BANG YOUR HEAD!!! 2012 Nachbericht

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Das BANG YOUR HEAD!!! lud wieder mal nach Balingen ein und tausende Besucher folgten, trotz einiges an Gemoser der 2012 gebuchten Bands.

Und sie sollten es nicht bereuen. Trotz einiger unschöner Zwischenfälle die Verletzungen nach sich zogen, kann man aber von einem richtigen Erfolg sprechen und wenn man sich die jetzt schon bestätigten Bands für 2013 anschaut, sieht man, dass hier durchaus auch Kritik angenommen und positiv verarbeitet wird.
Aber auch 2012 spielten Klasse Bands auf. Nur eben keine sehr außergewöhnlichen Bands oder für deutsche Festivalverhältnisse überragend große Headliner Bands. Doch die meisten schafften es dennoch, das Publikum bei Laune zu halten und gute Shows dar zu bieten.

Das Wetter hielt sich auch einigermaßen, zumindest setzte der Regen fast immer nur Nachts ein. Wohle dem, der ein dichtes Zelt besaß. Das Gelände an sich ist schon seit Jahren eigentlich gleich aufgebaut und einfach optimal genutzt. Es gibt genügend Essens und Getränkestände, einen Metalmarkt im Zelt, eine Händlermeile, die Halle mit gemütlichen Sitzplätzen und Catering tagsüber, feste Toiletten sowie einen Dixi Standort fürs schnellere Geschäft. Auch die Bon Ausgabe läuft sehr rund, lediglich zu den Anfangszeiten, etwa bei Öffnung der Halle, sollte man etwas Zeit mitbringen.
Die Preise fürs Essen waren auch angenehm bzw. auf normalem Niveau und die Qualität dessen auch gut bis ausreichend. Vor allem aber eine schöne Auswahl an verschiedenen Speisen wo für jeden was dabei sein dürfte. Lediglich die Preise für Getränke, bzw. das Bier waren überzogen. 3,60 Euro für ein 0,4er Bier lag mit zehn Cent sogar nochmals höher als die schon von mir angeprangerten Preise beim RockHard Festival. Dafür aber bekam man 0,5 Liter Wasser für einen Bon, also 1,80 Euro.
Die Security am Eingang machte einen guten Job, kontrollierte, aber eben nicht übertrieben oder unfreundlich.
Alles in allem kann man schon sagen, dass was ich an Organisation erlebte lief reibungslos und zu Beanstanden gab’s eigentlich nichts. Hier auf jeden Fall Daumen hoch für Balingen.

Donnerstag 12.07.2012

Die erste Band der Warm Up Show hieß MAJESTY und dürfte ja nicht unbekannt sein. Nach kurzem Intermezzo unter anderem Namen nun also wieder zurück zu den Wurzeln und Tarek und seine Mannen zeigten uns, wie die deutschen MANOWAR klingen. Mit Liedern wie „Metal To The Metalheads“, „Bring Metal To The Stadium“ oder „Keep It True“ hat man zwar genauso klischeebeladene Texte am Start wie die großen Vorbilder aus den USA, dürften aber mittlerweile fast schon mehr Leute erreichen, wenn man sich so durch die Foren kämpft in denen in letzter Zeit über die „Kings Of Metal“ gesprochen wird. Solider Auftritt und wer ordentlich den „True“ Metal abfeiern wollte, hatte dazu die passende Gelegenheit.

