Das dritte Shout It Out Loud Festival – Nachbericht 2012

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Shout It Out Loud III
13.10.2012 Stadtsaal Lichtburg Wetter

Zum zweiten Mal ging in diesem Jahr das Shout it out Loud Festival über die Bühne und erneut haben die Veranstalter Package zusammengestellt, das Freunde des Sleaze und Glam mit der Zunge schnalzen lässt…
Wenn man die Facebookseite des Festivals beobachtet, stellt man fest, dass einige der geäußerten Wünsche kurze Zeit später bestätigt wurden. In diesem Bereich muss man den Jungs hohes Lob zollen. Für alle diejenigen, die es nicht schnallen wollen, absolute Top Acts sind für die Shout It Out Loud Leute nicht finanzierbar.

Mit dem Kauf des Early Bird Tickets freute ich mich schon, auf die RWE Halle in Mülheim. Als Parallele zum Keep It True muss man auch hier sagen. Sie ist nicht schön, aber sie gehört jetzt schon zum SIOL.

Knapp einen Monat vor dem Festival, kam dann die Mitteilung, dass man das Festival örtlich verlegen musste. Neuer Austragungsort: Wetter (Ruhr)!
Ob es nun wirklich daran lag, dass anstelle der kalkulierten 1200 Karten, wesentlich weniger im Vorverkauf abgesetzt wurden oder ob es noch andere Gründe gab, sei einfach dahingestellt.

Also auf nach Wetter! Und oh Schreck, was ist das?Der Stadtsaal Lichtburg entpuppt sich als eine Art Jugendzentrum oder eine Halle, in der der örtliche Schützenverein seine jährliche Sitzung abhält, in der 4mal im Jahr die ortsansässige Tanzschule zum Tanztee ruft! Nicht mehr!

Also nach Glam Rock in der Turnhalle diesmal Sleaze Metal im Jugendzentrum.

Mal schauen wie die Organisatoren den Ortswechsel und die damit erheblich kleinere Fläche hinbekommen haben.

Der Einlass ging recht zügig, wenn auch nicht ohne Probleme, da man den Kartenverkaufstisch hinter der Eingangstür platziert hat. Ein kleiner Fehler, der passieren kann und durch den die Herren und Damen am Kartentisch unnötig Stress hatten. Schwamm drüber!

Weniger Schwamm drüber, dann bei dem Hinweisschild, dass „Bei Verlassen der Halle die Eintrittskarte ihre Gültigkeit verliert! Auf gut deutsch 10 Stunden (in Worten ZEHN STUNDEN) wurden bis zu 600 Besucher in der Örtlichkeit festgehalten. Keine Möglichkeit die am Merchendise Stand oder auf dem Metalmarkt erstandenen Schätze ins eigene Gefährt zu legen. Keine Möglichkeit vor der Halle durchzuatmen, auf einer der Bänke ein wenig zu entspannen und etwas mehr als 30 cm Abstand zum Nebenmann zu bekommen.
Die Raucherzone wurde ins Foyer gelegt … Foyer? Der recht schmale Gang um die eigentliche Konzertstätte. In diesem Bereich wurden auch noch der VIP-Bereich und der Getränkeausschank untergebracht. Ich muss nicht erwähnen, dass der Sauerstoffgehalt im Inneren spätestens ab 18:00 gegen null tendierte!

Zum VIP Bereich nur soviel! Er hat den Namen VIP nicht verdient.

Bei all der Kritik sollte man nicht vergessen, dass hier Fans und Idealisten am Start sind, denen man Fehler zugestehen sollte! Aber mal ehrlich Leute, in dem einen oder anderen Bereich seid ihr beratungsresistent. Nach dem man nun schon zwei Mal Erfahrungen gemacht hat, sollten einige Dinge verbessert werden und nicht mehr vorkommen! Das unglückliche Pfandsystem ist abgeschafft. Das Splitten des Preises auf zwei Karten wurde auch genehmigt. Hierdurch ging alles schon mal etwas zügiger und unnötige Wartezeiten entfielen.
Wie gehabt war das Essen fürchterlich. Die Currywurst schmeckte wie Fertigfutter auf der Plastikschale, das Schnitzel war grad noch bei Aldi im Kühlregal, das Brötchen war pappig, als hätte es schon 3 Tage irgendwo rumgelegen! Und am Kaffee ist die Bohne vorbeigeflogen!

Wie bei den SIOL I und II bewiesen viele Musiker Fannähe und tummelten während des Festivals in der Halle oder am Merchendisestand.

