/ Death Metal spielt? Anscheinend wird mit Ersatzmann an den Drums gespielt und man könnte meinen, dass noch ein Bandmitglied auf der Bühne fehlt aber das tut dem symphonischen und opulenten Sound keinen Abbruch. Nach einer halben Stunde und den obligatorischen 5 Minuten zeigt das Devilside Festival, dass es hier einen sehr bunten Mix an Musikrichtungen zu hören gibt. Die Old School Thrasher von D.R.I. begeistern vor allem die etwas älteren Besucher. Auch die nächste Band dürfte den ganz jungen Metallern kaum ein Begriff sein. So hatten Dog Eat Dog ihre größten Hits wie „No Fronts“,  „Who’s the King“ und Rocky bereits 1994 und 1996. Markantestes Merkmal neben dem smarten Frontmann ist natürlich das Saxophon auf der Bühne. Weiter geht’s dann mit Punkrock und Serum 114. Die Jungs sind wirklich gut drauf und suchen den Kontakt zu den Fans. Nach dem Sänger „Esche“ eine Rund Crowd-Surfen war hat er noch genug Energie das Zelt der Tontechniker zu erklimmen und dort auf dem Dach zu rocken. Auf dem Rückweg zur Bühne wird dann noch kurz im Moshpit mitgebangt.

Betontod Live @ Devil Side Festival 2012
Betontod Live @ Devil Side Festival 2012

Die Bands wechseln wirklich schnell, so dass im Handumdrehen nach einer mittelmäßigen (original Berliner) Currywurst, Pommes und Bier die Stagetime von den Emil Bulls, Betontod und The Bones um ist. Das Gelände wird voller. Liegt vielleicht auch an der Besonderheit, dass es viele Besucher mit Tagestickets gibt oder mittlerweile der Freitag-Abend angebrochen ist. Oder liegt es an der nächsten Band? Die Schweden von The Sounds können laut Wikipedia Quentin Tarantino als Fan vorweisen und haben zusätzlich noch eine Frau am Gesang. Maja Ivarsson wirkt mit Ihrer Kippe im Mundwinkel und dem Spucken auf die Bühne lässig und rockermäßig. Auch wenn sie ziemlich plump so oft wie möglich versucht ihren schwarzen Schlüpfer unter dem roten Kleid zu zeigen, kann sie nicht über den seichten Synth-Pop der Band hinwegtäuschen. Die Band wirkt einfach nur fehl am Platz auf einem Metal Festival.

Arch Enemy Live @ Devil Side Festival 2012
Arch Enemy Live @ Devil Side Festival 2012

Ein Glück, dass es danach mit pure fucking Metal weitergeht. Arch Enemy – seit diesem Jahr leider nur noch mit einem der legendären Amott-Brüdern. Dafür aber zur Begeisterung der anwesenden Metalfans mit Frontfrau Angela Gossow. Die blonde Kölnerin zeigte dann auch voller Energie, worum es bei einem Metal-Konzert geht. Allerdings bekamen das nicht alle mit, denn der Bühnensound war vielen zu leise. Ursache waren Behördenauflagen und Beschwerden von Nachbarn, die für eine Begrenzung der Lautstärke sorgten. Daraus resultiert auch, dass Freitag und Samstag schon um 23 Uhr Schluss ist und am Sonntag alle Konzerte in der Turbinenhalle stattfinden. Keine guten Bedingungen für ein weiteres Devilside Festival in Oberhausen im Jahr 2013. Aber zurück zu Arch Enemy. Angela ist also ziemlich angepisst über den leisen Gig aber zieht das Programm dennoch professionell durch. Es fehlen weder „Under Black Flags We March“ inklusive Flagge noch „Nemesis“. Für 45 Minuten Spielzeit – was will man mehr?

Auf dem Banner der nächsten Band ist zu lesen: „RapMetal since 1993“ …wer denkt da nicht gleich an Clawfinger? Ok die Jungs haben seit 2007 nicht mehr viel auf den Markt geworfen aber sie sind noch aktiv! Sänger Zak Tell ist gut drauf und erklimmt gleich den linken Bühnenpfeiler. Unterstützt durch den mit Megamatte moshenden Basser André Skaug haben die Songs wie „Nigger“ oder „Do what I say“ nix an Power verloren und das zeigt auch der Blick in die Menge.