Danach ging’s vom „True“ zum „Happy“ Metal über. Wobei ich beide Bezeichnungen einfach ganz schön Quatsch finde. GAMMA RAY oder HELLOWEEN spielen schließlich auch einfach „nur“ Heavy oder Power Metal. FREEDOM CALL verbeiten halt gute Laune, allen voran Obersympath Chris Bay, und damit können ein paar Nörgler anscheinend nicht umgehen (siehe auch Abschnitt EDGUY). Mir und allen Anwesenden in der Halle (und das waren mittlerweile schon ordentlich viele) war‘s egal, denn wir hatten Spaß am Leben, Spaß am Festival, Spaß an der Musik und Spaß an FREEDOM CALL. „United Alliance“, „Hero On Video“ oder „Babylon“ wurden sehr geil rüber gebracht und von den Fans abgefeiert. Chris machte seine Späße mit dem Publikum und feuerte die Masse immer wieder an, die ihm auch brav aus der Hand fraß. Mir persönlich fehlten zwar noch ein paar Hits, unter anderem „Far Away“, aber bei mittlerweile sieben Alben muss man eben Abstriche machen und „Land Of Light“ oder „Warriors“ sind ja ebenso geile Lieder, voller Power und gute Laune Faktor. Einfach zum Mitsingen und Mitmachen gedacht diese Band.

Mit einem schönen Bayerischen Volkslied als Intro startete dann die nächste Band. OK, ich korrigiere mich, mit einem traditionellen Volkslied. BONFIRE, eine der Dienstältesten melodischen Hard Rock Bands enterten die Bühne und anscheinend war das Interesse groß, oder die Fans, die eben von weiter weg kamen, stürmten erst jetzt die Halle, denn diese war noch gefüllter als bei FREEDOM CALL. Und auch wenn Claus und seine Leute ebenso Spaß in den Backen hatten, gute Songs am Start, routiniert einen Gig hinlegten und auch Publikumsanimationen machten, war die Stimmung bei den Franken doch ein wenig höher. Dennoch kamen auch Songs wie „Sweet Obsession“ oder „Ready For Reaction“ gut beim Balinger Publikum an und das Drum Solo mit schönen Feuern auf den Kesseln lud einfachfach zum hinschauen ein. Es wurden fast ausschließlich nur Hits der ersten beiden Alben gespielt, was natürlich auch den einen oder anderen Hit der späteren Zeit vermissen ließ, wie z.B. „Sword & Stone“. Aber auch hier gilt, irgendwo muss man eben Abstriche machen. Zufrieden waren die Fans allemal, sehr zufrieden die Altrocker auf jeden Fall.

Und dann wurde es Zeit für den „Mountain King“ und seiner Band JON OLIVA’S PAIN, der das namensgebende Album laut Ankündigung in voller Länge spielen wollte. Ebenso hatte ich irgendwo was davon vernommen, dass auch Chris Cafferey mit an Bord sein sollte, aber von diesem Herr fehlte jede Spur. Und wenn man an dem Abend etwas kleiner war oder weiter hinten stand, bekam man auch leicht den Eindruck, Jon Oliva selbst würde ebenfalls durch Abwesenheit glänzen. Doch der Gute saß eben nur allzu oft hinter seinem sehr niedrigen Keyboard. Ab und zu stand der Mann auch mal während dem Set auf, das mit „Gutter Ballet“, „Edge Of Thorns“ und „Sirens“ direkt mal gut startete, doch man ahnt fürchterliches für die nächsten Jahre, wenn man sich ansieht welchen Körperumfang Mr. Oliva mittlerweile hat. Und ob da gesanglich noch was Gutes drin war sei jetzt auch mal in Frage gestellt, denn dieser war so mit Hall zugedröhnt, dass es kein klanglich gutes Erlebnis darstellt.
Generell muss man leider sagen, dass die Band da oben wenig Aussagekraft hatte. Der Maestro, dem ja am meisten Ehre gebühren würde, konnte ja nicht oft entdeckt werden und war eben Soundtechnisch nicht gut und die restliche Band wirkte zwar agil und als ob sie Spaß an der Sache hätten, ans Original mochte aber an diesem Abend wohl kaum jemand denken, zumal Matt, an den man sich in den letzten Jahren als richtig guten Gitarrist schon gewöhnt hatte, auch nicht mehr unter uns weilt.
Ein Blick auf die Uhr und jeder konnte sich ausmalen, hier kommt niemals mehr das komplette „Hall Of The Mountain King“ Album und so war es dann auch. „Power Of The Night“, „Tonight He Grins Again“ und ein JOP Lied namens „Walk Upon The Water“ wurden gezockt, ebenso wie „Ghost In The Ruins“. Da konnten 90 min. niemals ausreichen. Den Titelsong und zwei/drei andere Stücke gab es zwar, doch nach dem ebenfalls nicht zugehörigen “Believe” war dann Schluss mit dem Auftritt. Und dieser ließ einen dann auch dementsprechend zwiespältig zurück. Weder Performance, noch Gesangstechnisch, noch Setlist mäßig wurden hier Erwartungen erfüllt. Sorry, aber das ging schon weitaus besser.

