DAVID GARRETT mit Music

Seit Jahren wird David Garrett von Kritikern spöttisch belächelt. Weder sein anhaltender Erfolg noch seine weltweit ausverkauften Tourneen scheinen daran etwas zu ändern. Für die Liebhaber der klassischen Musik muss David Garrett wie der aufmüpfige Teenager sein, der mit zerrissenen Jeans und Nasenring zum Geburtstag der Oma kommt. Sein musikalisches Talent ist unbestreitbar, aber vielleicht ist gerade deswegen seine ungezwungene Lockerheit, der moderne Crossover zwischen Klassik und Rockmusik und die damit verbundene schon fast frevelhafte Interpretation der heiligen Klassiker, vielen Klassik Fans ein Dorn im Auge.

Die Rockszene nimmt ihn aber leider auch nicht ernst. Ein paar Tattoos, lange Haare und Coverversionen von Metallica oder Nirvana machen aus einem klassischen Musiker noch lange keinen Rocker.

Und weil die Wartezimmer Blätter eher große Bilder und wenig Text aufweisen, wird David Garrett dort meistens als geigender David Beckham, Frauenversteher oder Casanova zu den aktuellen Liebesdingen in seinem Leben befragt.

David Garrett ist in den letzten Jahren vor allem durch die Verknüpfung von klassischer Musik und modernen Rocksongs bekannt geworden. Crossover nennt er das Ganze und unweigerlich kommen Bands wie Apocalyptica oder Subway To Sallys in den Sinn.

Während die anderen Künstler sich der Klassik bedienen, um die eigene Musik zu interpretieren oder in besonderem Rahmen zu präsentieren, geht David Garrett einen anderen Weg. Er versucht auch junges Publikum für Klassik zu begeistern und zu zeigen, dass klassische Musik nicht ernst und angestaubt sein muss, sondern mitreißend sein kann, Emotionen weckt und Spaß macht. Rock- und Popsongs sind sein Mittel, um die Klassik einem Publikum nahe zu bringen, das bisher bei Beethoven das Bild eines Bernhardiners vor Augen hatte.

Wer zu den Songs von David Garrett mit den Beinen anfängt zu wippen, für den haben wir eine Liste mit Tanzmusik zusammengestellt.
Das perfekte Warm-Up-Programm für die nächste Partynacht: Tanzmusik auf Partys

Man muss auch ehrlich zugeben, dass es nicht viele Künstler gibt, die in der Lage sind „We Will Rock You“ von Queen aus der Musical-Mitklatsch-Fremdschäm-Ecke in eine coole Nummer zu verwandeln, aber David Garrett hat genau das auf seinem aktuellen Album „Music“ geschafft.


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Den Einstieg in das aktuelle Crossover Album „Music“ macht Coldplay’s „Viva La Vida„. Das Original ist natürlich mit dem ersten Ton unverkennbar, vor allem zeigt sich jedoch gleich mit diesem Stück, wie perfekt Rock- und Pop-Songs mit klassischen Instrumenten und besonders mit der Geige interpretiert werden können.

Fast zwei Minuten wird das Stück ausschließlich durch die Geige getragen, bis das komplette Orchester geradezu episch einsteigt. Dabei gelingt es David Garrett jedoch, trotz der rockigen Untermalung, die Geige nicht wieder in den Hintergrund rücken zu lassen, wie dies leider bei anderen Künstlern oft der Fall ist, die klassische Instrumente zur Unterstützung benutzen.

Die musikalische Offenheit von David Garrett ist beeindruckend. Schubladendenken scheint ihm fremd zu sein. Es gibt kein Genre, mit dem er sich nicht beschäftigt. Auf die Idee zu kommen, ein Lied aus der Techno Bewegung zu arrangieren, wie hier im Falle von Sandstorm, verdient Respekt.

Mit „Cry Me A River“ hat er sich eine typische R ‚n` B Nummer ausgesucht und die Entdeckung, dass eine Geige Groove besitzt, dürfte für viele Zuhörer eine völlig neue Erkenntnis sein.

David Garrett kommt jedoch aus der Klassik und so dürfen diese Werke nicht fehlen. Beethoven’s Scherzo kommt in gewohnt klassischer Orchestrierung daher. Obwohl die Dynamik auch in der originalen Partitur wechselt, bringt David hier eine rockige Komponente, die man so dem alten Beethoven nicht unbedingt zugetraut hätte.

Bereits auf „Rock Symphonies“ entdeckte David Garrett Mash Ups für sich und „Vivaldi vs Vertigo“ ist nicht nur ein schwungvoller Start in den Arbeitstag, sondern eignet sich ganz hervorragend für den letzten Sprint beim Joggen. Dieses Mal erscheint die von ihm gewählte Kombination aus Led Zeppelin’s „Whole Lotta Love“ und dem Bond Theme ebenfalls ungewöhnlich. Zumindest wenn man Musik nur bis zur fünften Klasse hatte. Dankbarerweise liefert David aber auf „Music“ zu jedem Stück eine kleine und sehr interessante Erklärung. In diesem Fall haben beide Stücke die gleiche Harmoniefolge und ergänzen sich zu „Whola Lotta Bond„.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, wird bei der Nummer „Clementi Sonatina“ noch mal im Booklet nachsehen, denn die Melodie dieses Stückes wird den meisten als „Groovy Kind Of Love“ von Phil Collins im Ohr geblieben sein. Der gute Phil Collins hatte sich aber hier ebenfalls einer Klassik Nummer bedient und diese in eine Pop Nummer gewandelt.

„Music“ bietet eine gelungene Fortsetzung der Alben „Rock Symphonies“ und „Legacy“. Abwechslungsreich schafft David Garrett wieder einmal bekannte moderne Nummern auf ungewöhnliche Weise klassisch neu zu arrangieren. Man muss danach natürlich nicht losgehen und alle Werke von Vivaldi kaufen und sicherlich auch nicht die Berliner Philharmonie besuchen. Aber wenn man das nächste Mal zufällig ein Werk von Beethoven hört und sagt: „Das kenn ich doch von David Garrett!“, dann ist das sicherlich nicht das schlechteste.

David Garrett wurde vor kurzem in Berlin mit dem Klassik Echo für sein Album „Legacy“ in der Kategorie „Bestseller des Jahres“ ausgezeichnet. Für seine musikalische Darbietung wählte er ein klassisches Werk. Beethoven’s Scherzo. In der Rockversion. Dem Anlass entsprechend gekleidet. In einem schwarzen Sakko, klobigen Stiefeln und einem modischen Designer Loopschal.

Denn eigentlich ist David Garrett ein klassischer Rocker.
http://www.david-garrett.com/de

David Garrett - Music (Cover)
David Garrett – Music

Tracklist:

1. Viva La Vida
2. Cry Me A River
3. Beethoven Scherzo
4. Human Nature
5. Tico Tico
6. Chopin Nocturne
7. Whole Lotta Bond
8. Clementi Sonatina
9. Sandstorm
10. Music
11. Sabre Dance
12. Bach Double Harpsichord Concerto In C Major
13. We Will Rock You
14. Celtic Rondo
15. Ode To Joy

Album:
David Garrett – Music
http://www.amazon.de/David-Garrett/e/B001LHEODK/

Label: Universal Music
http://www.universal-music.de/david-garrett/home?gclid=CMLW8N3ZjLMCFURf3godtyQAmw

© Artikelfoto: Christopher Dunlop / Universal Music

 

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