Auch wenn es mit klassischem Metal weitergeht kann sich der folgenden Band wohl niemand entziehen. Doro – ein Urgestein der Szene und wohl jedem bekannt. Die sympathische Frontfrau weiß wie’s geht und liefert eine tolle Show ab. „We rule the ruins“, „All we are“ – kein Klassiker fehlt. Doro kennt Ihre Fans und daher kann Frau dann auch mal ne Ballade (Für immer) bringen.

In Flames Live @ Devil Side Festival 2012
In Flames Live @ Devil Side Festival 2012

Danko Jones haben anscheinend auch ein paar eigene Fans mitgebracht, denn die Stimmung ist gut. Für den Autor ist das zwar wieder eine Band, die nicht so recht ins Line-up passt aber das sieht anscheinend nicht jeder so. Da freut man sich umso mehr auf die Freitag-Headliner In Flames. Das wird wieder einmal eine tolle Show. Das kann man schon vorher erahnen, weil sich die Pyro-Technik und die großen LED-Scheinwerferwände eben nicht verstecken lassen. Die letzte Band spielt von 21:25 Uhr bis 22:55 Uhr was für ein Festival schon etwas „strange“ ist – noch mal Danke an die Behörde dafür! Wenigstens ist es schon etwas dunkel und die Lightshow wirkt. Die Band kann man zwar nur als Silhouette wahrnehmen, aber das kennt man ja von In Flames. „Cloud Connected“, „Trigger“, „Take This Life“ –  alles Songs die geil rüberkommen und einmal mehr zeigen wer den Göteborg Melodic Death Metal perfektioniert hat.

Im Anschluss gib’s ne Aftershow Party in der Turbinenhalle bis 2:00 Uhr. Besser als nichts aber so ein richtiges Festival-Feeling kommt da nicht auf.

Samstag startet es früh um 10:30 Uhr und man hat das Gefühl, dass das Gelände bereits gut gefüllt ist. Wochenende und Tagestickets sind wohl dafür verantwortlich. Die ersten Bands Devils Most Wanted, Tony Gorilla, The Resistance (Empfehlung von In Flames – Hardcore a lá Hatebreed), Mr. Irish Bastard, Adolescents und Alestorm sind schon durch bevor der Bierschädel vom Vortag ganz verschwunden ist. Naja dann gib’s halt als erste Band die bedeutendsten Vertreter des Doom-Metals Saint Vitus aus den USA. Kennt man nicht? Mhh kann sein die Jungs sind ja auch eher 1980  bis 1990 aktiv gewesen. Und genau das sieht man den alten Herren auch an. Aber im Bezug auf die Spielfreude machen Sie noch so einigen aktuellen Bands etwas vor. So schnell kann es gehen auf dem Devilside Festival: eben jubelt noch die ältere Generation Metaller der Devilstage zu, nun sind die jungen Metaller dran. Die Münsteraner von Neaera betreten die Hellstage. Die Jungs um Frontmann Benny Hilleke zeigen dann auch gleich was so im modernen Metalcore angesagt ist: Wall of Death, Circle Pit und Crowd Surfen. Und bei letzterem mischt Benny natürlich gleich persönlich mit. Im Anschluss übernehmen die freundlichen Niederländer von Legion Of The Damned das Ruder und dann ist Headbangen zu geilem Thrash Metal angesegt.

Skindred Live @ Devil Side Festival 2012
Skindred Live @ Devil Side Festival 2012

Danach ertönt laut der „Imperial March“ von Star Wars und Skindred machen sich bereit das Publikum richtig anzuheizen. Sänger Benji Webbe und Gitarrist Mikey Demus verbreiten von der ersten Minute an gute Laune. Benji versteht es einfach die Energie der Musik zu transportieren und die Fans zum „Bouncen“ anzustiften.  So macht Live-Music Spaß – aber auch hungrig. Da müssen wohl die nächsten beiden Bands The Carburetors und Set your Goals als Beschallung zum Abendessen herhalten – sorry Jungs! Nach einem vorzüglichen Döner & Pommes ist man gestärkt für den Rest vom Samstag. Kaum wieder vor der Bühne starten Overkill voll durch. Bobby „Blitz“ Ellsworth shoutet mit seinem typischen Klang und ist anscheinend richtig gut drauf. Die Band hat auch gute Gründe dafür, haben Sie doch das neue Album „The Electric Age“ im Gepäck.