Somit konnten wohl als die komplett Sieger wirklich FREEDOM CALL aus dem Abend hervorgehen, dicht gefolgt von BONFIRE. MAJESTY hatten eben noch mit zu wenig Publikum zu kämpfen bzw. anstehen an den Bonständen und JOP ging bestimmt nicht nur für mich eher als Enttäuschung aus.

Freitag, 13.07.2012

Am ersten offiziellen Festivaltag spielten die Holländer von VANDERBUYST dann einen souveränen Hardrock Gig als mittlerweile schon dritte Band um kurz vor elf. Das BYH!!! ist definitiv nichts für Langschläfer wenn man denn vor hat, alle Bands von Anfang an zu erleben. Das zu diesem Kreis aber nicht die meisten Besucher gehören zeigte sich aber schnell, denn gefüllt vor der Bühne sieht anders aus und trotz sehr druckvollem Sound, einer guten Bühnenperformance und angenehm bewölktem Himmel aber trockenem Wetter blieben die Reaktionen nur sehr dürftig.

Den ausgefallenen Auftritt vom letzten Jahr sollten die Sleazer von CRASHDIET also nachholen und taten dies auch. Zum Glück schaute ich rechtzeitig auf die Bühne, denn unter Gerede mit Bekannten konnte man von der Lautstärke her überhaupt keinen Unterschied zwischen der Pausenmusik und der eigentlichen Band ausmachen. Doch ein Blick on stage reichte um den mit einem extrem Iro ausgestatteten Sänger Simon zu erkennen, der wie immer Geschmackssicher als der neue Billy Idol durchgehen könnte. Die Band rockte sich durch Songs wie „Down With The Dust“ oder den letzten Track und gleichzeitig Titelsong des letzten Outputs „Generation Wild“ und auch wenn mir persönlich die HARDCORE SUPERSTARs in diesem Genre unangefochten die Lieblinge bleiben, muss man der Band doch gute Mitsing Songs und coole Bühnenpräsenz bezeugen. Den zahlreichen Anhängern gefiel‘s auf jeden Fall.

DIAMOND HEAD an sich kennt wohl wirklich jeder. Auch wenn vielleicht nicht jeder direkt etwas mit dem Namen anfangen kann, dank METALLICA, die direkt mehrere Songs der NWOBHM Legende coverten, dürften ziemlich viele Stücke der Band bekannt sein. Dadurch geschuldet ist natürlich auch, dass der Großteil der Anwesenden wohl eben nur diese Songs kennt und diese dann auch nur mit dem METALLICA Sound, was zur Folge hatte, dass der Eindruck aufkam man beobachte eine Coverband die auch eigene Stücke in Petto hat. Schade drum ,aber wenigstens bekommt die Band dennoch ein wenig Aufmerksamkeit und natürlich wurden Songs wie „Elected“ oder „Am I Evil“ ordentlich abgefeiert.

ARMORED SAINT, die mittlerweile selten anzutreffende, weil nur noch aus Spaß agierende Truppe um Ex-ANTHRAX Sänger John Bush starteten direkt mal mit einem coolen „March Of The Saint“, aber irgendwie war auch hier der Sound etwas zu leise für meinen Geschmack. Dennoch zog die Truppe ihr Programm gewohnt geradlinig durch und John hüpfte in weißem Shirt und auffällig roter Hose auf der Bühne herum, sang „After Me The Flood“ oder „Reign Of Fire“ gewohnt kräftig ins Mikro. Dennoch beschlich mich ein wenig der Eindruck, die Band habe auch schon mal mehr Gas gegeben.

