BLACK STONE CHERRY Hamburg, Grünspan, 03.07.2012

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!

Support: Change your Dealer

Black Stone Cherry kommen aus Kentucky und spielen Südstaaten Rock mit Hardrock-Einflüssen, der vielleicht (noch) nicht im – aber doch nahe am Mainstream fließt.

Eigentlich sollte die Band schon im März spielen, musste aber aufgrund einer Erkrankung des Sängers absagen. Glücklicherweise wird das Konzert an diesem sonnigen Dienstag im Juli nachgeholt und so stehen die Fans an einem warmen Abend auf dem Hamburger Kiez – ordentlich aufgereiht – in einer Schlange vor dem „Grünspan“.

Zunächst gilt es jedoch eine Vorband hinter sich zu bringen: Change Your Dealer nennen sich die vier Hamburger und sie spielen ein wenig aufregendes Alternative-Rock-Metal-Gemisch, das keinen besonderen Wiedererkennungswert hat. In den besten Minuten erinnert es mich an alte Life of Agony, aber die meiste Zeit sind es einfach ein paar Songs einer weiteren Rockband. Und auch das Erscheinungsbild kann man als indifferent beschreiben: der Sänger erinnert mit seiner Mütze und der schwarzen Lederkleidung irgendwie an Klaus Meine, während die Saiten-Fraktion sich mit Ghandi-Fun-Shirt bzw. Holzfällerhemd-Studenten-Look präsentiert. Nachdem die Band ihren Höflichkeitsapplaus bekommen hat, gibt es eine längere Pause, in der die Stimmung etwas angespannt wird, es ist nämlich mittlerweile nicht nur richtig voll, sondern auch ganz schön warm. Auf der Empore ist es kaum auszuhalten, also bahne ich mir gleich wieder meinen Weg nach unten und schaue mir dabei das Publikum und den Merchandise-Stand an; bei letzterem wird der kommerzielle Status deutlich, den die Band spätestens seit ihrem letzten Album „Between the Devil and the Deep Blue Sea“ erreicht hat.

Die T-Shirts der Hauptband kosten unverschämte 25 € und es liegt jede Menge signiertes Equipment, wie gebrauchte Drum-Felle und-Sticks zum Verkauf aus. Die Menschenmenge, durch die ich mich schiebe, ist mittlerweile noch dichter geworden und außerdem sehr gemischt: Black Stone Cherry sind längst nicht mehr bloß in der Metalszene bekannt. Langhaarige sind heute in der Minderheit, Kuttenträger gibt’s gar nicht und die Altersspanne der Zuschauer ist sehr hoch: man sieht zahlreiche Minderjährige, die ihre Erziehungsberechtigten mitgeschleppt haben (oder auch umgekehrt). Eins haben aber alle gemeinsam, sie sind wegen der Hauptband hier und die wird dann auch gleich beim Einsatz des ersten Songs abgefeiert. Die Mischung aus Rock, Country und einem wenig Blues geht zwar in den ersten Minuten noch in einem etwas lärmigen, undifferenzierten Sound unter, aber die Fans scheint dies nicht zu stören und es klingt auch von Song zu Song besser. Die Songs der Setlist decken alle drei Alben der Band recht ausgewogen ab, zwischen drin gibt es noch ein paar Coverversionen (Tiefpunkt: Amy Winehouse’s „Rehab“) und ein Drum-Solo, das so überflüssig wie unspektakulär war, aber trotzdem der Stimmung keinen Abbruch tut. Die Leute haben einfach Spaß.

Bei Balladen wie „Things my Father said“, oder „In my Blood“ wird mitgesungen und bei den heftigeren Titeln wie der Single-Auskopplung „White Trash Millionaire“ geht’s etwas mehr zur Sache in der vorderen Hälfte des Saals, wobei ich von dem Begriff „moshpit“ doch Abstand nehmen würde. Wie hat es die Band Exodus doch so schön gesagt: „Good Friendly -NON-Violent Fun!“ …oder so ähnlich. Und nicht nur vor der Bühne hat man Spaß, auch darauf läuft alles so, wie es bei einer Band dieser Größenordnung laufen sollte: Gitarrist Ben Wells und Bassist Jon Lawhon heizen das Publikum ordentlich an und sorgen für viel Bewegung an den Flanken des Sängers und auch Drummer John Fred Young wirkt hinter seinem Drumkit nicht isoliert. Chris Robertson ist da schon eine ambivalentere Erscheinung, es kratzt ja überhaupt nicht an seiner Ausstrahlung, dass er immer dicker wird und seine Haare immer kürzer – nur weiß er das offensichtlich nicht und scheint sich immer ein bisschen verstecken zu wollen: es ist schon auffällig, wenn der Scheinwerfer, der den Sänger beleuchtet meist der ist, der von hinten scheint, und sein Gesicht ist unter dem Schirm seiner Mütze auch nur zum Teil erkenntlich.

Aber das tut natürlich der Gesamtstimmung keinen Abbruch und so strömt nach einem kurzen Zugabenblock eine glückliche und verschwitzte Menschenmenge auf die „Große Freiheit“ vor den Türen des „Grünspan“.

 

Setlist:

  1. Maybe Someday
  2. Yeah Man
  3. Blind Man
  4. Change
  5. Soulcreek
  6. In My Blood
  7. Rain Wizard
  8. Highway to Hell (AC/DC cover)
  9. Like I Roll
  10. Things My Father Said
  11. White Trash Millionaire
  12. Drum Solo
  13. Peace Is Free
  14. Hoochie Coochie Man (Muddy Waters cover)
  15. Rehab (Amy Winehouse cover)
  16. Blame It On The Boom Boom
  17. Lonely Train
  18. 30 Seconds of Death Metal

 Encore:

  1. Stay
  2. Folsom Prison Blues

 

Infos zu den Bands:

http://www.blackstonecherry.com/

http://www.lifeofagony.com/

https://www.facebook.com/pages/CYD-Change-Your-Dealer/135264796484334

 

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!