Hut ab, die meisten Musiker scheinen den Wandel vom Superstar zum Undergroundhelden geschafft zu haben.

Während wir also in der Halle eintrafen, spielten die „Gewinner“ der Verlosung: Hollywood Trash. Ich muss leider zugeben, dass wir von der Band nicht viel mitbekommen haben. Da es an der Kasse (Gästeliste) zu kleinen Verzögerungen kam. Was ich hörte, war jedoch ganz okay.

Anschließend enterten Bai Bang die Bühne! Die Schweden, die ihre erste Scheibe schon 1988 veröffentlichten, hatten ihre 2011er Scheibe „Livin ´my Dream“ im Gepäck. Der Gig war ordentlich, wobei ich mir jedoch gewünscht hätte, dass eine Band mit dieser Erfahrung etwas mehr Präsenz auf der Bühne zeigt. Bai Bang mussten, wie viele Opener mit dem Phänomen leben müssen, dass die meisten Zuschauer erst langsam eintrudeln etwas trinken und essen wollen und sich so dem Opening Act nicht zuwenden können. Trotzdem sollte man mit über 20 Jahren Bühnenerfahrung, das Publikum etwas besser ansprechen.

„Haha, da sind ein paar Black Metaler, die mit ihrem Bus zum Konzert fahren!“, tönte mein Kumpel noch auf der Fahrt zum Stadtsaal, „Die haben sich sogar schon angemalt!“ Das Gelächter im Auto war groß. Umso erstaunter waren wir, dass die Black Metaler nun in Wetter auf der Bühne standen. Fatal Smile war die Band, bei der irgendwie so nichts zusammenpassen wollte und die mich grade deshalb so faszinierte. 4 Scheiben haben die Schweden um Mr. Y (Yksel Unutmaz) im Gepäck. Die Songs sind allesamt stark, gut durchdacht und haben die nötige Power! Schade, dass sie den meisten Zuschauern kein Begriff waren, sodass sich die Stimmung eher in Grenzen hielt. „Achtungserfolg!“ – und Höflichkeitsapplaus.

Vielleicht sollten sich Fatal Smile ein Beispiel an Crazy Lixx nehmen. Die waren beim ersten SIOL ebenfalls so gestartet. Diesmal räumten sie richtig ab. Ein überzeugender Auftritt, der die Halle schnell zum Kochen brachte. Wenn man die Jungs auf der Bühne und die in der Halle verglich, musste man feststellen, dass es auf der Bühne mit wesentlich weniger Haarspray und Make-up auch geht. Die Band um Frontmann Danny Rexon brachte die Energie der Songs 1:1 auf die Bretter und die Fans dankten ihnen. Das Publikum ging mit und feierte die Schweden ab.

Ein hervorragender Gig mit Songs von allen Alben! Crazy Lixx gehörten damit schon zu dieser frühen Stunde zu den absoluten Gewinnern des Festivals und dürften mit ähnlichen Auftritten bald auch die normale Metalgemeinde erreichen.

Es folgten Tigertailz! Die ehemals bunteste Glam Band zeigte sich im fortgeschrittenen Alter etwas weniger geschminkt; – ganz ohne geht es jedoch nicht. Auch die ganz große Action vergangener Tage kann die Band heute nicht mehr auf die Bühne zaubern. Vom Quartett zum Quintett aufgestiegen und im neuen Line up präsentierte man sich dem deutschen Publikum.
Jay Pepper und Ace Finchum sind die einzig verbliebenen Mitglieder des Original Line –up. Am Bass ist der Nachfolger von Sarah Firebringer (diese hatte Pepsi Tate am Bass beerbt) mit Jason Sims gefunden. Jules Millis (voc.) und Rob Wilde (guit.) komplettieren das neue Line up.

Die Tailz kamen mit einem guten „Best off“ Programm, das die Fans der Truppe durch lautstarkes Einsteigen in die Refrains dankbar aufnahmen. „Sick Sex“, „Love Bomb Baby“, „I can fight dirty to“, die Liste an Hits ist schier unendlich und so mussten die glücklichen Fans auf den einen oder anderen Hit verzichten. Auch wenn die Waliser keine 20 mehr sind, ein Pepsi Tate auf der Bühne nicht zu ersetzen ist und Millis die Songs manchmal etwas abwandeln muss. Tigertailz live machen einfach Spaß! Welcome To The Rock ´n´Roll Party! (Ich hoffe, die Jungs noch mal zu einem kompletten Gig in Deutschland begrüßen zu dürfen).