Mittlerweile hatten sich die Wolken verzogen und die Sonne prallet ganz schön ordentlich auf die Besucher und auch auf die geschminkten Gesichter von POWERWOLF. Denen war dies aber reichlich egal und luden dementsprechend gleich mal mit einem „Sanctificed In Dynamite“ die Meute zum mitmachen ein. Auch wenn Festivalgänger die Ansagen von Frontwolf Attila mittlerweile genügend kennen dürften, wer ein bisschen Spaß in den Backen hatte und auf ordentlichen Power Metal steht, der dürfte auch an diesem Nachmittag seinen Spaß an der Messe der vier Wölfe gehabt haben. Gewohnt agil, mit wehenden Haaren und ohne Bassisten zockten sich die Bleichgesichter durch den Set, der natürlich auch die mittlerweile schon zu Evergreens gewordenen Songs wie „Prayer In The Dark“ oder „We Drink Your Blood“ enthielt. Auf dem Metalfest vielleicht etwas stärker und die Pointen saßen einen Tacken besser, was aber auch an der generellen, fast nicht mehr zu überbietenden Stimmung auf der Loreley gelegen haben mag, gingen die Deutsch-Rumänen doch als Gewinner von der Bühne.

Dieses Jahr hatten sich einige Traditionalisten auf ARCH ENEMY oder PAIN eingeschossen, ob diese denn auf das BYH gehören. Das kann man sehen, wie man will, ich denke ARCH ENEMY sind „traditionell“ genug, um beim BYH nicht aus der Reihe zu fallen. Auf jeden Fall gab es nicht Wenige, die sich bei ARCH ENEMY vor der Bühne einfanden. Allerdings hatten auch ARCH ENEMY das Problem, das der Sound nicht ganz optimal war. Die Gitarren gingen etwas im Sound unter. Bei den Soli waren sie zwar noch ganz gut zu hören, die Rhythmus Parts musste man schon gut kennen. Trotzdem war die Stimmung gut und Songs wie „Ravenous“ (etwas langsamer als im Original), „Bloodstained Cross“ und „Dead Eyes See No Future“ verfehlten ihre Wirkung nicht. Das ARCH ENEMY auch auf den neueren Alben noch in der Lage sind Klassiker zu schreiben, haben sie auf „Khaos Legions“ mit „Under Black Flags We March“ bewiesen. Ein Banger vor dem Herrn. Auch schon gut eingelebt hat sich der neue Gitarrist Nick Cordle, der sich live wesentlich agiler als sein Vorgänger Christopher Amott präsentierte. Hammerband!

Bei VENOM war Dauerregen angesagt. Es fing noch harmlos an, regnete sich aber richtig schön ein. Zugegebenermaßen war bei keinem BYH-Headliner so viel Platz vor der Bühne, aber es waren noch genug anwesend, um den Urvätern des Black Metal zu lauschen. Los ging es mit „Black Metal“ und mächtig viel Pyros. CRONOS sieht fast immer noch so aus, wie in den 80ern. Der Body immer noch gestählt, die roten Haare, wenn auch etwas dünner und mit höherer Stirn, schwarze Lederhose und rote Stiefel. Drummer Dante ist an seinem großen Drumkit auch ein Hingucker. Der Typ hat wirklich was auf dem Kasten und macht dabei noch eine riesen Show. Gitarrist Rage klingt live genauso matschig wie MANTAS, wobei das auch dem Sound auf dem BYH geschuldet sein kann. Der Sound war an diesem Wochenende selten optimal. Von dem neuen VENOM Material, also alles nach „Possessed“, kenne ich nun gar nichts. Davon gab es bis zur Hälfte auch einiges zu hören, das stinkt gegen die Klassiker, die fast jeder mitpfeifen kann, natürlich etwas ab. Bei „Countess Bathory“, ca. die Hälfte des Sets, gaben wir allerdings auf, da wir mittlerweile gut durchnässt waren. Als Fazit bleibt aber eine absolut coole, authentische und unterhaltsame Show, allerdings nicht unbedingt der passende Headliner für das BYH.

