Lars Ramcke von STORMWARRIOR im Interview

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Mit ihrem letzten Album „Heathen Warrior“ haben STORMWARRIOR wieder einmal ihr Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Frontmann Lars Ramcke stand uns Rede und Antwort in einem Interview. Was dabei rauskam, könnt ihr hier nachlesen:

Metalize.Me:
Hallo Lars Herzlichen Dank für deine Zeit, bitte Stelle dich und die Band kurz vor.

Lars:
STORMWARRIOR
entstammen dem dänischen & norddeutschen Raum und bestehen aus Alex Guth (Guitar), Hendrik Thiesbrummel (Drums), Yenz Leonhardt (Bass & Vocals), sowie Lars Ramcke (Vocals & Guitar). Den genauen Discographie-Werdegang will ich jetzt zur Abwechslung mal nicht wieder auspacken. „Heathen Warrior“ ist unser viertes full-length Studioalbum und das erste, welches über Massacre Records das Licht der Welt erblickt hat. Nachdem das Vorgängeralbum von Tommy Hansen gemastert wurde, hatten wir uns bereits kurze Zeit nach Release des letzten Albums dazu entschlossen dieses Mal neben dem Mastering auch den Mix mit Tommy zu gestalten.

M.Me:
Euer neues Album “Heathen Warrior” bekam sehr gute Kritiken, es heißt ihr habt euch deutlich weiterentwickelt und konntet das letzte Album toppen. Wie siehst du selbst die Entwicklung der Band?

Lars:
Im Prinzip genau so. Ich denke mit dem aktuellen Album können wir erneut unsere Eigenständigkeit untermauern. Es wurde bewußt etwas mehr Platz in den Songs geschaffen, um unsere epische Seite noch weiter auszubauen. Zudem haben wir dieses Mal auch bereits beim Songwriting ein Auge auf die textliche Entwicklung während der Songs geworfen, so daß an einigen Stellen die lyrischen Aussagen sogar Vorrang gegenüber der Musik als solche erlangt haben. Dafür braucht vielleicht der ein oder andere eben 1-2 Durchläufe mehr bis dieses Album auch verstanden ist, aber dafür nutzt sich das Ganze eben auch nicht so schnell ab.

M.Me:
Euer Songwriting ist wie gewohnt gut und außergewöhnlich. Woher nimmst du / ihr die Inspiration?

Lars:
Danke, das hört man gerne. Meistens ergibt es sich eben einfach so beim „Daddeln“, daß man irgendwann auf das jeweilge Haupt-Riff stößt und dann spielt man einfach weiter. Manchmal hat man dann das Grundgerüst des Songs innerhalb von einer Stunde zusammen, manchmal kommt man aber auch nicht weiter und muß erst Text bzw. Thema oder manchmal auch einfach nur „irgendeine“ Gesangslinie haben um weiterzukommen. Eine einzige direkte Quelle die man jederzeit bereit steht und „angezapft“ werden kann, wenn man sich ins Songwriting stürzt und einem sofort „ohne Stromunterbrechung“ mit der nötigen Muse versieht, gibt es aber natürlich nicht (sonst wären wir ja irgendwie bei einer Art „Pick of Destiny“ angelangt…haha!) Das ist auch bei jedem Song anders. Mal hat man einfach irgendeine Textzeile im Kopf und begibt sich dann hinterher auf die Suche nach dem passenden Textthema und baut dann den Song drumherum, manchmal hat man auch einen Berg von Notizen aus historischen, archäologischen oder auch kulturellen Quellen zu einem Thema und hat parallel bereits einen Song komplett ohne Lyrics aufgenommen, zu dem dann das Thema stimmungsmäßig einfach perfekt passt. Meistens sind dann noch einige Verfeinerungen im Arrangement nötig um die Idee dahinter dann auf den Punkt zu bekommen, aber das bestimmt dann im Endeffekt der Verlauf des Textes sozusagen von ganz alleine, da sich ja bereits beim Text-Verfassen eine gewisse Grundstimmung des musikalischen Materials im Kopf dazu entwickelt. Je nachdem wie diese dann ausfällt, wird sie dann auf das Songgerüst übertragen, bis alles irgendwann aufgeht.

M.Me:
Wie wurde die neue Platte aufgenommen? Gab es Probleme, schöne Erlebnisse?