Da Fate mit einer Autopanne liegen geblieben sind, wurden die Plätze der Running Order mal kurz getauscht! Heute, im Jahr 2012, ist das kein Problem! Man stelle sich aber vor, das Ende der 80er Anfang der 90er White Lion im Billing einen Platz nach vorne rücken sollen, weil die Band davor irgendwo festhängt. Unvorstellbar!

Mike Tramp kam also mit mit einem Akustik Gig. Eine tolle Auswahl aus White Lion, Freak of Nature Songs. Ich muss feststellen, dass ich Tramp schon lange nicht mehr so gut bei Stimme erlebt habe. Die Songauswahl reichte von „Little Fighter“ über „Rescue Me“ bis hin zu „When The Children Cry“. Überraschenderweise kam sogar teilweise Stimmung auf. Das will schon etwas heißen, da ich Mike Tramp mit White Lion sehr häufig als Band erlebt habe, die ihre hervorragenden Songs Live nicht so rüberbrachten und die Stimmung in der Halle immer etwas auf der Strecke blieb.

Den schwersten Stand an diesem Tag dürften Fate aus Dänemark gehabt haben. Erst hängen sie auf der Autobahn fest und dann kommen sie in eine Halle, in der viele Besucher grade eingetroffen sind, weil sie Mike Tramp sehen wollten.

Für die Besucher ist es auf der einen Seite ärgerlich, auf der anderen Seite verstehe ich nie, warum man sich eine Festivalkarte besorgt um dann die Hälfte der Bands verpasst. Ich denke, dass auch die Vorbands den Respekt verdient haben, dass man ihnen zumindest eine Chance gibt. Mir geht es da so wie beim Fußball! Ich freue mich immer, wenn Leute schon früher in die Pause oder zum Parkplatz gehen ein Tor verpassen.

Ein Risiko besteht bei beiden! Früher gehen oder halt beim Versuch pünktlich zu kommen. Zurück zu Fate. Wie gesagt sie hatten schon einen schweren Stand und auch der keyboardlastige Hard Rock passte nicht so wirklich ins Billing. Eigentlich mag ich die Musik von Fate, aber das Problem, dass ich mit den Scheiben zuletzt hatte, machte sich Live sehr schnell bemerkbar.

Die CDs und die Songs sind immer gut hörbar und unterhaltsam, aber es bleibt nicht wirklich etwas hängen. Folglich blieb die Stimmung etwas eisig und nur beim Hit aus längst vergangener Zeit „Lovers“ kam etwas Bewegung in die Halle. Man merkte dem Publikum an, dass weder die Generation, die die späten 80er, frühen 90er noch persönlich erlebt hatte, noch die jüngeren wirklich etwas mit Fate anfangen konnten. Wenn man das einmal berücksichtigt, so hätten Fate schon vor oder direkt nach Fatal Smile spielen müssen. Trotzdem ließen sich die Dänen nicht entmutigen, spielten ihren Set professionell und mit so viel Spaß wie möglich zu Ende!

Langsam aber sicher sollte es nun auf die Highlights des Tages zugehen. Bang Tango gaben richtig Gas, hatten jedoch komischerweise den schlechtesten Sound des Tages. So traf sie das gleiche Schicksal wie beim zweiten SIOL Dangerous Toys. Die Fans der Band genossen den Auftritt, spürten die Energie und hatten Mordsspaß. Der Rest verließ die Halle und drückte sich im überfüllten Foyer rum um irgendwo ein paar Minuten zu sitzen.

Es machte sich bemerkbar, dass Bang Tango eben nicht die ganz großen Erfolge eingefahren haben. In Zeiten als andere Bands Platin Status und No.1 Hits hatten mussten sich die Kalifornier mit Plätzen jenseits der 50 (Psycho Café) und jenseits der Top 100 (Dancing on Coals) begnügen.

Hier ist einer der Gründe zu finden, warum trotz toller Bühnenpräsenz und gutem Songmaterial keine rechte Stimmung aufkommen wollte. (Die zuvor angemerkte einsetzende Müdigkeit tat ihr Übriges dazu).

Als Co Headliner traten dann Crash Diet auf. Ich war wirklich gespannt, wie sich die Jungs diesmal darstellten. Als ich sie das erste Mal, auf dem Rock Hard Festival, sah, waren sie nicht wirklich schlecht, aber völlig fehl am Platz. Dadurch wirkten sie etwas gehemmt.

Diesmal war von Hemmungen nichts zu spüren. Simon Cruz (mit blauem Iro) fegte wie der berühmte Irrwisch über die Bühne und auch de Rest der Truppe war immer ordentlich in Bewegung.

Das Songmaterial ist bekanntermaßen gut und die Auswahl die dargebotene Setlist hätte eigentlich jeden zufriedenstellen müssen. Doch irgendwie funktionierte es nicht wirklich! In den ersten Reihen hatten ein paar Fans ordentlich Spaß, aber alles, was Ü30 war, stand eher teilnahmslos da.

Hin und wieder gelang es der Truppe dann aber doch für ein wenig Partystimmung zu sorgen. Alles in allem muss ich jedoch sagen, dass mich der Auftritt nicht wirklich vom Hocker gehauen hat. Meiner Meinung nach schaffen es die Schweden nicht ihre Songs von der CD auf die Bühne zu bekommen. Da fand ich den Auftritt von Crazy Lixx wesentlich gelungener. (Crash Diet muss ich unbedingt mal auf einer eigenen Tour sehen)

Inwieweit die Stimmung durch den „Feueralarm“ gegen Mitte des Gigs leiden musste, kann ich nicht sagen. Die meisten Besucher waren jedoch froh erstmal ein paar Liter Sauerstoff in die Lungen pumpen zu dürfen und so folgten viele Fans auch erst der dritten Aufforderung, dass man die Halle wieder betreten dürfe.

Nun hieß es noch mal alle Kräfte mobilisieren. Die Füße brannten mittlerweile wie Feuer, die Oberschenkel wollten alles, nur nicht stehen. Aber nach Ewigkeiten kam Mr. Stephan Pearcy mal wieder nach Deutschland! Zwar ließ einer der ganz großen Sänger des Glam Rocks seine „Ratten“ zu Hause, angeblich waren die grade im Studio die neue Scheibe einspielen, aber er war da und legte mit „You´re in Love“ gleich mächtig los. Mit den Ersten tackten war die Halle da und sang kräftig mit.

Okay Mr. Pearcy presste ein wenig arg beim Singen, sodass man sich erst etwas daran gewöhnen musste, dass die Ratt Hits nicht immer ganz so flüssig klangen wie zu Glanzzeiten aber das konnte man gut verschmerzen. „Wanted Man“, „Lack of Communikation“ und „Round and Round“ wurden von den Fans gnadenlos abgefeiert. Was soll es, wenn nicht alles perfekt ist, wenn man, von seinen Gefühlen überwältigt, grade eine Reise in die eigene Vergangenheit unternimmt.

Fazit:
Die Auftritte der Bands waren immer im grünen Bereich. Auch wenn nicht alles Gold war, mangelnden Einsatz kann man keiner Band vorwerfen. Alle Musiker haben alles gegeben, hatten sichtlich Spaß, der oft ansteckend war. Des Weiteren, und auch das ist in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass sich die Bands wohlfühlen, waren viele Musiker immer wieder in Gesprächen mit den Fans vertieft. Die Jungs von Tigertailz haben sogar eine positive Rückmeldung via Facebook an die Jungs vom Shout it Loud und an die anwesenden Fans geschrieben.

Auf der anderen Seite muss es den Veranstaltern nun endlich gelingen die Organisation besser in den Griff zu bekommen. Die Rückmeldungen, dass man in „Diese Halle“ nie wieder gehen möchte, traten mehr als einmal zutage. Ich bewundere den Idealismus und die Freude, die die Jungs von SIOL sichtlich haben und man muss auch das freundliche Personal lobend erwähnen. Das ist bei Leuten, die teilweise sichtlich den Kaffee aufhatten, weil sie permanent durch die Gegend geschoben wurden oder lange für ihr Getränk anstanden nicht normal.

Jungs, ihr macht im punkto Bandauswahl fast alles richtig. Ihr schafft es, Bands und Musiker nach Deutschland zu holen, die viele Fans mal wieder sehen wollen (und da gibt es im Sleaze und Glam Bereich noch verdammt viele). Schaut euch nach einer Halle um in der man den ganzen Tag verbringen kann, ohne ab 20:00 nur noch von einem Bein auf das andere zu hüpfen. Schaut, dass es einen kleinen Außenbereich gibt, und seht zu, dass die Sache mit dem Essen glattgeht. Entweder vermietet ihr Plätze an Pizzabuden, Grillstände, Dönerwagen und Veganerzelte oder hört euch um, welche Cateringfirma einigermaßen Qualität zu humanen Preisen anbietet.

Ich hoffe auf eine 4. Auflage, in der dann alles glattgeht!

© Fotos: Peter Schickert / Reisefotografie

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