ORDEN OGAN zockten dann als letzte Band am Freitag Abend in der Halle und ich kann es nicht oft genug betonen: Wer einen Song wie „We’re Pirates“ schreibt und live darbietet, kann gar nicht verlieren. Ein Übersong vor dem Herrn und wer Bands wie BLIND GUARDIAN oder RUNNING WILD mag sollte hier unbedingt mal zuhorchen, obwohl die Band kein purer Abklatsch ist und durchaus ihre eigene Identität hat. Und ebenso wie heftig rockende Power Metal Hymnen gibt’s aber auch gefühlvolle Balladen oder eben Songs, die gerne mal zwischen Gefühl und Power pendeln. Einfach eine geile deutsche Power Metal und der perfekte Abschluss für diesen Freitag auf dem BYH!!! Und hoffentlich bringt die Truppe dann auch bald das schon lange angekündigte dritte Album auf den Markt. Es wird Zeit für neues Futter.

Samstag, 14.07.2012

Zu ihrem 30jährigen Geburtstag traten die Frankfurter Äbbelwoi Thrasher TANKARD auch in Balingen auf bevor‘s im Herbst dann in besagter Stadt ein richtig dickes Jubiläumskonzert gibt. An diesem Samstagnachmittag aber wurde schon mal gezeigt wo der Hammer hängt und es ging direkt mit „Zombie Attack“ in die Vollen. Gerre, wie immer ein Derwisch auf der Bühne, hüpfte von einer Seite zur anderen, animierte, klatschte, sprang, lief, freute sich und sang auch ab und zu. Wobei man sagen muss, dass das Abnehmwunder der Metal Szene aber anscheinend wieder ein paar Pfund mehr auf den Rippen hat als zum Ende der Wette mit seinem Außerbandlichen Kumple Bobby. Egal, ich pers. find’s sogar besser, haben mir seine Gesangsqualitäten doch immer besser gefallen, wenn da etwas mehr auf den Rippen war. Das T-Shirt wird freilich auch immer gelüftet und so kommen „The Morning After“, „Rules For Fools“ oder „Chemical Invasion“ zum Zuge. Aber natürlich hat Gerre auch Mitstreiter: Andy an der Gitarre fegt ebenfalls über die Bretter, spielt präzise seine Riffs und Solis und mir fiel an diesem Nachmittag mal auf, das der Gute eigentlich immer eine richtig gute Leistung hinlegt, dafür aber kaum irgendwo groß erwähnt wird. Könnte auch mal Zeit werden. Basser Frank hatte wie immer Spaß in den Backen, hüpfte ebenfalls schön rum und freute sich in der Band zu sein und drummer Olaf …. ist eben Olaf. Er ballerte seine drums natürlich auch ordentlich, leider bekam ich den Guten nicht so zu Gesicht um jetzt explizit etwas zu schreiben. Aber wie sagt man so schön: Wer nicht negativ auffällt, hat wohl alles richtig gemacht. Und wie konnte es anders sein, als diesen Gig, der mir fast besser als der RockHard Gig gefiel, mit einem „Rätttätttääätääätäätäää….“ zu beenden. Ihr wisst was ich meine.

AXXIS starteten 1989 mit ihrem Debüt Album direkt richtig los und konnten diesen Status auch eine Zeitlang halten, bis eine kleine Durststrecke kam die letztendlich in einem Nachfolge Album von „Kingdom Of The Night“ und in den letzten Jahren im Keyboardlastigen und mit Frauengesang angereicherten Power Metal gipfelte. Doch das ist auch schon wieder einiges her und zwischenzeitlich tourte man mit einem „Best Of der Frühzeit“ Programm um vor ein paar Wochen ein reines Disco-Coveralbum raus zu bringen. Das alles klingt etwas orientierungslos und so kam mir die Band leider auch anfangs auf der Bühne vor. Sicher, Bernhard ist immer ein Hingucker wert und hat immer lockere Sprüche auf den Lippen, aber irgendwie zündete die Show nicht so recht, obwohl man schon mit dem Titelsong des Debüts startete. Auch „A Little Bit Of War“, „Save Me“ oder „Stay Dont Leave Me“ konnten das Ruder nicht recht rumreißen. Doch als die von anderen Live Songs bekannte Akustik Einlage kam änderte sich alles. Statt wie üblich irgendeinen Fan auf die Bühne zu bitten, um ihm das Tamburin zum nächsten Song beizubringen kam diesmal ein kleiner Junge nebst Langhaar Perücke und Luftgitarre auf die Bühne. Und was dann folgte war einfach nur sehenswert, cool, lustig und rührend zugleich. Der Kleine stand so dermaßen im Mittelpunkt und nach ein paar Minuten richteten sich immer mehr Köpfe gen Bühne und verfolgten das außergewöhnliche Spektakel. Eine richtig klasse Aktion die da lief und dem Jungen unvergessene Momente beschert haben dürfte.
Jedenfalls hatten AXXIS danach viel mehr Aufmerksamkeit als vorher und mit „Living In A World“ und „A Little Look Back“ richtig gute Hits am Start, die dieses Mal auch aus den hinteren Riehen lautstark abgefeiert und mitgesungen wurden. Schwacher Start, Ruder gewendet und ab wie eine Rakete. Bleibt zu hoffen das die Truppe genau solch eine Richtung auch wieder bei ihrem Stil auf den Alben findet. Wäre sonst schade drum.

Danach sollten Herr Scheepers und Co mit PRIMAL FEAR den Leuten ein wenig Schwung in die Hüften bringen und mit ihrem voll auf die Fresse Power Metal ordentlich die Kreissägen…äh sägen und kreisen lassen. Direkt als zweiter Song wurde der Überhit „Nuclear Fire“ dargeboten und genau wie am Vortag ORDEN OGAN sage ich einfach: Wer solch einen Hit an Bord hat, der kann einfach nicht mehr viel falsch machen. Und so taten es PRIMAL FEAR auch und es folgte die Single Auskopplung des letzten Albums „Bad Guys Wear Black“. Und welch ein Zufall kam in dem Refrain eine Zeile vor, die irgendwie fast jeder auf dem Platz mitsingen konnte: „Bang Your Head“. Aber es gab nicht nur Schema F Power Songs, denn PRIMAL FEAR haben ja bekanntlich vor ein paar Jahren die Kurve gekriegt und sich vom stoischen Power Metal hin zum Epischen gewagt und so gab es z.B. auch die Halbballade „Fighting The Darkness“. Coole Sache und vor allem professionelle Sache auf der Bühne, Ralf gehört immer noch zu den besten Power Metal Sängern – weltweit wohl gemerkt und wer das Glück hatte, einen der Herrschaften nach dem Gig noch kurz anzutreffen stellte auch ganz geschwind fest, dass da Bodenständige Typen ohne jegliche Starallüren agieren, was so eine Band nur noch interessanter macht. Daumen hoch.

PRIMORDIAL sind irgendwie krass. Ich kenne deren Alben nicht, war aber bei deren letzten BYH!!! Auftritt irgendwie ein klein wenig hypnotisiert, vor allem von Sänger Alan, der so dermaßen gefühlvoll und inbrünstig seine Texte vortrug, dass man wirklich dachte, der Mann leidet. Also schaute ich mir die Band nochmals auf anderen Festivals an, aber es überkam mich leider nicht mehr dieses Gefühl. Dieses Jahr sollte eine kurze Pause mit Essen etc. anstehen, da danach keine richtige Zeit mehr blieb und was passierte? Dieser Mensch mit weiß/rotem Gesicht zog mich schon wieder in seinen Bann so dass ich mir doch noch zwei Lieder komplett anschaute. Wer dieses Gefühl bei der Band schon mal erlebt hat, weiß wovon ich spreche und alle anderen sollten diesen Leuten eine Chance geben, sich für ein oder zwei Songs hinstellen und die Musiker beobachten. Denn es ist wirklich faszinierend, wie man so in einen „Bann“ geraten kann.