Lars:
Produziert wurde die Scheibe erneut im hauseigenen „Thunderhall Studio“, wobei dieses Mal Yenz wie auch Alex die Ausarbeitungen und Aufnahmen ihrer Parts weitestgehend in Eigenregie absolviert haben,bevor dann eventuelle nachträgliche Abänderungen beim Zusammenfügen aller Spuren wieder im Studio gemacht wurden und man zum Mixen und Mastern dann zu Tommy gefahren ist. Für die Drumsession wurde ein Großteil des Studios in ein mobiles Aufnahmestudio verwandelt, da wir für die Drumaufnahmen kurzerhand eine für musikalische Zwecke umgebaute Scheune auf bäuerlichen Familienbesitz unseres Drummers in einen Drumrecordingroom nahe Bielefeld umfunktioniert haben. Probleme gab es natürlich ständig, irgendwas is ja immer… Ob es jetzt der Bandscheibenvorfall unseres Drummers kurz vor den Aufnahmen war oder die üblichen Microsoft-Geschichten, es kommt eben immer irgendetwas Unvorhersehbares dazwischen, was dann den Zeitplan wieder über den Haufen wirft. Dieses Mal waren wir auch aus Zeitgründen relativ gezwungen mit den Albumaufnahmen zu beginnen, als noch nicht alles vollständig ausgearbeitet war, so daß ein Großteil des Albums quasi beim Aufnehmen zu Ende arrangiert wurde, wozu auch noch einige Texte gehörten. So lange man dann noch wirkliche kreative künstlerische Arbeit zu leisten hat, und eben noch keine abschließende „left-to-do – Liste“ vor sich hat, ist es natürlich sehr schwer genau vorherzusagen, zu welchem absoluten Zeitpunkt das Album nun fertig sein wird, daher auch die Unruhen bezüglich des finalen Release-Datums. Ich kenne einige Bands, die aus Termingründen dann eher auf einige Sachen scheißen, die sie gerne noch an Ausarbeitung am Album geleistet hätten, dazu gehören wir aber nicht. Da ziehen wir dann lieber den Zorn des Business auf uns, als daß ein Album herauskommt, mit dem wir nicht zu mindestens 100% zufrieden sind.

M.Me:
“Heathen Warrior” ist ein typisches Power-Metal Album, welches viele Klischees erfüllt (Angefangen beim Cover), wer hat dieses Entworfen und hat es eine Bedeutung?

Lars:
„Heathen Warrior“ ist mit ziemlicher Sicherheit eben kein typisches Power Metal Album, genauso wie STORMWARRIOR eben keine typische Power Metal Band darstellt. Das mal nur am Rande. Das Cover stammt erneut von Uwe Karczewski und es zeigt Odin mit seinen Begleitern, wie er bildlich gesprochen die Kunde der alten, vorchristlichen Zeit uns erneut überliefert, was sich zum Teil natürlich entsprechend aus den Texten dann ergibt.

M.Me:
Nehmt ihr in euren Songs bezug auf Mythen / Geschichtliche Ereignisse? Wenn ja: Welche sind es?

Lars:
U.a. nehmen wir auf diesem Album auch Bezug auf einige „Mythen“ oder auch heidnische Bräuche, die zum Großteil von der Kirche vereinnahmt wurden, da sie zu tief in der Volkseele verwurzelt waren, als daß sie den Leuten „ausgetrieben“ werden konnten. So handelt „Wolven Nights“ beispielsweise von den 12 Rauhnächten zur Zeit der Wintersonnenwende und des Jahreswechsels (heutzutage kommt da eben ein christlicher Coca-Cola Mann und es wird uns gesagt, daß wir an irgendeinen Typen mit Nägeln inne Hände und inne Füße glauben sollten…), in welchen in alter Tradition Kontakt mit dem Jenseits aufgenommen wurde um Frieden mit dem Totenreich zu schließen, das kommende Jahr zu orakeln (was von der Kirche dann später als Hexerei bezeichnet und verfolgt wurde…), etc.. und in welcher Zeit nach alter Überlieferung Odin und sein wildes Gefolge aus dem Totenreich des nachts umherstreift und jeden heimsucht der nicht Frieden mit sich selbst und dem Jenseits geschlossen hat (hiervon handelt dann „The Ride of Asgård“). „Bloode To Bloode“ hingegen basiert auf den Merseburger Zaubersprüchen und den Heilungskräften Odins. Die Spruchformel im Refrain wurde übrigens später auch wieder „christianisiert“ bzw. dem Christentum und ihrem „Weinmacher“ angedichtet… In „The Valkyries Call“ wird geschildert, wie nach altem Glauben die Schlacht gesehen wurde (die Walküren sitzen hier an ihren Webstühlen und spinnen den Verlauf der Schlacht und entscheiden so über Sieg und Niederlage, während sie zur selben Zeit die Gefallenen auf die Odinsburg geleiten. Ansonsten dreht sich das Album eben primär um die heidnische Weltanschauung, in welcher Kampf einen wichtigen Teil des Lebens einnahm. Damals halt der Überlebenskampf, auf die heutige Zeit angewendet, könnte dies genauso gut der Kampf sein, sich nicht vom Strom der Gesellschaft einnehmen zu lassen, sondern für seine eigene Anschauung einzustehen. Auch wenn das Album kein klassiches Konzeptalbum an sich darstellt, kann man in jedem Song einen Bezug zu Odin bzw. zum Odinskult oder eben zur vorchristlichen Zeit als solche herstellen.

M.Me:
Was war euer witzigestes / peinlichstes Erlebnis auf Tour?

Lars:
Puuhh… keine Ahnung. Sehr peinlich, aber im Nachhinein eigentlich auch wieder lustig, war auf jeden Fall eines unserer ersten Konzerte im Hamburger Ballroom, als unser damaliger Bassist vor der Show doch glatt vergessen hatte, daß wir nicht im Normaltuning spielen, sondern einen Halbton tiefer. Wenn man dann auf der Bühne einen sehr undifferenzierten Sound hat und fast nichts raushört, kann es schon mal 1-2 Songs dauern bis die Meute von dieser „Wohlharmonie“ erlöst wird…haha!

M.Me:
Welche Mode sollte mal wieder „in“ sein?

Lars:
Frisurentechnisch war die Blazon Stone Fotosession natürlich fast schon unschlagbar… Eigentlich interessiert es mich aber auch überhaupt nicht wie andere Leute nun rumlaufen. Stretchjeans & Kutte sind sowieso zeitlos… Was mich persönlich wundert ist wieso diese alten Mittelalter-Umhänge „in den letzten Jahren“ aus der Mode gekommen sind. Gerade im Winter kommen diese doch recht nützlich.

M.Me:
Was denkst du über Web- / Fanzines?

Lars:
An und für sich halte ich das für eine positive Sache, da man so auch mal direkt an die Meinung der Basis gelangt.
Allerdings gibt es leider eben auch einige „schwarze Schafe“, wo man irgendwie den Eindruck nicht los wird, daß die so betitelte „journalistische Tätigkeit“, die von so manchem Schreiberling angeblich ausgeführt wird, lediglich den Zweck erfüllen soll, gratis an die aktuellen Neuerscheinungen bzw. auf die
Gästelisten für Konzerte oder Festivals zu kommen. Das muß man leider auch wirklich einmal so sagen. Von den Spinnern, die jedes neue Album einige Stunden nach Erhalt der Promoversion direkt ins Netz stellen, will ich gar nicht erst anfangen.
Anstrengend wird es natürlich auch immer, wenn in den Interviews zu jedem neuen Album wieder dieselben alten Fragen gestellt werden, die mittlerweile nun wirklich fast allen bekannt sein dürften oder falls eben doch nicht, auf jeden Fall aber auf unserer Website nachgelesen werden können, nur weil das
jeweilige Magazin relativ neu am Start ist und bisher noch nichts über STORMWARRIOR berichtet hat.
Das soll jetzt nicht arrogant rüberkommen, aber so wie die Leute davon ausgehen, daß ich als Musiker vorm Gitarre aufnehmen mich damit auseinandergesetzt habe, wie dieses Instrument denn überhaupt funktioniert, gehe ich grundsätzlich genauso davon aus, daß sich eben auch die journalistische Seite
vorher über die jeweilige Band informiert, bevor sie ihre Fragen formuliert.
Zum Glück ist derartiger „Journalismus“ ja aber nicht die Regel…

M.Me:
Wer – tot oder lebendig – sollte auf eurer Gästeliste stehen?

Lars:
Sven Gabelbart und William Wallace.

© Artikelfoto: Massacre Records

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Florian Franck

Hallo! Ich bin Florian und ich liebe Musik. Ich teile hier mit anderen Schreibern meine persönlichen Interessen und Vorlieben. Ich schreibe nicht nur über Musik, sondern über Themen, die mich bewegen und inspirieren. Nebenbei befasse ich mich auch mit der Aufnahme von Videos und deren Schnitt.