BROILERS: Kommerz-Verrat, Druckbetankung & harte Arbeit

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Kommerz-Verrat, das wird den Broilers im Internet des öfteren vorgeworfen. Damit sind sie nicht alleine. Auch das Punk-Urgestein „Die Ärzte“ freut sich öfters öffentlich über solche Aussagen anonymer Kritiker.
Wer jedoch das Glück hatte, am 31.10.2011 in der Münchner Tonhalle persönlich anwesend zu sein, konnte sich vom Gegenteil überzeugen. Die Broilers gaben da ihr Abschiedskonzert der „Santa Muerte„-Deutschland-Tour. Sie rockten die Bühne mit viel Altem und viel Neuem, gaben spontan zusammen mit der (ebenfalls sehr sehenswerten) Vorband „The King Blues“ ein Ständchen und taten vor allem eines: Sich immer wieder bei den anwesenden Fans dafür bedanken, dass diese das ermöglicht haben.
Nicht zuletzt diese Mischung führte wohl zu einer extrem gut gelaunten Tonhalle, wie sie München selten erlebt hat. Oder um es mit den Worten des Broilers Keyboarders Chris auszudrücken: “ Mir wurde gerade erzählt, dass bei Morrissey weniger los war.“

Mit Chris haben wir uns vor dem Konzert in dem Nightliner der Band für ein Interview getroffen. Darin redet der Broilers-Keyboarder unter anderem über Geburtstage, harte Arbeit, Druckbetankung und überraschend sympathische Franzosen.

Metalize.Me: 
Die Broilers gibt es nun seit 1994. Nächstes Jahr werdet ihr also praktisch Volljährig. Habt ihr irgendwelche besonderen Pläne zum 18.?

Chris: 
Ne, zum 18. nicht. Zum 15. haben wir ja unsere DVD als Retrospektive der letzten 15 Jahre herausgebracht. Der nächste Runde wird dann 20 Jahre, da wird s dann wieder etwas Nettes geben. Aber jetzt zum 18. gibt es keine besonderen Pläne.

Metalize.Me: 
Aber ihr feiert schon ganz gerne?

Chris: 
Ja, wir feiern generell gerne. (grinst) Dafür brauchen wir aber keinen Anlass. Da müssen wir nicht erst 18 werden.

Metalize.Me: 
Ihr habt ziemlich lange parallel zur Band gearbeitet und die Band praktisch mehr nebenbei betrieben. Jetzt könnt ihr euch endlich nur noch auf die Band konzentrieren.

Chris: 
Ja, jetzt ist gerade der Punkt erreicht. Nach der Tour wird es so sein, dass wir von der Band leben wollen. Mal gucken inwieweit das klappt. Ich persönlich habe noch eine halbe Stelle, werde also nicht ganz aufhören zu arbeiten. Der Rest ist jetzt soweit, dass sie tatsächlich von der Band leben können.

Metalize.Me: 
Eine halbe Stelle als was?

Chris: 
IT-Berater. Ich habe Informatik studiert und arbeite in der IT-Branche. Und mit Familie reicht es dann doch noch nicht ganz von der Band.

Metalize.Me: 
Ist das nicht ziemlich schwierig alles unter einen Hut zu bringen?

Chris: 
Ja, das war schon ziemlich anstrengend bis jetzt. So ein Fulltime-Job plus Familie plus drei mal die Woche Proben plus Konzerte. Da geht schon alles an Jahresurlaub drauf. Ich bin schon ganz froh, dass wir das wir das Ganze nun ein bisschen gesplittet haben und dass nun auch finanziell von der Band etwas übrig bleibt. So kann man sich mehr auf die Band konzentrieren, aber hat auch mal wieder ein bisschen Privatleben.

Metalize.Me: 
Hattet ihr denn die letzten Jahre jemals wirklich Urlaub?

Chris: 
Nicht so richtig. Alles was wir an Freizeit aufbringen konnte, ist in die Band geflossen. Das ist damit das Hobby Nummer eins und zugleich der Urlaub für alle.

Metalize.Me: 
Hört sich anstrengend an.

Chris: 
Das ist es auch.

Metalize.Me: 
Ist das vielleicht auch ein bisschen mit der Grund warum ihr etwas empfindlich reagiert, wenn Leute im Internet konstant nörgeln über das was ihr macht?

Chris: 
Ich glaube da muss man ein dickes Fell entwickeln. Das wird es immer geben. Hatten wir gerade heute erst wieder. Wir hatten eine zwei Stunden lange Signing-Session im Mediamarkt hier in München. Da war auch einer, der sich nach Druckbetankung von weiß ich nicht wie vielen Bierchen aufführen musste über diesen „Kommerz-Verrat“. Der wurde dann freundlicherweise von der Mediamarkt-Security entfernt. Da konnte er dann noch ein bisschen randalieren. Solche Leute gibt es immer. Wenn sie meinen, sollen sie’s tun. Ich finde es gut, dass wir jetzt machen können worauf wir Bock haben und dass wir die Zeit investieren können in das was wir am liebsten machen, nämlich Musik! Wer möchte denn nicht sein Hobby zum Beruf machen können? Und wenn die Chance besteht – warum nicht?

Metalize.Me: 
Überwiegt die Freude darüber oder die Angst vor der Ungewissheit und ungewohnt viel Freizeit?

Chris: 
Natürlich hat man da auch ein bisschen Existenzangst, ob das jetzt auch alles so klappt. Musik ist ja schließlich kein Business in dem man sagen kann, dass das jetzt die nächsten 20 oder 30 Jahre bis zur Rente sicher so weiter läuft und dann ist alles gut. Das ganze kann zwei Jahre gut gehen, es kann aber auch in drei Jahren komplett vorbei sein. Das Risiko gibt es. Aber wenn man es nicht eingeht, wird man es nie schaffen.

Wir haben hier das Interview auch noch einmal als Podcast und in voller Länge für euch:

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