Trotz richtig guter Gigs über die schon fast zu Ende gehenden zwei bzw. drei Tage sollten immer noch Highlights folgen. Und der erste hörte auf den Namen SABATON. DIE Durchstarter der letzten Jahre aus Schweden. Doch hier kann man im Gegenzug zu einer holländischen Band die hier im Bericht extra keine Erwähnung findet nicht von Hype sondern von durchdachter und harter Arbeit reden. Und wenn man dann mit ansah, wie Sänger Joakim wie von der Tarantel gestochen beim Opener „Ghost Division“ über die Bühne lief, sprang und sprintete, der traute seinen Augen kaum. Aber keinesfalls hektisch, sondern einfach nur zur Musik passend Kraftvoll und koordiniert. Und mit mächtig viel Spaß in den Backen bei dem man deutlich sah, dass hier keine Show an sich geboten wurde, sondern richtiges Herzblut dahinter steckte. „Gott mit uns“ vom neuen Album, „Baptized In Fire“ oder „Carlus Rex“ hießen die Songs, bei denen Feuersäulen en masse aus der Bühne, auf der Bühne und um die Bühne schossen und man sich fragte, wie bei der ganzen Bewegungsfreude der gesamten Band dies so koordiniert werden konnte, dass sich niemand verletzte. „The Art Of War“ und „Primo Victoria“ wurden ebenfalls gezockt und alles klang perfekt harmonierend aufeinander abgespielt und ich erwähne dies deswegen, weil ja noch vor einigen Monaten vier der sechs Mitglieder auf einen Schlag nach Einspielung des neuen Albums ausgetauscht wurden. Eine krasse Sache und wer nicht mit Scheuklappen vor den Augen rumrennt oder einfach nur ein engstirniger Ignorant ist, der weiß bei solch einer Show, warum die Musiker da stehn wo sie sind: Nämlich fast ganz oben.

GOTTHARD absolvieren zur Zeit ihre ersten Gigs mit dem neuen Sänger Nic Maeder. Sein 2010 verstorbener Vorgänger Steve Lee war nicht nur das Aushängeschild der Band und ein großartiger Sänger, sondern auch ein erstklassiger Entertainer. Auf dem neuen Album „Firebirth“ hinterlies der Schweiz/Australier schon einen sehr guten Eindruck und er konnte auch live überzeugen. Nic Maeder ist live etwas lässiger und verkörpert mehr den Rock`n Roller, im Gegensatz zu Steve Lee, der eher der Charmeur und Entertainer war. Gesanglich hatte Nic Maeder keine Probleme. Bei den neuen Songs sowieso nicht, aber auch das Lee-Material „Dream On“, „Sister Moon“ oder „Gone To Far“, hat er ohne Abstriche drauf. Neue Songs, wie „Starlight“ und „Remember it`s me“, passen perfekt in den Set. Auf einen Akustik-Part wurde diesmal verzichtet, dafür gab es „One Life, One Soul“ in einer Piano-Version. Auf die Headliner Tour im Herbst kann man also gespannt sein. Die Spielfreude war der gesamten Band anzusehen. Gitarrist Leon ließ sich auch nicht von einem Problem mit seinem Sender aus der Ruhe bringen. So spielte er halt mit Kabel den restlichen Set, mit dickem Grinsen im Gesicht, fertig. Eine der besten Hardrock Bands in Europa ist wieder am Start!

Es wurde viel gemeckert, ob man EDGUY als Headliner fürs BYH!!! stellen kann. Doch Veranstalter Horst hielt daran fest und man kann ihm zu seiner Entscheidung nur gratulieren. Sicher, das Argument hier haben schon Bands wie TWISTED SISTER an gleicher Stelle zu gleicher Uhrzeit gespielt ist nicht von der Hand zu weisen. Aber dann vergleicht doch nur mal, wer dieses Jahr so auf dem RockHard Festival als Headliner war (und nach Publikumsmeinung auch bestanden hat, was vorher auch angezweifelt wurde) und wer dort schon Headliner war. Jedenfalls kamen Tobi und seine Fulderaner wie immer gut gelaunt auf die Bühne und zockten ihre Songs. Tobi lieferte sich ein paar Scherze mit BYH!!!‘s Horst, was einige ebenfalls missverstanden (wollten) und sorgte zumindest bei mir und beim Großteil des Publikums für gute Laune, bis es mitten in einem Song ein Krachen gab und nur noch der Background Gesang zu hören war. Und genau das, was man vermutet war geschehen: Tobias Sammet landete unverhofft im Fotograben. Und das schmerzhaft. Doch anstatt abzubrechen forderte er den anwesenden Arzt auf, ihm direkt hinter der Bühne die gebrochene Nase zu richten und seine Schürfwunden und Prellungen später zu behandeln. Und irgendwie ist es fast unglaublich, aber der Mann sang über eine Stunde richtig souverän, etwas näselnd, durch seine gebrochene Nase und lief über die Bühne und scherzte sogar noch, als wäre nichts geschehen. Meinen allergrößten Respekt dafür und ich möchte diejenigen, die sowas als professioneller Sänger so durchziehen und eigentlich mehrmals gesagt bekommen, sie sollen doch abbrechen, gerne allesamt zu mir nach Hause einladen, damit ich einen ausgeben kann. Und warum? Weil es billig wird, denn ich könnte wetten, dass außer Herrn Sammet nur zwei oder drei weitere erscheinen würden. Also Dauernörgler, Tobi-Mißversteher, Humorlose Menschen und sonstige „Ich-mach-mich-jetzt-durch-Meckern-mal-zum-Mittelpunkt“ Menschen: Einfach mal Fresse halten.
Songs wie „Superheroes“, „Ministry Of Saints“ oder sogar „Out Of Control“ gab’s natürlich auch noch, aber das war ganz klar Tobi‘s Sternstunde. Hoffentlich geht seine Genesung bald voran und hoffentlich sind jetzt alle Lästermäuler gestopft. Ersteres mag noch in Erfüllung gehen, zweites leider nur ein Wunschgedanke.

Zum krönenden Abschluss eines gelungenen Festivals mit vielen Überraschungen gab‘s dann noch die Knüppelmaschinerie EXODUS in der Halle und dort wurde gemosht was das Zeug hält. Klar feuert Rob die Menge immer wieder zu einem „fuckin moshpit from there other there“ an, aber hier schüttelte sogar ein erfahrener Lee lächelnd den Kopf über die ausrastende Meute. Da das BYH!!! traditionell eher etwas ruhiger zu geht waren hier wohl einige, wie auch ich selbst, nicht so ganz ausgepowert und holten dies jetzt in der kurzen Spielzeit der Bay Area Thrasher nach. Auch ohne ihr Gründungsmitglied Gary, der zur Zeit bei SLAYER den guten Jeff vertritt, überzeugten die Jungs und das, obwohl sich Rick während dem Auftritt ebenfalls durch einen Ausrutscher eine Rippe brach. Zum Schluss bekam dann ein kleiner Junge (der selbe wie bei AXXIS???) noch auf der Bühne ein Plektron geschenkt und man wunderte sich, wie so viel Spaß, so viele unglückliche Unfälle und ein oder zwei Vollpfosten doch zusammen an einem Wochenende passieren können.

Es war ein geiles BANG YOUR HEAD!!! mit guten Bands, geiler Stimmung, einem eigentlich guten Wetter (hätte schlimmer sein können), tollen Leuten, dummen Zwischenfällen und viel Musik und Drinks. Und auf jeden Fall ein BANG YOUR HEAD!!! das einem gezeigt hat, es ist es verdammt nochmal wert, 2013 wieder zu erscheinen.

Und jetzt noch ein paar bilderhafte Impression von Alexandra Schäfer:

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Ein Gedanke zu „BANG YOUR HEAD!!! 2012 Nachbericht

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