Amorphis Live @ Devil Side Festival 2012
Amorphis Live @ Devil Side Festival 2012

Kommen wir zu Amorphis. Das Backdrop ziert nicht das Cover vom aktuellen Album sondern von der DVD Forging The Land Of Thousand Lakes. Der Schwerpunkt des Gigs liegt also anscheinend nicht auf der aktuellen Scheibe. Daher wird auch ein bunter Mix von der ersten CD The Karelian Isthmus bis zur letzten CD The Beginning of Times gespielt. Tomi Joutsen führt wie immer wortkarg aber trotzdem sympathisch durchs Programm. Jetzt wird’s sportlich: Suicidal Tendencies auf der Devilstage. Ich weiß nicht wie oft Sänger Mike Muir eine Runde auf der Bühne gelaufen ist…nach 20x habe ich aufgehört zu zählen. Insgesamt wirkt es sehr hektisch, denn auch Basser Steve Brunner kann nicht auf einem Punkt stehen bleiben. Aber wen wundert’s? die Mukke geht ja auch in die Beine und animiert zum Headbangen.

Sabaton Live @ Devil Side Festival 2012
Sabaton Live @ Devil Side Festival 2012

Spaßig geht’s gleich weiter mit den Jungs von Sabaton. Die Schweden sind ebenfalls sehr gut drauf und haben sich ordentlich Pyro zur Unterstützung mitgebracht. Vielleicht liegt’s auch am Alkohol. Sänger Joakim Brodén trinkt ein Bier auf Ex und löst damit Gesangschöre der Fans mit „Einer geht noch, einer geht noch rein“ aus. Tja und dann muss der gute Mann noch zweimal ein Bier exen bevor der Fokus wieder auf der Musik liegt. In der knappen Stunde Spielzeit werden alle Hits gespielt und ordentlich durch Flammen inszeniert. Zeit für ein bisschen Crowd-surfen hat Joakim auch noch. Zum Abschluss gibt’s einen Dank an die Fans dafür, dass die neuen Bandmitglieder so positiv akzeptiert werden und dann den Song Metal Machine – und diesmal, auf Wunsch der Fans, nicht als Medley sondern komplett.

Nicht nur der Samstag ist fast rum, sondern auch der Open Air Teil vom Devilside denn am Sonntag geht’s in der Turbinenhalle weiter. Aber ich schrieb’ ja „fast“ denn DIE Metalhardcore Legende fehlt noch – Hatebreed spielen ihren letzten Gig in Europa, bevor es am Sonntag wieder zurück in die USA geht. Der charakteristische Gesang des super sympathischen Sängers Jamey Jasta motiviert die Fans schnell zu Mosh Pits. Hatebreed feuern ohne große Pausen Songs wie „I Will Be Heard“, „Destroy Everything“, „Never Let It Die“, „This Is Now“, „Live for This“, „Everyone Bleed Now“ usw. raus und man fragt sich – haben die eigentlich nur Kracher komponiert? Ein geiler Abschluss für das Devilside Festival in Oberhausen. Abschluss? Ja, denn der Sonntag mit Konzerten in einer Halle gehört für den Autor nicht zu einem Open Air Festival und daher geht’s in der Nacht schon ab nach Hause. Schön war’s aber! Geile Bands, tolles Wetter, nette Fans &  Security Personal da können auch Behördenauflagen und Lautstärkebegrenzungen den Eindruck nicht trüben.

Mehr Infos unter:
http://www.devilside.de/

Ein Dank an Toni Gunner von Mondkringel-Photography.de für die Bereitstellung der Fotos. Auf der Seite von Toni Gunner findet ihr auch weitere Fotos vom Festival.

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