Billy Bragg, 17.05.2012 im Heimathafen Neukölln

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!

Es ist Feiertag in Berlin und trotz Brückentag, Vatertag und Sonnenschein ist der Heimathafen Neukölln ausverkauft.

Billy Bragg ist „back in the land of Kaffee und Kuchen“ wie seinen Facebook und Twitter Accounts zu entnehmen ist. Seit vier Jahren steht der Engländer das erste Mal wieder in Berlin auf der Bühne.

Wer Billy Bragg kennt, weiß um sein politisches Engagement und so beginnt er den Abend mit „The World Turned Upside Down“, einem Protestlied der Arbeiterbewegung.

Mehr als 30 Jahre sind vergangen seit Bragg, inspiriert durch The Clash, seine erste Band gründete. Älter ist er geworden, auch reifer, die Wut über soziale Ungerechtigkeit, Korruption und Unterdrückung ist jedoch immer noch da und findet nun in dem Skandal um das englische Boulevard Blatt „The Sun“ und den Murdoch Clan oder die Bankenkrise neue Nahrung.

Bragg ist immer noch politisch, jedoch nicht verbittert und so kommt das wichtigste politische Statement gleich zu Beginn des Abends als er feststellt, dass der größte Feind der Freiheit der eigene Zynismus ist.

Sich täglich selbst zu sagen, dass man alleine nichts bewegen kann, spiele lediglich der Ungerechtigkeit in die Hände und so ruft Bragg dazu auf nie die Einstellung zu verlieren, dass das Glas immer noch halb voll sei.

Bragg spielt sich ohne Band und nur mit seiner E-Gitarre durch alte Klassiker und neue Hits. Natürlich fehlen auch die seines Idols Woodie-Guthrie nicht, allen voran „All You Facists Bound To Lose“.

Eine fast andächtige Stille legt sich über das Publikum als Billy Bragg mit den Zeilen „It’s a bad timing and me“ die erste Ballade des Abends anstimmt und die anhält, bis auch der letzte Ton von „Must I Paint You A Picture“ verstummt ist.

Aber es sind nicht nur die Protestsongs und die unglücklichen Liebesgeschichten die das Publikum hören will, sondern die Geschichten, die Billy Bragg zu erzählen hat.

Und so taucht Bragg nach fast jedem Lied ein in ein neues Thema. Erzählt von der Enttäuschung über den Feiertag, dass die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz geschlossen sei. Er würde dort doch so gern Unterhosen kaufen. Denn die, verrät er, sind an entscheidender Stelle anders gewebt und bieten so einen gewissen „Up-Lift“.

Überhaupt sei dieser Vatertag Feiertag merkwürdig. In England wäre der Tag, an dem Männer auf die Straße gehen und sich betrinken einfach ein Samstag.

Um anschließend wieder die Gitarre zu ergreifen und mit „Last Flight To Abu Dhabi“ einen Song anzustimmen, der sich mit der Bankenkrise auseinandersetzt.

Billy Bragg fesselt das Publikum an diesem Abend. Hits werden mitgesungen, während seiner Geschichten herrscht aufmerksame Stille, kein Wort will man sich von diesem charismatischen Sänger entgehen lassen.

Als Billy Bragg den Abend mit seinem größten Hit „New England“ beendet, singt das ganze Publikum mit. Und vielleicht liegt in der Aussage des Refrains mit „I don’t want to change the world, I’m not looking for a new England, I’m just looking for another girl.“ auch immer noch ein bisschen Wahrheit.

Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn!